Technologie

Googlephone Nexus One

Ist das Nexus One ein iPhone-Killer?

Ich könnte jetzt vergleichen, wie die Usability aussieht: Apple deutlich vor Google. Oder ich könnte die App-Stores in die Wagschale werfen: der von Apple ist umfangreicher, der von Google offener (und hat auch “Adult Content”, das war ja schon häufiger nicht unentscheidend). Ich könnte die Geräte an sich vergleichen: auch vom Design her hat Apple die Nase weit vorn; HTC mag der beste Schüler in der Klasse sein – aber Apple ist der Lehrer, der vor den Kindern steht. Vielleicht könnte ich auch tief in die Technik einsteigen und Chip für Chip vergleichen: hier scheint mir das Googlephone die Nase vorn zu haben. Ich könnte aber auch einfach auf mein Gefühl hören. Und das sagt:

Ja. Das Nexus One ist ein iPhone-Killer.

Vielleicht auch erst das Nexus Two. Und umbringen wird es das iPhone mit Sicherheit nicht. Aber sehr große Schmerzen wird es ihm hinzufügen, da bin ich sicher.

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Ushahidi – Collective Intelligence Agency

Ushahidi ist eine Art Social WikiLeaks (auch ein Projekt, dem man mehr Aufmerksamkeit widmen sollte) und hat den schönen, etwas sperrigen Claim “Crowdsourcing Crisis Information”. Ushahidi – das Wort bedeutet “Zeugenaussage” auf Suaheli – sammelt, sortiert und veranschaulicht Augenzeugenberichte. Es handelt sich um eine internetbasierte Plattform mit einer Software unter CC-Lizenz, die schnell auf einem Server aufgesetzt ist und sowohl vom Mobiltelefon wie auch vom Computer aus angesteuert werden kann. Man lädt Kommentare, Fotos, Filme, Tondokumente unter Angabe des Ortes und der Art des Zwischenfalls hoch und beantwortet so die Frage “Was ist hier gerade passiert?”

“Twitter für Krisengebiete” könnte man es nennen, aber würde damit nicht ganz der politischen Dimension gerecht. Eher schon handelt es sich um die Umsetzung des Gedankens, der im zivilgesellschaftlichen Sinn schön bei FixMyStreet.co.uk abgebildet ist – nämlich um die Nutzung der wahren Kollektiven Intelligenz, nicht um die oft mißverstandene, handelsübliche Verbrämung dieses Begriffs. Diese Eigenschaft des Netzes kommt überall dort zum Tragen, wo die Masse eine Qualität abbildet, die der Einzelne nicht oder nur mit allergrößter Energieaufwendung erreichen kann. In diesem Fall sind es foto- und filmgestützte Augenzeugenberichte, hier das aktuellste Beispiel aus dem Iran.
ushahidi_iranFunktioniert die mit Ushahidi betriebene Internetplattform gut und wird intensiv genutzt (was bei der iranischen Plattform noch nicht der Fall ist), dann ergibt sich etwa in einer Bürgerkriegssituation eine solche Vielzahl verschiedener Berichte von Zeugen, dass eine flächendeckende Fälschung erschwert oder je nach Material fast unmöglich wird. Die mediale Inszenierung einer Krise, wie sie etwa die Hamas in Gaza veranstaltet hat (die aber heute zum Handwerkszeug aller Kriegsparteien in sämtlichen Konflikten gehören dürfte), wird so ein kleines bißchen schwieriger – und das wiederum könnte durchaus (lindernde) Folgen haben für das Vorgehen bewaffneter Kräfte.

Denn diktatorische Herrscher wie Saddam Hussein, denen Fotos vergifteter Kurden völlig egal waren, weil sie kaum in der eigenen Bevölkerung ankamen, sind selten geworden. Nicht, weil es keine Unmenschen mehr in der Politik gäbe, sondern weil die meisten von ihnen verinnerlicht haben, dass auch in autoritären Staaten Information und öffentliche Meinung durchaus eine Rolle spielen. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass etwa die Milizen im Iran in ihren Gewaltexzessen ganz unmittelbar weniger grausam würden durch ein paar Handyfotos im Internet. Aber ihre Führung wird früher oder später den Befehl geben müssen, zumindest nicht mehr allzu offensichtlich Gewalt anzuwenden, um eine Flut ungünstiger Aufnahmen zu vermeiden. Denn ein einzelnes Foto kann man zur Lüge erklären, einen Film als Inszenierung abtun. Bei tausenden Schnappschüssen sieht das anders aus – die schiere Masse ergibt eine Wirkung, gerade auch im eigenen Lager.

Immer wieder begegnet mir die Frage, wie denn bitteschön das Internet die Welt besser machen könne. Hier ist ein Beispiel, das plakativer kaum sein könnte. Es sei denn, man bezweifelt allgemein den Wert von offen zugänglicher Information und politischer Transparenz. Aber dann hat man ganz andere Probleme.

via @Elquee

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Lange Landeswahlleitung – Vorabveröffentlichung der Bundestagswahlergebnisse in Bremen? [Update]

Das sieht gerade etwas zu dämlich aus, um sich darüber aufzuregen. In meinen Augen gibt es aber eine Nachspielgarantie. Auf einer frei zugänglichen Seite – und zwar der des Bremer Landeswahlleiters – ist ein Zwischenergebnis der Bundestagswahl 2009 zu sehen, ein Zwischenstand der Auszählung in Bremen – mehr als drei Stunden vor Ende der Wahl. Also noch nicht einmal irgendwelche Exitpolls, sondern echte Auszählungsergebnisse. Wenn es sich hierbei nicht um einen (technisch nicht unkomplizierten) Scherz handeln sollte, sondern echt ist, gibt es ein Problem. Vorsichtig gesagt. Und wenn jemand nach einem solchen Technik-Debakel immer noch an Wahlcomputer als Alternative glaubt, mit dem möchte ich dann gerne mal über eine lohnenswerte Geldanlage in Nigeria sprechen.

[Update]
Über Twitter meldet sich die WAZ-Publikation @DerWesten und hat recherchiert, dass es sich um einen Test handeln soll.

[Update II]
Alles deutet in der Tat auf einen Test hin, der einfach stehengeblieben ist, um die Leute ordentlich zu verwirren. Bei mir haben Sie es für ein paar Minuten geschafft, jedenfalls. Vertrauen in die Technologiekompetenz einer Landeswahlleitung sieht auch anders aus.

[Update III]
Berechtigte Nachfragen werden gestellt, ob man nicht vorher hätte beim Landeswahlleiter telefonisch recherchieren sollen oder müssen. Meiner Meinung nach ist es ein Politikum, wenn auf einem nachprüfbar offiziellen Server am Wahltag frei zugängliche Ergebnisse der Bundestagswahl am gleichen Tag stehen – eine explizit als Frage formulierte Berichterstattung über dieses Politikum also legitim. Und ob es für eine potenzielle Wählerbeeinflussung wirklich relevant ist, ob die Ergebnisse stimmen oder nicht, kann ich aus juristischer Sicht nicht sagen, aus Gründen der keinen Ahnung nämlich.

[Update IV]
Hurra, Hysterie am Nachmittag als Methadon für den spannungsarmen Wahlkampf! Der Westen hat kurz aufgeschrieben, was und wie passiert ist. Einer sicher nachfolgenden Diskussion über “Journalismus vs. Blogs” sehe ich mit höchster Begeisterung entgegen, endlich wird da mal was zu gesagt und geschrieben! Nachgetragen sei auch noch: Dass unter Umständen tatsächlich vor 18 Uhr irgendwelche Ergebnisse irgendwo stehen könnten, hypothetisch, ist in ein paar Sekunden nicht auszuschliessen, vom komplizierten Wahlrecht mit Bremer Sonderwegen über Exitpolls bis zu Briefwählern lässt sich einiges vorstellen. Ich sag ja nur.

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(via Thomas Pfeiffer @codeispoetry)

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Sixtus vs. Lobo 8: Technologie

Sixtus vs. Lobo – Technologie

Einen winzigen, ästhetischen Teilaspekt möchte ich herausgreifen, aus halbaktuellem Anlass (100 Jahre Futuristisches Manifest). Im Video ist für einige Sekundenbruchteile mein Lieblingskunstwerk des 20. Jahrhunderts zu sehen: eine Statue des italienischen Futuristen Umberto Boccioni mit dem Titel “Forme uniche della continuità nello spazio” (Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum). So politisch und menschlich verwirrt der spätere Faschist gewesen sein mag – in meinen Augen hat er mit dieser Skulptur das Sinnbild des Fortschritts geschaffen. Ich spare bereits, um dieses Überkunstwerk der Moderne dem MoMA abzukaufen (Pro-Tipp: Es handelt sich nicht um die Statue, die als Startbild im Video zu sehen ist).

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