Instant-Interview zur Person

Hier das Instant-Interview zur Person – nur noch eigene Fragen dazugiessen – und fertig!

• Den Irokesenschnitt habe ich seit der Buchmesse Oktober 2006, der Vorstellung von “Wir nennen es Arbeit”. Davor hatte ich ihn im Jahr 2002 schon einmal. Er ist immer rot, bzw. soll eigentlich immer rot sein.

• Ja, natürlich hat der Haarschnitt etwas zu bedeuten. Ich trage schon immer einen inneren Irokesenschnitt mir mir herum und irgendwann ist er halt hinausgewachsen. Es spielen selbstredend auch Selbstvermarktungselemente mit; die meisten Menschen erinnern sich nach nur einer Begegnung an mich, ausserdem entstehen interessantere Fotos. Provozieren kann man mit dieser Frisur übrigens kaum mehr, alle paar Tage hupen irgendwelche BMW-Fahrer im Business-Hemd anerkennend. Nur einige Möchtegern-Punks in diesen seit 30 Jahren unveränderten Punkuniformen stören sich an der Kombination Iro/Anzug und reagieren ab und zu ungehalten bis aggressiv.

• Nein, ich verstehe mich nicht unbedingt als Punk. Mich verbindet aber in Teilen eine Attitüdenähnlichkeit. Ich mag zum Beispiel die grundsätzliche Haltung des “Das kann ich auch”. Mehr Fragen zur Frisur möchte ich aber wirklich nicht beantworten.

• Am 11. Mai 1975 (Sonntag, Muttertag) in West-Berlin. Das hieß damals so, heute ist die Unterscheidung in West- und Ost-Berlin albern und zeugt von mittlerer bis größerer Engstirnigkeit oder auch Dummheit.

• Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin. Davor aber auch schon Publizistik (FU Berlin) und Lebensmittel-, Brauerei- und Biotechnologie (TU Berlin).

• Nein, nicht mein ganzes Leben lang nur Berlin – ich war etwa ein Dreivierteljahr (1994/95) in Südamerika, insbesondere in Argentinien und Bolivien, in homöopathischen Dosen auch in Peru.

• Das liegt daran, dass mein Vater aus Argentinien stammt. Ja, so richtig aus Argentinien, nicht 1945 dorthin ausgewandert. Das macht mich – wie ich erst jüngst überhaupt bemerkt habe – nach offizieller Definition des Statistischen Bundesamtes zum Menschen mit Migrationshintergrund; eine Tatsache, die ich eigentlich viel offensiver vermarkten sollte.

• Ja, ich war schon mal fest angestellt, und zwar sechs Wochen bei der Werbeagentur Weber, Hodel, Schmid (2000) und ganze sechs Monate bei der Werbeagentur Aimaq Rapp Stolle (2003). Außerdem gab es da mal ein studentisches Anstellungsszenario bei SAT.1 (1997/98). Jede in Berlin wohnhafte Medienperson über 30 Jahre hat schon mal bei, für oder mit SAT.1 oder Angrenzenden gearbeitet.

• Ja, Autor wollte ich schon sehr viel länger werden. Ich zitiere aus einem Fragebogen der Gymnasialzeit in der Rubrik Wunschberuf: “Autor”. Werber bin ich dagegen geworden, weil mir Marketing, also das Überzeugen von Menschen, irgendwie interessant erschien. In der Werbung war ich zunächst ein paar Wochen Berater, dann wechselte ich auf die Kreativseite. Irgendwann bemerkte ich, dass Kreative und Strategen selten miteinander sprechen und habe mich zwischen beide Felder gesetzt. Da sitze ich irgendwie immer noch; ab und zu arbeite ich noch als freier “Creative Director Text und Konzept”, wie wir Werber sagen.

• Nein, zum Internet bin ich verhältnismäßig spät gekommen. Mein Erstkontakt mit dem Netz war 1996 für eine Dreiviertelstunde, mein Zweitkontakt 1999. Ironisch habe ich auf einem Podium der Blogger-Konferenz re:publica mal gesagt, ich fühle mich als Urgestein des Internets, weil ich bereits im Jahr 2000 meine erste Mailadresse hatte. Diese Ironie haben zwar die Anwesenden verstanden, aber sonst wohl kaum jemand, jedenfalls findet sich die Formulierung “bezeichnet sich als Urgestein des Internets” ärgerlich häufig an anderen Orten.

• Ja, ich halte Twitter (und ähnliche Plattformen) für eine sehr relevante Entwicklung. Microblogging, also eine Art SMS an alle per Internet, ist die Synthese aus Social Network und Instant Messenger. Das Ergebnis ist je nach belieben als Privat-Nachrichtenticker oder Privatnachrichten-Ticker zu sehen und stellt – ähnlich wie die SMS – ein neues Medium dar, das neu dazugekommen ist und nicht mehr weggehen wird.

• Ja.

• Nein, glaube ich nicht.

• Nein, ich bin nicht Parteimitglied in der SPD (oder einer anderen Partei). Ich bin aber durchaus Sympathisant, obwohl ich natürlich nicht in allen Punkten mit dem Programm übereinstimme. Das ist auch nicht die Funktion von Parteien, es geht mir um Diskussion und Mitgestaltung. Also wähle ich aus, mit welcher Partei ich die größte inhaltliche und emotionale Schnittmenge habe und das ist eben die SPD. Weil Mitgestaltung in einer Parteiendemokratie so funktioniert, bin ich froh, im Online-Beirat der SPD zu sein, ebenso wie in verschiedenen Gesprächskreisen zum Thema Creative Industries.

• Frank-Walter Steinmeier.

• Eine ganze Menge Forderungen, um genau zu sein! Etwa die flächendeckende Versorgung mit kostenfreiem Internet per W-LAN (oder einer besseren Technologie) – das Netz ist eine ebenso wichtige Infrastruktur wie Straßen. Es geht weiter mit der verstärkten, unkomplizierten Förderung von Hochtechnologie-Unternehmen, gerade auch von innovativen StartUps. Eine weitere Forderung wäre die Einführung von Mindestlohn und Grundeinkommen in sinnvoller Kombination, es geht mir hierbei um eines der Überziele einer zivilisierten Gesellschaft, nämlich die Abschaffung der Existenzangst.

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