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	<title>saschalobo.com &#187; Medien</title>
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		<title>Das Internet-Manifest. Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 09:55:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[internetmanitfest]]></category>
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		<description><![CDATA[1. Das Internet ist anders. Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln &#8211; das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>1. Das Internet ist anders.</strong><br />
Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln &#8211; das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.</p>
<p><strong>2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.</strong><br />
Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt &#8211; zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.</p>
<p><strong>3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.</strong><br />
Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.</p>
<p><strong>4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.</strong><br />
Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.</p>
<p><strong>5. Das Internet ist der Sieg der Information.</strong><br />
Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.</p>
<p><strong>6. Das Internet <del>verändert</del> verbessert den Journalismus.</strong><br />
Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.</p>
<p><strong>7. Das Netz verlangt Vernetzung.</strong><br />
Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.</p>
<p><strong>8. Links lohnen, Zitate zieren.</strong><br />
Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.</p>
<p><strong>9. Das Internet ist der neue Ort für den politischen Diskurs.</strong><br />
Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus.</p>
<p><strong>10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit.</strong><br />
Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.</p>
<p><strong>11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.</strong><br />
Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut unüberprüfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führen &#8211; sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert.</p>
<p><strong>12. Tradition ist kein Geschäftsmodell.</strong><br />
Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren.</p>
<p><strong>13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.</strong><br />
Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.</p>
<p><strong>14. Das Internet kennt viele Währungen.</strong><br />
Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.</p>
<p><strong>15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.</strong><br />
Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.</p>
<p><strong>16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität.</strong><br />
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.</p>
<p><strong>17. Alle für alle.</strong><br />
Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die “Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte &#8211; und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.</p>
<p>Internet, 07.09.2009</p>
<p><a href="http://www.netzpolitik.org/">Markus Beckedahl</a><br />
<a href="http://www.mercedes-bunz.de/">Mercedes Bunz</a><br />
<a href="http://www.blinkenlichten.com/">Julius Endert</a><br />
<a href="http://www.spreeblick.com">Johnny Haeusler</a><br />
<a href="http://blog.handelsblatt.com/indiskretion/">Thomas Knüwer</a><br />
<a href="http://www.saschalobo.com/">Sascha Lobo</a><br />
<a href="http://www.berlin-institute.de/">Robin Meyer-Lucht</a><br />
<a href="http://www.autoren-reporter.de/index.php?option=com_content&#038;task=view&#038;id=23&#038;Itemid=66">Wolfgang Michal</a><br />
<a href="http://www.stefan-niggemeier.de">Stefan Niggemeier</a><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kathrin_Passig">Kathrin Passig</a><br />
<a href="http://www.lowpass.cc/">Janko Röttgers</a><br />
<a href="http://www.peter-schink.de/">Peter Schink</a><br />
<a href="http://www.elektrischer-reporter.de">Mario Sixtus</a><br />
<a href="http://www.xing.com/profile/Peter_Stawowy">Peter Stawowy</a><br />
<a href="http://www.netzjournalismus.de/">Fiete Stegers</a></p>
<p><small><a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">CC-BY</a></small></p>
<p>Update: Hier ist eine <a href="http://netzpolitik.org/wiki/index.php/Internet_Manifest">Wikiversion des Internet-Manifest</a>, die von allen bearbeitet werden kann.</p>
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		<title>Freitagsbeschwerden schon montags</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Feb 2009 00:02:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich bin ein komischer Typ; ab und an befällt mich beim Lesen eines Textes ein Unwohlsein, das mich zur sofortigen Distanzierung zwingt. Heute hat der Freitag einen Kommentar veröffentlicht, den ich grauenvoll finde. Es handelt sich um einen vollkommen ungebrochenen Lobgesang (gefunden via @mspro) auf Hugo Chávez, den Präsidenten von Venezuela. Chávez ist ein äußerst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://saschalobo.com/2009/02/17/freitagsbeschwerden-schon-montags/"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/02/vorbeitag.jpg" alt="vorbeitag" title="vorbeitag" width="536" height="101" class="aligncenter size-full wp-image-408" /></a>Ich bin ein komischer Typ; ab und an befällt mich beim Lesen eines Textes ein Unwohlsein, das mich zur sofortigen Distanzierung zwingt. Heute hat der Freitag <a href="http://www.freitag.de/datenbank/freitag/2009/08/venezuela-chavez-referendum/#">einen Kommentar veröffentlicht</a>, den ich grauenvoll finde. Es handelt sich um einen vollkommen ungebrochenen Lobgesang (gefunden via <a href="http://twitter.com/mspro/status/1215066783">@mspro</a>) auf Hugo Chávez, den Präsidenten von Venezuela. Chávez ist ein äußerst problematischer Staatschef mit äußerst problematischen Freunden: er unterdrückt die Freiheit der Presse, betreibt zweifellos Clanwirtschaft und ist an einer kritischen Demokratie nicht die Bohne interessiert. Einzelverlinkungen erscheinen mir an dieser Stelle überflüssig, Interessierte mögen per Google selbst ihre Informationstiefe ausbauen.<br />
<span id="more-407"></span><br />
Der Freitag-Kommentar von Lutz Herden ist von einer Art, die ich in keinem unabhängigen, aufgeklärten Medium über irgendeinen Politiker lesen möchte. Der Artikel ist pure politische Propaganda pro Chávez und erinnert in seiner begeisterten Verblendung an politische Kommentare, wie sie in der studentischen Flugblattliteratur der 1970er über Mao und Ho Chi Minh verfasst worden sein mögen. Besonders übel stösst mir auf, dass Gegenpositionen (&#8220;autoritär&#8221;, &#8220;linker Diktator&#8221;) benannt werden &#8211; aber mit einer kurzen Verhöhung (&#8220;Man kennt ihre Sprüche zur Genüge&#8221;) beiseite gewischt werden, ohne ein einziges Argument vorzubringen. </p>
<p>Der Freitag ist damit für mich leider erst einmal vorbei.</p>
<p>Ja, manchmal reicht für sowas ein einziger Kommentar (verbunden mit einer entsprechenden Historie). In der Gegenwart von solchen Artikeln möchte ich mein Profil, meine eigenen Blogartikel eben nicht sehen. Und ja, ich sehe einen großen Unterschied zu problematischen Gruppen etwa auf Facebook und einem problematischen Artikel in einem redaktionsgesteuerten Medium. </p>
<p>Ich halte sehr viel von Pluralismus, Lutz Herden darf meinetwegen gern Advertorial-Kampagnen für ein trotzkistisches Mitteleuropa in Artikelform pressen und überall dort veröffentlichen, wo man das für richtig hält. Ich will aber nicht mit dabei sein. Deshalb habe ich versucht, meinen Account zu löschen. Ging aber nicht. Jedenfalls habe ich auch nach langer Suche keine entsprechende Funktion gefunden und daraufhin über das Kontaktformular eine Mail mit einem Profil-Löschantrag geschrieben (bis jetzt keine Antwort). Wieso kann ich auf <a href="http://freitag.de">freitag.de</a> mein <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/saschalobo">Profil</a> nicht löschen?</p>
<p><a href="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/02/delete_iphone.jpg"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/02/delete_iphone.jpg" alt="delete_iphone" title="delete_iphone" width="536" height="103" class="aligncenter size-full wp-image-418" /></a></p>
<p>Was mir aber diese montägliche Freitags-Unannehmlichkeit vor Augen geführt hat: Kurzzeitig hatte ich gehofft, dass der Freitag mit dem Kauf durch Jakob Augstein und dem auch inhaltlichen Relaunch das parteiunabhängige, linksliberal-aufgeklärte Medium werden würde, das in der deutschen Medienlandschaft fehlt. Diese Funktion, die der SPIEGEL mal hatte (sagt mein Vater jedenfalls), bevor zu viele Leute wie Carsten Volkery dort <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,591047,00.html">CDU-Mitgliedsanträge in Artikelform</a> veröffentlicht haben.</p>
<p>Leider schliesst der Freitag diese Lücke in der Medienlandschaft nicht, denn unter Meinungsvielfalt fällt Propaganda für mich bestimmt nicht. Übrigens habe ich gar nichts gegen politisch gefärbte Kommunikation, das tue ich selbst auch oft und gern, ich habe nur etwas gegen Propaganda im Journalismusgewand. </p>
<p>Aber wo ist das linke, parteiunabhängige Medium, auf das wir warten, die wir Toleranz brauchen, die Freiheit lieben, die Marktwirtschaft akzeptieren, die Veränderungen der Welt bemerkt haben, die Gesellschaft nicht revolutionieren, sondern weiterentwickeln wollen und die Individualität als Wert erkennen, ohne die hohe soziale Verantwortung zu vernachlässigen?</p>
<p>Die taz kommt vermutlich am nächsten ran &#8211; hat aber neben einem mangelhaften Internetauftritt ein großes Problem: die Artikel sind einfach zu selten interessant. Aus beiden Gründen fällt es mir schwer, taz-Artikel zu Ende zu lesen. Auch gerade eben beim Schreiben dieses Beitrags wollte ich mich nochmal rückversichern und habe zwei Zufallsartikel ausgewählt: der erste behandelt ein Thema, das ich in einem linken Medium aktuell aufbereitet sehen wollen würde. Tatsächlich ist der <a href="http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/schaeuble-gegen-spaehverbot/">taz-artikel zum Datenschutzgipfel</a> aber eine dpa-Meldung, wie sie im <a href="http://www.google.de/search?hl=de&#038;client=firefox-a&#038;rls=org.mozilla%3Ade-DE%3Aofficial&#038;hs=MJW&#038;q=%22Nach+den+Datenaff%C3%A4ren+bei+Bahn+und+Telekom+wird+der+Ruf+nach+einem+Verbot+des+Aussp%C3%A4hens+von+Arbeitnehmern+lauter.%22&#038;btnG=Suche&#038;meta=">Web kaum abgewandelt bezeichnende 924 Mal</a> zu finden ist. </p>
<p>Der zweite taz-Artikel war ein <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/geisterdiskussion-als-ersatzhandlung/">Kommentar zur eventuell anstehenden Enteignung</a> von Banken der Finanzkrise des globalen Kapitalismus wegen &#8211; hier könnte man vermuten, dass allein die großen Worte (Enteignung! Kapitalismuskrise!) linke Brillanz oder wenigstens eine herausstechende Meinung hervorbringen könnten. Nö. Der taz-Kommentar von Ralph Bollmann, immerhin Leiter des Parlamentsbüros der taz, könnte wortgleich in der Private Equity-Kundenzeitschrift der Deutschen Bank stehen, ohne auch nur einen einzigen empörten Anruf nach sich zu ziehen. Er ist einfach uninteressant und unüberraschend, dabei gleicht die Ausgangslage einem Elfmeter. Ohne Torwart. Auf einem abschüssigen Platz. Mit einem bereits rollenden Ball.</p>
<p><a href="http://flickr.com/photos/wheatfields/2053052108/"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/02/goldfisch_freiheit.jpg" alt="goldfisch_freiheit" title="goldfisch_freiheit" width="536" height="138" class="aligncenter size-full wp-image-423" /></a></p>
<p>Beim linken Independent-Medium <a href="http://jungle-world.com">Jungle World</a> dagegen hat man selbst bei besonnenen Artikeln zu oft den Eindruck, als käme die Marktwirtschaft für die Autoren allenfalls zwischendurch in Frage und als wäre die Abschaffung des Kapitalismus nur eine Frage der richtigen Situation. Die Überwindung des westlichen Wirtschaftssystems mag in der WG-Küche eine hocheffektive Meinungsvariante sein, wenn man mit der Tübinger Apothekerstochter mit Pali-Tuch schon nach dem vierten Rotwein knutschen möchte. Ich selbst würde aber gern zeitgemäße, konstruktive Kapitalismuskritik sehen, also die Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft, etwa unter den Gegebenheiten der (wünschenswerten) Globalisierung. Nein, auch die Jungle World trifft trotz oft hervorragender antifaschistischer und in Einzelfällen auch kluger wie witziger wirtschaftspolitischer Berichterstattung weder Ton noch Geschmack. </p>
<p>Von den restlichen linken und scheinlinken Medien ganz abzusehen, erst recht von dem <a href="http://de.indymedia.org/">weitgehend unerträglichen Indymedia-Getöse</a>, deren theoretische und früher tatsächlich vorhandene Notwendigkeit durch bizarr-politische Kommentare bzw. durchschnittlich vollverwirrte Leserschaft ad absurdum geführt wird, zumal auch die Artikel etwa die deutsche Polizei als kurz vor dem faschistischen Staatsstreich stehend darstellen. Indymedia entspricht den Heise-Foren für Attac-Mitglieder.</p>
<p>Um es kurz zu machen: Ich will den Kapitalismus nicht abschaffen, sondern optimieren. Ich will Berichterstattung, in der nicht zwischen den Zeilen das &#8220;Eigentlich macht die Merkel ihre Sache ja ganz gut&#8221; durchscheint. Ich wünsche mir einen aufgeklärten Gesellschaftsliberalismus jenseits des wirtschaftlichen Liberalismus-Kidnappings der FDP. Ich bin linksliberal-demokratisch mit sozial-marktwirschaftlichem Einschlag und möchte undogmatische, aber klare und intelligente Positionen sehen. Wo ist mein Medium?</p>
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