Web 2.0

Warum ich nicht flattre

Das hier ist kein Rant. Denn Flattr erscheint mir als eine Möglichkeit, wie Blogs und blogähnliche Medien etwas Geld verdienen können, das ist zunächst nichts Schlechtes, sondern vom Effekt her etwas Gutes. Trotzdem möchte ich aufzeigen, weshalb ich mich gegen Flattr entschieden habe. Es folgen deshalb persönliche Gründe und nur eingeschränkt allgemeingültige Argumente.

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Der unaufhaltsame Aufstieg des Social Networks FORMsquare

Wie wird ein Social Network eigentlich groß im deutschen Sprachraum? Hier sind die Eckpunkte eines solchen Siegeszuges anhand des bekannten Beispiels FORMsquare.pro aufgezeichnet.

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Kosmar findet einen Hinweis auf FORMsquare in einem amerikanischen Blog, das ausser ihm und dem Autor niemand liest. Er twittert den Link, allerdings mit seinem geheimen Drittaccount, dem er nicht einmal selbst folgt.

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Felix Schwenzel greift FORMsquare auf, versteht die Plattform aber völlig falsch und distanziert sich deshalb halbironisch davon. “Das funktioniert auf dem neuen PaInTheS© nur unter Flingo 4.7”, so sein vernichtendes Urteil. Als Symbolbild wählt er einen Uhu, niemand weiss warum, er selbst auch nicht.

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Kosmar legt seinen FORMsquare-Account still, die Plattform habe ihre besten Zeiten hinter sich.

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Als dritter Mensch in Deutschland erfährt Johnny Haeusler von FORMsquare durch eine SMS von Felix Schwenzel. Am nächsten Tag schreibt er einen langen Artikel darüber, weshalb das Social Network zwar gut ist, aber nicht den Kern trifft. Trotzdem glaubt er, dass mit FORMsquare der endgültige Durchbruch der Blogs in Deutschland erreicht wird. Im Schlussabsatz entschuldigt er sich dafür, dass er sich aus Zeitgründen erst als einer der letzten über FORMsquare Gedanken machen konnte und für den Vulkanausbruch in Island. In den Kommentaren wird ihm der endgültige Ausverkauf der FORMsquarosphäre vorgeworfen, elf verbitterte Leser schicken ihre Spreeblick-Mützen zurück.

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Die Seite FORMsquare.de wird von einem FORMsquare-Coach registriert. Auf der Seite spricht der Coach von mehrjähriger Erfahrung und Personalverantwortung bei einem Großkonzern in der FORMsquare–Abteilung.

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Thomas Knüwer schreibt, weshalb FORMsquare nichts taugt. Eine Woche später trägt er den Artikel live auf Michael Seemanns mittlerweile zweiter FORMsquare-Lesung vor.

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Auf Peter Hogenkamps Netzwertig.com erscheint der Beitrag “Verändert FORMsquare das Antlitz des Internet für immer?” Zehn Goldmitgliedschaften sollen verlost werden, es finden sich allerdings nur sieben Teilnehmer. Einer davon ist Robert Basic, der seinen Account im Anschluss gegen einen iTunes-Gutschein (15€) eintauscht. Vom Erlös will er die Entwicklung einer hypersozialen Suchmaschine finanzieren, die “Google und Facebook vom Thron stossen wird” und eine “Monatsmarke für die Frankfurter U-Bahn” kaufen, so Basic.

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Die Piratenpartei kündigt eine eigene Plattform an, “wie FORMsquare, aber Open Source”. Sie soll im dritten Quartal 2017 online gehen, rechtzeitig zum Bundestagswahlkampf. Ob der Plan für die Umsetzung der Plattform in einem Wiki erarbeitet werden soll, soll zunächst in einem Wiki erarbeitet werden.

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Auf Carta erscheint zweitverwertet ein Artikel aus einem sorbischen Medienmagazin, in dem die gesellschaftlichen Auswirkungen von FORMsquare anhand der Systemtheorie besprochen werden. In einer aufwändigen Umfrage findet Robin Meyer-Lucht heraus, dass von 622 Bundestagsabgeordneten keiner bei FORMsquare ist – und stellt betroffen die Frage: “Ist Deutschland noch zu retten oder muss die GEZ abgeschafft werden?” Mario Sixtus fordert daraufhin aus Protest seinen Flattr-Anteil in Höhe von 7 Eurocent von Carta zurück.

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Thomas Knüwer schreibt, weshalb FORMsquare auch nach dem Relaunch nichts taugt.

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Klaus Eck kündigt das Buch “FORMsquare zur Unternehmenskommunikation – was meinen Sie so?” an. Dort beschreibt er, wie in Kanada ein Praktikant in einer Eisdiele seinen Job wegen eines FORMsqueets (so die Bezeichnung für die Beiträge auf FORMsquare) bekam.

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“Karriere – Die FORMsquare-Bibel!” von Jochen Mai erscheint als Hörbuch auf Rätoromanisch im praktischen Pappschuber.

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Netzpolitik wird ein Datenleck von FORMsquare zugespielt. Markus Beckedahl überlegt deshalb, für das Europaparlament zu kandidieren und teilt diese Entscheidung in einem vierzigseitigen Interview mit der zweitgrößten hessischen Schülerzeitung der Öffentlichkeit mit.

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Thomas Knüwer schreibt, warum FORMsquare nichts taugt, obwohl er zugeben müsse, dass ein gewisser Charme vorhanden sei und er im Übrigen zu Testzwecken von Beginn an FORMsquaren würde, aber taugen würde FORMsquare eben nichts und Charme zahle schließlich keine Miete. Zudem sei die Rechtslage in Deutschland völlig unklar, wie ein von Miriam Meckel retweeteter Tweet von Udo Vetter eindeutig beweise.

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Turi2 und Meedia interviewen sich gegenseitig auf FORMsquare über den nicht vorhandenen Sinn von FORMsquare; und auch wie es sich jemals refinanzieren solle – unklar. Die beiden erscheinenden Interviews unterscheiden sich vollständig, sind aber so oft gegenseitig miteinander verlinkt, dass Google Deutschland vier Stunden down ist.

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Sascha Lobo meldet sich bei FORMsquare an und gibt fünfundzwanzig Minuten später RTL und der Süddeutschen Zeitung als FORMsquare-Experte ein Doppelinterview, in dem erklärt, weshalb gerade Journalisten, Politiker, Werber und Europäer zwischen fünf und neunzig Jahren um jeden Preis FORMsquaren müssen, unbedingt notwendig sei das aber nicht. Das Interview schließt mit den Worten “Formsquare ist völlig irrelevant, aber die wichtigste Plattform weltweit.” Meedia wirft Sascha Lobo daraufhin den mangelnden Ausverkauf der FORMsquarosphäre vor.

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Stefan Niggemeier schreibt einen langen Artikel über die Zukunft des Journalismus auf FORMsquare und wird dafür wegen eines missverständlichen und ehrabschneidenden Kommafehlers von sechzehn verschiedenen Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen abgemahnt.

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Alle bisher erwähnten Personen veröffentlichen zusammen auf dem FAZ-Blog Netzökonom das FORMsquare-Manifest. Daraufhin wird Mercedes Bunz die weltweit erste Formsquare-Redakteurin für die New York Times.

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In der ZEIT schreiben Susanne Gaschke und Wolf Schneider einen Artikel darüber, wie FORMsquare das Gehirn verkleinere, das Erbgut verändere und die Kultur von innen heraus zersetze. FORMsquare wird als “für die deutsche Sprache wie Bhopal und Tschernobyl an einem Tag” bezeichnet. Im Text wird Bazon Brock zitiert mit der Aussage, “FORMsquare hat mehr Tote auf dem Gewissen als die Inquisition”. Die ZEIT fügt in das Zitat später das Wort “indirekt” ein.

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Thomas Knüwer verkündet, dass er fortan als FORMsquare-Consultant arbeiten werde, FORMsquare sei die großartigste Errungenschaft der westlichen Zivilisation. Das würde nur noch kein Unternehmen verstehen (ausser den Unternehmen, die ihn beauftragten). Knüwer zufolge würden von 30 DAX-Unternehmen nur zwölf FORMsquaren, die anderen wären spätestens binnen einen halben Jahres insolvent (ausser sie beauftragen ihn).

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Frank Schirrmacher veröffentlicht ein Buch namens “Der FORMsquare-Komplex”, das nur leere Seiten enthält. Die deutsche Bloglandschaft fühlt sich und das Internet ungerecht dargestellt und verreisst das Buch empört. Der fehlende Inhalt fällt erst bei der von Anne Will moderierten Buchvorstellung im Bundestag auf (live übertragen von Spiegel Online).

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Wir in NRW” deckt auf, dass Jürgen Rüttgers Geld für positive FORMsquare-Beiträge bezahlt hat – und zwar weit unter Tarif. Rüttgers lässt seinen Sprecher verkünden, es habe sich um einen ganz anderen Jürgen Rüttgers gehandelt, allein in Düsseldorf gäbe es fünf Jürgen Rüttgerse und in Bochum noch zwei sowie eine Jürgine Rüttgers in Bottrop. Trotzdem handelt Rüttgers entschlossen, um sein gutes Krisenmanagement zu beweisen: seine Büroleiterin und der Chef des Katasteramts müssen zurücktreten.

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Burda kauft ein Prozent an FORMsquare; das Unternehmen würde “perfekt in die Portfolio-Strategie der Burda-Group” passen, weil es sich um “ein Geschäftsmodell im Internet” handele. Der tatsächliche Grund für den Kauf: in einem Interview hatte der neunjährige Bruder von Mark Zuckerberg betrunken erwähnt, dass er nur zwei ernsthafte Konkurrenten im Kampf um die Eroberung des Universums sehen würde, nämlich Google und FORMsquare.

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Bei Wikipedia wird der Artikel zu FORMsquare wegen fehlender Relevanz gelöscht. Nachdem Bill Gates ankündigt, die Geschäftsberichte von Microsoft nur noch auf Formsquare zu veröffentlichen, soll über die Löschung 2011 erneut abgestimmt werden.

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Ändert Facebook die Bezeichnung “Fan”?

Vor einiger Zeit habe ich hier einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel “Die Facebook Fan Falle“. Hintergrund war, dass ich mein Profil umstellen muss (das kommt auch bald, endlich) auf eine so genannte Page, der begrenzten Anzahl von Friends wegen. Menschen aber haben Friends auf Facebook, Pages haben Fans. Das zeigt nicht nur, auf welche lustig-verwirrende Weise sich im Internet die Sprachen vermischen, sondern hat mir auch Probleme bereitet, weil ich mit der Umwandlung über Nacht Friends in Fans verwandeln hätte müssen. Das möchte ja nicht jeder, der Begriff Fan geht zumindest im Deutschen mit einem etwas zu bedingungslos verehrenden Unterton einher. Ich hatte deshalb den Begriff Fan umdefiniert in “Friend auf Netzwerk”.

Scheinbar gab es bei Facebook ähnliche Gedanken, denn nun ist auf slideshare eine Kurzpräsentation aufgetaucht, die nahelegt, dass Facebook eine Umbenennung zumindest auf Wunsch möglich macht. Statt “Fans” wird dort “Connections on Facebook” vorgeschlagen, statt “become a fan” wird der entsprechende Button wohl einfach “like” heissen. Obwohl die Präsentation sehr überzeugend (inklusive des schönen Stempels “CONFIDENTIAL”) daherkommt, möchte ich betonen, dass es sich um eine anonym aufgetauchte Präsentation im Netz handelt. Ob sie echt sein könnte, soll jeder selbst beurteilen.

via @chrmar via @guenterexel

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Der Debattenartikel für die Wirtschaftswoche: Nebensache Geld

Ja, es handelt sich hier explizit nur um eine Randdiskussion, die aber trotzdem nötig ist. Ich habe bereits im Startartikel geschrieben, dass ich einen größeren Teil des Geldes – nämlich 1.000 Euro – für den Debattenartikel 2.0 (man verzeihe mir nocheinmal die augenzwinkernde Reminiszenz auf die Versionsnummernära) unter denjenigen aufteilen möchte, die sich am Artikel beteiligen. Ich werde ihn zwar zur Gänze selbst schreiben, um das auch nochmal ausdrücklich zu erwähnen – aber die Anregungen, Zitate und Gedankengänge der Crowd werden dabei sehr wertvoll sein. Nun, da die Diskussion in den Kommentaren bereits erfreulich substanziell ist, könnte der richtige Zeitpunkt sein, um herauszufinden, wie die Aufteilung des Geldes vor sich gehen soll. Was wäre dazu besser geeignet, als die Meinung der Community selbst herauszufinden?

Ich weiss zwar (und bin sehr froh drüber), dass die primäre Motivation sich zu beteiligen, der Wunsch ist, ein besseres Ergebnis zu bekommen. Aber in einem Artikel über die Wirtschaft darf das Geld keine allzukleine Rolle spielen, finde ich. Deshalb habe ich diese Abstimmung kreiert, die zwei Tage lang läuft und deren Ausgang darüber entscheiden wird, was mit den 1.000 Euro passiert, die sich “die Crowd erarbeitet”.

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Debattenbeitrag 2.0: Die Wirtschaft und das Netz – Digitale Strategien der Zukunft (AT)

Die seit einigen Monaten etwas diffus geführte Debatte um die Wirkung des Internets auf die Gesellschaft vernachlässigt nach meiner Überzeugung einen wichtigen Bereich: die Wirtschaft.

Die wichtigsten Taktgeber für die zukünftige Entwicklung des Netzes sind Unternehmen – aber unterschätzt wird in der Öffentlichkeit, wie sehr die digitale Vernetzung auf sämtliche Industrien und Branchen Einfluss nimmt. Das betrifft nicht nur das Marketing; von Forschung und Entwicklung über Personal und Logistik bis zur täglichen Arbeitsorganisation stehen Konzerne wie Kleinunternehmen vor einer existenziellen Entscheidung: Wie gestaltet man seine Geschäftsprozesse so, dass man weder morgen vor Investitionsruinen steht, noch übermorgen von der Entwicklung des Netzes überrollt wird?

Entscheidend wird die richtige digitale Strategie sein, die das Netz und die Kohlenstoffwelt miteinander verbindet – aber welchen Regeln folgt diese? Unternehmen dürfen sich einerseits nicht von “Social Media Consultants” verrückt machen lassen, die behaupten, dass DAX-Konzerne ohne Twitter-Account bereits unmittelbar vor der Insolvenz stehen würden. Auf der anderen Seite kann man die ungeheuren Implikationen des Internet für die weltweite industrielle Infrastruktur zum Beispiel daran erkennen, dass die Firma Google mit ihren geschätzt 1 Million Hochleistungsservern zu den größten Stromabnehmern der Welt zählt – und deshalb in den USA unter die Stromerzeuger und Energiehändler geht.

Im Kleinen habe ich selbst praktische Erfahrungen – positive wie negative – sammeln können, wie eine Vermählung von Online und Offline aussehen kann, zum Beispiel mit der CeBIT, wo das sehr “offlinige” Geschäftsmodell einer Messe auf Internetunternehmen wie Amazon trifft. Herausgekommen ist der Messebereich Webciety, der versucht, Erkenntnisse aus der Funktionsweise des Internet mit den nach wie vor wirtschaftsrelevanteren Offline-Welt zu verbinden. Natürlich gibt es eine Vielzahl von gelungenen Beispielen, aber was verbindet sie und welche Strategien stehen dahinter?

Ich möchte einen Debattenbeitrag schreiben, der für die Wirtschaft beleuchtet, welche Entwicklungen unternehmensrelevant sein werden – und welche nicht. Wie die weiteren Innovationsschritte des Internet aussehen und weshalb sie so ungeheuer selten aus Deutschland kommen. Worauf man sich einstellen muss, wenn man ein Unternehmen gleich welcher Größe in die digitale Zukunft führen möchte.

Gemeinsam mit der Wirtschaftswoche habe ich mich aber entschlossen, diesen Artikel nicht so zu schreiben, wie man ihn auch im 20. Jahrhundert hätte verfassen können, im stillen Kämmerlein, ohne Einfluss des Publikums. Wir möchten stattdessen einen Debattenbeitrag 2.0 – wenn diese etwas abgegriffene Nummernmetapher noch einmal erlaubt ist – erarbeiten. Dieser Text ist der Auftakt für den Beitrag, den ich unter redaktioneller Betreuung von Jochen Mai im Auftrag von Roland Tichy produzieren möchte. Dabei will ich einige sinnvolle und auch einige eher experimentelle Mittel nutzen, die dem Journalismus im Netz zur Verfügung stehen.

Konkret heisst das, dass das Publikum bereits bei der Entstehung des Debattenbeitrags 2.0 dabei ist, von der Recherche über die Entstehung der Struktur des Artikels bis zur Rohversion des fertigen Textes. Während dieser knapp zwei Wochen dauernden Phase, die ab sofort beginnt, darf und soll das Publikum teilhaben am Artikel (und dafür von mir auch die Hälfte der Entlohnung erhalten, auf einem noch abzustimmenden Weg).

Diese Einbindung ist kein Selbstzweck – ich glaube tatsächlich daran, dass der Debattenbeitrag auf diese Weise besser werden wird. Auf folgenden öffentlich zugänglichen Plattformen im Netz werden sich die Entwicklungen abspielen:

Unter delicious.com/saschalobo/wirtschaftswoche sammele ich relevante Bookmarks in größerer Zahl, jeweils mit zusätzlichen Tags (thematischen Stichworten) versehen.

Interessante Zitate, Fallbeispiele, Videoclips, Diagramme und andere Inhalte speise ich in ein eigens für den Beitrag eingerichtes Mini–Weblog unter wirtschaftswoche.posterous.com ein. Hier können die Inhalte vom Publikum direkt kommentiert werden.

Beide Quellen fliessen in die Facebook-Seite der Wirtschaftswoche, zu finden unter facebook.com/wirtschaftswoche – dort können sie ebenfalls kommentiert werden, ich werde mich in einzelne Diskussionen einmischen.

Über meinen Twitter-Account twitter.com/saschalobo stelle ich regelmäßig Fragen und rufe zur Diskussion einzelner Punkte auf – der offizielle Hashtag (das Stichwort) zu diesem Debattenbeitrag lautet schlicht #wirtschaftswoche.

Auf meinem Blog schließlich erstelle ich unter saschalobo.com/wirtschaftswoche einen “lebendigen Artikel”, also einen häufig aktualisierten Beitrag, der den jeweiligen Entwicklungsstand des Debattenbeitrags skizziert. Dort wird auch die wichtigste Kommentar- und Diskussionsbasis sein, die am stärksten in die Ausgestaltung des Artikels einfliesst.

Auf wiwo.de schließlich werden über Widgets alle Aktivitäten der verschiedenenPlattformen nachverfolgbar sein, gewissermaßen als Beobachtungszentrale und Kommentarbasis für das Projekt allgemein. Dort erscheint am Ende auch der Artikel – natürlich ebenso in der gedruckten Wirtschaftswoche, weil man die Leute im Wartesaal des Friseurs nicht mehr vom Sinn eines Haarschnitts überzeugen muss. Oder anders gesagt: wir wollen mit diesem Debattenbeitrag 2.0 auch und besonders diejenigen Menschen erreichen, die wirtschaftliche Entscheidungen von größerer Tragweite treffen. Und die lesen trotz unserer Begeisterung für das Netz eher die Wirtschaftswoche auf Papier als Blogs, Facebook und Twitter.

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Die Facebook-Fan-Falle

Jetzt ist es passiert und ich habe ein Problem, bei deren Lösung nur Ihr mir helfen könnt. Mit “Ihr”, das ich des briefartigen Ansprachecharakters halber im Internet immer groß schreibe, meine ich diejenigen Menschen, die mit mir auf Facebook befriendet sind. Kein Verschreiber, ich unterscheide “Freunde” und “Friends”. Ich habe grundsätzlich wenig Probleme mit Anglizismen, die “Sprache reinhalten” zu wollen, ist in meinen Augen Unsinn mit der Tendenz zur kulturellen Möchtegernhegemonie, aber das nur am Rande.

Jedenfalls habe ich seit einiger Zeit 5000 Friends auf Facebook, das ist die von Facebook willkürlich eingezogene Obergrenze. Natürlich kenne ich von diesen 5000 allenfalls 1000 persönlich, wenn man “kennen” weitestmöglich fasst im Sinne von “schon mal persönlich gesehen oder online miteinander kommuniziert”. Das macht mir nichts aus, im Gegenteil. Bisher habe ich Friends übersetzt als “Interessierte Personen”. Als ich an der Friend-Grenze anlangte, habe ich facebookinterne Kreise kontaktiert und nachgefragt, was zu tun sei. Die Antwort hat mich indirekt vor das eingangs erwähnte, gemeinsam zu lösende Problem gestellt. Da die 5000-Friends-Grenze keinesfalls aufgehoben wird, bleibt als einzige Möglichkeit die Umstellung meines Profils auf eine so genannte Page. Damit kann man die meisten Funktionen normaler Profile auch nutzen und noch einige mehr. Gut und schön. Aber! Die eben noch Friends genannten Kontakte auf Facebook wandeln sich – in Fans. Uff. Fans. Eben waren wir noch Friends, jetzt schon muss ich den interessierten Personen zumuten, zu ver-fan-nen. Ich weiss um die Bedeutung von Namen und Bezeichnungen, und habe mir deshalb etwas ausgedacht, um meine Friends nicht zu Zwangsfans zu machen. Nicht, dass ich etwas gegen Fans oder Fantum habe – aber der unfreiwillige Bezeichnungswandel macht mir Sorgen. Mein Teil der erwähnten Problemlösung ist oben zu sehen. Mit der Macht der selbsterklärten Deutungshoheit ist bei mir auf der Facebook-Seite “Fan” ab sofort (bzw. ab der Umschaltung in ein paar Tagen) ein Akronym für “Friend Auf Netzwerk”. Da mag in Euren Profilen Fan stehen – und hier kommt Euer Teil der Problemlösung – aber wir alle wissen, dass es Friend auf Netzwerk heisst. Wir bleiben trotzdem ganz normal befriendet, es heisst nur umständehalber anders. Okay mit Euch?Damit erspart Ihr mir einige kleinere Problemchen, zum Beispiel auf Parties sagen zu müssen, “sorry, ich kann Dich nicht hinzufügen auf Facebook, sonst müsste ich jemand anderen entfrienden”. Oder Ausreden zu erfinden für die 500 freundlichen, interessierten Personen, die sozusagen auf der Warteliste der Befriendung stehen. Danke für Euer Verständnis.

Und bei der Gelegenheit kann ich gleich auch mal ein paar Dinge aufschreiben zu Friendschaft, Freundschaft und sozialen Netzwerken.

• Wer Friendschaften grundsätzlich ablehnt, hat ein in Zukunft größer werdendes Problem. Denn die so genannten “schwachen Bindungen” (vgl. Mark Granovetter, “The Strength of Weak Ties“) machen den persönlichen Wert (hier keinesfalls monetär gemeint) eines sozialen Netzwerkes aus. Das gilt nicht nur beruflich, wo über die “schwachen Bindungen” die wichtigsten Kontakte zustande kommen – sondern auch privat. Die meisten Lebenspartnerschaften ergeben sich per Vermittlung über schwache Bindungen.

• Wer auf der anderen Seite aber Friends mit Freunden verwechselt, wird vermutlich böse enttäuscht. Friends helfen eher nicht beim Umzug, Friends sind nur selten alarmiert, wenn man zwei Wochen verstummt, Friends können wesentlich schlechter zwischen den Zeilen lesen als Freunde. Friends sind eher digitale Nachbarn. Das macht weder Friends noch Nachbarn zu schlechten Menschen, es sind eben nur keine Freunde im klassischen Definitionssinn.

• Allgemein bitte ich darum, die penetrante Frage nach dem “Warum?” zu allen möglichen Sozialen Netzwerken und Plattformen nicht mehr zu stellen. Die einzige mir sinnvoll erscheinende Antwort darauf lautet “Weil Menschen es wollen”, was aber meistens nicht die Art von Antwort ist, die eine wertvolle Diskussion eröffnet.

• Und wo wir gerade dabei sind, bei der allgemeinen Diskussion um Daten in der Öffentlichkeit, kann ich ja auch mal am Rande erwähnen, dass ich eine der jüngsten Entwicklungen im Social-Network-Bereich gut finde und benutze: Blippy. Man veröffentlicht dort, was man gekauft hat, und zwar automatisiert mit Schnittstellen zu Services wie iTunes oder auch der Kreditkarte (was in Deutschland leider noch nicht geht). An anderer Stelle schreibe ich mal auf, weshalb das im Moment aussieht wie das schlimmste, was man überhaupt etc. usw. – warum es aber mittelfristig den Konsumenten Macht zurückgibt. Hint: es hat auch damit zu tun, dass ein bisher verborgener Mechanismus (siehe zum Beispiel Payback-Karte) ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, und zwar bewusst und vom Nutzer kontrolliert.

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Ushahidi – Collective Intelligence Agency

Ushahidi ist eine Art Social WikiLeaks (auch ein Projekt, dem man mehr Aufmerksamkeit widmen sollte) und hat den schönen, etwas sperrigen Claim “Crowdsourcing Crisis Information”. Ushahidi – das Wort bedeutet “Zeugenaussage” auf Suaheli – sammelt, sortiert und veranschaulicht Augenzeugenberichte. Es handelt sich um eine internetbasierte Plattform mit einer Software unter CC-Lizenz, die schnell auf einem Server aufgesetzt ist und sowohl vom Mobiltelefon wie auch vom Computer aus angesteuert werden kann. Man lädt Kommentare, Fotos, Filme, Tondokumente unter Angabe des Ortes und der Art des Zwischenfalls hoch und beantwortet so die Frage “Was ist hier gerade passiert?”

“Twitter für Krisengebiete” könnte man es nennen, aber würde damit nicht ganz der politischen Dimension gerecht. Eher schon handelt es sich um die Umsetzung des Gedankens, der im zivilgesellschaftlichen Sinn schön bei FixMyStreet.co.uk abgebildet ist – nämlich um die Nutzung der wahren Kollektiven Intelligenz, nicht um die oft mißverstandene, handelsübliche Verbrämung dieses Begriffs. Diese Eigenschaft des Netzes kommt überall dort zum Tragen, wo die Masse eine Qualität abbildet, die der Einzelne nicht oder nur mit allergrößter Energieaufwendung erreichen kann. In diesem Fall sind es foto- und filmgestützte Augenzeugenberichte, hier das aktuellste Beispiel aus dem Iran.
ushahidi_iranFunktioniert die mit Ushahidi betriebene Internetplattform gut und wird intensiv genutzt (was bei der iranischen Plattform noch nicht der Fall ist), dann ergibt sich etwa in einer Bürgerkriegssituation eine solche Vielzahl verschiedener Berichte von Zeugen, dass eine flächendeckende Fälschung erschwert oder je nach Material fast unmöglich wird. Die mediale Inszenierung einer Krise, wie sie etwa die Hamas in Gaza veranstaltet hat (die aber heute zum Handwerkszeug aller Kriegsparteien in sämtlichen Konflikten gehören dürfte), wird so ein kleines bißchen schwieriger – und das wiederum könnte durchaus (lindernde) Folgen haben für das Vorgehen bewaffneter Kräfte.

Denn diktatorische Herrscher wie Saddam Hussein, denen Fotos vergifteter Kurden völlig egal waren, weil sie kaum in der eigenen Bevölkerung ankamen, sind selten geworden. Nicht, weil es keine Unmenschen mehr in der Politik gäbe, sondern weil die meisten von ihnen verinnerlicht haben, dass auch in autoritären Staaten Information und öffentliche Meinung durchaus eine Rolle spielen. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass etwa die Milizen im Iran in ihren Gewaltexzessen ganz unmittelbar weniger grausam würden durch ein paar Handyfotos im Internet. Aber ihre Führung wird früher oder später den Befehl geben müssen, zumindest nicht mehr allzu offensichtlich Gewalt anzuwenden, um eine Flut ungünstiger Aufnahmen zu vermeiden. Denn ein einzelnes Foto kann man zur Lüge erklären, einen Film als Inszenierung abtun. Bei tausenden Schnappschüssen sieht das anders aus – die schiere Masse ergibt eine Wirkung, gerade auch im eigenen Lager.

Immer wieder begegnet mir die Frage, wie denn bitteschön das Internet die Welt besser machen könne. Hier ist ein Beispiel, das plakativer kaum sein könnte. Es sei denn, man bezweifelt allgemein den Wert von offen zugänglicher Information und politischer Transparenz. Aber dann hat man ganz andere Probleme.

via @Elquee

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Vodafone

esistdeinezeitDenjenigen Internetcommunitybenutzern, die in den letzten Tagen im Koma lagen, möchte ich mitteilen, dass ich Teil einer Werbekampagne für Vodafone bin. Sie heisst “Es ist Deine Zeit” und richtet sich besonders an die Generation Upload. Aus dieser Gesamtthematik ergeben sich viele Fragen. Mit der gewohnten Mischung aus unterhaltsamer Information, halbironischer Distanz und Eitelkeit möchte ich hier diese Fragen nicht nur beantworten – sondern sie mir dazu auch noch selbst stellen.
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