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	<title>saschalobo.com &#187; Ich</title>
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		<title>Einen Roman also, aha.</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Sep 2010 13:38:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Obwohl ich selbstredend zur grundsätzlichen Überhöhung meiner eigenen Kreativleistungen neige, schätze ich auch in euphorischen Momenten die Zahl derjenigen, die seit Jahren mit Tränen in den Augen beten, Sascha Lobo möge endlich einen Roman schreiben, als maximal mittelgroß ein. Mein normaler Job als Inhaber einer gutgehenden Frisur ist ja eine Mischung aus Interneterklärung, Kommunikationsgetöse und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Obwohl ich selbstredend zur grundsätzlichen Überhöhung meiner eigenen Kreativleistungen neige, schätze ich auch in euphorischen Momenten die Zahl derjenigen, die seit Jahren mit Tränen in den Augen beten, Sascha Lobo möge endlich einen Roman schreiben, als maximal mittelgroß ein. Mein normaler Job als Inhaber einer gutgehenden Frisur ist ja eine Mischung aus Interneterklärung, Kommunikationsgetöse und einer flächig aufgespannten Autorenschaft, die von <a href="http://twitter.com/saschalobo">Kurzbotschaft</a> bis <a href="http://www.amazon.de/Dinge-geregelt-kriegen-Funken-Selbstdisziplin/dp/3871346195?&#038;camp=2474&#038;creative=10642&#038;linkCode=wss&#038;tag=saschalobocom-21">Sachbuch</a> reicht. Literarische Einlassungen waren bis jetzt nicht dabei, auch wenn schlecht gelaunte Kritiker mir vorwerfen mögen, dass die bisherigen Sachbücher ebenfalls ausgedachte Elemente enthielten. Jetzt aber präsentiere ich meinen ersten Roman, er heisst &#8220;Strohfeuer&#8221;, wie feinstofflich begabte Leser dieses Blogs bereits erahnt haben könnten, und erscheint bei Rowohlt Berlin. </p>
<p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/09/strohfrisur.jpg" alt="" title="strohfrisur" width="608" height="155" class="aligncenter size-full wp-image-1995" /></p>
<p>&#8220;Warum haben Sie überhaupt einen Roman geschrieben&#8221;, wird der eine oder andere fragen, &#8221; &#8211; wohnen Sie nicht in Berlin Prenzlauer Berg, wo die MacBook-Festplatten der PR-Beraterinnen, Werbetexter und vorübergehend anderweitig Tätigen voll sind mit Romanfragmenten, Kurzgeschichtenbänden und angefangenen Theaterstücken über das ungeheuere Leid des kreativen Prekariats? Wieso bilden also genau Sie sich ein, einen Roman&#8211;&#8221; und an dieser Stelle werde ich den bösartigen Fragesteller unterbrechen und ihn zurechtweisen. Weil ich nämlich nicht vorhabe zu erklären, warum ich einen Roman geschrieben habe. Natürlich soll das Buch unterhaltsam sein, Erbauung mit Fun-Intarsien bieten, dem Leser Erkenntisreichtum andienen und all&#8217; die anderen Standardautorenziele erfüllen, aber ob das alles auch gelungen ist, muss der Leser entscheiden. </p>
<p>Bevor er es aber entscheiden kann, muss der Leser das Buch erstmal kaufen. Das geht ab dem 17. September in allen Buchhandlungen und <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3871346780?ie=UTF8&#038;tag=saschalobocom-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3871346780">im Internet</a>. Gründe für den Kauf möchte ich in den nächsten Wochen auf diesem Blog aufzeigen, verbunden mit einem leicht bis mittelschwer übertriebenen Marketingfeuerwerk, das ich bis zur Buchmesse Anfang Oktober abzubrennen gedenke. Marketingfeuerwerke für Bücher kann man natürlich doof finden oder unterstellen, dass nur schlechte Bücher Marketing bräuchten, aber ich hatte den Eindruck, dass vornehme, intelligente Zurückhaltung in der Kommunikation, Bescheidenheit im Auftritt und allgemeines Understatement charakterlich nicht so recht zu mir passen. Man möchte sich ja auch nicht verbiegen. </p>
<p>Weitere Informationen zu &#8220;Strohfeuer&#8221; finden sich unter http://saschalobo.com/strohfeuer &#8211; mit dem Trick, meine gesamt Seite zur Buchseite umzubauen, habe ich en passant ein altes Autorenproblem für mich gelöst, nämlich die vielen Social Media-Ruinen im Netz, wenn man Blogs, Facebook-Pages, Twitteraccounts und so fort für jedes Buch einzeln aufsetzt, wie ich das bisher getan habe. Einen ersten Eindruck vom Buch, das natürlich selbst das beste Argument zum Kauf sein sollte, kann man sich mit einer Leseprobe verschaffen, die <a href="http://www.etracker.de/lnkcnt.php?et=99xuYV&#038;url=http://www.rowohlt.de/fm/131/Lobo_Strohfeuer.pdf&#038;lnkname=PDF_Lobo_Strohfeuer.pdf">hier zum PDF-Download</a> bereitsteht. Viel Spaß.</p>
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		<title>Warum ich nicht flattre</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 10:09:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<category><![CDATA[flattr]]></category>

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		<description><![CDATA[Das hier ist kein Rant. Denn Flattr erscheint mir als eine Möglichkeit, wie Blogs und blogähnliche Medien etwas Geld verdienen können, das ist zunächst nichts Schlechtes, sondern vom Effekt her etwas Gutes. Trotzdem möchte ich aufzeigen, weshalb ich mich gegen Flattr entschieden habe. Es folgen deshalb persönliche Gründe und nur eingeschränkt allgemeingültige Argumente. 1. Geldquellen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://www.flickr.com/photos/16339684@N00/2771876697/in/photostream/"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/07/hahn_flattrt_nicht.jpg" alt="" title="rooster_by_internets_dairy_flickr" width="536" height="179" class="aligncenter size-full wp-image-1758" /></a>Das hier ist kein <a href="http://www.urbandictionary.com/define.php?term=rant">Rant</a>. Denn Flattr erscheint mir als eine Möglichkeit, wie Blogs und blogähnliche Medien etwas Geld verdienen können, das ist zunächst nichts Schlechtes, sondern vom Effekt her etwas Gutes. Trotzdem möchte ich aufzeigen, weshalb ich mich gegen Flattr entschieden habe. Es folgen deshalb persönliche Gründe und nur eingeschränkt allgemeingültige Argumente.</p>
<p><span id="more-1757"></span></p>
<p>1. Geldquellen<br />
Nennt mich inkonsequent, aber anders als von meinen <a href="http://saschalobo.com/buecher/">Buchlesern</a> möchte ich kein Geld von meinen Bloglesern, weil ich ihnen nichts verkaufen will. Ein Buch ist ein Produkt, ein Blog ist ein Prozess. Gegen Geldverdienen mit dem Blog habe ich gar nichts einzuwenden, aber es soll aus anderen Quellen stammen, zum Beispiel von der Werbeindustrie. Das klappt in Deutschland (noch immer) nicht so gut, wie es sein sollte, zugegeben. Und Paid Content etwa finde ich nicht grundsätzlich schlecht, im Gegenteil. Aber ich glaube, dass die Blogkultur in Deutschland &#8211; zu der in meinen Augen eine Refinanzierungsmöglichkeit gehören sollte – nur dann profitiert, wenn Geld von aussen zufliesst und nicht im Innern umverteilt wird.</p>
<p>2. Umverteilung<br />
Es gibt nach meiner Einschätzung im deutschsprachigen Raum etwa 250.000 mehr oder weniger aktive Blogger. Und ich rechne mit ungefähr einer Million Menschen, die Blogs absichtlich und regelmässig lesen (und nicht etwa über Google dorthingespült werden). Beides sind Schätzwerte, weil exakte Zahlen kaum herauszufinden sind. Diese Grössenordnungen und die zu erwartende Marktdurchdringung lassen mich vermuten, dass bei Flattr ein mittelgrosser Haufen Blogger das Geld im Kreis herumreicht. Natürlich, und das ist an den <a href="http://carta.info/29987/deutschen-flattr-charts-im-juni/">aktuellen, interessanten Zahlen</a> zu erkennen, profitieren davon eine Handvoll großer Blogs oder die <a href="http://taz.de">taz</a>*. Aber schon das flattr-Prinzip &#8211; man kann nur geflattrt werden, wenn man selbst flattrt – deutet stark darauf hin, dass die Vielzahl der kleineren Blogs die wenigen, größeren bezahlen werden. Als Fan der Umverteilung von oben nach unten ist mir das nur mäßig sympathisch. </p>
<p>3. Summenspiele<br />
Nehmen wir an, dass sich ein Flattr-Klick bei 10 Cent einpendelt. Nehmen wir weiter an, dass ein Blog wie <a href="http://carta.info">Carta</a> 5.000 Euro im Monat bräuchte, um sich professionell angemessen zu refinanzieren (bei über 50 komplexen und fundierten Artikeln im Monat ist das sogar eher wenig). Dann müsste jeder Artikel ungefähr eintausend Flattr-Klicks bekommen. Ist das realistisch, vor allem angesichts der psychologischen Wirkung? Ist der deutschsprachige Durchschnittsblogleser bereit, nach dem neunhundertneunundneuzigsten den eintausendsten Klick unter einen Artikel zu setzen? Vor allem angesichts der Tatsache, dass auf kleineren Blogs erwartbar die offen dargestellten Zahlen im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich bleiben werden? Ich glaube, dass gerade im Finanziellen die von Flattr vorgegebene Transparenz nicht nur positive Seiten hat.</p>
<p>4. Spendenschwierigkeiten<br />
Werbung finde ich deshalb gut, weil diese Art der Refinanzierung nicht zwischen Schreiber und Leser stattfindet &#8211; und damit den Lesegenuss nicht durch ein fortlaufendes Kundenverhältnis belastet. Mit der freiwilligen Spende des Lesers bekäme dieses Verhältnis einen anderen Drall: den Unterton des Bittstellers gegenüber den Lesern. Die Dankbarkeit, die ich fairerweise gegenüber meinen Lesern empfinden müsste, würde mich sehr stören. Bei anderen mag das anders sein, aber ich empfinde mich nicht als Dienstleister meiner Leser. Generell sehe ich auch die Gefahr des Flattr-Populismus. Es gibt sicher schlimmere Gefahren, aber wenn man sich Blogs ansieht, die auf Google Ads hingeschrieben werden, dann scheint es Texten nicht unbedingt gut zu tun, sich nach anderen Kriterien auszurichten als dem ureigenen Interesse des Autors (das in meinen Augen der Antriebsmotor jedes Blogs ist).</p>
<p>5. Gründer<br />
Ja, die Musikindustrie hat sich in den letzten Jahren grauenvoll dumm verhalten. Ja, das Urheberrecht hatte schon im 20. Jahrhundert seine Schwächen und für das 21. Jahrhundert ist es stark reformbedürftig. Ja, P2P ist nicht die Wurzel alles Bösen. Aber die <a href="http://thepiratebay.org/legal">arrogante, pubertäre, selbstgerechte Art</a>, wie The Pirate Bay und damit auch Flattr-Gründer <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Sunde">Peter Sunde</a> sich einen Dreck um alle anderen inklusive der Musiker und Filmschaffenden geschert hat und damit mutmaßlich auch noch selbst Geld verdient hat, die stösst mir übel auf (selbst, wenn sie ein bisschen lustig ist). Flattr erscheint mir unter anderem als Feigenblättchen eines Menschen, dem seine Rolle der Contentdiebstahlbeihilfe etwas unangenehm geworden ist. Dazu noch ist das intransparente, von einer gewissen Schmierigkeit durchzogene Handeln von The Pirate Bay – zum Beispiel, was die Verkaufsabsichten anging – nicht geeignet, um größeres Vertrauen zu Herrn Sunde und seinen Geschäftspartnern aufzubauen.</p>
<p>Fazit<br />
Das Experiment Flattr beobachte ich trotz der genannten Gründe wohlwollend, weil Blogs Geld verdient haben und deshalb verdienen sollen. Allein, um herauszufinden, ob Flattr und damit die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schenk%C3%B6konomie">Geschenkökonomie</a> funktioniert, ist es sinnvoll, es zu tun; nach meiner Überzeugung ist &#8220;Machen&#8221; dafür die einzige Möglichkeit. Aber meine &#8211; von den bisherigen, veröffentlichten Zahlen eher unabhängige &#8211; Einschätzung ist, dass mit Flattr drei Dutzend Blogs eine aus professioneller Sicht geringe Summe erwirtschaften werden, für den gesamten Rest der Blogs wird es sich kaum lohnen. Das wäre nicht allzu schlimm, wenn von der Beteiligung dieser kleineren Blogs nicht auch die Refinanzierung der großen abhinge. Ich stelle mir vor, wie der Betreiber eines mittelgrossen Blogs hoffnungsvoll startet und mitflattert, dann drei Mal in Folge deutlich unter 20 Euro erlöst (also weniger als er selbst ausgegeben hat) und ernüchtert die Lust am Flattrn verliert. Dass Flattr dann noch als &#8220;Zubrot&#8221; für große Blogs funktioniert (allein damit relevante Summen zu verdienen, das glaubt wohl kaum jemand), halte ich für unwahrscheinlich. Und würde ich mich trotzdem ernsthaft freuen, wenn es anders käme.</p>
<p>Nachtrag: Zum Thema ist ein <a href="http://www.newsecho.de/digital/netz_und_technik/ec2MTyC9SuA/computer-«flattr»_werden_nutzer_freiwillig_im_netz_zahlen">dpa-Text</a> erschienen, für den Michael Kieffer auch mit mir gesprochen hatte.</p>
<p>Zweitnachtrag: Unterdessen hat <a href="http://blog.ronniegrob.com/2010/07/07/mein-hut-der-hat-drei-cents/">Ronnie Grob geantwortet und beschrieben</a>, warum er doch flattrt.</p>
<p style="font-size:11px;">* Die taz ist auf so vielen Ebenen ein publizistisch-ökonomischer Sonderfall, dass ich mir dort einen mittel- und langfristigen Erfolg mit Flattr tatsächlich vorstellen kann. Wenn kein besser geeignetes Micropayment-System aufkommt. Was ich wiederum sehr hoffe.</p>
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		<title>Der Druck des Druckens</title>
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		<pubDate>Thu, 20 May 2010 08:38:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit großen Maschinen wird dieses Papier bedruckt, und ich mag große Maschinen. Da schwingt eine metallene Gewalt mit, die unerbittlich das tut, was sie soll, egal ob ein Stöckchen dazwischen gerät oder ein Finger. Diese Unerbittlichkeit der Maschine kann man in der Redaktion immer noch spüren, und das nimmt dem Prozess des Schreibens und der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/05/cover_RZ_.jpg" alt="" title="cover_RZ_" width="535" height="246" class="aligncenter size-full wp-image-1669" />Mit großen Maschinen wird dieses Papier bedruckt, und ich mag große Maschinen. Da schwingt eine metallene Gewalt mit, die unerbittlich das tut, was sie soll, egal ob ein Stöckchen dazwischen gerät oder ein Finger. Diese Unerbittlichkeit der Maschine kann man in der Redaktion immer noch spüren, und das nimmt dem Prozess des Schreibens und der Gestaltung von Informationen – den ich sehr gut kenne – die Feinheiten. Das ist der Hauptgrund, weshalb mich der <a href="http://www.rhein-zeitung.de/regionales/lobo.html">Tag als Chefredakteur</a> mehr erschöpft hat als vermutet und weshalb ich meine eigenen Texte okay fand, aber nicht besser als okay. Leider.</p>
<p>In einem <a href="http://meedia.de/nc/details-topstory/article/tageszeitung-ist-viel-fabrikarbeit-_100028066.html?tx_ttnews[backPid]=23&#038;cHash=cd19079f43">Interview</a> habe ich eine Zeitung als Fabrik bezeichnet, nach nochmaligem Überlegen würde ich eher Maschinerie sagen. Auch das größte Zahnrad in einer Maschinerie hat keine Chance, wenn zwei kleine nicht funktionieren. Das mag alles für viele Menschen in vielen Redaktionen selbstverständlich sein, aber es hat eine andere Intensität, wenn die Druckerei im selben Haus ist, man zum Andruck zu den großen Maschinen geht und zwanzig Tonnen Papier rasen durch hundert Tonnen Stahl &#8211; im Zweifel mit dem ärgerlichen Grammatikfehler, den man vorhin übersehen hat.</p>
<p>Einen interessanten Mechanismus im Sozialgefüge der Redaktion habe ich beobachten können: wo immer ich eine Lücke gelassen habe, eine Entscheidungslücke oder eine Aufmerksamkeitslücke &#8211; die Redaktion hat sie sofort von selbst geschlossen. Anders geht es vermutlich mit dem Druck des Druckens im Nacken nicht, ich glaube, dass dieses Prinzip bei Regionalzeitungen noch einmal besonders wichtig ist. Denn ich hatte nicht den Hauch einer Chance, auch nur die Hälfte der Inhalte der Zeitung und ihrer 16 verschiedenen Lokalausgaben vor dem Druck anzusehen. Daraus folgt, dass das Konzept, die großen Leitlinien viel wichtiger sind als die situative Kontrolle – keine Überraschung, natürlich, aber interessant und für einen 78%-Kontrollfreak (mein Konzept der Laisser-Faire-Kontrolle) wie mich schwierig zu ertragen. </p>
<p>Ein Teil des Konzepts war, die subjektive Bewertung und das eigene Interesse vor die Aktualität zu stellen, weil in diesem Bereich das Internet nicht zu schlagen ist. Wo das Netz von der Papierzeitung geschlagen wird, ist in der konzentrierten Wirk-Macht, die eine Regionalzeitung entfaltet. Tatsächlich wurde ich auf dem Weg zum Bahnhof – als die Zeitung ein paar Stunden alt war – angesprochen: von einem Menschen im Fahrstuhl, von der Kellnerin beim Frühstück, von dem Mann an der Rezeption, vom Taxifahrer, drei anderen Taxifahrern am Bahnhof, wo ich ausstieg, von dem Mann, bei dem ich einen Kaffee bestellt habe, von zwei Teenagern in dem Café, von jemandem auf dem Bahnsteig, von einer Rentnergruppe und einer Gruppe Jugendlicher im Regionalexpress. Nach eingehenden Frisurstudien in den letzten Jahren schätze ich das Verhältnis von Menschen, die einen erkennen, zu Menschen, die einen ansprechen, auf etwa 1:10. Legt man diesen Maßstab an, kann man davon ausgehen, dass eine gut funktionierende Regionalzeitung ihre Inhalte in circa 105% aller Köpfe in der Region hineinpresst. Das ist gleichermaßen wirtschaftlich sensationell wie es mediengesellschaftlich problematisch sein kann; und von einer einzelnen Internetseite wird ein solcher Wert ziemlich sicher niemals erreicht werden können – aber das ist eine andere Diskussion.</p>
<p>Abschließend möchte ich allen Mitarbeitern, besonders im Lokalen, danken, dass sie die Ideen und Anregungen, die ich naiv-netzhaft mitgebracht habe, so famos umgesetzt haben. Das kann ich inzwischen sagen, weil es nicht nur nach meinem eigenen Empfinden stimmt, sondern die Zeitung auch vom Publikum begeistert angenommen worden ist. Das Echo sowohl beim größten Teil der Social-Media-Crowd wie auch von fast allen Lesern der Papierzeitung war positiv bis euphorisch. Danke dafür, auch an Christian Lindner, dessen Idee diese Aktion war. In Absprache und mit Erlaubnis der Chefredaktion habe ich beschlossen, allen Mitarbeitern der Redaktion – auch der Lokalredaktionen, natürlich &#8211; jeweils ein persönlich signiertes Expemlar von &#8220;Wir nennen es Arbeit&#8221; zu schenken. Obwohl ich natürlich hoffe, dass die Erkenntnisse, die darin stehen, nicht dazu führen, dass sich zu viele Mitarbeiter der Rhein-Zeitung selbständig machen.</p>
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		<title>Die Zeitung, das unbekannte Lesen</title>
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		<pubDate>Wed, 19 May 2010 11:07:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern war ich Chefredakteur für einen Tag bei der Rhein-Zeitung. Bevor ich heute Abend das gesamte Projekt aus meiner Sicht bewerte, möchte ich den Anspruch dieser Unternehmung beschreiben und das Konzept dahinter. Kern des Konzepts war die Fragestellung, ob sich die Erkenntnisse der Informationsvermittlung im Netz zurück auf das Papier übertragen lassen. Dafür habe ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><img class="aligncenter size-full wp-image-1660" title="titelfoto_auswahl" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/05/titelfoto_auswahl.jpg" alt="" width="536" height="93" />Gestern war ich Chefredakteur für einen Tag bei der Rhein-Zeitung. Bevor ich heute Abend das gesamte Projekt aus meiner Sicht bewerte, möchte ich den Anspruch dieser Unternehmung beschreiben und das Konzept dahinter. Kern des Konzepts war die Fragestellung, ob sich die Erkenntnisse der Informationsvermittlung im Netz zurück auf das Papier übertragen lassen. Dafür habe ich drei wesentliche (und medienneutrale) Kriterien des Publizierens im Internet identifiziert:</p>
<p>Interessantheit<br />
Die Aufmerksamkeitsströme des Netzes richten sich danach, was als interessant empfunden und deshalb weiterempfohlen wird. Die Empfehlung ist der Informationsfilter der Zukunft und funktioniert nur, wenn der Empfehlende selbst interessiert ist. Mit der Annahme, dass sich Interessantheit vom Autor auf den Leser übertragen kann, ergibt sich: Jeder Artikelautor schreibt über ein Thema, was ihm wirklich am Herzen liegt, im Positiven oder im Negativen, Begeisterung zählt soviel wie Empörung.</p>
<p>Subjektivität<br />
Vor allem Blogs, aber auch die meisten anderen publizistischen Formen im Netz sind offen subjektiv. Die Grenze zum seriösen Journalismus muss deutlich bleiben – aber der persönliche Standpunkt und auch das Pronomen &#8220;ich&#8221; sind erlaubt und erwünscht.</p>
<p>Visualisierung<br />
Das Internet ist ein sehr bildintensives Medium, Fotos, Grafiken, Visualisierungen unterstützen nicht nur die Texte wie in der Zeitung, sondern erzählen ihre eigenen Geschichten. Meine Lieblings-Zeitungsrubrik – von der ich mich immer noch frage, weshalb sie in Deutschland nicht angeboten wird – ist <a href="http://www.boston.com/bigpicture/">The Big Picture vom Boston Globe</a>. Deshalb soll die Stimmung im RZ-Land in allen Regionen in Fotos von Profis und von Lesern festgehalten werden.</p>
<p>Hier kann man das Ergebnis als PDF-ePaper  <a href="http://epaper.rhein-zeitung.de/eweb/rz/2010/05/19/B0/1/">downloaden</a>. Und hier finden sich die Dokumentationsbeiträge rund um die Aktion:<br />
<a href="http://www.rhein-zeitung.de/regionales/lobo.html">Sonderseite</a>.</p>
<p>Mein persönliches Fazit &#8211; erscheint wie gesagt erst heute Abend, an dieser Stelle. Ich möchte nämlich unter anderem abwarten, wie das Produkt der Bemühungen von den Lesern angenommen wird.</p>
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		<title>Die Facebook-Fan-Falle</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 10:59:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jetzt ist es passiert und ich habe ein Problem, bei deren Lösung nur Ihr mir helfen könnt. Mit &#8220;Ihr&#8221;, das ich des briefartigen Ansprachecharakters halber im Internet immer groß schreibe, meine ich diejenigen Menschen, die mit mir auf Facebook befriendet sind. Kein Verschreiber, ich unterscheide &#8220;Freunde&#8221; und &#8220;Friends&#8221;. Ich habe grundsätzlich wenig Probleme mit Anglizismen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/02/crowd_of_individuals.jpg" alt="" title="crowd_of_individuals" width="536" height="279" class="aligncenter size-full wp-image-1476" />Jetzt ist es passiert und ich habe ein Problem, bei deren Lösung nur Ihr mir helfen könnt. Mit &#8220;Ihr&#8221;, das ich des briefartigen Ansprachecharakters halber im Internet immer groß schreibe, meine ich diejenigen Menschen, die mit mir auf Facebook befriendet sind. Kein Verschreiber, ich unterscheide &#8220;Freunde&#8221; und &#8220;Friends&#8221;. Ich habe grundsätzlich wenig Probleme mit Anglizismen, die &#8220;Sprache reinhalten&#8221; zu wollen, ist in meinen Augen Unsinn mit der Tendenz zur kulturellen Möchtegernhegemonie, aber das nur am Rande. </p>
<p>Jedenfalls habe ich seit einiger Zeit <a href="http://facebook.com/saschalobo">5000 Friends auf Facebook</a>, das ist die von Facebook willkürlich eingezogene Obergrenze. Natürlich kenne ich von diesen 5000 allenfalls 1000 persönlich, wenn man &#8220;kennen&#8221; weitestmöglich fasst im Sinne von &#8220;schon mal persönlich gesehen oder online miteinander kommuniziert&#8221;. Das macht mir nichts aus, im Gegenteil. Bisher habe ich Friends übersetzt als &#8220;Interessierte Personen&#8221;. Als ich an der Friend-Grenze anlangte, habe ich facebookinterne Kreise kontaktiert und nachgefragt, was zu tun sei. Die Antwort hat mich indirekt vor das eingangs erwähnte, gemeinsam zu lösende Problem gestellt. Da die 5000-Friends-Grenze keinesfalls aufgehoben wird, bleibt als einzige Möglichkeit die Umstellung meines Profils auf eine so genannte Page. Damit kann man die meisten Funktionen normaler Profile auch nutzen und noch einige mehr. Gut und schön. Aber! Die eben noch Friends genannten Kontakte auf Facebook wandeln sich &#8211; in Fans. <img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/02/5000friends_grenze.jpg" alt="" title="5000friends_grenze" width="536" height="57" class="aligncenter size-full wp-image-1483" />Uff. Fans. Eben waren wir noch Friends, jetzt schon muss ich den interessierten Personen zumuten, zu ver-fan-nen. Ich weiss um die Bedeutung von Namen und Bezeichnungen, und habe mir deshalb etwas ausgedacht, um meine Friends nicht zu Zwangsfans zu machen. Nicht, dass ich etwas gegen Fans oder Fantum habe &#8211; aber der unfreiwillige Bezeichnungswandel macht mir Sorgen. Mein Teil der erwähnten Problemlösung ist oben zu sehen. Mit der Macht der selbsterklärten Deutungshoheit ist bei mir auf der Facebook-Seite &#8220;Fan&#8221; ab sofort (bzw. ab der Umschaltung in ein paar Tagen) ein Akronym für &#8220;Friend Auf Netzwerk&#8221;. Da mag in Euren Profilen Fan stehen &#8211; und hier kommt Euer Teil der Problemlösung – aber wir alle wissen, dass es Friend auf Netzwerk heisst. Wir bleiben trotzdem ganz normal befriendet, es heisst nur umständehalber anders. Okay mit Euch?<img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/02/friend_auf_netzwerk.jpg" alt="" title="friend_auf_netzwerk" width="536" height="90" class="aligncenter size-full wp-image-1468" />Damit erspart Ihr mir einige kleinere Problemchen, zum Beispiel auf Parties sagen zu müssen, &#8220;sorry, ich kann Dich nicht hinzufügen auf Facebook, sonst müsste ich jemand anderen entfrienden&#8221;. Oder Ausreden zu erfinden für die 500 freundlichen, interessierten Personen, die sozusagen auf der Warteliste der Befriendung stehen. Danke für Euer Verständnis.</p>
<p>Und bei der Gelegenheit kann ich gleich auch mal ein paar Dinge aufschreiben zu Friendschaft, Freundschaft und sozialen Netzwerken. </p>
<p>• Wer Friendschaften grundsätzlich ablehnt, hat ein in Zukunft größer werdendes Problem. Denn die so genannten &#8220;schwachen Bindungen&#8221; (vgl. Mark Granovetter, &#8220;<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mark_Granovetter#The_strength_of_weak_ties">The Strength of Weak Ties</a>&#8220;) machen den persönlichen Wert (hier keinesfalls monetär gemeint) eines sozialen Netzwerkes aus. Das gilt nicht nur beruflich, wo über die &#8220;schwachen Bindungen&#8221; die wichtigsten Kontakte zustande kommen &#8211; sondern auch privat. Die meisten Lebenspartnerschaften ergeben sich per Vermittlung über schwache Bindungen.</p>
<p>• Wer auf der anderen Seite aber Friends mit Freunden verwechselt, wird vermutlich böse enttäuscht. Friends helfen eher nicht beim Umzug, Friends sind nur selten alarmiert, wenn man zwei Wochen verstummt, Friends können wesentlich schlechter zwischen den Zeilen lesen als Freunde. Friends sind eher digitale Nachbarn. Das macht weder Friends noch Nachbarn zu schlechten Menschen, es sind eben nur keine Freunde im klassischen Definitionssinn.</p>
<p>• Allgemein bitte ich darum, die penetrante Frage nach dem &#8220;Warum?&#8221; zu allen möglichen Sozialen Netzwerken und Plattformen nicht mehr zu stellen. Die einzige mir sinnvoll erscheinende Antwort darauf lautet &#8220;Weil Menschen es wollen&#8221;, was aber meistens nicht die Art von Antwort ist, die eine wertvolle Diskussion eröffnet.</p>
<p>• Und wo wir gerade dabei sind, bei der allgemeinen Diskussion um Daten in der Öffentlichkeit, kann ich ja auch mal am Rande erwähnen, dass ich eine der jüngsten Entwicklungen im Social-Network-Bereich gut finde und benutze: <a href="http://blippy.com/saschalobo">Blippy</a>. Man veröffentlicht dort, was man gekauft hat, und zwar automatisiert mit Schnittstellen zu Services wie iTunes oder auch der Kreditkarte (was in Deutschland leider noch nicht geht). An anderer Stelle schreibe ich mal auf, weshalb das im Moment aussieht wie das schlimmste, was man überhaupt etc. usw. &#8211; warum es aber mittelfristig den Konsumenten Macht zurückgibt. Hint: es hat auch damit zu tun, dass ein bisher verborgener Mechanismus (siehe zum Beispiel <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Payback_%28Bonusprogramm%29#Kritik:_Datenschutz">Payback-Karte</a>) ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, und zwar bewusst und vom Nutzer kontrolliert.</p>
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		<title>Eine etwas längliche Entgegnung auf Harald Martenstein</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Mar 2009 15:48:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ich]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlich]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[entschleunigung]]></category>
		<category><![CDATA[glosse]]></category>
		<category><![CDATA[harald martenstein]]></category>
		<category><![CDATA[microkommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[ZEIT]]></category>

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		<description><![CDATA[Lieber Harald Martenstein, mir ist klar, dass eine Entgegnung auf eine Glosse ein bisschen ist wie ein Zwischenruf im Theater (&#8220;Nicht, Romeo, sie lebt doch noch!&#8221;). Trotzdem möchte ich ein paar Dinge zu dieser ZEIT-Glosse von Dir ergänzen, um vor allem der Missinterpretation durch Dritte vorzubeugen. &#8230; Sascha Lobo. Er wird interviewt. Er sagt, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://www.flickr.com/photos/gaganielsen/"><img class="aligncenter size-full wp-image-549" title="twitterlesung_gaga3" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/03/twitterlesung_gaga3.jpg" alt="twitterlesung_gaga3" width="536" height="140" /></a>Lieber Harald Martenstein,<br />
mir ist klar, dass eine Entgegnung auf eine Glosse ein bisschen ist wie ein Zwischenruf im Theater (&#8220;Nicht, Romeo, sie lebt doch noch!&#8221;). Trotzdem möchte ich ein paar Dinge <a href="http://www.zeit.de/2009/12/Martenstein-12?page=all">zu dieser ZEIT-Glosse von Dir</a> ergänzen, um vor allem der <a href="http://turi-2.blog.de/">Missinterpretation durch Dritte</a> vorzubeugen.</p>
<p><span id="more-548"></span></p>
<blockquote><p>&#8230; Sascha Lobo. Er wird interviewt. Er sagt, dass wir alle demnächst wissen werden, wo unsere Freunde sich gerade aufhalten. Das läuft übers Handy, wir können pausenlos senden, empfangen und am Leben der anderen teilhaben. Er findet das toll.</p></blockquote>
<p>Ja, ich finde das toll. Am Leben meiner Freunde teilzuhaben ist für mich die Definition von Sozialleben, durchaus auch auf digitalem Wege. Wichtig in Deinem Artikel scheint mir die Angst vor dem Wörtchen &#8220;pausenlos&#8221; zu sein &#8211; die aber unberechtigt ist, denn die Kontrolle darüber, was wann wie von mir selbst veröffentlicht wird, ist für diese neuen Kommunikationstechnologien ebenso essenziell wie die Kenntnisse, wie und wann man sie richtig benutzt. Es gibt Momente, da finde ich es toll, wenn meine Freunde wissen, wo ich bin. In den anderen schalte ich diese Funktion ebenso ab wie das Handy, wenn ich nicht angerufen werden möchte.<br />
(Recherchebegabte Kulturpessimisten aufgemerkt: Ich würde gern wissen, ob bei der Erfindung des Telefons ein Raunen durch die Gesellschaft ging, das Gespräch von Angesicht zu Angesicht würde zerstört durch diese neuartige Technologie.)</p>
<p>Die folgende Passage aber ist der Hauptgrund dafür, dass ich diese Entgegnung geschrieben habe:</p>
<blockquote><p>Mir ist aufgefallen, dass die finsteren Visionen von Romanen wie 1984 und Schöne neue Welt allmählich Wirklichkeit werden. Da herrscht auch permanente Beobachtung. Ich halte es für widersprüchlich, wenn man gegen Videokameras in Umkleidekabinen ist und gleichzeitig die totale Vernetzung als Fortschritt feiert.</p></blockquote>
<p>Diese Argumentation ist in meinen Augen gefährlich. Sie spielt den Kräften in die Hände, die uns einreden wollen, dass technologischer Fortschritt einhergehen <em>muss</em> mit der Einschränkung bestimmter Bürgerrechte &#8211; anders ginge es einfach nicht. Das Gegenteil ist der Fall, die Vernetzung kann zum Beispiel über die Möglichkeit der anonymen Kommunikation (in meinen Augen ein Grundrecht im Internet) einen substanziellen Beitrag etwa gegen Überwachungsdiktaturen leisten. Diese Passage ist aber vor allem falsch, weil sie die selbstgesteuerte Vernetzung und das freiwillige Einstellen von Daten vergleicht mit Videokameras in Umkleidekabinen. Der Unterschied ist der gleiche wie zwischen &#8220;sich im Klo einschliessen&#8221; (toll, manchmal) und &#8220;im Klo eingeschlossen werden&#8221; (untoll, immer). Das Entscheidende ist die informationelle Selbstbestimmung, und zwar sowohl was die Veröffentlichung der eigenen Daten angeht wie auch deren Auswertung. </p>
<p>Rissschwenk auf&#8217;s Thema Twitter. Dieses Instrument wird gleichzeitig dramatisch unter- und überschätzt, lustigerweise oft von den gleichen Menschen. Twitter hat (von mir) geschätzt ungefähr 50.000 aktive Nutzer in Deutschland. Das ist deutlich weniger als die Hälfte der Zahl der deutschen  <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Kanu-Verband">verbandsaktiven Kanufahrer</a>. Mit anderen Worten handelt es sich beim Microbloggen um ein Microphänomen. Aber um eines, das gerade den Wunsch der Medien nach hypebarem Material besser bedient als Kanufahren. Das wiederum hat wenig mit der (zukünftigen) Bedeutung von Twitter zu tun, aber viel mit den Mechaniken der Medienlandschaft, deren Teil Du ja auch bist. Die Bedeutung von Twitter ist im Moment auf hohem Niveau völlig egal. Das dahinterliegende Bedürfnis der Menschen nach digitaler Microkommunikation aber nicht. Immerhin entspringt ebendiesem Bedürfnis auch die SMS; glaubt man Medienberichten über Angela Merkel, dann werden wir auch per SMS regiert. Viel relevanter können Kurznachrichten vermutlich gar nicht werden. In Zukunft wird Twitter vermutlich sowohl im Bereich der Aufmerksamkeitslenkung wie auch in der spontanen Mobilisierung von Menschen eine grössere Rolle spielen können &#8211; unter anderem.</p>
<p>Dein Kommentar zur Belanglosigkeit von einzelnen Twitterbeiträgen entspricht ziemlich genau dem Vorgehen, in einem Zeitungsladen eine einzelne beliebige Zeitschrift aus dem Regal zu nehmen, sagen wir &#8220;Basteln heute&#8221;, dort auf Seite 56 nur eine grauenvoll designte Anzeige für eine Bob-Ross-DVD zu finden und fortan das Medium Zeitschrift als irrelevant abzutun. Wobei &#8211; darüber könnte man verhandeln.</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/gaganielsen/"><img class="aligncenter size-full wp-image-556" title="twitterlesung_gaga" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/03/twitterlesung_gaga.jpg" alt="twitterlesung_gaga" width="536" height="182" /></a></p>
<blockquote><p>Es gibt auch schon literarische Texte, die &#8220;Twitteratur&#8221; heißen.</p></blockquote>
<p>Ja, das gibt es &#8211; ist die Welt nicht interessant? Kürzestliteratur finden wir mit Haiku ja sowieso schon in der Weltkultur verankert und noch kürzer bei Hemingway, dessen &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Flash_Fiction#Weiterentwicklungen">Short Short Story</a>&#8221; sechs Worte lang war: &#8220;For sale: Baby shoes, Never worn.&#8221; Das Twitteraturkritik-Blog <a href="http://twitkrit.de">twitkrit.de</a> und ich haben im letzten Sommer eine <a href="http://twitterlesung.de">Twitterlesung</a> veranstaltet (Gaststar war damals Tilman Rammstedt) &#8211; und jetzt kommt das total Supere: wir machen wieder eine, und zwar am Donnerstag, den 2. April im Rahmen der Bloggerkonferenz <a href="http://re-publica.de">re:publica</a>. Dazu lade ich Dich herzlich ein; möglicherweise zeigt sich Dir der Charme des Microbloggings dann auch. Vielleicht hast Du ja sogar ein Interesse daran, die besten Twitterbeiträge selbst vorzulesen. </p>
<p><font size=1>Anmerkung: Martensteins Glosse wurde vor dem Amoklauf von Winnenden geschrieben; ich habe mich deshalb bewusst entschlossen, die Entgegnung (die auch nur zeitnah sinnvoll ist) davon freizuhalten. Die notwendige Diskussion darüber findet an ausreichend vielen anderen Orten statt.</p>
<p>Beide Fotos von <a href="http://www.flickr.com/photos/gaganielsen/">Gaga Nielsen</a></font></p>
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		<title>saschalobo.com und die geschrieben werden wollenden Bücher</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jan 2009 08:14:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuchthemen]]></category>

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		<description><![CDATA[Vielleicht ist der Tag, an dem Barack Obama vereidigt wird, ein besonders guter Tag, ein persönliches Blog zu beginnen. Eventuell fällt ein bisschen vom Glanz dieses Tages auf mich ab &#8211; ganz bestimmt wird aber bei der Inauguration das Weltpathosvorkommen auf Monate hinaus verbraucht werden, so meine lästige Neigung zu pathetischen Texten in der Startphase [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Vielleicht ist der Tag, an dem Barack Obama vereidigt wird, ein besonders guter Tag, ein persönliches Blog zu beginnen. Eventuell fällt ein bisschen vom Glanz dieses Tages auf mich ab &#8211; ganz bestimmt wird aber bei der Inauguration das Weltpathosvorkommen auf Monate hinaus verbraucht werden, so meine lästige Neigung zu pathetischen Texten in der Startphase kaum auffallen wird. </p>
<p><span id="more-214"></span></p>
<p>Eigentlich ist das persönliche Blog nur halbpersönlich, denn neben einer <a href="http://saschalobo.com/hier/">Inhalte-Aggregation</a> möchte ich es vor allem benutzen, um verschiedenen kommenden Buchprojekten einen bestimmten Drall zu geben, nämlich den Drall der kollektiven Intelligenz. Ja, die gibt es wirklich, sie ist aber ein scheues Ding und nicht leicht aus dem Unterholz zu locken. Etwas unbeholfen habe ich bei früheren Büchern versucht, das Internet mit einzubeziehen, zuletzt beim <a href="http://prokrastination.com">Prokrastinationsbuch</a> etwa über Bande gespielt bei <a href="http://wirres.net/article/view/4708/1/6/">Felix Schwenzel</a>.</p>
<p>Das (unter anderem) soll mit diesem Blog anders sein, ich spiele sogar mit dem Gedanken, dass eines meiner nächsten Bücher das Internet als Coautor angibt. &#8220;Autoren: Sascha Lobo, Internet&#8221;, das klänge schon &#8212; ups, doch wieder in die Pathosfalle getappt. </p>
<p>Einige interaktive Schritte sollen sich in den nächsten Monaten herauskristallisieren: bisher finde nicht ich meine Sachbuchthemen, sondern die Themen finden irgendwie mich. Hört sich nach Wortspielerei an, ist aber tatsächlich so oder jedenfalls fühlt es sich so an. </p>
<p>Das bedeutet, dass ich mich hier in diesem Blog an ein Sachbuchthema versuche heranzutasten und vielleicht auch an einen kollektiven Coautor, ein Coautorenkollektiv. Wenn die Zeit reif ist (irgendwann zwischen morgen und nie), möchte Themen und Titel testen, vielleicht mache ich ein paar Abstimmungen. Dort draussen wollen viele Bücher geschrieben werden. Hier finde ich heraus, welche.</p>
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		<title>Konstituierendes Startposting ohne weitere Inhalte</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Dec 2008 23:01:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn Sie nur diesen Text lesen können und sonst kein Posting darübersteht, haben Sie eine Kategorie angeklickt, die noch leer ist. Schade. Immerhin können Sie auf die Überschrift klicken und sehen dann eine schöne Garuda-Figur, also den Schutzheiligen dieses Blogs. Nur zu!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/01/garuda.jpg"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/01/garuda.jpg" alt="garuda" title="garuda" width="540" height="823" class="alignnone size-full wp-image-211" /></a></p>
<p>Das ist der Schutzheilige dieses Blogs, der Götterbote Garuda aus der indischen Mythologie.</p>
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