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	<title>saschalobo.com &#187; Kultur</title>
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		<title>Siegfried Kauder und der Große Bär</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 10:42:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Industries]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[kauder]]></category>
		<category><![CDATA[urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Ja, hier! Ich! Ich verdiene einen Teil meines Geldes, weil das Urheberrecht existiert, vor allem mit meinen Büchern, die in einem klassischen Verlag erscheinen, nämlich Rowohlt. Ich mag die Substanz des Urheberrechts, ich bin der Überzeugung, dass bestimmte Formen des geistigen Eigentums für eine Gesellschaft sehr wichtig sind, weil dadurch das Nachdenken und Kreieren belohnt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Ja, hier!<br />
Ich!<br />
Ich verdiene einen Teil meines Geldes, weil das Urheberrecht existiert, vor allem mit meinen Büchern, die in einem klassischen Verlag erscheinen, nämlich Rowohlt. </p>
<p>Ich mag die Substanz des Urheberrechts, ich bin der Überzeugung, dass bestimmte Formen des geistigen Eigentums für eine Gesellschaft sehr wichtig sind, weil dadurch das Nachdenken und Kreieren belohnt wird. Meine Idealvorstellung von Gesellschaft ist eine, in der viele, auch unterschiedliche Menschen hauptberuflich nachdenken und kreieren können. Und das Urheberrecht trägt dazu bei. </p>
<p>Allerdings ist das Urheberrecht vor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Urheberrechts#20._Jahrhundert">drei Wochen 46 Jahre alt geworden</a>, und damit, wie soll ich es sagen, nicht unbedingt ein Digital Native. Da helfen auch die Bypass-Operationen der vergangen Jahre, getarnt mit dem Wort &#8220;Körbe&#8221;, nicht wirklich weiter. Denn das Netz und auch der gesellschaftliche Wandel bedingen ohne jeden Zweifel ein neues, der digitalen Welt angemessenes und würdiges Urheberrecht. Wie das genau aussieht, kann ich nicht sagen, ich glaube, niemand könnte das derzeit, ich wäre aber gern bereit, daran in einem mir möglichen Rahmen mitzuarbeiten. </p>
<p>Denn ein digitales Fundament zu legen für das wichtigste Gesetz der zukünftigen Kulturlandschaft, das wird viel Arbeit sein. Der Interessenausgleich zwischen den unterschiedlichen Gruppen wird für sich genommen schon schwierig. Und ich möchte bei aller Liebe nicht, dass Menschenrechte, auch digitale, weniger Wert sind als das Urheberrecht und seine Durchsetzung. Völlig unabhängig davon, dass ich davon rein finanziell unter Umständen vielleicht eventuell nach Darstellung von Lobbygruppen vielleicht profitieren würde (was ich nicht glaube, übrigens).</p>
<p>Wegen der Komplexität und der überaus hohen Relevanz verlange ich als Autor und Bürger zuallererst, dass sich Profis mit der Entwicklung des neuen Urheberrechts beschäftigen. Leute, die wissen, was sie tun, eben Leute, die darüber hauptberuflich nachdenken.</p>
<p>Jetzt kommt Siegfried Kauder ins Spiel – oder eben gerade nicht. Kauder hat sich vor einiger Zeit auf <a href="http://netzpolitik.org/2011/kauder-verspricht-2-strikes-warnmodell/">peinliche Weise angebiedert bei einem Lobbyverband</a>, der glaubt, er würde die Idee des Urheberrechts verteidigen, aber tatsächlich versucht, das 20. Jahrhundert möglichst lange aufrecht zu erhalten. </p>
<p>Und nun wird schlagartig klar: Siegfried Kauder ist der falschestmögliche Mensch, um an einem neuen Urheberrechtsgesetz für das Internet zu arbeiten. Nicht nur, dass es ihn selbst nicht kümmert, was <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,789073,00.html">die Bildrechte auf seiner eigenen Homepage</a> angeht. Dazu noch gibt er eine Erklärung ab, die zeigt, dass er nicht einmal den Begriff &#8220;Urheberrecht&#8221; richtig verwenden kann. Dabei ist die Beherrschung der Sprache seit über 2000 Jahren das Fundament von Gesetzestexten und Rechtsprechung, die ja genau deshalb auch so heißen. Als zusätzliches Sahnekrönchen hat Kauder mehrfach gezeigt, dass er vom Internet <a href="http://www.spiegel.de/thema/siegfried_kauder/">keinerlei tiefere Kenntnis</a> besitzt, aber sich pressewirksame Meinungen anzueignen versteht.</p>
<p>Ich bin sauer, ich bin sehr, sehr sauer. Es gibt Kräfte, die das Urheberrecht abschaffen oder in die Unwirksamkeit treiben wollen. Dieses Vorhaben ist politisch auch ihr gutes Recht, die Begründungen dafür sind nicht mehr so hanebüchen wie vor ein paar Jahren, sondern kommen zunehmend intelligent und durchdacht daher. Wie beschrieben, halte ich diese Überzeugung für unrichtig, selbst wenn ich sie ernst nehme. Aber politisch für ein neues, ausgewogenes, durchdachtes Urheberrecht zu kämpfen, das erfordert doch Integrität, Sachkenntnis, Auseinandersetzung. Es erfordert – und da bin ich total altmodisch, ihr Flitzpiepen – es erfordert verdammte Vernunft. Vernunft wie in &#8220;die Realität nicht leugnen&#8221;. Vernunft wie in &#8220;die eigenen Worte ernst nehmen&#8221;, wer sollte sie denn sonst ernst nehmen können. Vernunft wie – Überraschung! – in &#8220;nachdenken&#8221;. </p>
<p>Siegfried Kauder hat sich mit seinen Aktionen und vor allem dem aktuellen Urheberrechtsdebakel samt realitätsferner Begründung zur Witzfigur gemacht. Er hat damit denjenigen, die ein neues, gutes Urheberrecht wollen, das in der digitalen Welt wirklich funktionieren kann, einen Bärendienst erwiesen, dessen dazugehöriger Bär ungefähr dem Umfang des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_B%C3%A4r">Sternbilds Großer Bär</a> entspricht. </p>
<p>Ich fasse zusammen: Jemand, der weder das Internet versteht <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/CDU-Rechtspolitiker-Kauder-mit-kleinem-Urheberrechtsproblem-1351923.html">noch den Begriff &#8220;Urheberrecht&#8221; richtig zu verwenden in der Lage ist</a>, der auf der eigenen Webseite keine Hemmungen hat, das Urheberrecht mit Füssen zu treten und anschließend kein echtes Unrechtsbewusstsein an den Tag legt, sondern in einer nordkoreanisch anmutenden, beinahe guttenbergischen Realitätsverdrehung versucht, sein eigenes Fehlverhalten als Beweis seiner abstrusen Vorstellungen von Urheberrecht und Internet umzudeuten – </p>
<p>so jemand wie Siegfried Kauder also ist nicht nur Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestags, sondern versucht auch, das Urheberrecht, von dem ich lebe, in die digitale Zukunft zu führen. Haltet die Druckerpressen an, streicht im Duden die Wendung &#8220;den Bock zum Gärtner machen&#8221;, schreibt fürderhin &#8220;den Kauder Gesetze machen lassen&#8221;.</p>
<p>Für mich führt an einem Rücktritt vom Vorsitz des Rechtssausschusses des Bundestags nach eingestandenem mehrfachem Bruch geltender Urheberrechtsgesetze kein Weg vorbei. </p>
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		<title>Streetview Postcards</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Nov 2010 17:06:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Irrwitz]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[postkarten]]></category>
		<category><![CDATA[streetview]]></category>

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		<description><![CDATA[Endlich sind die neuen Google Streetview-Postkarten da; hier exklusiv die schönsten Motive: Nachtrag: Herr zeitweise hatte eine ähnliche Idee sogar schon im August.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Endlich sind die neuen Google Streetview-Postkarten da; hier exklusiv die schönsten Motive:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2200" title="brandenburg_gate" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/11/streetview_postcard_brbg_tor1.jpg" alt="" width="600" height="441" /><br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-2207" title="neublurstein" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/11/streetview_postcard_neuschwan.jpg" alt="" width="600" height="435" /><br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-2202" title="i_heart_berlin" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/11/streetview_postcard_berlin.jpg" alt="" width="600" height="390" /></p>
<p style="font-size:10px;">Nachtrag: Herr zeitweise hatte <a href="http://www.137b.org/?p=875">eine ähnliche Idee</a> sogar schon im August.</p>
<g:plusone href="http://saschalobo.com/2010/11/17/streetview-postcards/"  size="standard"   ></g:plusone>]]></content:encoded>
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		<title>Erdmöbel, Herrndorf &#8211; Label Mates</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Oct 2010 10:36:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere]]></category>
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		<category><![CDATA[erdmöbel]]></category>
		<category><![CDATA[herrndorf]]></category>
		<category><![CDATA[label mates]]></category>
		<category><![CDATA[rowohlt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ab und an stört mich die Angst einiger Leute, für &#8220;anbiedernd&#8221; gehalten zu werden, wenn man etwas ungebrochen für fantastisch hält. Coolness ist morsches Holz, Begeisterung ist Gold, deshalb begeistere ich mich an dieser Stelle für Erdmöbel und Wolfgang Herrndorf. Erdmöbel ist heute mit einer Mischung aus Lesung und Konzert in Berlin im Babylon Mitte, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Ab und an stört mich die Angst einiger Leute, für &#8220;anbiedernd&#8221; gehalten zu werden, wenn man etwas ungebrochen für fantastisch hält. Coolness ist morsches Holz, Begeisterung ist Gold, deshalb begeistere ich mich an dieser Stelle für Erdmöbel und Wolfgang Herrndorf. <strong>Erdmöbel ist heute mit einer Mischung aus <a href="http://www.fritz.de/tipps/veranstaltungen/2010/30081003.html">Lesung und Konzert in Berlin im Babylon Mitte</a>, um 20.00 Uhr</strong>.<br />
Starke Hinkommempfehlung.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2154" title="erdmoebel" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/10/erdmoebel.jpg" alt="" width="608" height="155" /><br />
Zur Frankfurter Buchmesse bei einem Essen traf ich Markus Berges, der ebenfalls bei Rowohlt Berlin einen Roman mit dem Namen &#8220;<a href="http://www.amazon.de/Ein-langer-Brief-September-Nowak/dp/387134656X">Langer Brief an September Nowak</a>&#8221; geschrieben hat. Markus erzählte von seinem Musikerdasein und erwähnte in diesem Zusammenhang, dass wir bei Rowohlt Berlin &#8220;Label Mates&#8221; seien, ein wunderschöner Begriff, den ich nicht kannte. Weil ich auch glaubte, ihn nicht zu kennen, unternahm ich das einzig Natürliche und googelte ihn unter dem Tisch, während ich so tat, als würde ich in die Speisekarte schauen. Und dann war Markus Berges auf einmal der Sänger von Erdmöbel, einer Band, die ich nicht schätze, sondern bis ins Lächerliche hinein kultisch verehre. &#8220;Strohfeuer&#8221; habe ich zu einem guten Teil zu den Liedern von Erdmöbel geschrieben, auf repeat gestellt, natürlich, von &#8220;Lang schon tot&#8221; bis zu &#8220;Wurzelseliger&#8221;, einem etwas hemdsärmligerem Stück. Und auf einmal bin ich Label Mate vom Erdmöbel-Sänger; Tage tanzte ich. Und auch ihr sollt tanzen und hören, und zwar heute Abend im Babylon Mitte, wie oben steht. Auf der Rückfahrt mit dem Auto von Frankfurt nach Berlin habe ich vom neuen Album <a href="http://www.amazon.de/Krokus-Erdm%C3%B6bel/dp/B003SPLQBQ">Krokus</a> &#8220;<a href="http://www.amazon.de/Krokus/dp/B003YOZ1LM/ref=dm_cd_album_lnk">Das Leben ist schön</a>&#8221; fast einhundertmal auf repeat gehört, das Lied hat mich in diese Stimmung des melancholischen Pathos versetzt, wo man je nach Tageslaune vor Freude Schluckauf bekommt oder Tränen in den Augen hat und nur noch Riesling hilft.<br />
[<a href="http://www.youtube.com/user/erdmoebeltv">Link zum Erdmöbel Youtube-Channel</a>]</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2158" title="hamsum_herrndorf" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/10/hamsum_herrndorf.jpg" alt="" width="608" height="189" /><br />
Wolfgang Herrndorf habe ich 2003 im Internet kennengelernt, da hatte er gerade den furios verzweifelten Roman &#8220;In Plüschgewittern&#8221; geschrieben. Jetzt hat er den Roman &#8220;Tschick&#8221; veröffentlicht, auch bei Rowohlt Berlin natürlich, der <a href="http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~EA422B7EEE1A8416193A58ABAFB3589B2~ATpl~Ecommon~Scontent.html">hervorragend</a> <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/wolfgang-herrndorf-tschick-zauberisch-und-superporno-1.1011229">besprochen</a> <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-10/tschick-roman">wird</a>, natürlich zu Recht. Ich bin gerade mitten dabei, den Roman zu lesen, aber es nimmt mich mit, denn ich kenne die Geschichte der Entstehung. Wolfgang Herrndorf hatte Anfang des Jahres mit Kopfschmerzen und motorischen Störungen zu kämpfen. Der Grund dafür war der schlimmstmögliche Grund, den man auf die Schnelle in Wikipedia finden kann außer vielleicht einem Asteroideneinschlag in Kopfnähe, nämlich ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Glioblastom">Glioblastom</a>. Es handelt sich um den aggressivsten, gefährlichsten, arschlochartigsten Hirntumor im an Gefährlichkeiten nicht eben armen Krebsreigen. Während das Buch &#8220;Tschick&#8221; entstanden ist, den Tumor im Nacken und gleichzeitig ein wenig darüber, hat Wolfgang Herrndorf Tagebuch geführt. Inzwischen ist das Tagebuch in Blogform öffentlich, zu finden unter <a href="http://wolfgang-herrndorf.de">http://wolfgang-herrndorf.de</a> &#8211; ich empfehle eine andere Reihenfolge als die chronologische, nämlich zuerst &#8220;<a href="http://www.wolfgang-herrndorf.de/2010/04/daemmerung/">Dämmerung</a>&#8221; zu lesen, dann die <a href="http://www.wolfgang-herrndorf.de/2010/09/rt1/">Rückblenden eins</a> und <a href="http://www.wolfgang-herrndorf.de/2010/10/rt2/">zwei</a> und dann <a href="http://www.wolfgang-herrndorf.de/2010/04/eins/">hier beginnend</a> den Rest dieses ärgerlich großartigen Blogs. Und dann <a href="http://www.amazon.de/Tschick-Wolfgang-Herrndorf/dp/3871347108">selbstredend &#8220;Tschick&#8221;</a>. Schliessen möchte ich mit einem Zitat aus dem Blog, das den Startschuss zu diesem Roman darstellt:</p>
<blockquote><p>Ich fange an, mich vorsichtshalber auf drei Monate runterzurechnen. Könnte man leben, wenn man nur noch drei Monate hat? Nur noch einen Monat?</p>
<p>Ich werde noch ein Buch schreiben, sage ich mir, egal wie lange ich noch habe, wenn ich noch einen Monat habe, schreibe ich eben jeden Tag ein Kapitel. Wenn ich drei Monate habe, wird es ordentlich durchgearbeitet, ein Jahr ist purer Luxus.</p>
<p>Was könnte man noch machen? Der Gedanke, den Diktator einer Bananenrepublik zu erschießen, drängt sich als sinnvollste Möglichkeit in den Vordergrund, viel besser läßt sich das Leben nicht nutzen. Mit der Winchester meines Vaters. Aber die Diktatorendichte vor meiner Haustür ist gering, und für einen ausgeklügelten Miles-and-more-Terrorismus reicht es vermutlich nicht mehr.</p>
<p>Liste von Dingen, die besser geworden sind: Nie wieder Steuererklärung, nie wieder Rentenversicherung, nie wieder Zahnarzt. Ich werde meine Eltern nicht zu Grabe tragen. Größte Horrorvorstellung meiner letzten Jahre: Ich stehe in ihrem Reihenhaus, umgeben von Erinnerungen und einem riesigen Hausstand, den ich weder entsorgen noch bewahren kann.</p>
<p>Schlimme Konzentrationsstörungen. Wenn ich lese, ergänzt mein Gehirn jeden Satz: Lee Harvey Oswald ging die Straße entlang, und du wirst sterben. Er sah die Autos, und du wirst sterben. An allen Gegenständen und Menschen haften jetzt kleine Zettel mit der Aufschrift Tod, wie mit Reißzwecken dahingepinnt. C. legt ihren Arm um meine Schulter: Tod. Sie lächelt: Tod.</p></blockquote>
<p>Nachtrag: Twitternutzer &#8220;<a href="http://twitter.com/#!/kotzend_einhorn">Kotzend Einhorn</a>&#8221; hat für den <a href="http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/kultur/tschick-mein-sprecherdebut-bei-wdr-scala/">WDR einige Passagen von Tschick eingelesen</a>.</p>
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		</item>
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		<title>Strohfeuer Appfragen</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Oct 2010 13:55:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Strohfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[app]]></category>
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		<description><![CDATA[In der vergangenen Woche zur Frankfurter Buchmesse wurde die iPhone/iPad App für &#8220;Strohfeuer&#8221; vorgestellt, explizit als App (den gesamten Text enthaltend) und nicht als iBook. Weshalb das über das normale eBook – seit September verfügbar – hinaus erwähnenswert ist, versuche ich im Folgenden zu beantworten, und zwar mithilfe von Fragen aus der geschätzten Perspektive des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>In der vergangenen Woche zur Frankfurter Buchmesse wurde die iPhone/iPad App für &#8220;Strohfeuer&#8221; vorgestellt, explizit als App (den gesamten Text enthaltend) und nicht als iBook. Weshalb das über das normale eBook – seit September verfügbar – hinaus erwähnenswert ist, versuche ich im Folgenden zu beantworten, und zwar mithilfe von Fragen aus der geschätzten Perspektive des kritisch-aufgeklärten Digitalkonsumenten.</p>
<p><strong>Warum kostet die App sagenhafte 18,99 €?</strong><br />
Die Preispolitik von Rowohlt ist wie bei vielen anderen deutschen Verlagen so abgestuft, dass die elektronische Variante immer soviel kostet wie die derzeit preisgünstigste Papierausgabe des Buchs. &#8220;Strohfeuer&#8221; ist als Hardcover erschienen, da sind 18,95 € ein normaler Preis für ein entsprechendes Ebook in deutscher Sprache. Die 9 am Ende ist Apples Preisabstufungsdiktat geschuldet. </p>
<p><strong>Aber für eine App muss man doch keine getöteten Bäume bedrucken, das muss doch billiger sein!</strong><br />
Diese Preispolitik ist, wie der Name bereits andeutet, politisch begründet und hat in diesem Fall mit den tatsächlichen Herstellungskosten etwa soviel zu tun wie der Preis einer Kinokarte mit den Produktionskosten des Films. Aber ich natürlich sehe ich das Argument auch aus dem Blickwinkel der finanzschwächeren iPhone-Nutzer und deshalb…</p>
<p><strong>Ja, was?</strong><br />
… deshalb erhöhe ich einfach die Leistung der Strohfeuer-App, weil ich den Preis natürlich nicht eigenmächtig herabsetzen kann. Famoserweise hat das digitale Labor von Rowohlt sich etwas ausgedacht, das sich &#8220;<a href="http://www.rowohlt.de/digitalbuchplus-de">digitalbuchplus</a>&#8221; nennt und diesen Herbst mit vier Titeln startet. Es handelt sich dabei um verschiedene Ideen, die das Buch über den bloßen Text hinaus versupern sollen.</p>
<p><strong>Zum Text von &#8220;Strohfeuer&#8221; gibt es also heitere Fotos und muntere Filmchen dazu?</strong><br />
Nein. Während bei den anderen Projekten, etwa bei der Einstein-Monographie, sinnvollerweise Film-, Ton- und auch gescannte Papier-Dokumente eingebaut sind, besteht die Anreicherung bei &#8220;Strohfeuer&#8221; aus autorenorientierter interaktiver Textkommunikation, wie wir coolen Agency People sagen. Ein Roman wird durch Videoclips nicht zwingend automatisch verschönert, so die Überlegung. </p>
<p><strong>Was heisst das genau?</strong><br />
In der Strohfeuer-App verbirgt sich die so genannte Buchfrage. Dabei kann man an jeder Stelle des Buchs ein Stück Text markieren, drauftippen und dann dazu direkt eine Frage stellen (siehe Abbildung). In der App, auf der Plattform <a href="http://www.lovelybooks.de/buchfrage/">Lovelybooks.de</a>, aber auch hier auf meinem Blog kann man dann <a href="http://saschalobo.com/strohfeuer/buchfrage/">unter saschalobo.com/strohfeuer/buchfrage die Fragen sehen &#8211; und meine Antworten dazu</a>, denn ich werde sie sämtlich selbst beantworten.</p>
<p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/10/buchfrage_screens1.jpg" alt="" title="buchfrage" width="600" height="290" class="aligncenter size-full wp-image-2121" /><br />
<strong>Was soll das bringen?</strong><br />
In Woody Allens Film &#8220;Der Stadtneurotiker&#8221; gibt es eine berühmte <a href="http://www.youtube.com/watch?v=bBtXfBdEXEs">Szene in einer Schlange an der Kinokasse</a>, in der jemand lautstark darüber redet, was Marshall McLuhan in seinem Werk habe sagen wollen. Allen holt den echten McLuhan hinter einem Plakat hervor, der vor Ort erklärt, was wie gemeint war. Woody Allen schliesst die Szene mit dem Wunsch &#8220;If life were only like this&#8221;. Im Internet für mein Buch &#8220;Strohfeuer&#8221; is life jetzt like this, weil ich in den nächsten Wochen digital hinter der App lauere und alle auftretenden Fragen so schnell wie möglich – fast in Echtzeit – versuche zu beantworten. Was es aber genau bringt und ob es dem Publikum bei einem Roman als geeigneter Gegenwert erscheint, das muss man erst noch herausfinden.</p>
<p><strong>Hm, was wäre denn das schlechtesterwartete Ergebnis?</strong><br />
Es werden fünf gleichlautende Fragen gestellt (&#8220;Wieviel Sascha Lobo steckt in der Hauptfigur?&#8221;) und dann interessiert sich nie wieder jemand dafür, weil die von mir für irrsinnig toll gehaltene Autoren-Interaktivität keinen erkennbaren Vorteil für das Publikum bringt, zumindest für Romane, bzw. für diesen Roman von mir. </p>
<p><strong>Und was wäre das allerbeste Ergebnis, wenn möglich in für Sie typisch überhöhender Weise dargestellt?</strong><br />
Die Buchfrage bewegt Tausende dazu, sich die App zu kaufen und Fragen zu stellen, die ich direkt beantworte, wodurch der Buchgenuss sich erhöht. Im Gegenzug entdecke ich, welche Stellen eventuell unverständlich oder doof sind und welche witzig sind oder gut ankommen. Im besten Fall verändert sich mein Schreiben, weil es praktisch für jede Zeile direktes Feedback gibt, ich erkenne als Autor, ob die von mir beabsichtigte Wirkung oder Aussage von dieser oder jenen Passage überhaupt beim Publikum angekommen ist. Auf diese Weise verändert sich auch die Arbeit an Büchern in der Zukunft, zumindest, wenn der Autor das möchte.</p>
<p><strong>Kann man auch Fragen stellen, wenn man das Papierbuch gekauft hat oder auch einfach so ohne Buch?</strong><br />
Ja, dazu muss man sich sogar noch nicht einmal bei <a href="http://lovelybooks.de">lovelybooks.de</a> anmelden, Mailadresse und Name reichen aus (das stand hier vorher andersherum, jetzt ist es richtig).</p>
<p><strong>Und wann kommt die Android App?</strong><br />
Die wird so bald wie möglich kommen, sie ist in Arbeit. Schon allein, um sich nicht von Apple abhängig zu machen, denn die durchaus problematische Firma Apple hat außerordentlich seltsame Vorstellungen davon, wie man mit schriftlichen Kulturgütern umgeht. Die ersten Vertragsentwürfe von Apple für verschiedene deutsche Verlage beinhalteten angeblich eine Liste mit Worten, die im Text nicht ausgeschrieben vorkommen dürften. Dass zumindest Rowohlt diese groteske Situation nicht akzeptieren konnte und wollte, sieht man an der Strohfeuer-App, in der exakt 43 Mal das Wort &#8220;Fuck&#8221; zu lesen ist (sowie 15 Mal &#8220;Hitler&#8221; in verschiedenen Varianten).</p>
<p><strong>Un das alles soll also die Antwort sein auf die Frage, wie das Digitalbuch der Zukunft aussieht?</strong><br />
Ehrlich gesagt weiss ich nicht, wie das Digitalbuch der Zukunft genau aussieht. Ein paar qualifizierte Vermutungen kann ich gern äussern, dazu brauche ich nur ein in Gesichtsnähe gehaltenes Mikrophon. Aber ob sich die Realität meinen Prognosen unterzuordnen gedenkt, kann man im Moment nicht sagen. Um so wichtiger ist es, auszuprobieren, was für die Käufer funktioniert und was nicht. Das wissen sie nämlich im Bereich Technologie oft selbst noch gar nicht so genau, woher auch. 2005 hätte ich auf die Frage, ob ich ein Handy mit Touchscreen haben will, geantwortet: &#8220;Touchscreen? Sie meinen diese Fahrkartenautomaten-Technik, die zwei Minuten nach der Berührung etwas ganz anderes tut als ich eigentlich wollte?&#8221; Ich fürchte also, wir müssen alle gemeinsam ausprobieren, wie ein Digitalbuch in Zukunft aussieht, damit die begeisterten Massen bekommen, wonach sie verlangen.</p>
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		<title>Strohfeuer – Kleine Kritikschau</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Sep 2010 17:43:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Irrwitz]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Strohfeuer]]></category>

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		<description><![CDATA[Als am Freitag &#8220;Strohfeuer&#8221; (das ist mein Romanerstling) startete (seit heute gibt es das Ebook übrigens auf den für Rowohlt üblichen Downloadplattformen), war die Resonanz nicht schlecht. So als Menge an Resonanz betrachtet, aber zu einem Teil auch qualitativ. Sehr schön war zum Beispiel die Kurzkritik von Ijoma Mangold in &#8220;Die Vorleser&#8221; im ZDF am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Als am Freitag &#8220;Strohfeuer&#8221; (das ist mein Romanerstling) startete (seit heute gibt es das Ebook übrigens auf den für Rowohlt <a href="http://www.libri.de/shop/action/productDetails/12952530/sascha_lobo_strohfeuer.html">üblichen</a> <a href="http://www.buecher.de/shop/roman-erzaehlung/strohfeuer-ebook/lobo-sascha/products_products/detail/prod_id/31805648/">Downloadplattformen</a>), war die Resonanz nicht schlecht. So als Menge an Resonanz betrachtet, aber zu einem Teil auch qualitativ. Sehr schön war zum Beispiel die Kurzkritik von Ijoma Mangold in &#8220;Die Vorleser&#8221; im ZDF am Freitag Abend:</p>
<p><object width="618" height="372"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/Frw1YvExXX8?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/Frw1YvExXX8?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="618" height="372"></embed></object></p>
<p>Zitate aus Mangolds Beschreibung: </p>
<blockquote><p>&#8220;… ein herrliches Buch, ein Brevier für Hochstapler … eine intelligente, eine boshafte, eine köstliche Satire … zugleich aber auch ein Selbstportrait, wo das eigene Blendertum ein wenig auf die Schippe genommen wird.&#8221;</p></blockquote>
<p></ br></p>
<p>Auch auf Focus.de ist noch am Freitag ein positiver Text von Jennifer Reinhard erschienen, überschrieben mit &#8220;<a href="http://www.focus.de/kultur/buecher/strohfeuer-zwischen-genie-und-groessenwahn_aid_551271.html">&#8220;Strohfeuer&#8221;: Zwischen Genie und Größenwahn</a>&#8220;, hier eine Passage:</p>
<blockquote><p>Temporeich und mit der Akribie eines Soziologen schildert Lobo das Lebensgefühl einer Generation, die glaubte, per Mausklick die Welt beherrschen und die Gesetze des Markts auf den Kopf stellen zu können. Er entlarvt die New Economy als das, was sie war: ein Luftschloss, das auf nichts als Hybris und der Hoffnung auf schnelles Geld fußte. Dabei begeht der Co-Autor von „Wir nennen es Arbeit“ und des Ratgebers „Dinge geregelt kriegen“ zu keiner Zeit den Fehler, zu viel Mitleid mit den Figuren in diesem Marionettentheater aufkommen zu lassen.</p></blockquote>
<p></ br></p>
<p>Auf News.de schreibt Ronny Janke den Artikel &#8220;<a href="http://www.news.de/medien/855073586/der-ton-der-web-2-0-generation/1/">Drama aus der Seifenblase</a>&#8220;, mit der irgendwie verschwundenen, aber in der URL noch vorhandenen Unterüberschrift &#8220;Der Ton der Web 2.0-Generation&#8221;:</p>
<blockquote><p>Lobo erzählt dieses New-Economy-Märchen äußerst charmant, setzt auf glaubwürdige Charaktere, die über sich selbst hinauswachsen wollen und am Ende scheitern, weil der eigene Hochmut sie zu Fall bringt.</p></blockquote>
<p></ br></p>
<p>Im Kölner Stadtanzeiger erscheint (von der Agentur dapd aus) weniger eine Kritik als der Bericht &#8220;<a href="http://www.ksta.de/html/artikel/1284751473501.shtml">Die Ekel-Faszination der Gier</a>&#8221; von einem Autor, der auch auf der Berliner Lesung am letzten Freitag war:</p>
<blockquote><p>Sich mit einem der beiden Charaktere voll und ganz zu identifizieren, wird wahrscheinlich nicht einmal dem gelingen, dessen Leben sich zu Beginn des neuen Jahrtausends in Berlin abspielte und allein von der Sucht nach dem &#8220;großen Ding&#8221;, nach neuen Ideen, Erfolg, Reichtum, Feiern und Sex geprägt war. </p></blockquote>
<p></ br></p>
<p>In eine ähnliche Kerbe schlägt die Rhein-Zeitung (wo ich im Mai Chefredakteur für einen Tag war). Dort hat sich Moritz Meyer mit dem Roman beschäftigt, seine Kritik ist überschrieben mit &#8220;<a href="http://www.rhein-zeitung.de/magazin_artikel,-Lobo-und-das-Strohfeuer-der-Stromberg-Kreativen-_arid,138143.html">Lobo und das Strohfeuer der Stromberg-Kreativen</a>&#8220;:</p>
<blockquote><p>Eine Identifikationsfigur werden die meisten Leser in Lobos Buch vergeblich suchen, so sie nicht ein Herz für halbkriminelle Angeber haben. Vielmehr greift das Prinzip der Büro-Satire „Stromberg&#8221;: Das permanente Angewidertsein von den Methoden der Hauptfiguren löst eine eigentümliche Faszination aus.</p></blockquote>
<p></ br></p>
<p>&#8220;Eigentümliche Faszination&#8221; mag ich gern, besonders in seiner leicht unklaren Wertung. Sehr gefreut habe ich mich über die englischsprachige Kritik von der Literaturübersetzerin Katy Derbyshire &#8220;<a href="http://lovegermanbooks.blogspot.com/2010/09/sascha-lobo-strohfeuer.html">Sascha Lobo: Strohfeuer</a>&#8221; auf ihrem Blog Love German Books. Auch sie war auf der Lesung und setzt sich sehr präzise mit den Stärken und Schwächen des Buchs auseinander. Die beschriebenen Stärken zitiere ich im Folgenden, für die Schwächen am besten auf&#8217;s Blog selbst klicken, die lasse ich natürlich an dieser Stelle weg:</p>
<blockquote><p>Strohfeuer is a funny book. A chuckle-raising, laugh-a-minute good fun read. Our horrible hero Stefan bluffs his way into the advertising industry &#8211; not known for its great morals and humanity in the first place &#8211; and makes large amounts of money with smoke and mirrors. …<br />
The book&#8217;s first strength is in its characters, from the out-and-out nasty Thorsten who turns out to have a reason for his misbehaviour to the scaredy-cat funny guy Phillip who surprises us at the end to the self-obsessed narrator Stefan who constantly manages to override his conscience and often common sense too. …<br />
The second strength is the novel&#8217;s language. It probably wouldn&#8217;t come across quite as well in translation, but it&#8217;s full of toe-curling anglicisms like the verb delivern, ad agency in-jokes like irony-free zone, buzzwords like Hitler (as an expletive) and the like. And all related in a deadpan tone with an eye for detail &#8211; like a project manager&#8217;s liking for maritime metaphors. …<br />
And the third is the sense of timing. Because what might have been just a string of funny ad agency incidents is broken up by little extra scenes from the narrator&#8217;s childhood, escapades in various cars and bars, and a couple of last-ditch slapstick attempts to save the company. All of which make the book much more &#8211; well, likeable.</p></blockquote>
<p></ br></p>
<p>Die dpa hat heute eine <a href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1041953">Meldung zu Strohfeuer</a> verschickt, die sich zum Beispiel hier auf der Seite der Süddeutschen Zeitung wiederfindet. Obwohl es eher eine Art Inhaltsangabe als eine Kritik ist, spürt man zwischen den Zeilen eine gewisse Ablehnung, bzw. Abwertung durch, man stört sich etwa an der Sprache, durchbrochen von positiven Bemerkungen aus der Halbdistanz wie dieser:</p>
<blockquote><p>Zu den Stärken des Buches zählen die Passagen, in denen Lobo den heute unvorstellbaren Überschwang des Dotcom-Booms satirisch aufs Korn nimmt.</p></blockquote>
<p></ br></p>
<p>Von den eher positiven und/oder neutralen Kritiken abgesehen, hatte mir Meedia am letzten Freitag Gelegenheit gegeben, in einem Interview mit der Überschrift &#8220;<a href="http://meedia.de/nc/details-topstory/article/das-einzig-besondere-ist-sein-grenwahn_100030375.html">Das einzig besondere ist sein Größenwahn</a>&#8221; einige Fragen zu beantworten. Hier herausgepickt habe ich die Frage und die Antwort, die in die Überschrift Eingang gefunden hat:</p>
<blockquote><p>Was für Menschen haben denn Erfolg in solchen &#8220;Bubble&#8221;-Zeiten?<br />
Die Menschen, über die ich mich im Buch lustig mache – wie den Ich-Erzähler Stefan, der von sich glaubt, er könne beinahe Gedanken lesen, er sei klüger als alle anderen – aber letztlich erbärmlich ist, weil das Einzige, was an ihm besonders ist, sein Größenwahn ist. Und auch der ist unfassbar armselig, weil er sich in einem Hunderttausendmark-Auto äussert. Es geht um Menschen, die beim Betrachter eine Ekelfaszination auslösen, die man selbst dann nicht mögen kann, wenn man es versucht.</p></blockquote>
<p></ br></p>
<p>Natürlich gab es auch negative Kritiken, ich weiss gar nicht, wann ich das letzte Mal irgendetwas gemacht habe, was alle gut fanden. Mit drei in die Hose vielleicht. Und natürlich darf jeder öffentlich &#8220;Strohfeuer&#8221; (und auch mich) ganz grauenvoll finden. Überrascht hat mich aber schon, wie persönlich die <a href="http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E87CFD4D3FB464B4A9BB12DC4DC8C7CDB~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Kritik der FAZ</a> daherkam (&#8220;Klassenclown-Prosa&#8221;), die die ersten beiden abfälligen Absätze auf Frisur und Twittericon verwendet (die ausser auf dem Cover im Buch nicht vorkommen). </p>
<p>Zwischen der WELT-Gruppe und mir lodert seit einiger Zeit nicht unbedingt eine heftige Liebe. Aber bin ich als einzelne Person für einen Konzern tatsächlich ein würdiges Ziel für eine persönlich werdende Breitseite? Selbst wenn ich in den Augen der Autoren einen wahnsinnig schlechten Roman geschrieben habe? Oder ist es Zufall, dass die WELT aus allen Rohren schiesst? Das kann ja auch sein, ich weiss es tatsächlich nicht. Meines Wissens ist in der WELT Kompakt und auch in der WELT für Erwachsene Frank Schmiechens Glosse (&#8220;<a href="http://www.welt.de/die-welt/kultur/article9693268/Wenn-Frisuren-schreiben.html">Wenn Frisuren schreiben</a>&#8220;) erschienen, offline wie online, sowie in der WELT am Sonntag wie auch im Netz Peter Praschls Kritik, die gedruckt &#8220;Ohne sich vergleichen zu wollen&#8221; hiess und für&#8217;s Netz umbenannt wurde in &#8220;<a href="http://www.welt.de/kultur/article9750950/Sascha-Lobo-schreibt-ein-Arschlochcrescendo.html">Sascha Lobo schreibt ein Arschlochcrescendo</a>&#8220;, veröffentlicht mit ungünstigem Foto (das Wörtchen Arschlochcrescendo ist ein Zitat von mir über meinen Roman). <del>Beide scheinen mit vom Hasswunsch zerfurchtem Gesicht geschrieben</del> (dieser Satz ist ein abgewandeltes Kinskizitat, was aber offenbar kaum zu erkennen ist, so dass ich ihn durchgestrichen habe):</p>
<blockquote><p>&#8220;Was immer Lobo sagt, schreibt, bloggt, twittert, versendet sich so schnell, dass man selten weiß, worum genau es ging. […] Es ist das blanke Elend. … &#8221; (Praschl)<br />
&#8220;… dass man ein gutes Buch nicht vortäuschen kann. Man braucht dafür sprachliche Fähigkeiten und eine interessante Geschichte. Beides hat Sascha Lobo in &#8220;Strohfeuer&#8221; nicht zu bieten.…liest sich wie das eilig hingeworfene Drehbuch zu einer Fernseh-Vorabendserie.&#8221; (Schmiechen)</p></blockquote>
<p></ br></p>
<p>Am interessantesten ist die (negative) Kritik in der Mitteldeutschen Zeitung von Ulrich Steinmetzger, &#8220;<a href="http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&#038;atype=ksArtikel&#038;aid=1277474077628">Ich war begeistert von mir selbst</a>&#8221; (ein näherungsweises Zitat der Hauptfigur). Steinmetzger ist der Meinung, dass ich absolut identisch bin mit der Hauptfigur. Dass ein gewisses Vexierspiel zwischen dem Ich-Erzähler und dem Autor stattfindet, ist durchaus beabsichtigt, überhaupt nicht neu und ich glaube, das würde auch dann stattfinden, wenn ein weiblicher Orang-Utan in der Steinzeit die Hauptfigur gewesen wäre. In der Mitteldeutschen Zeitung, die das &#8220;ich&#8221; im Roman für ein &#8220;ich&#8221; des Autors hält, hat es etwas Seltsames. Oder, um die Worte von Moritz Meyer zu verwenden: etwas eigentümlich Faszinierendes.</p>
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		<title>Einen Roman also, aha.</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Sep 2010 13:38:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Ich]]></category>
		<category><![CDATA[Strohfeuer]]></category>
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		<description><![CDATA[Obwohl ich selbstredend zur grundsätzlichen Überhöhung meiner eigenen Kreativleistungen neige, schätze ich auch in euphorischen Momenten die Zahl derjenigen, die seit Jahren mit Tränen in den Augen beten, Sascha Lobo möge endlich einen Roman schreiben, als maximal mittelgroß ein. Mein normaler Job als Inhaber einer gutgehenden Frisur ist ja eine Mischung aus Interneterklärung, Kommunikationsgetöse und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Obwohl ich selbstredend zur grundsätzlichen Überhöhung meiner eigenen Kreativleistungen neige, schätze ich auch in euphorischen Momenten die Zahl derjenigen, die seit Jahren mit Tränen in den Augen beten, Sascha Lobo möge endlich einen Roman schreiben, als maximal mittelgroß ein. Mein normaler Job als Inhaber einer gutgehenden Frisur ist ja eine Mischung aus Interneterklärung, Kommunikationsgetöse und einer flächig aufgespannten Autorenschaft, die von <a href="http://twitter.com/saschalobo">Kurzbotschaft</a> bis <a href="http://www.amazon.de/Dinge-geregelt-kriegen-Funken-Selbstdisziplin/dp/3871346195?&#038;camp=2474&#038;creative=10642&#038;linkCode=wss&#038;tag=saschalobocom-21">Sachbuch</a> reicht. Literarische Einlassungen waren bis jetzt nicht dabei, auch wenn schlecht gelaunte Kritiker mir vorwerfen mögen, dass die bisherigen Sachbücher ebenfalls ausgedachte Elemente enthielten. Jetzt aber präsentiere ich meinen ersten Roman, er heisst &#8220;Strohfeuer&#8221;, wie feinstofflich begabte Leser dieses Blogs bereits erahnt haben könnten, und erscheint bei Rowohlt Berlin. </p>
<p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/09/strohfrisur.jpg" alt="" title="strohfrisur" width="608" height="155" class="aligncenter size-full wp-image-1995" /></p>
<p>&#8220;Warum haben Sie überhaupt einen Roman geschrieben&#8221;, wird der eine oder andere fragen, &#8221; &#8211; wohnen Sie nicht in Berlin Prenzlauer Berg, wo die MacBook-Festplatten der PR-Beraterinnen, Werbetexter und vorübergehend anderweitig Tätigen voll sind mit Romanfragmenten, Kurzgeschichtenbänden und angefangenen Theaterstücken über das ungeheuere Leid des kreativen Prekariats? Wieso bilden also genau Sie sich ein, einen Roman&#8211;&#8221; und an dieser Stelle werde ich den bösartigen Fragesteller unterbrechen und ihn zurechtweisen. Weil ich nämlich nicht vorhabe zu erklären, warum ich einen Roman geschrieben habe. Natürlich soll das Buch unterhaltsam sein, Erbauung mit Fun-Intarsien bieten, dem Leser Erkenntisreichtum andienen und all&#8217; die anderen Standardautorenziele erfüllen, aber ob das alles auch gelungen ist, muss der Leser entscheiden. </p>
<p>Bevor er es aber entscheiden kann, muss der Leser das Buch erstmal kaufen. Das geht ab dem 17. September in allen Buchhandlungen und <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3871346780?ie=UTF8&#038;tag=saschalobocom-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3871346780">im Internet</a>. Gründe für den Kauf möchte ich in den nächsten Wochen auf diesem Blog aufzeigen, verbunden mit einem leicht bis mittelschwer übertriebenen Marketingfeuerwerk, das ich bis zur Buchmesse Anfang Oktober abzubrennen gedenke. Marketingfeuerwerke für Bücher kann man natürlich doof finden oder unterstellen, dass nur schlechte Bücher Marketing bräuchten, aber ich hatte den Eindruck, dass vornehme, intelligente Zurückhaltung in der Kommunikation, Bescheidenheit im Auftritt und allgemeines Understatement charakterlich nicht so recht zu mir passen. Man möchte sich ja auch nicht verbiegen. </p>
<p>Weitere Informationen zu &#8220;Strohfeuer&#8221; finden sich unter http://saschalobo.com/strohfeuer &#8211; mit dem Trick, meine gesamt Seite zur Buchseite umzubauen, habe ich en passant ein altes Autorenproblem für mich gelöst, nämlich die vielen Social Media-Ruinen im Netz, wenn man Blogs, Facebook-Pages, Twitteraccounts und so fort für jedes Buch einzeln aufsetzt, wie ich das bisher getan habe. Einen ersten Eindruck vom Buch, das natürlich selbst das beste Argument zum Kauf sein sollte, kann man sich mit einer Leseprobe verschaffen, die <a href="http://www.etracker.de/lnkcnt.php?et=99xuYV&#038;url=http://www.rowohlt.de/fm/131/Lobo_Strohfeuer.pdf&#038;lnkname=PDF_Lobo_Strohfeuer.pdf">hier zum PDF-Download</a> bereitsteht. Viel Spaß.</p>
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		</item>
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		<title>Die bescheuerte Musikindustrie und die egoistischen Filesharer</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 12:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Industries]]></category>
		<category><![CDATA[Interessante Worte]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[geistiges eigentum]]></category>
		<category><![CDATA[marcel weiss]]></category>
		<category><![CDATA[musikindustrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Prolog Anderntags schrieb ich einen Artikel über Flattr und habe dabei einen unverzeihlichen Fehler gemacht: ich habe in einem Nebensatz die widerliche, asoziale, egoistische Handlung des illegalen Downloadens von Musikstücken &#8220;Diebstahl&#8221; genannt. Das ist juristisch zumindest ungenau, auch diskutabel, eventuell träfe &#8220;Erschleichung&#8221; es besser, wer weiss das schon, ich jedenfalls nicht. Wesentlich besser wussten das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Prolog</strong><br />
Anderntags schrieb ich einen <a href="http://saschalobo.com/2010/07/05/warum-ich-nicht-flattre/">Artikel über Flattr</a> und habe dabei einen unverzeihlichen Fehler gemacht: ich habe in einem Nebensatz die widerliche, asoziale, egoistische Handlung des illegalen Downloadens von Musikstücken &#8220;Diebstahl&#8221; genannt. Das ist juristisch zumindest ungenau, auch diskutabel, eventuell träfe &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erschleichen_von_Leistungen">Erschleichung</a>&#8221; es besser, wer weiss das schon, ich jedenfalls nicht. Wesentlich besser wussten das jedoch zwei an sich vernünftige Menschen, nämlich <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/wenn-wir-von-diebstahl-sprechen/">Dirk von Gehlen</a> und auch <a href="http://www.neunetz.com/2010/07/07/denkfehler-sascha-lobo-glaubt-dass-man-immaterielle-gueter-stehlen-kann/">Marcel Weiss</a>, die über ihren Kenntnisvorteil sogleich Artikel geschrieben haben, vom Tenor her ähnlich: Jehova, Jehova, immaterielle Güter kann man gar nicht stehlen, Kampfrhetorik! Wahrscheinlich ist es richtig, hier präziser auf das Wording zu achten, mein Fehler ist also klar ein Fehler &#8211; bezeichnend allerdings, dass Dirk von Gehlen in einem anderen Kontext kein Problem damit hat, immateriellen Werten das Wort Diebstahl anzuhängen, &#8220;<a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/the-cut-and-paste-personality/">Identitätsdiebstahl</a>&#8221; in diesem Fall. Noch interessanter ist, dass Marcel Weiss (zumindest vor einiger Zeit) mit deutlich spürbarer Empörung von &#8220;<a href="http://www.neunetz.com/2007/02/28/das-problem-mit-einigen-deutschen-blogs/">Screenshots klauen</a>&#8221; spricht &#8211; wenn er nämlich selbst irgendwie betroffen sein könnte. Jetzt, wo wir geklärt haben, dass bei allen Beteiligten die lebendige, verwendete Sprache zum Glück nicht der juristisch stets korrekten entspricht, ist es Zeit, mit tatsächlichen Argumenten abseits meiner neckisch-kleinlichen Revanche zum Hauptteil zu kommen, nämlich zu Pest und Cholera, oder um doch nochmal die juristisch korrekten Bezeichnungen zu wählen: zur Musikindustrie und den Filesharern. </p>
<p><span id="more-1792"></span><br />
<strong>Die grauenhafte Musikindustrie</strong><br />
Und schon muss man differenzieren &#8211; natürlich ist nicht die gesamte Musikindustrie bescheuert und grauenhaft. Sondern nur von mir geschätzte 90%, anders gesprochen: die Major Labels und angrenzende Unternehmen samt Lobbyverbänden. Ein wenig muss ich ausholen und nutze die Gelegenheit zu einem eitlen Bekenntnis: eigentlich bin ich der Traumkunde der Musikindustrie. Ich loade nicht illegal down, ich share nicht file, ich respektiere die Haltung des Künstlers, der festlegen möchte, wie und zu welchen Bedingungen und Preisen die von ihm geschaffenen Werke verbreitet werden. Und trotzdem hat sich in mir ein Hass aufgestaut, der noch nicht einmal mit der Generalunterstellung zu tun hat, jeder Kunde sei potenziell kriminell. Sondern ganz schlicht mit dem Zeitdiebstahl (huch, schon wieder immaterieller Diebstahl, verdammt), den die Musikindustrie an mir begeht. Es fängt mit DRM an, dem Digital Rights Management, das mir soviel Lebenszeit geklaut hat, dass ich überlege, eine stundensatzbasierte Rechnung an <a href="http://www.musikindustrie.de/vorstand/">Dieter Gorny</a> zu schreiben und so meine Altersvorsorge auf ein solides Fundament zu stellen. </p>
<p>Dazu kommt, dass ich als normal geistesgestörter Techniknarr im Jahr zwei Handys und anderthalb neue Computer kaufe – und jedesmal gravierende Probleme damit habe, die von mir rechtmäßig erworbene Musik &#8220;freizuschalten&#8221;. Inzwischen gibt es Musikdateien, die ich vor einigen Jahren gekauft habe und auf neuen Geräten nicht mehr abspielen kann, weil die maximale Zahl der Abspielgeräte erreicht ist. Bitte stellen Sie sich an dieser Stelle einen eyjafjallajökullartigen Wutausbruch vor, ich scheine nur unaufgeregt und cool, alles Fassade, ich koche. Auch, dass man alle paar Stunden auf Youtube-Videos stösst, die aus unnachvollziehbaren, also juristisch ausgedachten Gründen &#8220;in meinem Land nicht verfügbar&#8221; sind, hat dazu geführt, dass ich etwa Sony Music boykottiere, die gefühlt für 95% der gesperrten Videoclips verantwortlich sind. Ich kaufe in der Woche etwa für 30 Euro Musik und andere Kulturgüter, meist in Downloads, iTunes, Amazon, und so weiter, wenn mir ein Lied gefällt, das ich irgendwo höre, kaufe ich es. Ausser, wenn es von Sony ist, dann kaufe ich es nicht. Und wenn es das tollste Lied der Welt ist: Sorry, no Sony. Mehr oder weniger alle großen Labels sind so, aber jetzt muss eben Sony unter meinem Boykott leiden, die Speerspitze der Holzwegelagerer.</p>
<p>Die Bescheuertheiten der Musikindustrie gehen noch weiter. Jahrelang war es so, dass man Musikstücke nur legal downloaden konnte, wenn man einen iTunes-Account (oder ähnliches) hatte &#8211; und der wiederum war nur mit einer Kreditkarte zu eröffnen. Ich kenne die Verbreitung von Kreditkarten unter einer der wichtigsten Käufer- wie Filesharer-Gruppe (nämlich den Minderjährigen) nicht. Allzu hoch dürfte sie in Deutschland nicht sein, wo schon nur etwa <a href="http://www.kreditkartenzahlung.net/verbreitung-der-kreditkarte.html">20% der Menschen insgesamt über eine Kreditkarte</a> verfügen. Inzwischen gibt es zwar zum Beispiel für <a href="http://store.apple.com/de/browse/home/giftcards/itunes_cards">iTunes PrePaid-Karten</a> &#8211; allerdings erst ab 15€. Man wird es nicht für möglich halten, wenn man Funktionär der Musikindustrie ist, aber 15 Euro auszugeben, wenn man eigentlich nur ein Lied für 99 Cent haben will und also 14 Euro Kapital auf unbestimmte Zeit zu binden, das ist für manche Menschen ein echtes Problem. Erst recht, wenn man ein begrenztes Taschengeld zur Verfügung hat. </p>
<p>Eine andere gravierende Dummheit der Musikindustrie ist die künstliche Verknappung, darüber hat der zu den <a href="http://carta.info/tag/musikindustrie/">10% Musikindustrievernünftigen gehörende Tim Renner einiges geschrieben</a>. Über viele Jahre war die Marketingmaschinerie der Plattenfirmen darauf ausgerichtet, ein Musikstück zu bewerben, durch Verteilung vorab an die Multiplikatoren einen Hype zu schaffen und dann, wenn nach einigen Wochen die Platten gepresst oder die CDs gebrannt und in den Läden verteilt waren &#8211; dann konnte der Verkauf losgehen. Heute gibt es keinen logistischen und damit logischen Grund mehr, ein digital verfügbares Musikstück über Wochen zurückzuhalten. Es wird trotzdem getan, weil es schon immer so war und die Marketingabteilung glaubt, es ginge irgendwie nicht anders. Der Effekt: ich höre ein tolles Stück im Radio oder sonstwo, finde zum Beispiel mit neuen Tools wie <a href="http://shazam.com">Shazam</a> heraus, was es ist, möchte es begeistert kaufen &#8211; und muss feststellen, dass es erst in soundsoviel Wochen verfügbar ist oder in meinem Land vielleicht auch nie.</p>
<p>All diese Dinge haben dazu geführt, dass ich die Musikindustrie in meinen Augen zu Recht bescheuert nennen kann. Und von der Filmindustrie möchte ich gar nicht erst anfangen, die hat durchaus das Potenzial, noch grauenhaftere Dummheiten zu begehen; jeder, der die ersten zehn unskipbaren Minuten einer rechtmäßig erworbenen DVD voller Mahnungen, verkappter Anschuldigungen und Drohungen mehr als einmal über sich ergehen lassen musste, wird ahnen, wovon die Rede ist. Aber nun zur Gegenseite:</p>
<p><strong>Die egoistischen Filesharer</strong><br />
Auch hier wieder zu Beginn die Relativierung: Filesharing als Technologie ist eine gute Sache, eine intelligente Möglichkeit der Datendistribution &#8211; das ändert sich in dem Moment, wo illegalerweise zum Beispiel Musikdaten verteilt werden. Da ist also diese beschriebene, dämliche Industrie und macht es über Jahre dem nicht besonders wohlhabenden 15jährigen fast unmöglich, legal ein digitales Musikstück im Internet zu kaufen. Er soll gefälligst eine CD kaufen, hinfort, niederes Geschnetz. Die Reaktion des 15jährigen ist zumindest nachvollziehbar: er besorgt sich das Stück irgendwo irgendwie. Irgendwann aber wird der 15jährige erwachsen, vernünftiger, verfügt auch über Geld. Ein Teil dieser Menschen geht den richtigen Weg: damals illegal downgeloadet, als Jugendsünde abgehakt, egal, jetzt kauft man die Stücke halt digital bei iTunes oder Amazon. Ich glaube, dass es sich dabei sogar um die Mehrheit handelt, denn ich halte den Menschen in den meisten Fällen für ehrlich und gut (ja, jetzt nicht lachen). </p>
<p>Ein anderer Teil dieser metaphorischen 15jährigen &#8211; denn auf das Netz bezogen waren wir alle unabhängig vom Alter mal 15, ich auch – geht einen anderen Weg. Er tut das Gleiche wie die Musikindustrie, er redet sich die Realität schön. Oder zumindest ein bisschen schöner. Ein Dieb will niemand sein, natürlich. Benutzt man den von Dirk von Gehlen vorgeschlagenen Begriff &#8220;im digitalen Raum vergütungsfrei konsumierte geistige Schöpfungen&#8221; oder Marcel Weiss&#8217; &#8220;unautorisiertes Filesharing&#8221;, dann hört sich das schon ganz anders an. Das hört sich nicht mehr so schlimm an, wenn man ein Lied nicht klaut, sondern nur, äh, vergütungsfrei, also, unauto- na, dings halt. Aber nicht Diebstahl! Das ist etwas ganz, ganz, GANZ anderes. Wie Marcel Weiss nicht müde wird, an allen <a href="http://www.google.de/#hl=de&#038;source=hp&#038;q=%22marcel+weiss%22+diebstahl&#038;aq=f&#038;aqi=&#038;aql=&#038;oq=&#038;gs_rfai=&#038;fp=e829ce67de7d79fd">Ecken und Enden ins Netz zu schreiben</a>. Das Problem ist: er hat recht. Diebstahl ist ein juristisch gesehen unzulängliches Wort, wenn es um immaterielle Güter geht. Wenn man aber nur dann juristisch genau sein will, wenn es in diesem Moment die illegale Handlung nicht so schlimm erscheinen lassen soll &#8211; dann ist das Pochen auf die juristische Genauigkeit eine sprachliche Verschleierungsmaßnahme und damit zutiefst egoistisch. </p>
<p>Man misst mit zweierlei Maß, je nach dem, auf welcher Seite man steht, wie man am eingangs verlinkten &#8220;Screenshot klauen&#8221;-Beispiel sieht. Der nächste Schritt, nachdem man mit angenehmeren Worten die eigene Missetat umschrieben hat, findet sich dankenswerterweise auch an auslösender Ort und Stelle, nämlich in Form eines Kommentars zum Flattr-Text von &#8220;UrbanP1rate&#8221;, der unglaubliche, aber leider nicht unübliche Dimensionen der Realitätsverschiebung beinhaltet: &#8220;<a href="http://saschalobo.com/2010/07/05/warum-ich-nicht-flattre/#comment-5364">Was aber passiert denn, wenn jemand deine Werke ungefragt verbreitet und dabei sehr wohl deinen Namen nennt? Damit steigert sich deine Bekanntheit. dadurch wirst du wohl auch mehr Zugriffe auf deine Distributionsplattform erhalten. Soll dieser Sharer auch abgemahnt werden? Immerhin hat er ja deinen Umsatz gesteigert. Leute kennen deinen Namen, die ohne diesen Filesharer niemals von dir gehört, gelesen oder sonstwie erfahren hätten.</a>&#8221;</p>
<p>Kurz sacken lassen &#8211; da lädt jemand offensichtlich illegal ein Musikstück herunter, jedenfalls möchte der Urheber dieses Kulturprodukts das nicht &#8211; und dieses ungebührliche, 15jährige Verhalten wird verklärt, ins Gegenteil verkehrt zu einer Unterstützungsleistung eben dieses Künstlers, den man soeben &#8211; beinahe hätte ich fehlerhafterweise &#8220;bestohlen&#8221; gesagt. Das ist das, was ich in den Kommentaren des Flattr-Artikels mit &#8220;Newspeak&#8221; bezeichnet habe; nämlich die sprachliche Umdeutung der Realität in eine Richtung, die einem insgesamt besser in die eigene Weltsicht und das eigene Verhalten hineinpasst. Ein Dieb möchte man nämlich nicht sein &#8211; aber mit ein paar Klicks die Bekanntheit des Künstlers steigern? Da soll er sich doch freuen! Gesteigerte Bekanntheit! Vielleicht kauft es ja am Ende doch jemand, das Stück! Diese Personen sind sich nicht zu schade, die &#8220;Freiheit der Information&#8221; als Generalargument zu benutzen, so als sei etwa die berechtigte Sorge um die Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten im digitalen Raum zu Forschungszwecken gleichzusetzen mit dem vermutlich zu Erbauungszwecken downgeloadeten Lied von Menowin Fröhlich, für das man aus schierem Egoismus keine 99 Cent ausgeben will.  </p>
<p>Freilich gilt meine Argumentation nur, wenn man &#8211; wie ich &#8211; glaubt, dass ein Musikstück ein Kulturprodukt ist, das man als Künstler verkaufen können sollte. Diese Definition ist auch im digitalen Zeitalter nicht überholt, sie muss nur in vielen Facetten feinjustiert werden. Das Copyright ist stark überholungsbedürftig, es stammt im Kern aus einem nichtdigitalen Jahrhundert. <a href="http://www.open-access.net/">Open Access</a> ist ein schönes Beispiel, das zeigt, dass in vielen Bereichen andere, differenziertere Regeln gelten sollten als das plumpe, unflexible Copyright. Aber Kulturarbeit erzeugt ein Kulturprodukt (in der Regel), das durch den Kulturschaffenden oder seine Stellvertreter zum Zweck des Geldverdienes verkäuflich sein sollte, wenn der Kulturschaffende es möchte. Von dieser Maxime bin ich deshalb nicht bereit abzurücken, weil ich sie für die Basis der Kultur als Beruf halte. Ich möchte, dass Musik (auch) von Profis gemacht wird. Der Künstler muss von seinem Werk Leben können, zumindest theoretisch bei einem gewissen Mindesterfolg, und zwar auch ohne T-Shirts zu verkaufen. Alle anderen Haltungen halte ich in ihrer letztendlichen Wirkung für kulturfeindlich.</p>
<p><strong>Conclusio</strong><br />
Da sind zwei extremistische Parteien, die einander gegenüberstehen: die Musikindustrie und die Filesharer (Extremisten sind die jeweils schlimmen Finger darunter). Beide nutzen auch die Sprache, um ihr Tun zu rechtfertigen &#8211; die Musikindustrie zeigt mit dem Wort &#8220;Raubkopie&#8221; (das ich versuche, nicht zu verwenden), in welche sittlichen Ebenen des Verbrechens sie den 15jährigen Filesharer einordnet. Entsprechend kämpft sie dafür, dass von der Netzsperre bis zur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Three_strikes#Urheberrecht">Three-Strikes-Regel</a> kein Mittel überzogen scheint, um diese garstigen, gesellschaftsbedrohenden Räuberhorden zu stoppen. Ein einfacher Tipp für die Musikindustrie: mit der konsequenten Verwendung des Begriffs &#8220;Massenmordkopie&#8221; liesse sich vielleicht erreichen, dass im Zuge der Prävention das Internet insgesamt verboten wird. </p>
<p>Auf der anderen Seite sind nicht die Scharfmacher, sondern die Schönredner, auch unter ihnen sind Extremisten, die alles abmildern wollen, alles nicht so schlimm, von &#8220;klauen&#8221; zu sprechen ist juristisch auch falsch und irgendwie profitiert ja auch der Künstler davon, er weiss es bloss nicht. Diese Schönredner sind Egoisten, weil sie nicht bezahlen wollen für das Werk, das andere Leute geschaffen haben und sie sind unehrlich, weil sie eher die Realität verbal verbiegen wollen, als sich einzugestehen, dass sie &#8220;stehlen&#8221;. Oder &#8220;erschleichen&#8221;. Oder wie man auch immer diese verbotene, moralisch fragwürdige Handlung nennen möchte, ohne sie als &#8220;vergütungsfreien Konsum im digitalen Raum&#8221; in buntes Geschenkpapier einzuwickeln. Ein einfacher Tipp für die hartnäckigen Filesharer: wenn man Filesharing so wie <a href="http://saschalobo.com/2010/07/05/warum-ich-nicht-flattre/#comment-5364">UrbanP1rate</a> als Marketingdienstleistung für den Künstler versteht, dann sollte man konsequenterweise für diese Leistung auch Geld verlangen. Also flugs eine Rechnung an das Management derjenigen Künstler geschrieben, die Ihr in den letzten Jahren so downgeloadet und weiterverteilt habt, da kommt doch bestimmt einiges zusammen.</p>
<p>Und jetzt die Überraschung: die beiden extremistischen Pole &#8211; sie brauchen einander. Dringend. Sie bilden eine Art Gleichgewicht des Schreckens wie seinerzeit die Falken in den USA und in der UdSSR. Dieter Gorny braucht UrbanP1rate braucht Dieter Gorny. So haben beide Feindbilder: der eine geht damit in der Politik hausieren und versucht mit schrecklichen Worten und Bildern und Zahlen, die Gesetzgebung in seinem Sinne zu beeinflussen. Der andere rechtfertigt mit diesem grauenvollen Verhalten seine illegalen Handlungen und verklärt diese entweder zur &#8220;Revolution&#8221;, weil die Musikindustrie mit allen Mitteln bekämpft werden muss, oder gar als &#8220;Vorteil für die Künstler&#8221;. Die Falken beider Seiten können nicht ohne einander, das zeigt die Geschichte, und die Leidtragenden sind auf beiden Seiten diejenigen, die Vernunft und Einsicht walten lassen wollen: </p>
<p>Die Musiker und Labels, die im Netz nicht den Feind sehen, aber trotzdem gern Musik verkaufen würden, um davon zu leben. Und die Musikhörer, die gern für Musik bezahlen, wenn man sie bloß zu ihren Rahmenbedingungen lässt &#8211; so wie man es als Kunde aus ungefähr allen anderen Branchen gewohnt ist.</p>
<p>Insofern möchte ich diesen emotionalen und in Teilen polemischen Artikel mit einem versöhnlichen Aufruf beenden: unerlaubtes Filesharing ist kein Kapitalverbrechen, sondern in erster Linie eine Dämlichkeit. Sie erschwert Musikern, auch in Zukunft schöne Musik zu machen. Menschen, die Musik illegal downloaden, sollten einfach damit aufhören, sie machen die Welt so besser. Und die Musikindustrie möchte bitte akzeptieren, dass die Kontrolle über die Distributionsinfrastruktur, die sie jahrelang ausgeübt hat, so nicht mehr existiert und dass sie sich neu ausrichten muss, mit Strukturen, die den Kontrollverlust nutzen, anstatt ihn zu bekämpfen. Das ist auch gar nicht so schlimm. Die gesamte Zivilisation beruht nicht auf der Androhung drakonischer Sanktionen &#8211; sondern auf Freiwilligkeit. Schon immer. Hier, in Berlin, gibt es eine große Anzahl von öffentlichen Blumenbeeten (ja, ich wähle ein kitschiges Schlussbild, absichtlich). Sie sind wunderschön, und ich bin sicher, dass man nichts zu befürchten hat, wenn man ein paar Blumen abreisst. Trotzdem sehen die allermeisten Menschen ein, dass man besser Blumen im Laden nebenan kauft, anstatt sie kostenlos abzurupfen. Ausser einer handvoll 15jähriger. Aber damit muss man leben. Kann man auch.</p>
<p style="font-size:11px">Bei allen 15jährigen möchte ich mich entschuldigen, dass ich sie als Synonym für den unverständigen, unreifen Menschen missbraucht habe, ging nicht anders. Immerhin seid ihr in spätestens einem Jahr nicht mehr gemeint. </p>
<p>Nachtrag: <a href="http://www.neunetz.com/2010/07/08/filesharing-debatte-geschaeftsmodellfragen-statt-diebstahl-argument/">Marcel Weiss hat auf meine Antwort geantwortet</a>.<br />
Daraufhin habe ich auf seine Antwort auf meine Antwort auf seine Antwort auch <a href="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/07/der_mann_der_alles_wusste.png">etwas geantwortet</a>.</p>
<g:plusone href="http://saschalobo.com/2010/07/08/die-bescheuerte-musikindustrie-und-die-egoistischen-filesharer/"  size="standard"   ></g:plusone>]]></content:encoded>
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		<title>Warum ich nicht flattre</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 10:09:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogs]]></category>
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		<description><![CDATA[Das hier ist kein Rant. Denn Flattr erscheint mir als eine Möglichkeit, wie Blogs und blogähnliche Medien etwas Geld verdienen können, das ist zunächst nichts Schlechtes, sondern vom Effekt her etwas Gutes. Trotzdem möchte ich aufzeigen, weshalb ich mich gegen Flattr entschieden habe. Es folgen deshalb persönliche Gründe und nur eingeschränkt allgemeingültige Argumente. 1. Geldquellen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://www.flickr.com/photos/16339684@N00/2771876697/in/photostream/"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/07/hahn_flattrt_nicht.jpg" alt="" title="rooster_by_internets_dairy_flickr" width="536" height="179" class="aligncenter size-full wp-image-1758" /></a>Das hier ist kein <a href="http://www.urbandictionary.com/define.php?term=rant">Rant</a>. Denn Flattr erscheint mir als eine Möglichkeit, wie Blogs und blogähnliche Medien etwas Geld verdienen können, das ist zunächst nichts Schlechtes, sondern vom Effekt her etwas Gutes. Trotzdem möchte ich aufzeigen, weshalb ich mich gegen Flattr entschieden habe. Es folgen deshalb persönliche Gründe und nur eingeschränkt allgemeingültige Argumente.</p>
<p><span id="more-1757"></span></p>
<p>1. Geldquellen<br />
Nennt mich inkonsequent, aber anders als von meinen <a href="http://saschalobo.com/buecher/">Buchlesern</a> möchte ich kein Geld von meinen Bloglesern, weil ich ihnen nichts verkaufen will. Ein Buch ist ein Produkt, ein Blog ist ein Prozess. Gegen Geldverdienen mit dem Blog habe ich gar nichts einzuwenden, aber es soll aus anderen Quellen stammen, zum Beispiel von der Werbeindustrie. Das klappt in Deutschland (noch immer) nicht so gut, wie es sein sollte, zugegeben. Und Paid Content etwa finde ich nicht grundsätzlich schlecht, im Gegenteil. Aber ich glaube, dass die Blogkultur in Deutschland &#8211; zu der in meinen Augen eine Refinanzierungsmöglichkeit gehören sollte – nur dann profitiert, wenn Geld von aussen zufliesst und nicht im Innern umverteilt wird.</p>
<p>2. Umverteilung<br />
Es gibt nach meiner Einschätzung im deutschsprachigen Raum etwa 250.000 mehr oder weniger aktive Blogger. Und ich rechne mit ungefähr einer Million Menschen, die Blogs absichtlich und regelmässig lesen (und nicht etwa über Google dorthingespült werden). Beides sind Schätzwerte, weil exakte Zahlen kaum herauszufinden sind. Diese Grössenordnungen und die zu erwartende Marktdurchdringung lassen mich vermuten, dass bei Flattr ein mittelgrosser Haufen Blogger das Geld im Kreis herumreicht. Natürlich, und das ist an den <a href="http://carta.info/29987/deutschen-flattr-charts-im-juni/">aktuellen, interessanten Zahlen</a> zu erkennen, profitieren davon eine Handvoll großer Blogs oder die <a href="http://taz.de">taz</a>*. Aber schon das flattr-Prinzip &#8211; man kann nur geflattrt werden, wenn man selbst flattrt – deutet stark darauf hin, dass die Vielzahl der kleineren Blogs die wenigen, größeren bezahlen werden. Als Fan der Umverteilung von oben nach unten ist mir das nur mäßig sympathisch. </p>
<p>3. Summenspiele<br />
Nehmen wir an, dass sich ein Flattr-Klick bei 10 Cent einpendelt. Nehmen wir weiter an, dass ein Blog wie <a href="http://carta.info">Carta</a> 5.000 Euro im Monat bräuchte, um sich professionell angemessen zu refinanzieren (bei über 50 komplexen und fundierten Artikeln im Monat ist das sogar eher wenig). Dann müsste jeder Artikel ungefähr eintausend Flattr-Klicks bekommen. Ist das realistisch, vor allem angesichts der psychologischen Wirkung? Ist der deutschsprachige Durchschnittsblogleser bereit, nach dem neunhundertneunundneuzigsten den eintausendsten Klick unter einen Artikel zu setzen? Vor allem angesichts der Tatsache, dass auf kleineren Blogs erwartbar die offen dargestellten Zahlen im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich bleiben werden? Ich glaube, dass gerade im Finanziellen die von Flattr vorgegebene Transparenz nicht nur positive Seiten hat.</p>
<p>4. Spendenschwierigkeiten<br />
Werbung finde ich deshalb gut, weil diese Art der Refinanzierung nicht zwischen Schreiber und Leser stattfindet &#8211; und damit den Lesegenuss nicht durch ein fortlaufendes Kundenverhältnis belastet. Mit der freiwilligen Spende des Lesers bekäme dieses Verhältnis einen anderen Drall: den Unterton des Bittstellers gegenüber den Lesern. Die Dankbarkeit, die ich fairerweise gegenüber meinen Lesern empfinden müsste, würde mich sehr stören. Bei anderen mag das anders sein, aber ich empfinde mich nicht als Dienstleister meiner Leser. Generell sehe ich auch die Gefahr des Flattr-Populismus. Es gibt sicher schlimmere Gefahren, aber wenn man sich Blogs ansieht, die auf Google Ads hingeschrieben werden, dann scheint es Texten nicht unbedingt gut zu tun, sich nach anderen Kriterien auszurichten als dem ureigenen Interesse des Autors (das in meinen Augen der Antriebsmotor jedes Blogs ist).</p>
<p>5. Gründer<br />
Ja, die Musikindustrie hat sich in den letzten Jahren grauenvoll dumm verhalten. Ja, das Urheberrecht hatte schon im 20. Jahrhundert seine Schwächen und für das 21. Jahrhundert ist es stark reformbedürftig. Ja, P2P ist nicht die Wurzel alles Bösen. Aber die <a href="http://thepiratebay.org/legal">arrogante, pubertäre, selbstgerechte Art</a>, wie The Pirate Bay und damit auch Flattr-Gründer <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Sunde">Peter Sunde</a> sich einen Dreck um alle anderen inklusive der Musiker und Filmschaffenden geschert hat und damit mutmaßlich auch noch selbst Geld verdient hat, die stösst mir übel auf (selbst, wenn sie ein bisschen lustig ist). Flattr erscheint mir unter anderem als Feigenblättchen eines Menschen, dem seine Rolle der Contentdiebstahlbeihilfe etwas unangenehm geworden ist. Dazu noch ist das intransparente, von einer gewissen Schmierigkeit durchzogene Handeln von The Pirate Bay – zum Beispiel, was die Verkaufsabsichten anging – nicht geeignet, um größeres Vertrauen zu Herrn Sunde und seinen Geschäftspartnern aufzubauen.</p>
<p>Fazit<br />
Das Experiment Flattr beobachte ich trotz der genannten Gründe wohlwollend, weil Blogs Geld verdient haben und deshalb verdienen sollen. Allein, um herauszufinden, ob Flattr und damit die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schenk%C3%B6konomie">Geschenkökonomie</a> funktioniert, ist es sinnvoll, es zu tun; nach meiner Überzeugung ist &#8220;Machen&#8221; dafür die einzige Möglichkeit. Aber meine &#8211; von den bisherigen, veröffentlichten Zahlen eher unabhängige &#8211; Einschätzung ist, dass mit Flattr drei Dutzend Blogs eine aus professioneller Sicht geringe Summe erwirtschaften werden, für den gesamten Rest der Blogs wird es sich kaum lohnen. Das wäre nicht allzu schlimm, wenn von der Beteiligung dieser kleineren Blogs nicht auch die Refinanzierung der großen abhinge. Ich stelle mir vor, wie der Betreiber eines mittelgrossen Blogs hoffnungsvoll startet und mitflattert, dann drei Mal in Folge deutlich unter 20 Euro erlöst (also weniger als er selbst ausgegeben hat) und ernüchtert die Lust am Flattrn verliert. Dass Flattr dann noch als &#8220;Zubrot&#8221; für große Blogs funktioniert (allein damit relevante Summen zu verdienen, das glaubt wohl kaum jemand), halte ich für unwahrscheinlich. Und würde ich mich trotzdem ernsthaft freuen, wenn es anders käme.</p>
<p>Nachtrag: Zum Thema ist ein <a href="http://www.newsecho.de/digital/netz_und_technik/ec2MTyC9SuA/computer-«flattr»_werden_nutzer_freiwillig_im_netz_zahlen">dpa-Text</a> erschienen, für den Michael Kieffer auch mit mir gesprochen hatte.</p>
<p>Zweitnachtrag: Unterdessen hat <a href="http://blog.ronniegrob.com/2010/07/07/mein-hut-der-hat-drei-cents/">Ronnie Grob geantwortet und beschrieben</a>, warum er doch flattrt.</p>
<p style="font-size:11px;">* Die taz ist auf so vielen Ebenen ein publizistisch-ökonomischer Sonderfall, dass ich mir dort einen mittel- und langfristigen Erfolg mit Flattr tatsächlich vorstellen kann. Wenn kein besser geeignetes Micropayment-System aufkommt. Was ich wiederum sehr hoffe.</p>
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		<title>Arne-Friedrichstrasse</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jul 2010 12:12:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interessante Worte]]></category>
		<category><![CDATA[Irrwitz]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Twitpic von @katjaberlin.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/07/arne-friedrichstrasse-e1278245364829.jpg" alt="" title="arne-friedrichstrasse" width="536" height="402" class="aligncenter size-full wp-image-1753" /></p>
<p>Ein <a href="http://twitpic.com/2270ka#">Twitpic</a> von <a href="http://twitter.com/katjaberlin">@katjaberlin</a>.</p>
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		<title>Sixtus vs. Lobo: Was sich reimt, ist so lala</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 10:03:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Internet]]></category>
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		<category><![CDATA[Sixtus vs. Lobo]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer den aufgebrochenen jambischen Senar findet, hat gewonnen.]]></description>
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<p>Wer den aufgebrochenen jambischen Senar findet, hat gewonnen.</p>
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