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Unignorierbar – die schiere Größe der sozialen Medien

Die mir am häufigsten gestellte Frage lautet:
“Muss man eigentlich Social Media machen?”

Für Privatpersonen fällt die Antwort leicht: Nein.

Für die Politik fällt die Antwort auch leicht: Ja.
Die sozialen Medien sind der Weg der direkten Kommunikation mit den Bürgern. Sie bilden eine notwendige Ergänzung der indirekten Kommunikation mit den Bürgern über die professionellen Medien – mit denen man als Politiker auch sprechen muss. Oder viel mehr: man wäre außerordentlich schlecht beraten, gar nicht mit den Medien zu sprechen. Die sozialen Medien sind für die Politik wichtig, weil Bürger dort sind. Und zwar viele.

Für Unternehmen (und Selbständige) ist die Frage weniger leicht zu beantworten. Im Jahr 2010 sagte Mark Zuckerberg: “If you look five years out, every industry is going to be rethought in a social way“. Einige Berater erzählen dementsprechend sinngemäß, dass DAX-Konzerne ohne Twitter-Account schon so gut wie insolvent seien. Das ist natürlich Unfug.

Aber.

Social Media ist so groß, dass man es nicht mehr ignorieren kann. Groß hier im Sinne der Aufmerksamkeitsbündelung. Social Media ist so groß, dass man es als gegenwärtigen Entwicklungsstand des gesamten Internet betrachten muss. Und das bedeutet, dass man im Jahr 2011 als Unternehmen einen guten Grund dafür braucht, Social Media nicht auszuprobieren. Es gibt diese guten Gründe, sie hängen mit der jeweiligen Branche zusammen, mit der Unternehmenskultur und -struktur, mit der Unternehmensführung, mit einzelnen Abteilungen, mit der Unternehmensgröße und vielem anderen mehr. Aber ein Unternehmen muss 2011 für sich begründen, weshalb es nicht zumindest mit den Sozialen Medien experimentiert. Und der Grund darf nicht lauten: “Och nää, ist doch kindisch”. Denn die Entwicklung, die Mark Zuckerberg mit seinem Zitat meinte, beginnt mit den sozialen Medien (aber umfasst natürlich wesentlich mehr als Facebook, Twitter, Blogs).

Nur – wie groß ist Social Media eigentlich? Selbst Fachleute unterschätzen die schiere Größe, und deshalb habe ich ein Schaubild gebastelt. Es zeigt die schiere Größe der Vorzeigeplattform der sozialen Medien, Facebook, nach Pageviews die erstgrößte Seite der Welt, im Vergleich zur zweit- bis 100stgrößten Seite* des World Wide Web – zusammenaddiert. Facebook funktioniert hier auch als Symbol für die sozialen Medien. Und Social Media bedeutet: Jeder kann publizieren und ist so Teil der Digitalen Öffentlichkeit.

Voilà:

* Natürlich ist Social Media mehr als Facebook, aber Facebook ist nach Pageviews mit Abstand am größten. Pageviews sind noch immer eine (die) entscheidende Größe bei der Vermarktung. Unter den abgebildeten TOP 100 (sortiert allerdings nach Unique Visitors) finden sich noch dazu Seiten wie YouTube, Twitter oder WordPress, die ebenfalls Social Media zuzurechnen sind. Abgetragen sind dabei die Seitenaufrufe von Facebook weltweit, der TOP 100 Seiten weltweit des Internet, genauer: des World Wide Web (jedoch ohne Google und Pornographie). Zur Orientierung daneben: die gesamte deutsche Medienlandschaft, die sich bei IVW messen lässt (das sind ungefähr alle professionellen Onlinemedien in Deutschland, 46 Mrd. PI). Daneben die Seitenaufrufe der drei VZ-Netzwerke (2,8 Mrd. PI) sowie Spiegel Online (800 Mio. PI). Die Daten stammen vom Google Adplanner, der google.com selbst nicht mitanzeigt. Die Zahlen des Adplanner sind zwar Schätzungen, gelten aber als einigermaßen aussagekräftig. Für die deutschen Medien stammen die Zahlen von der IVW, der Vereinigung, die in Deutschland Onlinemedien recht präzise mit Zählpixeln ausmisst.

tl;dr
Social Media ist sehr viel größer, als man glaubt – so groß, dass man Social Media als gegenwärtigen Entwicklungsstand des Internet bezeichnen muss.

Nachtrag:
Natürlich werden hier bis zu einem gewissen Grad Äpfel mit völlig anderen Äpfeln verglichen, und auch die PI ist nicht das Maß aller Dinge. Es geht mir um die Größenordnung der sozialen Medien, und die lassen sich hier erahnen.

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Das Facebook-Novum

tl;dr: Die Facebook-Page “Wir wollen Guttenberg zurück” hat nach meiner Einschätzung weitgehend echte Fans.

Der “Call for Crowd Action” vom vergangenen Freitag hat ein für mich erstaunliches Echo gefunden: neben über 900 Kommentaren kamen vor allem fast 100 Mails mit allen möglichen Hinweisen, von quasiprofessionellen Datenauswertungen bis zu Mutmaßungen. Mehrere Scripte sind geschrieben worden, die die Steigerung der Zahl der Fans der Guttenberg-Page auslesen, ein paar Datensätze sind lange vor meinem Aufruf angefertigt worden, insgesamt gibt es sehr, sehr umfangreiches Datenmaterial. Vielen und sehr herzlichen Dank dafür an alle, die sich beteiligt haben.

Zunächst zu den im Ausgangsartikel beschriebenen Methoden – die Sammlung von Screenshots ist durch die Scripte hinfällig geworden, die schon früh eingesetzt worden sind und die Beschreibung von aussagekräftigen Wachstums-Graphen erlauben. Die zweite Methode ging wie von mir beschrieben von einigen Ausgangsvoraussetzungen aus, um überhaupt aussagekräftig sein zu können. Tatsächlich ist, wenn man die geposteten Zahlen betrachtet, die aufgrund ihrer Größe eine ausreichende Aussagekraft haben könnten, der Anteil der Guttenberg-Fans bei vielen kleiner als erwartet – teilweise auffällig kleiner. Eine mögliche Erklärung dafür ist noch wesentlich interessanter als irgendein Tool, mit dem man Fakeprofile steuern kann: Vielleicht hat Guttenberg Leute zu Facebook gezogen, die vorher nicht da waren – und zwar eine ganze Menge. Die Zahlen von Socialbakers, einem Statistikdienst vor allem für Facebook, sind im Detail nicht übermäßig präzise, lassen in der 3-Monatsauswertung durchaus den Schluß zu, dass sich im letzten Drittel des Februar deutlich mehr Leute bei Facebook angemeldet haben als in vergleichbaren Zeiträumen.

Aber die vielen verschiedenen Beiträge, die durch die Crowd geleistet worden sind, haben dem Aufruf doch einen Sinn gegeben. Einige ausgewählte finden sich im Folgenden als Teil der Auswertung, viele andere bleiben unerwähnt – aber alle haben zumindest beigetragen, dass ich für mich zu einer recht eindeutigen Einschätzung gelangt bin: Ich glaube, dass die überwiegende Anzahl der Fans der Seite echt sind. Beweise habe ich nicht, und selbstredend ist es möglich, dass ich mich täusche. Aber es gibt starke – für mich ausreichend starke – Indizien, die auf die weitgehende Echtheit hindeuten:

1. Indiz
Das wichtigste Argument ist die für Facebook offenbar absolut übliche Wachstumskurve. Die Twitternutzer @scytale und @marekventur haben die Daten mit denen der Page der Sendung “Germany’s Next Top Model” verglichen – und auch mit den Wachstumsdaten der Page gegen Guttenberg. Hier ist das recht eindeutige Ergebnis:


2. Indiz
Facebook hat auf meine Anfrage hin nochmal in den Daten gewühlt und festgestellt:

“[…], es können da und dort Fakes dabei sein – aber nicht en masse”.

Hierzu muss man sagen, dass natürlich immer wieder Unzulänglichkeiten von Facebook bekannt werden, auch technischer Natur. Zum Beispiel habe ich häufiger einen Hinweis auf aktuelle spam- oder wurmartige Aktivitäten zugesendet bekommen, die in diesem Artikel beschrieben werden: “Wie man sich auf Facebook Likes erschleicht”. Theoretisch käme dieses Prinzip technisch auch bei der Guttenberg-Page in Frage. Aber – in dieser Größenordnung hätte das nicht unbemerkt bleiben können. Ebenso wenig, wie man aus Versehen zwei Drittel einer Doktorarbeit kopieren kann ohne es zu merken, können mehrere hunderttausend Facebook-Nutzer Fans werden, ohne es zu merken. Trotz solcher und anderer Unzulänglichkeiten von Facebook muss man zugestehen, dass dort in den allermeisten Fällen schnell und technisch präzise auf Fakes reagiert worden ist. Die Erstellung von gefälschten Profilen ist zwar möglich, aber alles andere als trivial. Noch schwieriger dürfte es sein, sechsstellige Anzahlen von Profilen so zu fälschen, dass auch die Techniker von Facebook – die jeden Tag mit Fakes zu tun haben – mit den Möglichkeiten der Administratoren das nach mehrfacher Prüfung nicht erkennen.

3. Indiz
Der Journalist Marcus Schwarze von der Rheinzeitung hat vom Ersteller der Seite einen Admin-Zugang bekommen, der einen Blick in die internen Facebook-Statistiken erlaubt. Er hat dort Zahlen und Detailstatistiken gefunden, die – sowohl was die Interaktionen angeht wie auch vom Traffic her – den Schluss zulassen, dass der Großteil der Page-Besucher echt sind.

Natürlich bleiben Ungereimtheiten. Natürlich gibt es einzelne Accounts, die ganz eindeutig Fakes sind. Natürlich kann es sein, dass Betrüger aus welchen Gründen auch immer auf den Zug aufgesprungen sind, etwa, um mit repititiven Massenpostings Traffic für zweifelhafte Seiten zu generieren. Die Kommentare auf der Wall der Page lockten ja durchaus mit der Anmutung, dass der Großteil der Leute dort, sagen wir: eher anfällig für plumpe Klickfallen schienen. Und natürlich ist noch nicht gesagt, ob nicht etwa die ersten zehntausend Page-Fans gefaket waren, um einen Anschub zu geben. Aber würde es wirklich eine Rolle spielen, wenn zum Beispiel 100.000 der fast 600.000 Fans Fakes wären?

Das wichtigste und 4. Indiz für die Echtheit der Page-Fans aber ist die Entwicklung der digitalen Gesellschaft in Deutschland selbst. Etwa 20% der Bevölkerung oder 17 Millionen Deutsche sind auf Facebook. Es liegt nahe, dass es sich inzwischen um einen einigermaßen ausgewogenen Querschnitt durch die Bevölkerung handelt, natürlich mit der Tendenz, jünger, progressiver, gesellschaftlich aufgeschlossener zu sein. Aber eben nur mit der Tendenz. Es ist unbestritten, dass Guttenberg ein mediales Massenphänomen war. Jemand, der Leute ansprach, von denen man sich irgendwie schon dachte, dass sie exakt so seien, wie sie sich später auf der Fan-Page dann auch präsentiert haben. Ohne Häme und intelligent analysiert hat das der Twitternutzer @haekelschwein in einem Kommentar auf dem Blog netzpolitik.org. Der ehemalige Verteidigungsminister hat eher nach dem Prinzip Justin Bieber funktioniert als nach politischen Maßstäben, dementsprechend sind zu seiner Beschreibung auch eher Popstar-Mechaniken geeignet. Guttenberg wurde von seinen Fans – die oft keine einzige konkrete Tat ihres Idols benennen konnten – in erster Linie ästhetisch und emotional beurteilt und nicht politisch. Von ihm bleibt mehr Haargel als politische Substanz. Niemand aber hätte Verdacht geschöpft, wenn ein Popstar wie zum Beispiel Dieter Bohlen in wenigen Tagen eine halbe Million Fans versammelt hätte, jeder hätte gedacht – ja nun, so sind die Menschen, in ihrer irrationalen Begeisterung fühlen und handeln sie oft unerklärlich.

Und darin liegt der Schlüssel zu der Merkwürdigkeit: als aufgeklärter Netzteilnehmer konnte und wollte man sich bisher einfach nicht vorstellen, dass eine halbe Million Menschen unter den gegebenen Betrugs-Umständen ernsthaft für die weitere politische Betätigung Guttenbergs ist – und gleichzeitig im Netz unterwegs ist, das doch irgendwie eher progressiv und liberal war. Bisher. Wenn ich ähnlich starke Indizien für das Fake-Szenario gefunden hätte, hätte ich vermutlich nicht gezögert, laut “Betrug!” zu rufen. Aber manchmal passen einem Erkenntnisse so gar nicht in den Kram und sind doch richtig.

Der digitale Marsch der halben Million nach Guttenberg zeigt vor allem eines: jahrelang hat man sich gefragt, wann abgesehen von Mails und Online-Banking das Volk endlich wirklich im Internet ankommt. Und jetzt ist es da.

Nachtrag
Die äußerst geringe Zahl von Demonstrationsteilnehmern erklärt sich meiner Meinung nach daraus, dass es kein niedrigschwelligeres “politisches Engagement” gibt als ein Klick auf Facebook. Dementsprechend ist es kaum möglich, allein daraus irgendetwas über eine mühevolle Demonstrationsteilnahme abzuleiten, in die eine wie in die andere Richtung.

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Call for Crowd Action: Betrügt die Guttenberg-Seite auf Facebook mit den Fan-Zahlen?

Schummelt irgendjemand (muss ja nicht der Seiten-Admin sein) mit der Facebook-Page “Wir wollen Guttenberg zurück”? Lasst uns versuchen, es gemeinsam herauszufinden – wie, das steht in diesem Artikel.

Nachtrag, Freitag, 20:15 – ich habe ein Google Doc publiziert namens “Facebook Fake Finding Force”, kurz: #4F, in dem die bisherigen Erkenntnisse gesammelt werden, die in den Kommentaren und auch per Mail an mich eingetroffen sind. Kurzlink ist http://1.ly/FakeFindingForce

Es begann einigermaßen plausibel: zu Guttenberg füllt die Hallen und die Seiten des Boulevard – warum sollte er nicht auch die Facebook-Massen begeistern können? Zumal Facebook in Deutschland wächst wie verrückt, inzwischen gibt es mehr als 16 Millionen aktive Mitglieder. Bis etwa 200.000 Fans der Gruppe “Wir wollen Guttenberg zurück” war meine Einschätzung: überraschend, aber nicht unmöglich, eher sogar wahrscheinlich.

Ab 300.000 Fans begannen meine Zweifel, vor allem geschürt durch die Häufung der Profile der Page-Mitglieder wie dieses: Anna-Lena Breitenberger* hat keine Interessen außer Guttenberg (auf verschiedenen Pages) – und offenbar auch keine anderen Friends, keine Bio, kein nichts. Hätte ich es noch für realistisch gehalten, dass jemand von Freunden animiert sich extra auf Facebook anmeldet, um Guttenberg zu unterstützen, so ist es doch unwahrscheinlich, dass diese Person nicht einmal diejenigen als Freunde hinzufügt, die sie darauf aufmerksam gemacht haben. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Auch den Facebook-Fake mithilfe der Crowd aufdecken
Bei 500.000 Fans und nach Entdeckung dieses Artikels, der die Merkwürdigkeit der sehr konstanten Steigerung der Fan-Zahlen beschreibt, habe ich beschlossen, irgendwie zu überprüfen, ob sich konkretere Anzeichen für falsche Fans finden lassen. Und zwar mithilfe der Crowd, der Vielen im Netz, die auch schon zu zu Guttenbergs Fall beigetragen haben – und mit zwei Methoden, um Anhaltspunkte zu finden.

1. Methode
Die erste Methode ist sehr einfach: ich bitte darum, die Zahl der Fans der Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt zu posten, wenn irgend möglich, als Screenshot, um nachvollziehbar zu bleiben. Ich habe zum Beispiel einen Screenshot vom 1. März, 22.08 Uhr, wo die Page 229.069 Fans hat. Wenn genügend von diesen Daten zusammenkommen, kann man eine Kurve berechnen, deren Regelmäßigkeit Aufschluss gibt über eine eventuelle maschinelle Unterstützung der Page. Insbesondere Daten/Screenshots tief aus der Nacht wären hier interessant. Ich bitte um heftiges Posten in den Kommentaren.

2. Methode
Die zweite Methode ist nicht ganz simpel, sie ist eine arithmetische Annäherung an die Wahrscheinlichkeit, mit der bei der Guttenberg-Page die Zahl der MItglieder künstlich hochgetrieben wird. Sie beruht darauf, dass jedes Facebookmitglied sehen kann, wieviele seiner Freunde eine Page mögen, bzw. Mitglied sind – unabhängig davon, ob man sie selbst mag oder nicht. Zum Zeitpunkt dieses Screenshots (11.05 Uhr, heute am Freitag) hat die Page 545.982 Fans. Mein Profil hat 4.917 Friends, davon mögen 145 die Guttenberg-Page.

Daraus ergibt sich, dass 0,02655% der Guttenberg-Fans auch meine Friends sind. Das allein ist ersteinmal unverdächtig, obwohl nach kurzer Durchsicht und Rückfrage geschätzt ein Drittel der Fans unter meinen Friends offensichtlich ironisches Interesse an der Gruppe haben – aber das ist in Kauf zu nehmen, Mitglied ist Mitglied. Schaue ich mir jedoch die Page von Angela Merkel an, dann hat sie 74.353 Fans, davon sind 147 meine Friends, das ergibt 0,1977% Merkelüberschneidungen. Seltsam – ein siebeneinhalbtel der Mitglieder, aber fast die gleiche Anzahl von Überschneidungen? Schaue ich auf die Page der BILD-Zeitung, dann hat diese zum Zeitpunkt des Screenshots (heute, 11.05 Uhr) 111.398 Fans – und davon sind 214 meine Friends. Das gibt interessanterweise einen Überschneidungswert, der dem von Angela Merkel sehr ähnlich ist, nämlich 0,1921%. Die Page von Karl-Theodor zu Guttenberg selbst eignet sich natürlich auch für die Überprüfung: 219 der insgesamt 197.414 Fans finden sich unter meinen Friends. Es ergibt sich ein Überschneidungswert von 0,1109% – etwas weniger als für BILD und Merkel, aber immer noch mehr als viermal so hoch wie bei der “Guttenberg zurück”-Page – allesamt also signifikante Abweichungen.

Natürlich kann ich mit meiner recht offen vorgetragenen politischen Einstellung nicht davon ausgehen, dass meine Friends auf Facebook auch das Epizentrum der konservativen Bewegung sind. Aber eine gewisse Konsistenz innerhalb verschiedener irgendwie konservativer Bewegungen müsste ansatzweise gegeben sein. Trotzdem sagen diese Zahlen noch verhältnismäßig wenig aus, denn die große Aufmerksamkeit der Page auch im Fernsehen, die häufige mediale Erwähnung und Verlinkung und die erwiesene Hysterie der Guttenberg-Fans bieten durchaus die Möglichkeit, dass das Phänomen echt ist.

Und an dieser Stelle kommt wiederum die Crowd ins Spiel. Je mehr Leute posten, wieviele Freunde sie haben und wie hoch die Überschneidungen mit den obenstehenden vier Pages sind, desto weniger fällt der Bias durch die einzelne Person ins Gewicht, zum Beispiel die politische Ausrichtung. Zu bedenken ist aber trotzdem noch: vor allem die zweite Methode geht von einer ganzen Menge Vorannahmen aus und hat damit definitiv ihre Schwachstellen.

Ihr alle könnt aber mithelfen, herauszufinden, wie hoch etwa die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Guttenberg-Page mit gefakten Unterstützer-Profilen arbeitet. Wenn genügend Leute zusammenkommen, lässt sich noch genauer ausrechnen, wie hoch die Abweichung ist, und infolge dessen auch die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um gefakte Fans handelt. Beweisen wird man so nichts können, aber Anhaltspunkte wären es schon. Und das sind wir ja aus den Guttenberg-Angelegenheiten gewohnt.

Ich bitte also darum, neben den Screenshots der Fan-Zahlen (s.o.) in die Kommentare hineinzuposten:
• Die Zahl der eigenen Freunde
• Die Zahl der Überschneidungen mit der “Guttenberg-zurück”-Page
• Die Zahl der Überschneidungen mit der Merkel-Page
• Die Zahl der Überschneidungen mit der BILD-Page (falls nicht offensiv aussortiert…)
• Die Zahl der Überschneidungen mit der offiziellen Guttenberg-Page
sowie einen Link zum eigenen Profil der Nachvollziehbarkeit halber.

Bei mir würde das so aussehen:
4.917 – 145 – 147 – 214 – 219

Am Montag oder Dienstag würde ich dann die Daten auswerten, wenn genügend vorhanden sind und auch nochmal Experten wie Philipp und Jens von Facebook-Marketing vorlegen; eine Anfrage an Facebook selbst läuft ebenfalls schon. Danke im voraus für Eure Beteiligung und Weiterverbreitung.

* Update (Freitag, 16:36)
Unterdessen bestätigt mir Facebook, dass das oben verlinkte Profil von Anna-Lena Breitenberger “absolut echt” sei. Sorry, Anna-Lena.

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Ändert Facebook die Bezeichnung “Fan”?

Vor einiger Zeit habe ich hier einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel “Die Facebook Fan Falle“. Hintergrund war, dass ich mein Profil umstellen muss (das kommt auch bald, endlich) auf eine so genannte Page, der begrenzten Anzahl von Friends wegen. Menschen aber haben Friends auf Facebook, Pages haben Fans. Das zeigt nicht nur, auf welche lustig-verwirrende Weise sich im Internet die Sprachen vermischen, sondern hat mir auch Probleme bereitet, weil ich mit der Umwandlung über Nacht Friends in Fans verwandeln hätte müssen. Das möchte ja nicht jeder, der Begriff Fan geht zumindest im Deutschen mit einem etwas zu bedingungslos verehrenden Unterton einher. Ich hatte deshalb den Begriff Fan umdefiniert in “Friend auf Netzwerk”.

Scheinbar gab es bei Facebook ähnliche Gedanken, denn nun ist auf slideshare eine Kurzpräsentation aufgetaucht, die nahelegt, dass Facebook eine Umbenennung zumindest auf Wunsch möglich macht. Statt “Fans” wird dort “Connections on Facebook” vorgeschlagen, statt “become a fan” wird der entsprechende Button wohl einfach “like” heissen. Obwohl die Präsentation sehr überzeugend (inklusive des schönen Stempels “CONFIDENTIAL”) daherkommt, möchte ich betonen, dass es sich um eine anonym aufgetauchte Präsentation im Netz handelt. Ob sie echt sein könnte, soll jeder selbst beurteilen.

via @chrmar via @guenterexel

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Die Facebook-Fan-Falle

Jetzt ist es passiert und ich habe ein Problem, bei deren Lösung nur Ihr mir helfen könnt. Mit “Ihr”, das ich des briefartigen Ansprachecharakters halber im Internet immer groß schreibe, meine ich diejenigen Menschen, die mit mir auf Facebook befriendet sind. Kein Verschreiber, ich unterscheide “Freunde” und “Friends”. Ich habe grundsätzlich wenig Probleme mit Anglizismen, die “Sprache reinhalten” zu wollen, ist in meinen Augen Unsinn mit der Tendenz zur kulturellen Möchtegernhegemonie, aber das nur am Rande.

Jedenfalls habe ich seit einiger Zeit 5000 Friends auf Facebook, das ist die von Facebook willkürlich eingezogene Obergrenze. Natürlich kenne ich von diesen 5000 allenfalls 1000 persönlich, wenn man “kennen” weitestmöglich fasst im Sinne von “schon mal persönlich gesehen oder online miteinander kommuniziert”. Das macht mir nichts aus, im Gegenteil. Bisher habe ich Friends übersetzt als “Interessierte Personen”. Als ich an der Friend-Grenze anlangte, habe ich facebookinterne Kreise kontaktiert und nachgefragt, was zu tun sei. Die Antwort hat mich indirekt vor das eingangs erwähnte, gemeinsam zu lösende Problem gestellt. Da die 5000-Friends-Grenze keinesfalls aufgehoben wird, bleibt als einzige Möglichkeit die Umstellung meines Profils auf eine so genannte Page. Damit kann man die meisten Funktionen normaler Profile auch nutzen und noch einige mehr. Gut und schön. Aber! Die eben noch Friends genannten Kontakte auf Facebook wandeln sich – in Fans. Uff. Fans. Eben waren wir noch Friends, jetzt schon muss ich den interessierten Personen zumuten, zu ver-fan-nen. Ich weiss um die Bedeutung von Namen und Bezeichnungen, und habe mir deshalb etwas ausgedacht, um meine Friends nicht zu Zwangsfans zu machen. Nicht, dass ich etwas gegen Fans oder Fantum habe – aber der unfreiwillige Bezeichnungswandel macht mir Sorgen. Mein Teil der erwähnten Problemlösung ist oben zu sehen. Mit der Macht der selbsterklärten Deutungshoheit ist bei mir auf der Facebook-Seite “Fan” ab sofort (bzw. ab der Umschaltung in ein paar Tagen) ein Akronym für “Friend Auf Netzwerk”. Da mag in Euren Profilen Fan stehen – und hier kommt Euer Teil der Problemlösung – aber wir alle wissen, dass es Friend auf Netzwerk heisst. Wir bleiben trotzdem ganz normal befriendet, es heisst nur umständehalber anders. Okay mit Euch?Damit erspart Ihr mir einige kleinere Problemchen, zum Beispiel auf Parties sagen zu müssen, “sorry, ich kann Dich nicht hinzufügen auf Facebook, sonst müsste ich jemand anderen entfrienden”. Oder Ausreden zu erfinden für die 500 freundlichen, interessierten Personen, die sozusagen auf der Warteliste der Befriendung stehen. Danke für Euer Verständnis.

Und bei der Gelegenheit kann ich gleich auch mal ein paar Dinge aufschreiben zu Friendschaft, Freundschaft und sozialen Netzwerken.

• Wer Friendschaften grundsätzlich ablehnt, hat ein in Zukunft größer werdendes Problem. Denn die so genannten “schwachen Bindungen” (vgl. Mark Granovetter, “The Strength of Weak Ties“) machen den persönlichen Wert (hier keinesfalls monetär gemeint) eines sozialen Netzwerkes aus. Das gilt nicht nur beruflich, wo über die “schwachen Bindungen” die wichtigsten Kontakte zustande kommen – sondern auch privat. Die meisten Lebenspartnerschaften ergeben sich per Vermittlung über schwache Bindungen.

• Wer auf der anderen Seite aber Friends mit Freunden verwechselt, wird vermutlich böse enttäuscht. Friends helfen eher nicht beim Umzug, Friends sind nur selten alarmiert, wenn man zwei Wochen verstummt, Friends können wesentlich schlechter zwischen den Zeilen lesen als Freunde. Friends sind eher digitale Nachbarn. Das macht weder Friends noch Nachbarn zu schlechten Menschen, es sind eben nur keine Freunde im klassischen Definitionssinn.

• Allgemein bitte ich darum, die penetrante Frage nach dem “Warum?” zu allen möglichen Sozialen Netzwerken und Plattformen nicht mehr zu stellen. Die einzige mir sinnvoll erscheinende Antwort darauf lautet “Weil Menschen es wollen”, was aber meistens nicht die Art von Antwort ist, die eine wertvolle Diskussion eröffnet.

• Und wo wir gerade dabei sind, bei der allgemeinen Diskussion um Daten in der Öffentlichkeit, kann ich ja auch mal am Rande erwähnen, dass ich eine der jüngsten Entwicklungen im Social-Network-Bereich gut finde und benutze: Blippy. Man veröffentlicht dort, was man gekauft hat, und zwar automatisiert mit Schnittstellen zu Services wie iTunes oder auch der Kreditkarte (was in Deutschland leider noch nicht geht). An anderer Stelle schreibe ich mal auf, weshalb das im Moment aussieht wie das schlimmste, was man überhaupt etc. usw. – warum es aber mittelfristig den Konsumenten Macht zurückgibt. Hint: es hat auch damit zu tun, dass ein bisher verborgener Mechanismus (siehe zum Beispiel Payback-Karte) ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, und zwar bewusst und vom Nutzer kontrolliert.

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