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Bundestrojaner für Mac

Nach intensiven Protesten durch verärgerte Apple-Nutzer ist der Bundestrojaner ab demnächst endlich auch für Mac-Computer verfügbar. Der Bundestrojanerbeauftragte beteuerte, die App bereits zur Prüfung an den Appstore übermittelt zu haben. Dort werde überprüft, ob ggf. Urheberrechte verletzt würden oder unzulässige Worte wie “Fuck”, “Bitch” oder “Android” im Quelltext der Anwendung vorkämen. Die zuständigen Stellen der Ermittlungsbehörden erklärten, das erfahrene Entwicklerteam “h4xx0rz 1337″ – auf deren Seite bundeswarez.ru man die Software recht preisgünstig habe erwerben können – habe hoch und heilig versprochen, sich an alle im Chat vereinbarten Regeln gehalten zu haben.

Besonders stolz sind die zuständigen Behörden auf den nutzerzentrierten Ansatz der Anwendung: “Anders, als man es sonst von staatlicher Software gewohnt ist, haben wir beim Bundestrojaner für den Mac Usability groß geschrieben. Die Nutzer müssen buchstäblich gar nichts tun, um die App zu nutzen.” Die für PC-Nutzer längst selbstverständliche, automatische Ferninstallation im Hintergrund und ohne lästige Rückfragen sei nun auch für die bedeutende und immer größer werdende Zielgruppe der Apple-User verfügbar.

Für den “Bundestrojaner 4 Mac”, so der offizielle Name der Applikation, gelten folgende Systemvoraussetzungen:

• Mac-Computer mit einem Intel- oder PowerPC G5-Prozessor (867MHz oder schneller)
• 512 MB Arbeitsspeicher oder mehr
• 2,5 GB freier Festplattenspeicher für die regelmäßigen Screenshots im Offline-Modus

Weiterhin wird der Bundestrojaner 4 Mac auf allen Rechnern ab Betriebssystemversion OSX 10.5 laufen. Für Nutzer älterer Betriebssysteme soll zeitnah ein allerdings kostenpflichtiges Softwareupdate veröffentlicht werden. Bis dahin sind betroffene Nutzer aufgerufen, die Lücke händisch zu schließen: der Bundestrojaner 4 Mac fordert im Anwendungsfall den User auf, regelmäßig selbst Screenshots mithilfe der Tastenkombination “cmd shift 3″ anzufertigen und an eine individuell eingerichtete Mailadresse zu verschicken.

Enttäuschung herrschte dagegen beim Verband der Linuxnutzer: “Einmal mehr versagt die IT-Strategie des Bundes und die Lobbyisten der proprietären Betriebssysteme haben sich zum Schaden aller Bürger durchgesetzt. Open Source-Software wird völlig ignoriert.” Experten gehen davon aus, dass wegen der umfangreichen, bereits verfügbaren freien Malware ein Open-Source-Bundestrojaner sehr preisgünstig realisiert und vermutlich sogar crowdgesourced werden könne. “Es ist keine Frage der Kosten, sondern des Willens”, so der Linuxverband.

Mit dieser Problematik konfrontiert, gab sich der Bundestrojanerbeauftragte wortkarg, versprach aber, zumindest im mobilen Bereich deutlich nachzubessern. Schon 2012 solle eine mobile Version des Bundestrojaners veröffentlicht werden, die dann plattformübergreifend sowohl auf iPhones und iPads wie auch auf allen Android-Devices funktionieren solle. Entsprechende Funktionalitäten habe die NSA ausdrücklich zugesichert. Auf eine Version für das Nokia-Betriebssystem verzichte man allerdings, weil man alle zwölf Nutzer auch so im Auge behalten könne.

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Strohfeuer Appfragen

In der vergangenen Woche zur Frankfurter Buchmesse wurde die iPhone/iPad App für “Strohfeuer” vorgestellt, explizit als App (den gesamten Text enthaltend) und nicht als iBook. Weshalb das über das normale eBook – seit September verfügbar – hinaus erwähnenswert ist, versuche ich im Folgenden zu beantworten, und zwar mithilfe von Fragen aus der geschätzten Perspektive des kritisch-aufgeklärten Digitalkonsumenten.

Warum kostet die App sagenhafte 18,99 €?
Die Preispolitik von Rowohlt ist wie bei vielen anderen deutschen Verlagen so abgestuft, dass die elektronische Variante immer soviel kostet wie die derzeit preisgünstigste Papierausgabe des Buchs. “Strohfeuer” ist als Hardcover erschienen, da sind 18,95 € ein normaler Preis für ein entsprechendes Ebook in deutscher Sprache. Die 9 am Ende ist Apples Preisabstufungsdiktat geschuldet.

Aber für eine App muss man doch keine getöteten Bäume bedrucken, das muss doch billiger sein!
Diese Preispolitik ist, wie der Name bereits andeutet, politisch begründet und hat in diesem Fall mit den tatsächlichen Herstellungskosten etwa soviel zu tun wie der Preis einer Kinokarte mit den Produktionskosten des Films. Aber ich natürlich sehe ich das Argument auch aus dem Blickwinkel der finanzschwächeren iPhone-Nutzer und deshalb…

Ja, was?
… deshalb erhöhe ich einfach die Leistung der Strohfeuer-App, weil ich den Preis natürlich nicht eigenmächtig herabsetzen kann. Famoserweise hat das digitale Labor von Rowohlt sich etwas ausgedacht, das sich “digitalbuchplus” nennt und diesen Herbst mit vier Titeln startet. Es handelt sich dabei um verschiedene Ideen, die das Buch über den bloßen Text hinaus versupern sollen.

Zum Text von “Strohfeuer” gibt es also heitere Fotos und muntere Filmchen dazu?
Nein. Während bei den anderen Projekten, etwa bei der Einstein-Monographie, sinnvollerweise Film-, Ton- und auch gescannte Papier-Dokumente eingebaut sind, besteht die Anreicherung bei “Strohfeuer” aus autorenorientierter interaktiver Textkommunikation, wie wir coolen Agency People sagen. Ein Roman wird durch Videoclips nicht zwingend automatisch verschönert, so die Überlegung.

Was heisst das genau?
In der Strohfeuer-App verbirgt sich die so genannte Buchfrage. Dabei kann man an jeder Stelle des Buchs ein Stück Text markieren, drauftippen und dann dazu direkt eine Frage stellen (siehe Abbildung). In der App, auf der Plattform Lovelybooks.de, aber auch hier auf meinem Blog kann man dann unter saschalobo.com/strohfeuer/buchfrage die Fragen sehen – und meine Antworten dazu, denn ich werde sie sämtlich selbst beantworten.


Was soll das bringen?
In Woody Allens Film “Der Stadtneurotiker” gibt es eine berühmte Szene in einer Schlange an der Kinokasse, in der jemand lautstark darüber redet, was Marshall McLuhan in seinem Werk habe sagen wollen. Allen holt den echten McLuhan hinter einem Plakat hervor, der vor Ort erklärt, was wie gemeint war. Woody Allen schliesst die Szene mit dem Wunsch “If life were only like this”. Im Internet für mein Buch “Strohfeuer” is life jetzt like this, weil ich in den nächsten Wochen digital hinter der App lauere und alle auftretenden Fragen so schnell wie möglich – fast in Echtzeit – versuche zu beantworten. Was es aber genau bringt und ob es dem Publikum bei einem Roman als geeigneter Gegenwert erscheint, das muss man erst noch herausfinden.

Hm, was wäre denn das schlechtesterwartete Ergebnis?
Es werden fünf gleichlautende Fragen gestellt (“Wieviel Sascha Lobo steckt in der Hauptfigur?”) und dann interessiert sich nie wieder jemand dafür, weil die von mir für irrsinnig toll gehaltene Autoren-Interaktivität keinen erkennbaren Vorteil für das Publikum bringt, zumindest für Romane, bzw. für diesen Roman von mir.

Und was wäre das allerbeste Ergebnis, wenn möglich in für Sie typisch überhöhender Weise dargestellt?
Die Buchfrage bewegt Tausende dazu, sich die App zu kaufen und Fragen zu stellen, die ich direkt beantworte, wodurch der Buchgenuss sich erhöht. Im Gegenzug entdecke ich, welche Stellen eventuell unverständlich oder doof sind und welche witzig sind oder gut ankommen. Im besten Fall verändert sich mein Schreiben, weil es praktisch für jede Zeile direktes Feedback gibt, ich erkenne als Autor, ob die von mir beabsichtigte Wirkung oder Aussage von dieser oder jenen Passage überhaupt beim Publikum angekommen ist. Auf diese Weise verändert sich auch die Arbeit an Büchern in der Zukunft, zumindest, wenn der Autor das möchte.

Kann man auch Fragen stellen, wenn man das Papierbuch gekauft hat oder auch einfach so ohne Buch?
Ja, dazu muss man sich sogar noch nicht einmal bei lovelybooks.de anmelden, Mailadresse und Name reichen aus (das stand hier vorher andersherum, jetzt ist es richtig).

Und wann kommt die Android App?
Die wird so bald wie möglich kommen, sie ist in Arbeit. Schon allein, um sich nicht von Apple abhängig zu machen, denn die durchaus problematische Firma Apple hat außerordentlich seltsame Vorstellungen davon, wie man mit schriftlichen Kulturgütern umgeht. Die ersten Vertragsentwürfe von Apple für verschiedene deutsche Verlage beinhalteten angeblich eine Liste mit Worten, die im Text nicht ausgeschrieben vorkommen dürften. Dass zumindest Rowohlt diese groteske Situation nicht akzeptieren konnte und wollte, sieht man an der Strohfeuer-App, in der exakt 43 Mal das Wort “Fuck” zu lesen ist (sowie 15 Mal “Hitler” in verschiedenen Varianten).

Un das alles soll also die Antwort sein auf die Frage, wie das Digitalbuch der Zukunft aussieht?
Ehrlich gesagt weiss ich nicht, wie das Digitalbuch der Zukunft genau aussieht. Ein paar qualifizierte Vermutungen kann ich gern äussern, dazu brauche ich nur ein in Gesichtsnähe gehaltenes Mikrophon. Aber ob sich die Realität meinen Prognosen unterzuordnen gedenkt, kann man im Moment nicht sagen. Um so wichtiger ist es, auszuprobieren, was für die Käufer funktioniert und was nicht. Das wissen sie nämlich im Bereich Technologie oft selbst noch gar nicht so genau, woher auch. 2005 hätte ich auf die Frage, ob ich ein Handy mit Touchscreen haben will, geantwortet: “Touchscreen? Sie meinen diese Fahrkartenautomaten-Technik, die zwei Minuten nach der Berührung etwas ganz anderes tut als ich eigentlich wollte?” Ich fürchte also, wir müssen alle gemeinsam ausprobieren, wie ein Digitalbuch in Zukunft aussieht, damit die begeisterten Massen bekommen, wonach sie verlangen.

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