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	<title>saschalobo.com &#187; Politik</title>
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		<title>Addendum zu &#8220;Der neue Terrorismus kommt aus dem Netz&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Aug 2011 07:44:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Ende oder viel mehr am Anfang ist es die Frage, ob man das Internet als Werkzeug betrachtet oder als Sphäre. Sieht man das Netz als Werkzeug, dann liegt die Brotmesser-Metapher nahe: mit einem Brotmesser lässt sich jemand umbringen, aber das sagt nichts über Brotmesser aus, jede Diskussion über Konsequenzen für Brotmesser-Hersteller würde als lächerlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Am Ende oder viel mehr am Anfang ist es die Frage, ob man das Internet als Werkzeug betrachtet oder als Sphäre. Sieht man das Netz als Werkzeug, dann liegt die Brotmesser-Metapher nahe: mit einem Brotmesser lässt sich jemand umbringen, aber das sagt nichts über Brotmesser aus, jede Diskussion über Konsequenzen für Brotmesser-Hersteller würde als lächerlich empfunden werden.</p>
<p>Natürlich bin ich Anhänger des Modells der Sphäre. Im Netz passiert Gesellschaft. Und zwar auf andere Art als in der Kohlenstoffwelt, auch wenn die beiden Sphären zusammenwachsen. Das heisst auch, dass man die meisten, wenn nicht alle gesellschaftlichen Prozesse im Netz neu untersuchen muss. Manche werden gleich sein, viele ähnlich, die meisten aber anders als in der Restwelt. In meiner Kolumne auf Spiegel Online habe ich die Frage untersucht, <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,778089,00.html">ob Terrorismus im Netz entstehen kann</a>. Streng genommen müsste man fragen, ob Terrorismus <em>auch</em> im Netz entstehen kann, aber dass es Terror vor dem Internet gab und also auch ohne entstehen kann – naja nun, muss man darüber auch nur einen Satz verlieren?</p>
<p>Wenn man das Internet als Sphäre betrachtet, in der Gesellschaft stattfindet, wird dort früher oder später auch Terrorismus stattfinden, der im Netz geboren ist. Es lässt sich streiten, ab wann eine Tat &#8220;im Netz geboren&#8221; ist. Für mich reicht als Definition aus, dass eine Radikalisierung weitgehend im Netz entstanden ist und nicht im Live-Austausch in Terrorzellen. Etwa zwei Drittel des Dokuments von Breivik habe ich durchgearbeitet, wer es liest, muss sich schon anstrengen, um darin etwas anderes zu sehen als ein Text-Mash-Up, ein Dokument der Filter-Bubble-Radikalisierung. Natürlich kann man sich über die Analogie zu &#8220;Open Source&#8221; streiten, aber ich glaube, dass es nicht darauf ankommt. Und dass es alle Mechanismen auch schon vorher gab &#8211; geschenkt, das wichtige Wörtchen heisst <strong><em>auch</em></strong>. Es ist <em>auch</em> im Netz möglich – und hebt so die Diskussion auf eine andere Ebene. Brotmesser-Ideologen sagen: egal, es ist doch nur ein Instrument. Und erinnern damit fatal an die unwürdige Diskussion um Feuerwaffen in den USA, Stichwort: &#8220;Guns don&#8217;t kill people, people kill people&#8221; – was ich lediglich für technisch korrekt, aber für gesellschaftlich völlig falsch halte.</p>
<p>Heute früh habe ich einen kurzen, krassen Artikel gelesen: ein Hacker mit Diabetes hat es angeblich geschafft, eine implantierte Insulin-Pumpe so zu hacken, <a href="http://www.engadget.com/2011/08/04/researcher-hacks-wireless-insulin-pump-to-push-lethal-doses-giv/">dass er tödliche Dosen Insulin per Fernsteuerung aus einer halben Meile Entfernung auslösen könnte</a>. Eines der völlig neuen Probleme der verschmelzenden Welten. Und im Zweifel eine Art von digitalem DriveBy-Shooting, ein in der Digitalen Sphäre geborener Terror.</p>
<p>Was mich auf die &#8211; zugegeben in meiner Kolumne nicht ausreichend deutlich betonte – Quintessenz bringt:</p>
<p><strong>Die Argumentation für ein freies und offenes Internet muss selbst dann greifen, wenn Terror im Netz geboren wird.</strong> Unabhängig davon, ob man Breivik als &#8220;im Netz geboren&#8221; betrachtet oder nicht (für beides gibt es Argumente, meine Sicht habe ich aufgeschrieben).</p>
<p>Irgendwann werden terroristische Akte geschehen, die unleugbar netzbasiert sind. Und dann? Weiter so tun, als wäre das Netz niemals an irgendwas schuld? Weiter die Brotmesser-Metapher benutzen? Das wird schon deshalb schiefgehen, weil wir in einer Demokratie leben und also die Meinung der Mehrheit eine ganze Menge zählt.</p>
<p>Für mich ist die Offenheit und Freiheit des Netzes nicht verhandelbar, weil es sich lediglich um einen Aspekt der Freiheit und Offenheit der Gesellschaft handelt. Auch dahinter steht das Sphärenmodell. Aber daraus folgt zwingend: wir – damit meine ich diejenigen, die für das Internet in dieser Form argumentieren und kämpfen – dürfen uns niemals auf das dünne Argumentations-Eis begeben, das Netz für ausschliesslich positiv wirkend zu halten. Es muss Gegenmittel gegen Kriminalität und Terror im Netz geben, aber sie dürfen eben die freie und offene Gesellschaft im Digitalen nicht beschädigen. </p>
<p>Wer leugnet, dass im Netz Terror entstehen könnte (unabhängig von der diesbezüglichen Einschätzung zu Breivik übrigens), wird ein sehr großes Problem haben, wenn einer der vielen grauenvollen Kommentatoren der vielen rechtsradikalen Blogs in Deutschland durchdreht und wahrmacht, was er jeden Tag in die Kommentarspalten hineinschreibt. Ich fürchte mich vor diesem Tag, nicht nur wegen der Tat, sondern weil damit die schlechte Vorratsdatenspeicherung, die schlimme Rundumüberwachung im Netz, die katastrophalen Netzsperren und so weiter fast gewonnen haben werden. Es ist im friedlichen Deutschland zum Glück bisher kaum vorstellbar, was für eine gesellschaftliche Wucht ein tatsächlicher Anschlag entfalten kann. Ein solcher Sturm fegt alles hinweg, da kann man petitionieren, bis die Server glühen – zwei Tage nach einem Attentat in Deutschland sind die schärfstmöglichen Gesetze so gut wie beschlossen. Von allen Parteien übrigens. Deshalb müssen sich die Verfechter des freien und offenen Netzes wappnen und ihre Argumentation nicht auf Brotmessern aufbauen.</p>
<p>Auch deshalb, weil derzeit nicht Vernunft und Diskussionsbereitschaft herrscht auf der politischen Gegenseite von BKA bis CDU, sondern Kontrollwahn. Wahn deshalb, weil man kontrollieren möchte, was realistisch nicht zu kontrollieren ist und deshalb alle anderen Mittel &#8211; die rechtsstaatlich okay sein könnten – völlig aus den Augen verliert. Aber auf genau die Mittel kommt es an, denn <em>keine</em> Mittel sind keine Alternative. Und spätestens mit der Diskussion um die Netzneutralität wird wirklich jeder einsehen, dass an manchen Stellen eben doch der Staat eingreifen muss. Nämlich, um gesetzlich ein freies und offenes Netz zu garantieren. </p>
<p>Vor uns steht eine Mammutaufgabe, zugespitzt lautet sie: wir müssen Leute wie Hans-Peter Uhl (zum Glück nicht den grauenvollen Uhl selbst) davon überzeugen, das Internet, die digitale Seite der freien und offenen Gesellschaft, zu schützen. Ja, verdammt schwierig, ich weiss. Aber in meinen Augen gibt es dazu keine Alternative in einer Demokratie. Erst recht nicht in einer, in der Nerds und Internetversteher alles andere als an der Macht sind. Sondern allenfalls eine laute, aber sich selbst in ihrer Wirkung überschätzende Lobbygruppe. Das schlechteste Mittel für einen solchen Überzeugungsfeldzug lautet, die Realität zu leugnen und davon auszugehen, dass niemals irgendetwas Böses aus dem Netz kommen kann.</p>
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		<title>Quoten sind immer die Quoten der anderen &#8211; eine Frauenquote für die Blogroll</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Mar 2011 17:01:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[frauenquote]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute ist Weltfrauentag, und ich bin als Freund der Kommunikation nicht nur symbolfixiert, sondern empfinde mich auch als feministisch orientiert. Jawohl. Gockelfrisur, Halbargentinier, Feminist, für mich völlig selbstverständlich und logisch. Ehrlich gesagt verstehe ich kaum, wie man gleichzeitig das Grundgesetz für das Maß aller rechtsstaatlichen und gesellschaftlichen Dinge halten kann und nicht wenigstens ansatzweise feministisch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://www.flickr.com/photos/wwarby/4782861914/in/photostream/"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2011/03/sprinterinnen_by_wwarby.jpg" alt="" title="sprinterinnen_by_wwarby" width="608" height="114" class="aligncenter size-full wp-image-2336" /></a>Heute ist Weltfrauentag, und ich bin als Freund der Kommunikation nicht nur symbolfixiert, sondern empfinde mich auch als feministisch orientiert. Jawohl. Gockelfrisur, Halbargentinier, Feminist, für mich völlig selbstverständlich und logisch. Ehrlich gesagt verstehe ich kaum, wie man gleichzeitig das Grundgesetz für das Maß aller rechtsstaatlichen und gesellschaftlichen Dinge halten kann und nicht wenigstens ansatzweise feministisch orientiert sein kann. Natürlich auch als Mann, gerade als Mann. Antirassismus ist ja auch nichts, was nur <del>Farbige</del> Schwarze angeht. An dieser Stelle vielleicht nochmal die Definition des Feminismus: es handelt sich um den Glauben an die soziale, ökonomische und politische Gleichheit der Geschlechter (<a href="http://www.britannica.com/EBchecked/topic/724633/feminism">Encyclopedia Britannica</a> via <a href="http://maedchenmannschaft.net/das-feministische-lexikon/">Mädchenmannschaft</a>). </p>
<p>Bezeichnenderweise kommen die heftigsten antifeministischen Argumente in meinem weiteren Umfeld von Männern, die mit Frauen wenig bis nichts am Hut und anderen Körperteilen haben, sogar Extremfälle misogyner Jungfräulichkeit sind vorhanden. Das ist natürlich nur eine anekdotische Beobachtung, die wenig beweist. Aber dafür interessant ist. Sex scheint mir bei antifeministischer Verwirrung ein hochwirksames Mittel gegen Frauenfeindlichkeit, vielleicht finden sich ja hier wie dort Freiwillige für Feldstudien, &#8220;Fuck for Feminism&#8221; oder so.</p>
<p>Dass unter der Flagge des Feminismus auch viel Quatsch passiert ist, ist vollkommen klar, die meisten -ismen hatten und haben problematische Fans, die die Sache veralbern bis pervertieren. Dass ich mit den durchaus vorhandenen antimännlichen Tendenzen wenig anfangen kann, sollte auch nachvollziehbar sein – aber das ändert nichts an der Substanz des gesellschaftlichen Ziels der Gleichheit. Und Gleichheit heisst nicht Gleichbehandlung, um nach langem Rechtfertigungsgelaber endlich zum Thema der Überschrift zu kommen. Deshalb halte ich auch etwa eine Frauenquote für gut und richtig (in den meisten Fällen), nicht, weil sie kurzfristig immer zu tolleren Ergebnissen führt, sondern weil sie gesellschaftlich notwendig ist. Und damit mittel- und langfristig zu einer für alle tolleren Gesellschaft führt. Mit der Frauenquote ist es meiner Meinung nach ein bisschen wie mit der Demokratie, um ein bekanntes Zitat von Churchill abgewandelt zu paraphrasieren: Die Frauenquote mag eine schlechte Methode der Gleichberechtigung sein, aber die beste, die wir haben. </p>
<p>Nur sind die Quoten immer die Quoten der anderen, oft wohlfeile Handlungsaufforderungen, ohne dass man selbst dahinterstünde. Deshalb habe ich beschlossen, eine Frauenquote für meine Blogroll einzuführen, und zwar eine 50%-Quote. Im Moment stehen dort 54 verlinkte Blogs, davon sind beschämende 15 (also 27,7%) weiblich dominierte Blogs. Daraus folgt, dass ich weitere 24 Blogs von Frauen zur Blogroll hinzufügen werde, um mit 39 zu 39 Blogs einen Gleichstand zu erreichen. An dieser Stelle kommt Ihr ins Spiel, die Leserinnen und Leser dieses Blogs. Ich bitte recht herzlich um Vorschläge für die Ergänzung meiner Blogroll, wenn möglich auch mit kurzer Erklärung. Der famose Nebeneffekt ist vielleicht, dass auch Dritte neue, gute, interessante Blogs von Frauen entdecken. Angesichts der ebenfalls beschämenden grob überschlagen <a href="http://deutscheblogcharts.de/current.php">5% Blogs von Frauen in den Top 100 der Deutschen Blogcharts</a> kann das definitiv nicht schaden – genausowenig, wie das flächendeckende Aufgreifen der Frauenquote für die Blogroll.</p>
<p><strong>Update</strong><br />
Vielen Dank für die vielen Anregungen, nach und nach werde ich in den nächsten Tagen meine Blogroll entsprechend auffüllen und zur re:publica aller Voraussicht nach nochmal etwas dazu schreiben.</p>
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		<title>Streetview Postcards</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Nov 2010 17:06:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Endlich sind die neuen Google Streetview-Postkarten da; hier exklusiv die schönsten Motive: Nachtrag: Herr zeitweise hatte eine ähnliche Idee sogar schon im August.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Endlich sind die neuen Google Streetview-Postkarten da; hier exklusiv die schönsten Motive:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2200" title="brandenburg_gate" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/11/streetview_postcard_brbg_tor1.jpg" alt="" width="600" height="441" /><br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-2207" title="neublurstein" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/11/streetview_postcard_neuschwan.jpg" alt="" width="600" height="435" /><br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-2202" title="i_heart_berlin" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/11/streetview_postcard_berlin.jpg" alt="" width="600" height="390" /></p>
<p style="font-size:10px;">Nachtrag: Herr zeitweise hatte <a href="http://www.137b.org/?p=875">eine ähnliche Idee</a> sogar schon im August.</p>
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		<title>Google Street View-Widerspruch-Widerspruch</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Aug 2010 19:06:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Irrwitz]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[ilse aigner]]></category>
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		<description><![CDATA[Und zack &#8211; mit der politischen Feinfühligkeit eines betrunkenen Diplodocus teilt die Firma Google unvermittelt mit, dass noch in diesem Jahr Google Street View auch in Deutschland an den Start gehen wird, und zwar in 20 ausgewählten Städten. Das ist &#8211; trotz anderweitiger Verfehlungen ebendieser Internetfirma im Moment &#8211; eine gute Nachricht, denn damit ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Und zack &#8211; mit der politischen Feinfühligkeit eines betrunkenen Diplodocus teilt die Firma Google unvermittelt mit, dass noch in diesem Jahr <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,711073,00.html">Google Street View auch in Deutschland</a> an den Start gehen wird, und zwar in 20 ausgewählten Städten. Das ist &#8211; trotz <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,710998,00.html">anderweitiger Verfehlungen</a> ebendieser Internetfirma im Moment &#8211; eine gute Nachricht, denn damit ist endlich plakativ die Digitale Öffentlichkeit auf den Weg gebracht. Diese funktioniert zwar nach etwas anderen Regeln als die Analoge Öffentlichkeit, aber solche Veränderungen haben bisher viele Technologien verursacht: der Fotoapparat zum Beispiel hat das Verständnis des Bildes der eigenen Person grundlegend verändert. Wenn man mitten in einer grösseren Menge Menschen in der Öffentlichkeit fotografiert wird, muss man (in den meisten Fällen) akzeptieren, dass das Foto von Dritten ohne Nachfrage verwendet wird. Öffentlichkeit eben.</p>
<p>Das Verständnis des Konzepts der Digitalen Öffentlichkeit (eigentlich wollte ich nach meinem <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-72370280.html">SPIEGEL-Streitgespräch zu diesem Thema</a> längst einen Artikel drüber geschrieben haben) ist aber noch nicht besonders weit verbreitet. Unter anderem deshalb hat Frau Ilse Aigner auf ihren <a href="http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Verbraucherschutz/Internet-Telekommunikation/GoogleStreetview.html">Ministeriumsseiten einen schriftlichen Muster-Widerspruch</a> vorbereitet – für diejenigen, die nicht wollen, dass ihr Haus in Google Street View auftaucht (<a href="http://www.bmelv.de/cln_154/SharedDocs/Downloads/Verbraucherschutz/Internet-Telekommunikation/MusterwiderspruchGoogleStreetview-PDF.html">Link zum PDF</a>). Menschen, die das Konzept der Digitalen Öffentlichkeit nachvollziehen können, halten das <a href="https://twitter.com/schwadroneuse/status/20814655852">für eine mittlere Katastrophe</a> – das eigene Haus nicht in Street View? Eine Fassade soll Privatsphäre sein? Darf jedes Dorf entscheiden, ob es im Atlas veröffentlicht wird?</p>
<p>Die meisten Leute haben zweifellos Nachbarn, denen man einen so schwerwiegenden Eingriff in die Digitale Öffentlichkeit wie einen &#8220;Google Street View Widerspruch&#8221; zutraut. Und genau deshalb biete ich hier den &#8220;Google Street View Widerspruch-Widerspruch&#8221; an. Die Benutzung ist ganz simpel, man füllt das formlose Formular aus und schickt es an Google. Und zwar präventiv, falls man seltsame, offlinige Nachbarn hat, oder als Gegenwiderspruch, wenn man schon von einem Widerspruch weiss. Hier ist der <a href="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/08/widerspruch_widerspruch.pdf">Google Street View Widerspruch-Widerspruch als PDF-Download</a> (unten angefügt ein Screenshot). Er ist dem Otto-Normal-Widerspruch spürbar nachempfunden, hoffentlich ergibt das keine Urheberrechtsprobleme. Man kann den Text auch per Mail an streetview-deutschland@google.com versenden – ich empfehle allerdings, entweder einen Brief zu schicken oder in ein Museum einzubrechen und den Widerspruch per Fax zu senden: auf traditionelle Weise vorgebrachte Offline-Meinungen zählen offenbar mehr als Online-Meinungen. </p>
<p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/08/widerspruch_widerspruch.jpg" alt="" title="widerspruch_widerspruch" width="536" height="757" class="aligncenter size-full wp-image-1848" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die bescheuerte Musikindustrie und die egoistischen Filesharer</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 12:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Industries]]></category>
		<category><![CDATA[Interessante Worte]]></category>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[dirk von gehlen]]></category>
		<category><![CDATA[filesharing]]></category>
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		<category><![CDATA[musikindustrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Prolog Anderntags schrieb ich einen Artikel über Flattr und habe dabei einen unverzeihlichen Fehler gemacht: ich habe in einem Nebensatz die widerliche, asoziale, egoistische Handlung des illegalen Downloadens von Musikstücken &#8220;Diebstahl&#8221; genannt. Das ist juristisch zumindest ungenau, auch diskutabel, eventuell träfe &#8220;Erschleichung&#8221; es besser, wer weiss das schon, ich jedenfalls nicht. Wesentlich besser wussten das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Prolog</strong><br />
Anderntags schrieb ich einen <a href="http://saschalobo.com/2010/07/05/warum-ich-nicht-flattre/">Artikel über Flattr</a> und habe dabei einen unverzeihlichen Fehler gemacht: ich habe in einem Nebensatz die widerliche, asoziale, egoistische Handlung des illegalen Downloadens von Musikstücken &#8220;Diebstahl&#8221; genannt. Das ist juristisch zumindest ungenau, auch diskutabel, eventuell träfe &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erschleichen_von_Leistungen">Erschleichung</a>&#8221; es besser, wer weiss das schon, ich jedenfalls nicht. Wesentlich besser wussten das jedoch zwei an sich vernünftige Menschen, nämlich <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/wenn-wir-von-diebstahl-sprechen/">Dirk von Gehlen</a> und auch <a href="http://www.neunetz.com/2010/07/07/denkfehler-sascha-lobo-glaubt-dass-man-immaterielle-gueter-stehlen-kann/">Marcel Weiss</a>, die über ihren Kenntnisvorteil sogleich Artikel geschrieben haben, vom Tenor her ähnlich: Jehova, Jehova, immaterielle Güter kann man gar nicht stehlen, Kampfrhetorik! Wahrscheinlich ist es richtig, hier präziser auf das Wording zu achten, mein Fehler ist also klar ein Fehler &#8211; bezeichnend allerdings, dass Dirk von Gehlen in einem anderen Kontext kein Problem damit hat, immateriellen Werten das Wort Diebstahl anzuhängen, &#8220;<a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/the-cut-and-paste-personality/">Identitätsdiebstahl</a>&#8221; in diesem Fall. Noch interessanter ist, dass Marcel Weiss (zumindest vor einiger Zeit) mit deutlich spürbarer Empörung von &#8220;<a href="http://www.neunetz.com/2007/02/28/das-problem-mit-einigen-deutschen-blogs/">Screenshots klauen</a>&#8221; spricht &#8211; wenn er nämlich selbst irgendwie betroffen sein könnte. Jetzt, wo wir geklärt haben, dass bei allen Beteiligten die lebendige, verwendete Sprache zum Glück nicht der juristisch stets korrekten entspricht, ist es Zeit, mit tatsächlichen Argumenten abseits meiner neckisch-kleinlichen Revanche zum Hauptteil zu kommen, nämlich zu Pest und Cholera, oder um doch nochmal die juristisch korrekten Bezeichnungen zu wählen: zur Musikindustrie und den Filesharern. </p>
<p><span id="more-1792"></span><br />
<strong>Die grauenhafte Musikindustrie</strong><br />
Und schon muss man differenzieren &#8211; natürlich ist nicht die gesamte Musikindustrie bescheuert und grauenhaft. Sondern nur von mir geschätzte 90%, anders gesprochen: die Major Labels und angrenzende Unternehmen samt Lobbyverbänden. Ein wenig muss ich ausholen und nutze die Gelegenheit zu einem eitlen Bekenntnis: eigentlich bin ich der Traumkunde der Musikindustrie. Ich loade nicht illegal down, ich share nicht file, ich respektiere die Haltung des Künstlers, der festlegen möchte, wie und zu welchen Bedingungen und Preisen die von ihm geschaffenen Werke verbreitet werden. Und trotzdem hat sich in mir ein Hass aufgestaut, der noch nicht einmal mit der Generalunterstellung zu tun hat, jeder Kunde sei potenziell kriminell. Sondern ganz schlicht mit dem Zeitdiebstahl (huch, schon wieder immaterieller Diebstahl, verdammt), den die Musikindustrie an mir begeht. Es fängt mit DRM an, dem Digital Rights Management, das mir soviel Lebenszeit geklaut hat, dass ich überlege, eine stundensatzbasierte Rechnung an <a href="http://www.musikindustrie.de/vorstand/">Dieter Gorny</a> zu schreiben und so meine Altersvorsorge auf ein solides Fundament zu stellen. </p>
<p>Dazu kommt, dass ich als normal geistesgestörter Techniknarr im Jahr zwei Handys und anderthalb neue Computer kaufe – und jedesmal gravierende Probleme damit habe, die von mir rechtmäßig erworbene Musik &#8220;freizuschalten&#8221;. Inzwischen gibt es Musikdateien, die ich vor einigen Jahren gekauft habe und auf neuen Geräten nicht mehr abspielen kann, weil die maximale Zahl der Abspielgeräte erreicht ist. Bitte stellen Sie sich an dieser Stelle einen eyjafjallajökullartigen Wutausbruch vor, ich scheine nur unaufgeregt und cool, alles Fassade, ich koche. Auch, dass man alle paar Stunden auf Youtube-Videos stösst, die aus unnachvollziehbaren, also juristisch ausgedachten Gründen &#8220;in meinem Land nicht verfügbar&#8221; sind, hat dazu geführt, dass ich etwa Sony Music boykottiere, die gefühlt für 95% der gesperrten Videoclips verantwortlich sind. Ich kaufe in der Woche etwa für 30 Euro Musik und andere Kulturgüter, meist in Downloads, iTunes, Amazon, und so weiter, wenn mir ein Lied gefällt, das ich irgendwo höre, kaufe ich es. Ausser, wenn es von Sony ist, dann kaufe ich es nicht. Und wenn es das tollste Lied der Welt ist: Sorry, no Sony. Mehr oder weniger alle großen Labels sind so, aber jetzt muss eben Sony unter meinem Boykott leiden, die Speerspitze der Holzwegelagerer.</p>
<p>Die Bescheuertheiten der Musikindustrie gehen noch weiter. Jahrelang war es so, dass man Musikstücke nur legal downloaden konnte, wenn man einen iTunes-Account (oder ähnliches) hatte &#8211; und der wiederum war nur mit einer Kreditkarte zu eröffnen. Ich kenne die Verbreitung von Kreditkarten unter einer der wichtigsten Käufer- wie Filesharer-Gruppe (nämlich den Minderjährigen) nicht. Allzu hoch dürfte sie in Deutschland nicht sein, wo schon nur etwa <a href="http://www.kreditkartenzahlung.net/verbreitung-der-kreditkarte.html">20% der Menschen insgesamt über eine Kreditkarte</a> verfügen. Inzwischen gibt es zwar zum Beispiel für <a href="http://store.apple.com/de/browse/home/giftcards/itunes_cards">iTunes PrePaid-Karten</a> &#8211; allerdings erst ab 15€. Man wird es nicht für möglich halten, wenn man Funktionär der Musikindustrie ist, aber 15 Euro auszugeben, wenn man eigentlich nur ein Lied für 99 Cent haben will und also 14 Euro Kapital auf unbestimmte Zeit zu binden, das ist für manche Menschen ein echtes Problem. Erst recht, wenn man ein begrenztes Taschengeld zur Verfügung hat. </p>
<p>Eine andere gravierende Dummheit der Musikindustrie ist die künstliche Verknappung, darüber hat der zu den <a href="http://carta.info/tag/musikindustrie/">10% Musikindustrievernünftigen gehörende Tim Renner einiges geschrieben</a>. Über viele Jahre war die Marketingmaschinerie der Plattenfirmen darauf ausgerichtet, ein Musikstück zu bewerben, durch Verteilung vorab an die Multiplikatoren einen Hype zu schaffen und dann, wenn nach einigen Wochen die Platten gepresst oder die CDs gebrannt und in den Läden verteilt waren &#8211; dann konnte der Verkauf losgehen. Heute gibt es keinen logistischen und damit logischen Grund mehr, ein digital verfügbares Musikstück über Wochen zurückzuhalten. Es wird trotzdem getan, weil es schon immer so war und die Marketingabteilung glaubt, es ginge irgendwie nicht anders. Der Effekt: ich höre ein tolles Stück im Radio oder sonstwo, finde zum Beispiel mit neuen Tools wie <a href="http://shazam.com">Shazam</a> heraus, was es ist, möchte es begeistert kaufen &#8211; und muss feststellen, dass es erst in soundsoviel Wochen verfügbar ist oder in meinem Land vielleicht auch nie.</p>
<p>All diese Dinge haben dazu geführt, dass ich die Musikindustrie in meinen Augen zu Recht bescheuert nennen kann. Und von der Filmindustrie möchte ich gar nicht erst anfangen, die hat durchaus das Potenzial, noch grauenhaftere Dummheiten zu begehen; jeder, der die ersten zehn unskipbaren Minuten einer rechtmäßig erworbenen DVD voller Mahnungen, verkappter Anschuldigungen und Drohungen mehr als einmal über sich ergehen lassen musste, wird ahnen, wovon die Rede ist. Aber nun zur Gegenseite:</p>
<p><strong>Die egoistischen Filesharer</strong><br />
Auch hier wieder zu Beginn die Relativierung: Filesharing als Technologie ist eine gute Sache, eine intelligente Möglichkeit der Datendistribution &#8211; das ändert sich in dem Moment, wo illegalerweise zum Beispiel Musikdaten verteilt werden. Da ist also diese beschriebene, dämliche Industrie und macht es über Jahre dem nicht besonders wohlhabenden 15jährigen fast unmöglich, legal ein digitales Musikstück im Internet zu kaufen. Er soll gefälligst eine CD kaufen, hinfort, niederes Geschnetz. Die Reaktion des 15jährigen ist zumindest nachvollziehbar: er besorgt sich das Stück irgendwo irgendwie. Irgendwann aber wird der 15jährige erwachsen, vernünftiger, verfügt auch über Geld. Ein Teil dieser Menschen geht den richtigen Weg: damals illegal downgeloadet, als Jugendsünde abgehakt, egal, jetzt kauft man die Stücke halt digital bei iTunes oder Amazon. Ich glaube, dass es sich dabei sogar um die Mehrheit handelt, denn ich halte den Menschen in den meisten Fällen für ehrlich und gut (ja, jetzt nicht lachen). </p>
<p>Ein anderer Teil dieser metaphorischen 15jährigen &#8211; denn auf das Netz bezogen waren wir alle unabhängig vom Alter mal 15, ich auch – geht einen anderen Weg. Er tut das Gleiche wie die Musikindustrie, er redet sich die Realität schön. Oder zumindest ein bisschen schöner. Ein Dieb will niemand sein, natürlich. Benutzt man den von Dirk von Gehlen vorgeschlagenen Begriff &#8220;im digitalen Raum vergütungsfrei konsumierte geistige Schöpfungen&#8221; oder Marcel Weiss&#8217; &#8220;unautorisiertes Filesharing&#8221;, dann hört sich das schon ganz anders an. Das hört sich nicht mehr so schlimm an, wenn man ein Lied nicht klaut, sondern nur, äh, vergütungsfrei, also, unauto- na, dings halt. Aber nicht Diebstahl! Das ist etwas ganz, ganz, GANZ anderes. Wie Marcel Weiss nicht müde wird, an allen <a href="http://www.google.de/#hl=de&#038;source=hp&#038;q=%22marcel+weiss%22+diebstahl&#038;aq=f&#038;aqi=&#038;aql=&#038;oq=&#038;gs_rfai=&#038;fp=e829ce67de7d79fd">Ecken und Enden ins Netz zu schreiben</a>. Das Problem ist: er hat recht. Diebstahl ist ein juristisch gesehen unzulängliches Wort, wenn es um immaterielle Güter geht. Wenn man aber nur dann juristisch genau sein will, wenn es in diesem Moment die illegale Handlung nicht so schlimm erscheinen lassen soll &#8211; dann ist das Pochen auf die juristische Genauigkeit eine sprachliche Verschleierungsmaßnahme und damit zutiefst egoistisch. </p>
<p>Man misst mit zweierlei Maß, je nach dem, auf welcher Seite man steht, wie man am eingangs verlinkten &#8220;Screenshot klauen&#8221;-Beispiel sieht. Der nächste Schritt, nachdem man mit angenehmeren Worten die eigene Missetat umschrieben hat, findet sich dankenswerterweise auch an auslösender Ort und Stelle, nämlich in Form eines Kommentars zum Flattr-Text von &#8220;UrbanP1rate&#8221;, der unglaubliche, aber leider nicht unübliche Dimensionen der Realitätsverschiebung beinhaltet: &#8220;<a href="http://saschalobo.com/2010/07/05/warum-ich-nicht-flattre/#comment-5364">Was aber passiert denn, wenn jemand deine Werke ungefragt verbreitet und dabei sehr wohl deinen Namen nennt? Damit steigert sich deine Bekanntheit. dadurch wirst du wohl auch mehr Zugriffe auf deine Distributionsplattform erhalten. Soll dieser Sharer auch abgemahnt werden? Immerhin hat er ja deinen Umsatz gesteigert. Leute kennen deinen Namen, die ohne diesen Filesharer niemals von dir gehört, gelesen oder sonstwie erfahren hätten.</a>&#8221;</p>
<p>Kurz sacken lassen &#8211; da lädt jemand offensichtlich illegal ein Musikstück herunter, jedenfalls möchte der Urheber dieses Kulturprodukts das nicht &#8211; und dieses ungebührliche, 15jährige Verhalten wird verklärt, ins Gegenteil verkehrt zu einer Unterstützungsleistung eben dieses Künstlers, den man soeben &#8211; beinahe hätte ich fehlerhafterweise &#8220;bestohlen&#8221; gesagt. Das ist das, was ich in den Kommentaren des Flattr-Artikels mit &#8220;Newspeak&#8221; bezeichnet habe; nämlich die sprachliche Umdeutung der Realität in eine Richtung, die einem insgesamt besser in die eigene Weltsicht und das eigene Verhalten hineinpasst. Ein Dieb möchte man nämlich nicht sein &#8211; aber mit ein paar Klicks die Bekanntheit des Künstlers steigern? Da soll er sich doch freuen! Gesteigerte Bekanntheit! Vielleicht kauft es ja am Ende doch jemand, das Stück! Diese Personen sind sich nicht zu schade, die &#8220;Freiheit der Information&#8221; als Generalargument zu benutzen, so als sei etwa die berechtigte Sorge um die Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten im digitalen Raum zu Forschungszwecken gleichzusetzen mit dem vermutlich zu Erbauungszwecken downgeloadeten Lied von Menowin Fröhlich, für das man aus schierem Egoismus keine 99 Cent ausgeben will.  </p>
<p>Freilich gilt meine Argumentation nur, wenn man &#8211; wie ich &#8211; glaubt, dass ein Musikstück ein Kulturprodukt ist, das man als Künstler verkaufen können sollte. Diese Definition ist auch im digitalen Zeitalter nicht überholt, sie muss nur in vielen Facetten feinjustiert werden. Das Copyright ist stark überholungsbedürftig, es stammt im Kern aus einem nichtdigitalen Jahrhundert. <a href="http://www.open-access.net/">Open Access</a> ist ein schönes Beispiel, das zeigt, dass in vielen Bereichen andere, differenziertere Regeln gelten sollten als das plumpe, unflexible Copyright. Aber Kulturarbeit erzeugt ein Kulturprodukt (in der Regel), das durch den Kulturschaffenden oder seine Stellvertreter zum Zweck des Geldverdienes verkäuflich sein sollte, wenn der Kulturschaffende es möchte. Von dieser Maxime bin ich deshalb nicht bereit abzurücken, weil ich sie für die Basis der Kultur als Beruf halte. Ich möchte, dass Musik (auch) von Profis gemacht wird. Der Künstler muss von seinem Werk Leben können, zumindest theoretisch bei einem gewissen Mindesterfolg, und zwar auch ohne T-Shirts zu verkaufen. Alle anderen Haltungen halte ich in ihrer letztendlichen Wirkung für kulturfeindlich.</p>
<p><strong>Conclusio</strong><br />
Da sind zwei extremistische Parteien, die einander gegenüberstehen: die Musikindustrie und die Filesharer (Extremisten sind die jeweils schlimmen Finger darunter). Beide nutzen auch die Sprache, um ihr Tun zu rechtfertigen &#8211; die Musikindustrie zeigt mit dem Wort &#8220;Raubkopie&#8221; (das ich versuche, nicht zu verwenden), in welche sittlichen Ebenen des Verbrechens sie den 15jährigen Filesharer einordnet. Entsprechend kämpft sie dafür, dass von der Netzsperre bis zur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Three_strikes#Urheberrecht">Three-Strikes-Regel</a> kein Mittel überzogen scheint, um diese garstigen, gesellschaftsbedrohenden Räuberhorden zu stoppen. Ein einfacher Tipp für die Musikindustrie: mit der konsequenten Verwendung des Begriffs &#8220;Massenmordkopie&#8221; liesse sich vielleicht erreichen, dass im Zuge der Prävention das Internet insgesamt verboten wird. </p>
<p>Auf der anderen Seite sind nicht die Scharfmacher, sondern die Schönredner, auch unter ihnen sind Extremisten, die alles abmildern wollen, alles nicht so schlimm, von &#8220;klauen&#8221; zu sprechen ist juristisch auch falsch und irgendwie profitiert ja auch der Künstler davon, er weiss es bloss nicht. Diese Schönredner sind Egoisten, weil sie nicht bezahlen wollen für das Werk, das andere Leute geschaffen haben und sie sind unehrlich, weil sie eher die Realität verbal verbiegen wollen, als sich einzugestehen, dass sie &#8220;stehlen&#8221;. Oder &#8220;erschleichen&#8221;. Oder wie man auch immer diese verbotene, moralisch fragwürdige Handlung nennen möchte, ohne sie als &#8220;vergütungsfreien Konsum im digitalen Raum&#8221; in buntes Geschenkpapier einzuwickeln. Ein einfacher Tipp für die hartnäckigen Filesharer: wenn man Filesharing so wie <a href="http://saschalobo.com/2010/07/05/warum-ich-nicht-flattre/#comment-5364">UrbanP1rate</a> als Marketingdienstleistung für den Künstler versteht, dann sollte man konsequenterweise für diese Leistung auch Geld verlangen. Also flugs eine Rechnung an das Management derjenigen Künstler geschrieben, die Ihr in den letzten Jahren so downgeloadet und weiterverteilt habt, da kommt doch bestimmt einiges zusammen.</p>
<p>Und jetzt die Überraschung: die beiden extremistischen Pole &#8211; sie brauchen einander. Dringend. Sie bilden eine Art Gleichgewicht des Schreckens wie seinerzeit die Falken in den USA und in der UdSSR. Dieter Gorny braucht UrbanP1rate braucht Dieter Gorny. So haben beide Feindbilder: der eine geht damit in der Politik hausieren und versucht mit schrecklichen Worten und Bildern und Zahlen, die Gesetzgebung in seinem Sinne zu beeinflussen. Der andere rechtfertigt mit diesem grauenvollen Verhalten seine illegalen Handlungen und verklärt diese entweder zur &#8220;Revolution&#8221;, weil die Musikindustrie mit allen Mitteln bekämpft werden muss, oder gar als &#8220;Vorteil für die Künstler&#8221;. Die Falken beider Seiten können nicht ohne einander, das zeigt die Geschichte, und die Leidtragenden sind auf beiden Seiten diejenigen, die Vernunft und Einsicht walten lassen wollen: </p>
<p>Die Musiker und Labels, die im Netz nicht den Feind sehen, aber trotzdem gern Musik verkaufen würden, um davon zu leben. Und die Musikhörer, die gern für Musik bezahlen, wenn man sie bloß zu ihren Rahmenbedingungen lässt &#8211; so wie man es als Kunde aus ungefähr allen anderen Branchen gewohnt ist.</p>
<p>Insofern möchte ich diesen emotionalen und in Teilen polemischen Artikel mit einem versöhnlichen Aufruf beenden: unerlaubtes Filesharing ist kein Kapitalverbrechen, sondern in erster Linie eine Dämlichkeit. Sie erschwert Musikern, auch in Zukunft schöne Musik zu machen. Menschen, die Musik illegal downloaden, sollten einfach damit aufhören, sie machen die Welt so besser. Und die Musikindustrie möchte bitte akzeptieren, dass die Kontrolle über die Distributionsinfrastruktur, die sie jahrelang ausgeübt hat, so nicht mehr existiert und dass sie sich neu ausrichten muss, mit Strukturen, die den Kontrollverlust nutzen, anstatt ihn zu bekämpfen. Das ist auch gar nicht so schlimm. Die gesamte Zivilisation beruht nicht auf der Androhung drakonischer Sanktionen &#8211; sondern auf Freiwilligkeit. Schon immer. Hier, in Berlin, gibt es eine große Anzahl von öffentlichen Blumenbeeten (ja, ich wähle ein kitschiges Schlussbild, absichtlich). Sie sind wunderschön, und ich bin sicher, dass man nichts zu befürchten hat, wenn man ein paar Blumen abreisst. Trotzdem sehen die allermeisten Menschen ein, dass man besser Blumen im Laden nebenan kauft, anstatt sie kostenlos abzurupfen. Ausser einer handvoll 15jähriger. Aber damit muss man leben. Kann man auch.</p>
<p style="font-size:11px">Bei allen 15jährigen möchte ich mich entschuldigen, dass ich sie als Synonym für den unverständigen, unreifen Menschen missbraucht habe, ging nicht anders. Immerhin seid ihr in spätestens einem Jahr nicht mehr gemeint. </p>
<p>Nachtrag: <a href="http://www.neunetz.com/2010/07/08/filesharing-debatte-geschaeftsmodellfragen-statt-diebstahl-argument/">Marcel Weiss hat auf meine Antwort geantwortet</a>.<br />
Daraufhin habe ich auf seine Antwort auf meine Antwort auf seine Antwort auch <a href="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/07/der_mann_der_alles_wusste.png">etwas geantwortet</a>.</p>
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		<title>Thilo Sarrazin entlassen &#8211; Protest per Google SideWiki</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Jun 2010 18:58:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die jüngsten Äusserungen von Thilo Sarrazin sind, wenn sie wie von den Medien kolportiert lauten, offen rassistisch. Sie enthalten die klassische Rassismus-Konstruktion &#8220;Schwarze sind halt dümmer&#8221; in Reinform. So etwas sollte niemand sagen &#8211; für einen Bundesbank-Vorstand, zu dessen Aufgaben zumindest inoffiziell auch internationale Repräsentation gehört – ist es absolut untragbar. Thilo Sarrazin, der Rassist, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Die <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700031,00.html">jüngsten Äusserungen</a> von Thilo Sarrazin sind, wenn sie wie von den Medien kolportiert lauten, offen rassistisch. Sie enthalten die klassische Rassismus-Konstruktion &#8220;Schwarze sind halt dümmer&#8221; in Reinform. So etwas sollte niemand sagen &#8211; für einen Bundesbank-Vorstand, zu dessen Aufgaben zumindest inoffiziell auch internationale Repräsentation gehört – ist es absolut untragbar. Thilo Sarrazin, der Rassist, muss zurücktreten. Ich glaube auch, dass er zurücktreten wird, oder vielmehr zurückgetreten werden wird. Um der Angelegenheit noch mehr Schwung zu verleihen als ohnehin schon, habe ich ein Instrument angewendet, das ich für die Zukunft des Netzprotestes halte (wenn auch eher eine mittelfristige Zukunft). Nämlich <a href="http://googleblog.blogspot.com/2009/09/help-and-learn-from-others-as-you.html">Google SideWiki</a>. Mit diesem Tool können auf beliebigen Websites Kommentare von Nutzern hinterlassen werden (rein technisch sind sie nämlich nicht auf der Website, sondern werden zusätzlich vom Browser abgerufen). Sichtbar sind diese Kommentare für alle, die Google SideWiki, zum Beispiel als Teil der Google Toolbar installiert haben. Und so sieht die offizielle Seite der Bundesbank, auf der Thilo Sarrazin vorgestellt wird, aus, wenn man Google SideWiki aktiviert hat.<br />
<img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/06/Bildschirmfoto-2010-06-10-um-20.55.21-e1276196201861.png" alt="" title="sarrazin_sidewiki" width="536" height="560" class="aligncenter size-full wp-image-1713" /></p>
<p>Nachtrag: Ich habe eine <a href="http://mailbox.posterous.com/anfrage-fur-eine-statement-bzgl-thilo-sarrazi">Anfrage an die Pressestelle der Bundesbank</a> geschrieben.</p>
<p>Kleine, unvollständige Linkschau:<br />
<a href="http://medienelite.de/2010/06/10/sarrazin-rassist/">Nadine Lantzsch</a> über den Sarrassisten<br />
Auf <a href="http://www.unpolitik.de/2010/06/11/der-thilosoph/">Unpolitik</a> sieht Stefan Graunke den &#8220;Tilosoph&#8221; als Volksverhetzer am Ende seiner Laufbahn.<br />
Auf Spiegel Online ein <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700146,00.html">analysierender Kommentar</a> von Yassin Musharbash, der zum Schluss hin ganz sachte Sarrazins Rauswurf fordert.<br />
Internationale Aufmerksamkeit findet auch statt, hier <a href="http://www.dailymail.co.uk/news/worldnews/article-1285815/Bundesbanks-Thilo-Sarrazin-Immigrants-making-Germany-dumber.html?ITO=socialnet-twitter-mailonline">die Daily Mail</a>, die davon raunt, dass geraunt wird, dass Sarrazin rausfliegen könnte.</p>
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		<title>Jürgen Rüttgers</title>
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		<pubDate>Tue, 11 May 2010 19:07:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/05/ruettgers_klebt.jpg" alt="" title="ruettgers_spezialkleber_sessel" width="536" height="869" class="aligncenter size-full wp-image-1647" /></p>
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		<title>Was Oettinger jetzt tun könnte</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 12:05:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Darf man sich so sehr über Günther Oettinger lustig machen, wie das gerade geschieht? Ich glaube: ja. Ich halte es sogar für die Pflicht des aufgeklärten Bürgers, sich unbedingt über alles lustig zu machen, was an entsprechenden Steilvorlagen von den Autoritäten abgesondert wird. Und nicht nur von Autoritäten, eigentlich muss man sich über alles lustig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://www.flickr.com/photos/gap089/1800752953/"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/01/oettinger_by_GAP089.jpg" alt="" title="oettinger_by_GAP089" width="536" height="189" class="aligncenter size-full wp-image-1432" /></a>Darf man sich so sehr über <a href="http://saschalobo.com/2010/01/26/sensation-scan-von-oettingers-redemanuskript-aufgetaucht/">Günther Oettinger lustig machen</a>, wie das gerade geschieht? Ich glaube: ja. Ich halte es sogar für die Pflicht des aufgeklärten Bürgers, sich unbedingt über alles lustig zu machen, was an entsprechenden Steilvorlagen von den Autoritäten abgesondert wird. Und nicht nur von Autoritäten, eigentlich muss man sich über alles lustig machen, was lustigmachenswert ist, die Definition muss jeder in Eigenverantwortung erarbeiten. </p>
<p>Verspotten ist eine Art der Kritik, die notwendig ist und eines der wenigen politischen Korrektive darstellt, die so simpel wie wirksam sind. Einfaches Beispiel: die schiere Angst vor der medialen Superblamage dürfte derzeit viele Dutzend Politiker in die Arme von professionellen Englischlehrern treiben. Unsere Entscheidungsträger werden so (hoffentlich) besser – etwas naiv argumentiert, zugegeben, aber die Mechanik halte ich für richtig. </p>
<p>Was aber könnte Günther Oettinger tun? Genau jetzt, da er im &#8220;Shitstorm&#8221; steht? Zumal es sich nicht um einen inhaltlichen Sturm handelt, wie etwa der Hartz-IV-Shitstorm von Roland Koch in der letzten Woche. Zum Vergleich: bei inhaltlichen Fragen kann man grundsätzlich auf unterschiedlichen Seiten stehen, bei Blamagen wie dieser eher nicht. </p>
<p>Für die Antwort auf diese Frage möchte ich zwei Dinge vorab bemerken: ich bin nicht unbedingt Experte für politische Krisenkommunikation und gerade in der Politik gelten oft völlig andere Regeln als für Marken, Produkte und Ähnliches. Und ich möchte beim besten Willen Günther Oettinger nicht unterstützen. Aber weil ich über &#8220;Shitstorms&#8221; und die Vorgehensweise damit <a href="http://saschalobo.com/2010/01/06/abstimmung-mein-vortrag-auf-cebit-webciety-und-republica-2010/">einen Vortrag halten werde</a> (auf der <a href="http://webciety.de">CeBIT Webciety</a> und/oder auf der <a href="http://re-publica.de">re:publica</a>), möchte ich einen Ausblick geben, wie man in dieser verfahrenen Situation verfahren könnte.</p>
<p>Oettinger könnte eine kurze Videoerklärung veröffentlichen und darin lächelnd Folgendes sagen:</p>
<p>• zugeben, dass seine Englischkenntnisse eine mittlere Katastrophe sind &#8211; erst recht für einen EU-Politiker</p>
<p>• sich darüber selbst lustig machen &#8211; zum Beispiel mit einem augenzwinkernden Eigenzitat aus dem bekannten Video oder der scherzhaften Ankündigung, Schwäbisch neben Englisch, Französisch und Deutsch als vierte EU-Arbeitssprache durchdrücken zu wollen</p>
<p>• bekanntgeben, dass er in drei oder vier Wochen seinen geplanten Urlaub für einen Englisch-Crashkurs verwenden wird</p>
<p>• abschliessend einladen zu einer Pressekonferenz in ca. 6 Wochen, die er auf Englisch halten wird, vielleicht verbunden mit einem Aufruf an seine Kollegen, ebenfalls besser Englisch zu lernen &#8211; bezugnehmend auf seinen eigenen Fehler</p>
<p>In guten sechs Wochen sollte ein deutlich sicherer Umgang mit der englischen Sprache erlernbar sein. Die Motivation dürfte inzwischen vorhanden sein. Und erfahrungsgemäß wird der offene und offensive Umgang mit den eigenen Schwächen, verbunden damit, sich selbst nicht allzu Ernst zu nehmen, sympathisch aufgenommen. Zwar mögen wie erwähnt im politischen Alltag oft andere Regeln gelten, aber nach meiner Meinung ist im Fall Oettinger bereits ein ganzer Kindergarten in den Brunnen gefallen und ertrunken. </p>
<p><strong>Nachtrag</strong>: Ich glaube nicht, dass die im 20. Jahrhundert mit Erfolg angewandte Helmut-Kohl-Methode des Aussitzens, also nicht zu reagieren und abzuwarten, in Zeiten des allgegenwärtigen digitalen Gedächtnisses namens Internet noch funktioniert, jedenfalls nicht bei größeren Shitstorms. Bei kleineren schon.<br />
<a href="http://www.flickr.com/photos/moochida/178854811/"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/01/klinsmann_collage.jpg" alt="" title="klinsmann_collage_by_moochida" width="536" height="117" class="aligncenter size-full wp-image-1440" /></a>Es gibt übrigens ein sehr schönes (wenn auch nur bedingt paralleles) Beispiel dafür, wie jemand mit einem einzigen Satz die Stimmung eines ganzen Landes gedreht hat. Es handelt sich um Jürgen Klinsmann. Als er 1994 nach England zu den Tottenham Hotspurs wechselte, war er in ganz Großbritannien verhasst. Als deutscher Fussballer ist das sowieso nicht besonders schwer, aber Klinsmann hatte sich mit einer Reihe vermutlicher Schwalben (so sahen es die englischen Fans) den Ruf eines &#8220;Divers&#8221;, eines Schwalbenkönigs, erspielt. </p>
<p>In einer der berüchtigten britischen Fussball-Pressekonferenzen überraschte er die anwesende Presse und so über Bande das gesamte Land, indem er gleich zu Beginn selbstironisch nach einer &#8220;<a href="http://www.independent.co.uk/sport/what-the-papers-said-about----klinsmann-1374765.html">diving school</a>&#8221; fragte. Mit der Doppeldeutigkeit von &#8220;Tauch-Schule&#8221; und &#8220;Schwalben-Schule&#8221; zeigt er exakt den Humor, der den Hass auf ihn in Begeisterung verwandelte. In der Folge wurden über 150.000 Klinsmann-Trikots verkauft, eigentlich undenkbar für einen deutschen Fussballer in Großbritannien. Als er dann auch noch passabel spielte und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Klinsmann#1994_bis_1995:_Tottenham_Hotspur">seine Tore mit dem &#8220;Diver&#8221;, einem der Schwalbe nachempfundenen Sprung feierte</a>, wurde er sogar zum Fussballer des Jahres 1995 gewählt. Letztlich hatte er mit dem in einem Satz formulierten Beweis, sich nicht allzu Ernst zu nehmen, die Stimmung des Landes gedreht.</p>
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		<title>Sensation: Scan von Oettingers Redemanuskript aufgetaucht</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 21:37:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interessante Worte]]></category>
		<category><![CDATA[Irrwitz]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Video ist dooferweise aus doofen Gründen von Youtube verschwunden, hier der Ausweichlink (Clipfish). Günther Oettinger ist für seine scheinbar mangelnden Englischkenntnisse (siehe Video) viel verspottet worden in den letzten Tagen. Eventuell jedoch zu Unrecht, wie erst kürzlich klar geworden ist. Denn jetzt ist im Internet ein Scan aufgetaucht von Oettingers Redemanuskript. Und plötzlich erkennt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="542" height="428" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/OXPPu418C78&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="542" height="428" src="http://www.youtube.com/v/OXPPu418C78&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;rel=0" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<h5>Das Video ist dooferweise aus doofen Gründen von Youtube verschwunden, <a href="http://www.clipfish.de/video/3236359/oettinger-spricht-englisch/">hier der Ausweichlink</a> (Clipfish).</h5>
<p>Günther Oettinger ist für seine scheinbar mangelnden Englischkenntnisse (siehe Video) <a href="http://blogsearch.google.com/blogsearch?hl=de&amp;scoring=d&amp;ie=UTF-8&amp;q=g%C3%BCnther+oettinger&amp;btnG=Blogs+durchsuchen&amp;lr=">viel</a> <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wir-koennen-alles-ausser-englisch/">verspottet</a> <a href="http://www.spiegel.de/video/video-1043067.html">worden</a> in den letzten Tagen. Eventuell jedoch zu Unrecht, wie erst kürzlich klar geworden ist. Denn jetzt ist <a href="http://saschalobo.com/?p=1407">im Internet</a> ein Scan aufgetaucht von Oettingers Redemanuskript.</p>
<p>Und plötzlich erkennt man: Günther Oettinger hat nur das gesagt, was ihm durch sein Büro aufgeschrieben worden ist, wahrscheinlich, ohne es persönlich vom Inhalt und Stil her vollumfänglich auch so zu meinen &#8211; ein kulturkreisbasiertes Missverständnis also und damit <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,477250,00.html">ein bekanntes baden-württembergisches Phänomen</a>. Kein Grund zur Aufregung.<br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-1417" title="oettinger_redemanuskript" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/01/oettinger_redemanuskript.jpg" alt="" width="536" height="795" /></p>
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		<title>Warum das Internet ein neues Copyright braucht</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 17:06:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://saschalobo.com/2009/12/31/warum-das-internet-ein-neues-copyright-braucht/"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/12/a-pdIOa-VI.png" alt="youtube.com/watch?v=a--pdIOa-VI" title="youtube.com/watch?v=a--pdIOa-VI" width="536" height="424" class="aligncenter size-full wp-image-1246" /></a></p>
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