Posts Tagged "guttenberg"

Angela Merkels Vertrau-o-Meter (Papst-Edition)

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Quellen

Papst (17.03. 2010)
Franz-Josef Jung (26.11. 2009)
Karl-Theodor zu Guttenberg (17.02. 2011, 21.02. 2011, 28.02. 2011)
Christian Wulff (14.12. 2011, 19.12. 2011)
Annette Schavan (15.10. 2012, 06.02. 2013)
Wolfgang Schäuble (11.05. 2010, 13.11. 2010)
Hans-Peter Friedrich (01.08. 2012)
Frank-Walter Steinmeier (22.01. 2007)
Guttenberg als Wirtschaftsminister (09.02. 2009)
Ursula von der Leyen (07.09. 2012)
Europäische Zentralbank (22.08. 2008, 15.05. 2010)
Polizei beim G8-Gipfel (05.06. 2007)
Auf den Weg gebrachte Reformen des Spanischen Ministerpräsidenten und seiner Regierung (06.09. 2012)
Arbeit der Bundesbank (13.09. 2010)
Joachim Gauck (22.02. 1992)

Ab Oktober 2009 auf der Seite der Bundesregierung:
• 37 Mal “volles Vertrauen”
• 7 Mal “vollstes Vertrauen”

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Das Facebook-Novum

tl;dr: Die Facebook-Page “Wir wollen Guttenberg zurück” hat nach meiner Einschätzung weitgehend echte Fans.

Der “Call for Crowd Action” vom vergangenen Freitag hat ein für mich erstaunliches Echo gefunden: neben über 900 Kommentaren kamen vor allem fast 100 Mails mit allen möglichen Hinweisen, von quasiprofessionellen Datenauswertungen bis zu Mutmaßungen. Mehrere Scripte sind geschrieben worden, die die Steigerung der Zahl der Fans der Guttenberg-Page auslesen, ein paar Datensätze sind lange vor meinem Aufruf angefertigt worden, insgesamt gibt es sehr, sehr umfangreiches Datenmaterial. Vielen und sehr herzlichen Dank dafür an alle, die sich beteiligt haben.

Zunächst zu den im Ausgangsartikel beschriebenen Methoden – die Sammlung von Screenshots ist durch die Scripte hinfällig geworden, die schon früh eingesetzt worden sind und die Beschreibung von aussagekräftigen Wachstums-Graphen erlauben. Die zweite Methode ging wie von mir beschrieben von einigen Ausgangsvoraussetzungen aus, um überhaupt aussagekräftig sein zu können. Tatsächlich ist, wenn man die geposteten Zahlen betrachtet, die aufgrund ihrer Größe eine ausreichende Aussagekraft haben könnten, der Anteil der Guttenberg-Fans bei vielen kleiner als erwartet – teilweise auffällig kleiner. Eine mögliche Erklärung dafür ist noch wesentlich interessanter als irgendein Tool, mit dem man Fakeprofile steuern kann: Vielleicht hat Guttenberg Leute zu Facebook gezogen, die vorher nicht da waren – und zwar eine ganze Menge. Die Zahlen von Socialbakers, einem Statistikdienst vor allem für Facebook, sind im Detail nicht übermäßig präzise, lassen in der 3-Monatsauswertung durchaus den Schluß zu, dass sich im letzten Drittel des Februar deutlich mehr Leute bei Facebook angemeldet haben als in vergleichbaren Zeiträumen.

Aber die vielen verschiedenen Beiträge, die durch die Crowd geleistet worden sind, haben dem Aufruf doch einen Sinn gegeben. Einige ausgewählte finden sich im Folgenden als Teil der Auswertung, viele andere bleiben unerwähnt – aber alle haben zumindest beigetragen, dass ich für mich zu einer recht eindeutigen Einschätzung gelangt bin: Ich glaube, dass die überwiegende Anzahl der Fans der Seite echt sind. Beweise habe ich nicht, und selbstredend ist es möglich, dass ich mich täusche. Aber es gibt starke – für mich ausreichend starke – Indizien, die auf die weitgehende Echtheit hindeuten:

1. Indiz
Das wichtigste Argument ist die für Facebook offenbar absolut übliche Wachstumskurve. Die Twitternutzer @scytale und @marekventur haben die Daten mit denen der Page der Sendung “Germany’s Next Top Model” verglichen – und auch mit den Wachstumsdaten der Page gegen Guttenberg. Hier ist das recht eindeutige Ergebnis:


2. Indiz
Facebook hat auf meine Anfrage hin nochmal in den Daten gewühlt und festgestellt:

“[…], es können da und dort Fakes dabei sein – aber nicht en masse”.

Hierzu muss man sagen, dass natürlich immer wieder Unzulänglichkeiten von Facebook bekannt werden, auch technischer Natur. Zum Beispiel habe ich häufiger einen Hinweis auf aktuelle spam- oder wurmartige Aktivitäten zugesendet bekommen, die in diesem Artikel beschrieben werden: “Wie man sich auf Facebook Likes erschleicht”. Theoretisch käme dieses Prinzip technisch auch bei der Guttenberg-Page in Frage. Aber – in dieser Größenordnung hätte das nicht unbemerkt bleiben können. Ebenso wenig, wie man aus Versehen zwei Drittel einer Doktorarbeit kopieren kann ohne es zu merken, können mehrere hunderttausend Facebook-Nutzer Fans werden, ohne es zu merken. Trotz solcher und anderer Unzulänglichkeiten von Facebook muss man zugestehen, dass dort in den allermeisten Fällen schnell und technisch präzise auf Fakes reagiert worden ist. Die Erstellung von gefälschten Profilen ist zwar möglich, aber alles andere als trivial. Noch schwieriger dürfte es sein, sechsstellige Anzahlen von Profilen so zu fälschen, dass auch die Techniker von Facebook – die jeden Tag mit Fakes zu tun haben – mit den Möglichkeiten der Administratoren das nach mehrfacher Prüfung nicht erkennen.

3. Indiz
Der Journalist Marcus Schwarze von der Rheinzeitung hat vom Ersteller der Seite einen Admin-Zugang bekommen, der einen Blick in die internen Facebook-Statistiken erlaubt. Er hat dort Zahlen und Detailstatistiken gefunden, die – sowohl was die Interaktionen angeht wie auch vom Traffic her – den Schluss zulassen, dass der Großteil der Page-Besucher echt sind.

Natürlich bleiben Ungereimtheiten. Natürlich gibt es einzelne Accounts, die ganz eindeutig Fakes sind. Natürlich kann es sein, dass Betrüger aus welchen Gründen auch immer auf den Zug aufgesprungen sind, etwa, um mit repititiven Massenpostings Traffic für zweifelhafte Seiten zu generieren. Die Kommentare auf der Wall der Page lockten ja durchaus mit der Anmutung, dass der Großteil der Leute dort, sagen wir: eher anfällig für plumpe Klickfallen schienen. Und natürlich ist noch nicht gesagt, ob nicht etwa die ersten zehntausend Page-Fans gefaket waren, um einen Anschub zu geben. Aber würde es wirklich eine Rolle spielen, wenn zum Beispiel 100.000 der fast 600.000 Fans Fakes wären?

Das wichtigste und 4. Indiz für die Echtheit der Page-Fans aber ist die Entwicklung der digitalen Gesellschaft in Deutschland selbst. Etwa 20% der Bevölkerung oder 17 Millionen Deutsche sind auf Facebook. Es liegt nahe, dass es sich inzwischen um einen einigermaßen ausgewogenen Querschnitt durch die Bevölkerung handelt, natürlich mit der Tendenz, jünger, progressiver, gesellschaftlich aufgeschlossener zu sein. Aber eben nur mit der Tendenz. Es ist unbestritten, dass Guttenberg ein mediales Massenphänomen war. Jemand, der Leute ansprach, von denen man sich irgendwie schon dachte, dass sie exakt so seien, wie sie sich später auf der Fan-Page dann auch präsentiert haben. Ohne Häme und intelligent analysiert hat das der Twitternutzer @haekelschwein in einem Kommentar auf dem Blog netzpolitik.org. Der ehemalige Verteidigungsminister hat eher nach dem Prinzip Justin Bieber funktioniert als nach politischen Maßstäben, dementsprechend sind zu seiner Beschreibung auch eher Popstar-Mechaniken geeignet. Guttenberg wurde von seinen Fans – die oft keine einzige konkrete Tat ihres Idols benennen konnten – in erster Linie ästhetisch und emotional beurteilt und nicht politisch. Von ihm bleibt mehr Haargel als politische Substanz. Niemand aber hätte Verdacht geschöpft, wenn ein Popstar wie zum Beispiel Dieter Bohlen in wenigen Tagen eine halbe Million Fans versammelt hätte, jeder hätte gedacht – ja nun, so sind die Menschen, in ihrer irrationalen Begeisterung fühlen und handeln sie oft unerklärlich.

Und darin liegt der Schlüssel zu der Merkwürdigkeit: als aufgeklärter Netzteilnehmer konnte und wollte man sich bisher einfach nicht vorstellen, dass eine halbe Million Menschen unter den gegebenen Betrugs-Umständen ernsthaft für die weitere politische Betätigung Guttenbergs ist – und gleichzeitig im Netz unterwegs ist, das doch irgendwie eher progressiv und liberal war. Bisher. Wenn ich ähnlich starke Indizien für das Fake-Szenario gefunden hätte, hätte ich vermutlich nicht gezögert, laut “Betrug!” zu rufen. Aber manchmal passen einem Erkenntnisse so gar nicht in den Kram und sind doch richtig.

Der digitale Marsch der halben Million nach Guttenberg zeigt vor allem eines: jahrelang hat man sich gefragt, wann abgesehen von Mails und Online-Banking das Volk endlich wirklich im Internet ankommt. Und jetzt ist es da.

Nachtrag
Die äußerst geringe Zahl von Demonstrationsteilnehmern erklärt sich meiner Meinung nach daraus, dass es kein niedrigschwelligeres “politisches Engagement” gibt als ein Klick auf Facebook. Dementsprechend ist es kaum möglich, allein daraus irgendetwas über eine mühevolle Demonstrationsteilnahme abzuleiten, in die eine wie in die andere Richtung.

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Call for Crowd Action: Betrügt die Guttenberg-Seite auf Facebook mit den Fan-Zahlen?

Schummelt irgendjemand (muss ja nicht der Seiten-Admin sein) mit der Facebook-Page “Wir wollen Guttenberg zurück”? Lasst uns versuchen, es gemeinsam herauszufinden – wie, das steht in diesem Artikel.

Nachtrag, Freitag, 20:15 – ich habe ein Google Doc publiziert namens “Facebook Fake Finding Force”, kurz: #4F, in dem die bisherigen Erkenntnisse gesammelt werden, die in den Kommentaren und auch per Mail an mich eingetroffen sind. Kurzlink ist http://1.ly/FakeFindingForce

Es begann einigermaßen plausibel: zu Guttenberg füllt die Hallen und die Seiten des Boulevard – warum sollte er nicht auch die Facebook-Massen begeistern können? Zumal Facebook in Deutschland wächst wie verrückt, inzwischen gibt es mehr als 16 Millionen aktive Mitglieder. Bis etwa 200.000 Fans der Gruppe “Wir wollen Guttenberg zurück” war meine Einschätzung: überraschend, aber nicht unmöglich, eher sogar wahrscheinlich.

Ab 300.000 Fans begannen meine Zweifel, vor allem geschürt durch die Häufung der Profile der Page-Mitglieder wie dieses: Anna-Lena Breitenberger* hat keine Interessen außer Guttenberg (auf verschiedenen Pages) – und offenbar auch keine anderen Friends, keine Bio, kein nichts. Hätte ich es noch für realistisch gehalten, dass jemand von Freunden animiert sich extra auf Facebook anmeldet, um Guttenberg zu unterstützen, so ist es doch unwahrscheinlich, dass diese Person nicht einmal diejenigen als Freunde hinzufügt, die sie darauf aufmerksam gemacht haben. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Auch den Facebook-Fake mithilfe der Crowd aufdecken
Bei 500.000 Fans und nach Entdeckung dieses Artikels, der die Merkwürdigkeit der sehr konstanten Steigerung der Fan-Zahlen beschreibt, habe ich beschlossen, irgendwie zu überprüfen, ob sich konkretere Anzeichen für falsche Fans finden lassen. Und zwar mithilfe der Crowd, der Vielen im Netz, die auch schon zu zu Guttenbergs Fall beigetragen haben – und mit zwei Methoden, um Anhaltspunkte zu finden.

1. Methode
Die erste Methode ist sehr einfach: ich bitte darum, die Zahl der Fans der Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt zu posten, wenn irgend möglich, als Screenshot, um nachvollziehbar zu bleiben. Ich habe zum Beispiel einen Screenshot vom 1. März, 22.08 Uhr, wo die Page 229.069 Fans hat. Wenn genügend von diesen Daten zusammenkommen, kann man eine Kurve berechnen, deren Regelmäßigkeit Aufschluss gibt über eine eventuelle maschinelle Unterstützung der Page. Insbesondere Daten/Screenshots tief aus der Nacht wären hier interessant. Ich bitte um heftiges Posten in den Kommentaren.

2. Methode
Die zweite Methode ist nicht ganz simpel, sie ist eine arithmetische Annäherung an die Wahrscheinlichkeit, mit der bei der Guttenberg-Page die Zahl der MItglieder künstlich hochgetrieben wird. Sie beruht darauf, dass jedes Facebookmitglied sehen kann, wieviele seiner Freunde eine Page mögen, bzw. Mitglied sind – unabhängig davon, ob man sie selbst mag oder nicht. Zum Zeitpunkt dieses Screenshots (11.05 Uhr, heute am Freitag) hat die Page 545.982 Fans. Mein Profil hat 4.917 Friends, davon mögen 145 die Guttenberg-Page.

Daraus ergibt sich, dass 0,02655% der Guttenberg-Fans auch meine Friends sind. Das allein ist ersteinmal unverdächtig, obwohl nach kurzer Durchsicht und Rückfrage geschätzt ein Drittel der Fans unter meinen Friends offensichtlich ironisches Interesse an der Gruppe haben – aber das ist in Kauf zu nehmen, Mitglied ist Mitglied. Schaue ich mir jedoch die Page von Angela Merkel an, dann hat sie 74.353 Fans, davon sind 147 meine Friends, das ergibt 0,1977% Merkelüberschneidungen. Seltsam – ein siebeneinhalbtel der Mitglieder, aber fast die gleiche Anzahl von Überschneidungen? Schaue ich auf die Page der BILD-Zeitung, dann hat diese zum Zeitpunkt des Screenshots (heute, 11.05 Uhr) 111.398 Fans – und davon sind 214 meine Friends. Das gibt interessanterweise einen Überschneidungswert, der dem von Angela Merkel sehr ähnlich ist, nämlich 0,1921%. Die Page von Karl-Theodor zu Guttenberg selbst eignet sich natürlich auch für die Überprüfung: 219 der insgesamt 197.414 Fans finden sich unter meinen Friends. Es ergibt sich ein Überschneidungswert von 0,1109% – etwas weniger als für BILD und Merkel, aber immer noch mehr als viermal so hoch wie bei der “Guttenberg zurück”-Page – allesamt also signifikante Abweichungen.

Natürlich kann ich mit meiner recht offen vorgetragenen politischen Einstellung nicht davon ausgehen, dass meine Friends auf Facebook auch das Epizentrum der konservativen Bewegung sind. Aber eine gewisse Konsistenz innerhalb verschiedener irgendwie konservativer Bewegungen müsste ansatzweise gegeben sein. Trotzdem sagen diese Zahlen noch verhältnismäßig wenig aus, denn die große Aufmerksamkeit der Page auch im Fernsehen, die häufige mediale Erwähnung und Verlinkung und die erwiesene Hysterie der Guttenberg-Fans bieten durchaus die Möglichkeit, dass das Phänomen echt ist.

Und an dieser Stelle kommt wiederum die Crowd ins Spiel. Je mehr Leute posten, wieviele Freunde sie haben und wie hoch die Überschneidungen mit den obenstehenden vier Pages sind, desto weniger fällt der Bias durch die einzelne Person ins Gewicht, zum Beispiel die politische Ausrichtung. Zu bedenken ist aber trotzdem noch: vor allem die zweite Methode geht von einer ganzen Menge Vorannahmen aus und hat damit definitiv ihre Schwachstellen.

Ihr alle könnt aber mithelfen, herauszufinden, wie hoch etwa die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Guttenberg-Page mit gefakten Unterstützer-Profilen arbeitet. Wenn genügend Leute zusammenkommen, lässt sich noch genauer ausrechnen, wie hoch die Abweichung ist, und infolge dessen auch die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um gefakte Fans handelt. Beweisen wird man so nichts können, aber Anhaltspunkte wären es schon. Und das sind wir ja aus den Guttenberg-Angelegenheiten gewohnt.

Ich bitte also darum, neben den Screenshots der Fan-Zahlen (s.o.) in die Kommentare hineinzuposten:
• Die Zahl der eigenen Freunde
• Die Zahl der Überschneidungen mit der “Guttenberg-zurück”-Page
• Die Zahl der Überschneidungen mit der Merkel-Page
• Die Zahl der Überschneidungen mit der BILD-Page (falls nicht offensiv aussortiert…)
• Die Zahl der Überschneidungen mit der offiziellen Guttenberg-Page
sowie einen Link zum eigenen Profil der Nachvollziehbarkeit halber.

Bei mir würde das so aussehen:
4.917 – 145 – 147 – 214 – 219

Am Montag oder Dienstag würde ich dann die Daten auswerten, wenn genügend vorhanden sind und auch nochmal Experten wie Philipp und Jens von Facebook-Marketing vorlegen; eine Anfrage an Facebook selbst läuft ebenfalls schon. Danke im voraus für Eure Beteiligung und Weiterverbreitung.

* Update (Freitag, 16:36)
Unterdessen bestätigt mir Facebook, dass das oben verlinkte Profil von Anna-Lena Breitenberger “absolut echt” sei. Sorry, Anna-Lena.

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