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	<title>saschalobo.com &#187; Creative Industries</title>
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		<title>Siegfried Kauder und der Große Bär</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 10:42:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Industries]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[kauder]]></category>
		<category><![CDATA[urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Ja, hier! Ich! Ich verdiene einen Teil meines Geldes, weil das Urheberrecht existiert, vor allem mit meinen Büchern, die in einem klassischen Verlag erscheinen, nämlich Rowohlt. Ich mag die Substanz des Urheberrechts, ich bin der Überzeugung, dass bestimmte Formen des geistigen Eigentums für eine Gesellschaft sehr wichtig sind, weil dadurch das Nachdenken und Kreieren belohnt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Ja, hier!<br />
Ich!<br />
Ich verdiene einen Teil meines Geldes, weil das Urheberrecht existiert, vor allem mit meinen Büchern, die in einem klassischen Verlag erscheinen, nämlich Rowohlt. </p>
<p>Ich mag die Substanz des Urheberrechts, ich bin der Überzeugung, dass bestimmte Formen des geistigen Eigentums für eine Gesellschaft sehr wichtig sind, weil dadurch das Nachdenken und Kreieren belohnt wird. Meine Idealvorstellung von Gesellschaft ist eine, in der viele, auch unterschiedliche Menschen hauptberuflich nachdenken und kreieren können. Und das Urheberrecht trägt dazu bei. </p>
<p>Allerdings ist das Urheberrecht vor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Urheberrechts#20._Jahrhundert">drei Wochen 46 Jahre alt geworden</a>, und damit, wie soll ich es sagen, nicht unbedingt ein Digital Native. Da helfen auch die Bypass-Operationen der vergangen Jahre, getarnt mit dem Wort &#8220;Körbe&#8221;, nicht wirklich weiter. Denn das Netz und auch der gesellschaftliche Wandel bedingen ohne jeden Zweifel ein neues, der digitalen Welt angemessenes und würdiges Urheberrecht. Wie das genau aussieht, kann ich nicht sagen, ich glaube, niemand könnte das derzeit, ich wäre aber gern bereit, daran in einem mir möglichen Rahmen mitzuarbeiten. </p>
<p>Denn ein digitales Fundament zu legen für das wichtigste Gesetz der zukünftigen Kulturlandschaft, das wird viel Arbeit sein. Der Interessenausgleich zwischen den unterschiedlichen Gruppen wird für sich genommen schon schwierig. Und ich möchte bei aller Liebe nicht, dass Menschenrechte, auch digitale, weniger Wert sind als das Urheberrecht und seine Durchsetzung. Völlig unabhängig davon, dass ich davon rein finanziell unter Umständen vielleicht eventuell nach Darstellung von Lobbygruppen vielleicht profitieren würde (was ich nicht glaube, übrigens).</p>
<p>Wegen der Komplexität und der überaus hohen Relevanz verlange ich als Autor und Bürger zuallererst, dass sich Profis mit der Entwicklung des neuen Urheberrechts beschäftigen. Leute, die wissen, was sie tun, eben Leute, die darüber hauptberuflich nachdenken.</p>
<p>Jetzt kommt Siegfried Kauder ins Spiel – oder eben gerade nicht. Kauder hat sich vor einiger Zeit auf <a href="http://netzpolitik.org/2011/kauder-verspricht-2-strikes-warnmodell/">peinliche Weise angebiedert bei einem Lobbyverband</a>, der glaubt, er würde die Idee des Urheberrechts verteidigen, aber tatsächlich versucht, das 20. Jahrhundert möglichst lange aufrecht zu erhalten. </p>
<p>Und nun wird schlagartig klar: Siegfried Kauder ist der falschestmögliche Mensch, um an einem neuen Urheberrechtsgesetz für das Internet zu arbeiten. Nicht nur, dass es ihn selbst nicht kümmert, was <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,789073,00.html">die Bildrechte auf seiner eigenen Homepage</a> angeht. Dazu noch gibt er eine Erklärung ab, die zeigt, dass er nicht einmal den Begriff &#8220;Urheberrecht&#8221; richtig verwenden kann. Dabei ist die Beherrschung der Sprache seit über 2000 Jahren das Fundament von Gesetzestexten und Rechtsprechung, die ja genau deshalb auch so heißen. Als zusätzliches Sahnekrönchen hat Kauder mehrfach gezeigt, dass er vom Internet <a href="http://www.spiegel.de/thema/siegfried_kauder/">keinerlei tiefere Kenntnis</a> besitzt, aber sich pressewirksame Meinungen anzueignen versteht.</p>
<p>Ich bin sauer, ich bin sehr, sehr sauer. Es gibt Kräfte, die das Urheberrecht abschaffen oder in die Unwirksamkeit treiben wollen. Dieses Vorhaben ist politisch auch ihr gutes Recht, die Begründungen dafür sind nicht mehr so hanebüchen wie vor ein paar Jahren, sondern kommen zunehmend intelligent und durchdacht daher. Wie beschrieben, halte ich diese Überzeugung für unrichtig, selbst wenn ich sie ernst nehme. Aber politisch für ein neues, ausgewogenes, durchdachtes Urheberrecht zu kämpfen, das erfordert doch Integrität, Sachkenntnis, Auseinandersetzung. Es erfordert – und da bin ich total altmodisch, ihr Flitzpiepen – es erfordert verdammte Vernunft. Vernunft wie in &#8220;die Realität nicht leugnen&#8221;. Vernunft wie in &#8220;die eigenen Worte ernst nehmen&#8221;, wer sollte sie denn sonst ernst nehmen können. Vernunft wie – Überraschung! – in &#8220;nachdenken&#8221;. </p>
<p>Siegfried Kauder hat sich mit seinen Aktionen und vor allem dem aktuellen Urheberrechtsdebakel samt realitätsferner Begründung zur Witzfigur gemacht. Er hat damit denjenigen, die ein neues, gutes Urheberrecht wollen, das in der digitalen Welt wirklich funktionieren kann, einen Bärendienst erwiesen, dessen dazugehöriger Bär ungefähr dem Umfang des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_B%C3%A4r">Sternbilds Großer Bär</a> entspricht. </p>
<p>Ich fasse zusammen: Jemand, der weder das Internet versteht <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/CDU-Rechtspolitiker-Kauder-mit-kleinem-Urheberrechtsproblem-1351923.html">noch den Begriff &#8220;Urheberrecht&#8221; richtig zu verwenden in der Lage ist</a>, der auf der eigenen Webseite keine Hemmungen hat, das Urheberrecht mit Füssen zu treten und anschließend kein echtes Unrechtsbewusstsein an den Tag legt, sondern in einer nordkoreanisch anmutenden, beinahe guttenbergischen Realitätsverdrehung versucht, sein eigenes Fehlverhalten als Beweis seiner abstrusen Vorstellungen von Urheberrecht und Internet umzudeuten – </p>
<p>so jemand wie Siegfried Kauder also ist nicht nur Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestags, sondern versucht auch, das Urheberrecht, von dem ich lebe, in die digitale Zukunft zu führen. Haltet die Druckerpressen an, streicht im Duden die Wendung &#8220;den Bock zum Gärtner machen&#8221;, schreibt fürderhin &#8220;den Kauder Gesetze machen lassen&#8221;.</p>
<p>Für mich führt an einem Rücktritt vom Vorsitz des Rechtssausschusses des Bundestags nach eingestandenem mehrfachem Bruch geltender Urheberrechtsgesetze kein Weg vorbei. </p>

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		<title>Die bescheuerte Musikindustrie und die egoistischen Filesharer</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 12:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Industries]]></category>
		<category><![CDATA[Interessante Worte]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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		<category><![CDATA[musikindustrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Prolog Anderntags schrieb ich einen Artikel über Flattr und habe dabei einen unverzeihlichen Fehler gemacht: ich habe in einem Nebensatz die widerliche, asoziale, egoistische Handlung des illegalen Downloadens von Musikstücken &#8220;Diebstahl&#8221; genannt. Das ist juristisch zumindest ungenau, auch diskutabel, eventuell träfe &#8220;Erschleichung&#8221; es besser, wer weiss das schon, ich jedenfalls nicht. Wesentlich besser wussten das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Prolog</strong><br />
Anderntags schrieb ich einen <a href="http://saschalobo.com/2010/07/05/warum-ich-nicht-flattre/">Artikel über Flattr</a> und habe dabei einen unverzeihlichen Fehler gemacht: ich habe in einem Nebensatz die widerliche, asoziale, egoistische Handlung des illegalen Downloadens von Musikstücken &#8220;Diebstahl&#8221; genannt. Das ist juristisch zumindest ungenau, auch diskutabel, eventuell träfe &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erschleichen_von_Leistungen">Erschleichung</a>&#8221; es besser, wer weiss das schon, ich jedenfalls nicht. Wesentlich besser wussten das jedoch zwei an sich vernünftige Menschen, nämlich <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/wenn-wir-von-diebstahl-sprechen/">Dirk von Gehlen</a> und auch <a href="http://www.neunetz.com/2010/07/07/denkfehler-sascha-lobo-glaubt-dass-man-immaterielle-gueter-stehlen-kann/">Marcel Weiss</a>, die über ihren Kenntnisvorteil sogleich Artikel geschrieben haben, vom Tenor her ähnlich: Jehova, Jehova, immaterielle Güter kann man gar nicht stehlen, Kampfrhetorik! Wahrscheinlich ist es richtig, hier präziser auf das Wording zu achten, mein Fehler ist also klar ein Fehler &#8211; bezeichnend allerdings, dass Dirk von Gehlen in einem anderen Kontext kein Problem damit hat, immateriellen Werten das Wort Diebstahl anzuhängen, &#8220;<a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/the-cut-and-paste-personality/">Identitätsdiebstahl</a>&#8221; in diesem Fall. Noch interessanter ist, dass Marcel Weiss (zumindest vor einiger Zeit) mit deutlich spürbarer Empörung von &#8220;<a href="http://www.neunetz.com/2007/02/28/das-problem-mit-einigen-deutschen-blogs/">Screenshots klauen</a>&#8221; spricht &#8211; wenn er nämlich selbst irgendwie betroffen sein könnte. Jetzt, wo wir geklärt haben, dass bei allen Beteiligten die lebendige, verwendete Sprache zum Glück nicht der juristisch stets korrekten entspricht, ist es Zeit, mit tatsächlichen Argumenten abseits meiner neckisch-kleinlichen Revanche zum Hauptteil zu kommen, nämlich zu Pest und Cholera, oder um doch nochmal die juristisch korrekten Bezeichnungen zu wählen: zur Musikindustrie und den Filesharern. </p>
<p><span id="more-1792"></span><br />
<strong>Die grauenhafte Musikindustrie</strong><br />
Und schon muss man differenzieren &#8211; natürlich ist nicht die gesamte Musikindustrie bescheuert und grauenhaft. Sondern nur von mir geschätzte 90%, anders gesprochen: die Major Labels und angrenzende Unternehmen samt Lobbyverbänden. Ein wenig muss ich ausholen und nutze die Gelegenheit zu einem eitlen Bekenntnis: eigentlich bin ich der Traumkunde der Musikindustrie. Ich loade nicht illegal down, ich share nicht file, ich respektiere die Haltung des Künstlers, der festlegen möchte, wie und zu welchen Bedingungen und Preisen die von ihm geschaffenen Werke verbreitet werden. Und trotzdem hat sich in mir ein Hass aufgestaut, der noch nicht einmal mit der Generalunterstellung zu tun hat, jeder Kunde sei potenziell kriminell. Sondern ganz schlicht mit dem Zeitdiebstahl (huch, schon wieder immaterieller Diebstahl, verdammt), den die Musikindustrie an mir begeht. Es fängt mit DRM an, dem Digital Rights Management, das mir soviel Lebenszeit geklaut hat, dass ich überlege, eine stundensatzbasierte Rechnung an <a href="http://www.musikindustrie.de/vorstand/">Dieter Gorny</a> zu schreiben und so meine Altersvorsorge auf ein solides Fundament zu stellen. </p>
<p>Dazu kommt, dass ich als normal geistesgestörter Techniknarr im Jahr zwei Handys und anderthalb neue Computer kaufe – und jedesmal gravierende Probleme damit habe, die von mir rechtmäßig erworbene Musik &#8220;freizuschalten&#8221;. Inzwischen gibt es Musikdateien, die ich vor einigen Jahren gekauft habe und auf neuen Geräten nicht mehr abspielen kann, weil die maximale Zahl der Abspielgeräte erreicht ist. Bitte stellen Sie sich an dieser Stelle einen eyjafjallajökullartigen Wutausbruch vor, ich scheine nur unaufgeregt und cool, alles Fassade, ich koche. Auch, dass man alle paar Stunden auf Youtube-Videos stösst, die aus unnachvollziehbaren, also juristisch ausgedachten Gründen &#8220;in meinem Land nicht verfügbar&#8221; sind, hat dazu geführt, dass ich etwa Sony Music boykottiere, die gefühlt für 95% der gesperrten Videoclips verantwortlich sind. Ich kaufe in der Woche etwa für 30 Euro Musik und andere Kulturgüter, meist in Downloads, iTunes, Amazon, und so weiter, wenn mir ein Lied gefällt, das ich irgendwo höre, kaufe ich es. Ausser, wenn es von Sony ist, dann kaufe ich es nicht. Und wenn es das tollste Lied der Welt ist: Sorry, no Sony. Mehr oder weniger alle großen Labels sind so, aber jetzt muss eben Sony unter meinem Boykott leiden, die Speerspitze der Holzwegelagerer.</p>
<p>Die Bescheuertheiten der Musikindustrie gehen noch weiter. Jahrelang war es so, dass man Musikstücke nur legal downloaden konnte, wenn man einen iTunes-Account (oder ähnliches) hatte &#8211; und der wiederum war nur mit einer Kreditkarte zu eröffnen. Ich kenne die Verbreitung von Kreditkarten unter einer der wichtigsten Käufer- wie Filesharer-Gruppe (nämlich den Minderjährigen) nicht. Allzu hoch dürfte sie in Deutschland nicht sein, wo schon nur etwa <a href="http://www.kreditkartenzahlung.net/verbreitung-der-kreditkarte.html">20% der Menschen insgesamt über eine Kreditkarte</a> verfügen. Inzwischen gibt es zwar zum Beispiel für <a href="http://store.apple.com/de/browse/home/giftcards/itunes_cards">iTunes PrePaid-Karten</a> &#8211; allerdings erst ab 15€. Man wird es nicht für möglich halten, wenn man Funktionär der Musikindustrie ist, aber 15 Euro auszugeben, wenn man eigentlich nur ein Lied für 99 Cent haben will und also 14 Euro Kapital auf unbestimmte Zeit zu binden, das ist für manche Menschen ein echtes Problem. Erst recht, wenn man ein begrenztes Taschengeld zur Verfügung hat. </p>
<p>Eine andere gravierende Dummheit der Musikindustrie ist die künstliche Verknappung, darüber hat der zu den <a href="http://carta.info/tag/musikindustrie/">10% Musikindustrievernünftigen gehörende Tim Renner einiges geschrieben</a>. Über viele Jahre war die Marketingmaschinerie der Plattenfirmen darauf ausgerichtet, ein Musikstück zu bewerben, durch Verteilung vorab an die Multiplikatoren einen Hype zu schaffen und dann, wenn nach einigen Wochen die Platten gepresst oder die CDs gebrannt und in den Läden verteilt waren &#8211; dann konnte der Verkauf losgehen. Heute gibt es keinen logistischen und damit logischen Grund mehr, ein digital verfügbares Musikstück über Wochen zurückzuhalten. Es wird trotzdem getan, weil es schon immer so war und die Marketingabteilung glaubt, es ginge irgendwie nicht anders. Der Effekt: ich höre ein tolles Stück im Radio oder sonstwo, finde zum Beispiel mit neuen Tools wie <a href="http://shazam.com">Shazam</a> heraus, was es ist, möchte es begeistert kaufen &#8211; und muss feststellen, dass es erst in soundsoviel Wochen verfügbar ist oder in meinem Land vielleicht auch nie.</p>
<p>All diese Dinge haben dazu geführt, dass ich die Musikindustrie in meinen Augen zu Recht bescheuert nennen kann. Und von der Filmindustrie möchte ich gar nicht erst anfangen, die hat durchaus das Potenzial, noch grauenhaftere Dummheiten zu begehen; jeder, der die ersten zehn unskipbaren Minuten einer rechtmäßig erworbenen DVD voller Mahnungen, verkappter Anschuldigungen und Drohungen mehr als einmal über sich ergehen lassen musste, wird ahnen, wovon die Rede ist. Aber nun zur Gegenseite:</p>
<p><strong>Die egoistischen Filesharer</strong><br />
Auch hier wieder zu Beginn die Relativierung: Filesharing als Technologie ist eine gute Sache, eine intelligente Möglichkeit der Datendistribution &#8211; das ändert sich in dem Moment, wo illegalerweise zum Beispiel Musikdaten verteilt werden. Da ist also diese beschriebene, dämliche Industrie und macht es über Jahre dem nicht besonders wohlhabenden 15jährigen fast unmöglich, legal ein digitales Musikstück im Internet zu kaufen. Er soll gefälligst eine CD kaufen, hinfort, niederes Geschnetz. Die Reaktion des 15jährigen ist zumindest nachvollziehbar: er besorgt sich das Stück irgendwo irgendwie. Irgendwann aber wird der 15jährige erwachsen, vernünftiger, verfügt auch über Geld. Ein Teil dieser Menschen geht den richtigen Weg: damals illegal downgeloadet, als Jugendsünde abgehakt, egal, jetzt kauft man die Stücke halt digital bei iTunes oder Amazon. Ich glaube, dass es sich dabei sogar um die Mehrheit handelt, denn ich halte den Menschen in den meisten Fällen für ehrlich und gut (ja, jetzt nicht lachen). </p>
<p>Ein anderer Teil dieser metaphorischen 15jährigen &#8211; denn auf das Netz bezogen waren wir alle unabhängig vom Alter mal 15, ich auch – geht einen anderen Weg. Er tut das Gleiche wie die Musikindustrie, er redet sich die Realität schön. Oder zumindest ein bisschen schöner. Ein Dieb will niemand sein, natürlich. Benutzt man den von Dirk von Gehlen vorgeschlagenen Begriff &#8220;im digitalen Raum vergütungsfrei konsumierte geistige Schöpfungen&#8221; oder Marcel Weiss&#8217; &#8220;unautorisiertes Filesharing&#8221;, dann hört sich das schon ganz anders an. Das hört sich nicht mehr so schlimm an, wenn man ein Lied nicht klaut, sondern nur, äh, vergütungsfrei, also, unauto- na, dings halt. Aber nicht Diebstahl! Das ist etwas ganz, ganz, GANZ anderes. Wie Marcel Weiss nicht müde wird, an allen <a href="http://www.google.de/#hl=de&#038;source=hp&#038;q=%22marcel+weiss%22+diebstahl&#038;aq=f&#038;aqi=&#038;aql=&#038;oq=&#038;gs_rfai=&#038;fp=e829ce67de7d79fd">Ecken und Enden ins Netz zu schreiben</a>. Das Problem ist: er hat recht. Diebstahl ist ein juristisch gesehen unzulängliches Wort, wenn es um immaterielle Güter geht. Wenn man aber nur dann juristisch genau sein will, wenn es in diesem Moment die illegale Handlung nicht so schlimm erscheinen lassen soll &#8211; dann ist das Pochen auf die juristische Genauigkeit eine sprachliche Verschleierungsmaßnahme und damit zutiefst egoistisch. </p>
<p>Man misst mit zweierlei Maß, je nach dem, auf welcher Seite man steht, wie man am eingangs verlinkten &#8220;Screenshot klauen&#8221;-Beispiel sieht. Der nächste Schritt, nachdem man mit angenehmeren Worten die eigene Missetat umschrieben hat, findet sich dankenswerterweise auch an auslösender Ort und Stelle, nämlich in Form eines Kommentars zum Flattr-Text von &#8220;UrbanP1rate&#8221;, der unglaubliche, aber leider nicht unübliche Dimensionen der Realitätsverschiebung beinhaltet: &#8220;<a href="http://saschalobo.com/2010/07/05/warum-ich-nicht-flattre/#comment-5364">Was aber passiert denn, wenn jemand deine Werke ungefragt verbreitet und dabei sehr wohl deinen Namen nennt? Damit steigert sich deine Bekanntheit. dadurch wirst du wohl auch mehr Zugriffe auf deine Distributionsplattform erhalten. Soll dieser Sharer auch abgemahnt werden? Immerhin hat er ja deinen Umsatz gesteigert. Leute kennen deinen Namen, die ohne diesen Filesharer niemals von dir gehört, gelesen oder sonstwie erfahren hätten.</a>&#8221;</p>
<p>Kurz sacken lassen &#8211; da lädt jemand offensichtlich illegal ein Musikstück herunter, jedenfalls möchte der Urheber dieses Kulturprodukts das nicht &#8211; und dieses ungebührliche, 15jährige Verhalten wird verklärt, ins Gegenteil verkehrt zu einer Unterstützungsleistung eben dieses Künstlers, den man soeben &#8211; beinahe hätte ich fehlerhafterweise &#8220;bestohlen&#8221; gesagt. Das ist das, was ich in den Kommentaren des Flattr-Artikels mit &#8220;Newspeak&#8221; bezeichnet habe; nämlich die sprachliche Umdeutung der Realität in eine Richtung, die einem insgesamt besser in die eigene Weltsicht und das eigene Verhalten hineinpasst. Ein Dieb möchte man nämlich nicht sein &#8211; aber mit ein paar Klicks die Bekanntheit des Künstlers steigern? Da soll er sich doch freuen! Gesteigerte Bekanntheit! Vielleicht kauft es ja am Ende doch jemand, das Stück! Diese Personen sind sich nicht zu schade, die &#8220;Freiheit der Information&#8221; als Generalargument zu benutzen, so als sei etwa die berechtigte Sorge um die Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten im digitalen Raum zu Forschungszwecken gleichzusetzen mit dem vermutlich zu Erbauungszwecken downgeloadeten Lied von Menowin Fröhlich, für das man aus schierem Egoismus keine 99 Cent ausgeben will.  </p>
<p>Freilich gilt meine Argumentation nur, wenn man &#8211; wie ich &#8211; glaubt, dass ein Musikstück ein Kulturprodukt ist, das man als Künstler verkaufen können sollte. Diese Definition ist auch im digitalen Zeitalter nicht überholt, sie muss nur in vielen Facetten feinjustiert werden. Das Copyright ist stark überholungsbedürftig, es stammt im Kern aus einem nichtdigitalen Jahrhundert. <a href="http://www.open-access.net/">Open Access</a> ist ein schönes Beispiel, das zeigt, dass in vielen Bereichen andere, differenziertere Regeln gelten sollten als das plumpe, unflexible Copyright. Aber Kulturarbeit erzeugt ein Kulturprodukt (in der Regel), das durch den Kulturschaffenden oder seine Stellvertreter zum Zweck des Geldverdienes verkäuflich sein sollte, wenn der Kulturschaffende es möchte. Von dieser Maxime bin ich deshalb nicht bereit abzurücken, weil ich sie für die Basis der Kultur als Beruf halte. Ich möchte, dass Musik (auch) von Profis gemacht wird. Der Künstler muss von seinem Werk Leben können, zumindest theoretisch bei einem gewissen Mindesterfolg, und zwar auch ohne T-Shirts zu verkaufen. Alle anderen Haltungen halte ich in ihrer letztendlichen Wirkung für kulturfeindlich.</p>
<p><strong>Conclusio</strong><br />
Da sind zwei extremistische Parteien, die einander gegenüberstehen: die Musikindustrie und die Filesharer (Extremisten sind die jeweils schlimmen Finger darunter). Beide nutzen auch die Sprache, um ihr Tun zu rechtfertigen &#8211; die Musikindustrie zeigt mit dem Wort &#8220;Raubkopie&#8221; (das ich versuche, nicht zu verwenden), in welche sittlichen Ebenen des Verbrechens sie den 15jährigen Filesharer einordnet. Entsprechend kämpft sie dafür, dass von der Netzsperre bis zur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Three_strikes#Urheberrecht">Three-Strikes-Regel</a> kein Mittel überzogen scheint, um diese garstigen, gesellschaftsbedrohenden Räuberhorden zu stoppen. Ein einfacher Tipp für die Musikindustrie: mit der konsequenten Verwendung des Begriffs &#8220;Massenmordkopie&#8221; liesse sich vielleicht erreichen, dass im Zuge der Prävention das Internet insgesamt verboten wird. </p>
<p>Auf der anderen Seite sind nicht die Scharfmacher, sondern die Schönredner, auch unter ihnen sind Extremisten, die alles abmildern wollen, alles nicht so schlimm, von &#8220;klauen&#8221; zu sprechen ist juristisch auch falsch und irgendwie profitiert ja auch der Künstler davon, er weiss es bloss nicht. Diese Schönredner sind Egoisten, weil sie nicht bezahlen wollen für das Werk, das andere Leute geschaffen haben und sie sind unehrlich, weil sie eher die Realität verbal verbiegen wollen, als sich einzugestehen, dass sie &#8220;stehlen&#8221;. Oder &#8220;erschleichen&#8221;. Oder wie man auch immer diese verbotene, moralisch fragwürdige Handlung nennen möchte, ohne sie als &#8220;vergütungsfreien Konsum im digitalen Raum&#8221; in buntes Geschenkpapier einzuwickeln. Ein einfacher Tipp für die hartnäckigen Filesharer: wenn man Filesharing so wie <a href="http://saschalobo.com/2010/07/05/warum-ich-nicht-flattre/#comment-5364">UrbanP1rate</a> als Marketingdienstleistung für den Künstler versteht, dann sollte man konsequenterweise für diese Leistung auch Geld verlangen. Also flugs eine Rechnung an das Management derjenigen Künstler geschrieben, die Ihr in den letzten Jahren so downgeloadet und weiterverteilt habt, da kommt doch bestimmt einiges zusammen.</p>
<p>Und jetzt die Überraschung: die beiden extremistischen Pole &#8211; sie brauchen einander. Dringend. Sie bilden eine Art Gleichgewicht des Schreckens wie seinerzeit die Falken in den USA und in der UdSSR. Dieter Gorny braucht UrbanP1rate braucht Dieter Gorny. So haben beide Feindbilder: der eine geht damit in der Politik hausieren und versucht mit schrecklichen Worten und Bildern und Zahlen, die Gesetzgebung in seinem Sinne zu beeinflussen. Der andere rechtfertigt mit diesem grauenvollen Verhalten seine illegalen Handlungen und verklärt diese entweder zur &#8220;Revolution&#8221;, weil die Musikindustrie mit allen Mitteln bekämpft werden muss, oder gar als &#8220;Vorteil für die Künstler&#8221;. Die Falken beider Seiten können nicht ohne einander, das zeigt die Geschichte, und die Leidtragenden sind auf beiden Seiten diejenigen, die Vernunft und Einsicht walten lassen wollen: </p>
<p>Die Musiker und Labels, die im Netz nicht den Feind sehen, aber trotzdem gern Musik verkaufen würden, um davon zu leben. Und die Musikhörer, die gern für Musik bezahlen, wenn man sie bloß zu ihren Rahmenbedingungen lässt &#8211; so wie man es als Kunde aus ungefähr allen anderen Branchen gewohnt ist.</p>
<p>Insofern möchte ich diesen emotionalen und in Teilen polemischen Artikel mit einem versöhnlichen Aufruf beenden: unerlaubtes Filesharing ist kein Kapitalverbrechen, sondern in erster Linie eine Dämlichkeit. Sie erschwert Musikern, auch in Zukunft schöne Musik zu machen. Menschen, die Musik illegal downloaden, sollten einfach damit aufhören, sie machen die Welt so besser. Und die Musikindustrie möchte bitte akzeptieren, dass die Kontrolle über die Distributionsinfrastruktur, die sie jahrelang ausgeübt hat, so nicht mehr existiert und dass sie sich neu ausrichten muss, mit Strukturen, die den Kontrollverlust nutzen, anstatt ihn zu bekämpfen. Das ist auch gar nicht so schlimm. Die gesamte Zivilisation beruht nicht auf der Androhung drakonischer Sanktionen &#8211; sondern auf Freiwilligkeit. Schon immer. Hier, in Berlin, gibt es eine große Anzahl von öffentlichen Blumenbeeten (ja, ich wähle ein kitschiges Schlussbild, absichtlich). Sie sind wunderschön, und ich bin sicher, dass man nichts zu befürchten hat, wenn man ein paar Blumen abreisst. Trotzdem sehen die allermeisten Menschen ein, dass man besser Blumen im Laden nebenan kauft, anstatt sie kostenlos abzurupfen. Ausser einer handvoll 15jähriger. Aber damit muss man leben. Kann man auch.</p>
<p style="font-size:11px">Bei allen 15jährigen möchte ich mich entschuldigen, dass ich sie als Synonym für den unverständigen, unreifen Menschen missbraucht habe, ging nicht anders. Immerhin seid ihr in spätestens einem Jahr nicht mehr gemeint. </p>
<p>Nachtrag: <a href="http://www.neunetz.com/2010/07/08/filesharing-debatte-geschaeftsmodellfragen-statt-diebstahl-argument/">Marcel Weiss hat auf meine Antwort geantwortet</a>.<br />
Daraufhin habe ich auf seine Antwort auf meine Antwort auf seine Antwort auch <a href="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/07/der_mann_der_alles_wusste.png">etwas geantwortet</a>.</p>

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		<title>Warum ich nicht flattre</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 10:09:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das hier ist kein Rant. Denn Flattr erscheint mir als eine Möglichkeit, wie Blogs und blogähnliche Medien etwas Geld verdienen können, das ist zunächst nichts Schlechtes, sondern vom Effekt her etwas Gutes. Trotzdem möchte ich aufzeigen, weshalb ich mich gegen Flattr entschieden habe. Es folgen deshalb persönliche Gründe und nur eingeschränkt allgemeingültige Argumente. 1. Geldquellen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://www.flickr.com/photos/16339684@N00/2771876697/in/photostream/"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/07/hahn_flattrt_nicht.jpg" alt="" title="rooster_by_internets_dairy_flickr" width="536" height="179" class="aligncenter size-full wp-image-1758" /></a>Das hier ist kein <a href="http://www.urbandictionary.com/define.php?term=rant">Rant</a>. Denn Flattr erscheint mir als eine Möglichkeit, wie Blogs und blogähnliche Medien etwas Geld verdienen können, das ist zunächst nichts Schlechtes, sondern vom Effekt her etwas Gutes. Trotzdem möchte ich aufzeigen, weshalb ich mich gegen Flattr entschieden habe. Es folgen deshalb persönliche Gründe und nur eingeschränkt allgemeingültige Argumente.</p>
<p><span id="more-1757"></span></p>
<p>1. Geldquellen<br />
Nennt mich inkonsequent, aber anders als von meinen <a href="http://saschalobo.com/buecher/">Buchlesern</a> möchte ich kein Geld von meinen Bloglesern, weil ich ihnen nichts verkaufen will. Ein Buch ist ein Produkt, ein Blog ist ein Prozess. Gegen Geldverdienen mit dem Blog habe ich gar nichts einzuwenden, aber es soll aus anderen Quellen stammen, zum Beispiel von der Werbeindustrie. Das klappt in Deutschland (noch immer) nicht so gut, wie es sein sollte, zugegeben. Und Paid Content etwa finde ich nicht grundsätzlich schlecht, im Gegenteil. Aber ich glaube, dass die Blogkultur in Deutschland &#8211; zu der in meinen Augen eine Refinanzierungsmöglichkeit gehören sollte – nur dann profitiert, wenn Geld von aussen zufliesst und nicht im Innern umverteilt wird.</p>
<p>2. Umverteilung<br />
Es gibt nach meiner Einschätzung im deutschsprachigen Raum etwa 250.000 mehr oder weniger aktive Blogger. Und ich rechne mit ungefähr einer Million Menschen, die Blogs absichtlich und regelmässig lesen (und nicht etwa über Google dorthingespült werden). Beides sind Schätzwerte, weil exakte Zahlen kaum herauszufinden sind. Diese Grössenordnungen und die zu erwartende Marktdurchdringung lassen mich vermuten, dass bei Flattr ein mittelgrosser Haufen Blogger das Geld im Kreis herumreicht. Natürlich, und das ist an den <a href="http://carta.info/29987/deutschen-flattr-charts-im-juni/">aktuellen, interessanten Zahlen</a> zu erkennen, profitieren davon eine Handvoll großer Blogs oder die <a href="http://taz.de">taz</a>*. Aber schon das flattr-Prinzip &#8211; man kann nur geflattrt werden, wenn man selbst flattrt – deutet stark darauf hin, dass die Vielzahl der kleineren Blogs die wenigen, größeren bezahlen werden. Als Fan der Umverteilung von oben nach unten ist mir das nur mäßig sympathisch. </p>
<p>3. Summenspiele<br />
Nehmen wir an, dass sich ein Flattr-Klick bei 10 Cent einpendelt. Nehmen wir weiter an, dass ein Blog wie <a href="http://carta.info">Carta</a> 5.000 Euro im Monat bräuchte, um sich professionell angemessen zu refinanzieren (bei über 50 komplexen und fundierten Artikeln im Monat ist das sogar eher wenig). Dann müsste jeder Artikel ungefähr eintausend Flattr-Klicks bekommen. Ist das realistisch, vor allem angesichts der psychologischen Wirkung? Ist der deutschsprachige Durchschnittsblogleser bereit, nach dem neunhundertneunundneuzigsten den eintausendsten Klick unter einen Artikel zu setzen? Vor allem angesichts der Tatsache, dass auf kleineren Blogs erwartbar die offen dargestellten Zahlen im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich bleiben werden? Ich glaube, dass gerade im Finanziellen die von Flattr vorgegebene Transparenz nicht nur positive Seiten hat.</p>
<p>4. Spendenschwierigkeiten<br />
Werbung finde ich deshalb gut, weil diese Art der Refinanzierung nicht zwischen Schreiber und Leser stattfindet &#8211; und damit den Lesegenuss nicht durch ein fortlaufendes Kundenverhältnis belastet. Mit der freiwilligen Spende des Lesers bekäme dieses Verhältnis einen anderen Drall: den Unterton des Bittstellers gegenüber den Lesern. Die Dankbarkeit, die ich fairerweise gegenüber meinen Lesern empfinden müsste, würde mich sehr stören. Bei anderen mag das anders sein, aber ich empfinde mich nicht als Dienstleister meiner Leser. Generell sehe ich auch die Gefahr des Flattr-Populismus. Es gibt sicher schlimmere Gefahren, aber wenn man sich Blogs ansieht, die auf Google Ads hingeschrieben werden, dann scheint es Texten nicht unbedingt gut zu tun, sich nach anderen Kriterien auszurichten als dem ureigenen Interesse des Autors (das in meinen Augen der Antriebsmotor jedes Blogs ist).</p>
<p>5. Gründer<br />
Ja, die Musikindustrie hat sich in den letzten Jahren grauenvoll dumm verhalten. Ja, das Urheberrecht hatte schon im 20. Jahrhundert seine Schwächen und für das 21. Jahrhundert ist es stark reformbedürftig. Ja, P2P ist nicht die Wurzel alles Bösen. Aber die <a href="http://thepiratebay.org/legal">arrogante, pubertäre, selbstgerechte Art</a>, wie The Pirate Bay und damit auch Flattr-Gründer <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Sunde">Peter Sunde</a> sich einen Dreck um alle anderen inklusive der Musiker und Filmschaffenden geschert hat und damit mutmaßlich auch noch selbst Geld verdient hat, die stösst mir übel auf (selbst, wenn sie ein bisschen lustig ist). Flattr erscheint mir unter anderem als Feigenblättchen eines Menschen, dem seine Rolle der Contentdiebstahlbeihilfe etwas unangenehm geworden ist. Dazu noch ist das intransparente, von einer gewissen Schmierigkeit durchzogene Handeln von The Pirate Bay – zum Beispiel, was die Verkaufsabsichten anging – nicht geeignet, um größeres Vertrauen zu Herrn Sunde und seinen Geschäftspartnern aufzubauen.</p>
<p>Fazit<br />
Das Experiment Flattr beobachte ich trotz der genannten Gründe wohlwollend, weil Blogs Geld verdient haben und deshalb verdienen sollen. Allein, um herauszufinden, ob Flattr und damit die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schenk%C3%B6konomie">Geschenkökonomie</a> funktioniert, ist es sinnvoll, es zu tun; nach meiner Überzeugung ist &#8220;Machen&#8221; dafür die einzige Möglichkeit. Aber meine &#8211; von den bisherigen, veröffentlichten Zahlen eher unabhängige &#8211; Einschätzung ist, dass mit Flattr drei Dutzend Blogs eine aus professioneller Sicht geringe Summe erwirtschaften werden, für den gesamten Rest der Blogs wird es sich kaum lohnen. Das wäre nicht allzu schlimm, wenn von der Beteiligung dieser kleineren Blogs nicht auch die Refinanzierung der großen abhinge. Ich stelle mir vor, wie der Betreiber eines mittelgrossen Blogs hoffnungsvoll startet und mitflattert, dann drei Mal in Folge deutlich unter 20 Euro erlöst (also weniger als er selbst ausgegeben hat) und ernüchtert die Lust am Flattrn verliert. Dass Flattr dann noch als &#8220;Zubrot&#8221; für große Blogs funktioniert (allein damit relevante Summen zu verdienen, das glaubt wohl kaum jemand), halte ich für unwahrscheinlich. Und würde ich mich trotzdem ernsthaft freuen, wenn es anders käme.</p>
<p>Nachtrag: Zum Thema ist ein <a href="http://www.newsecho.de/digital/netz_und_technik/ec2MTyC9SuA/computer-«flattr»_werden_nutzer_freiwillig_im_netz_zahlen">dpa-Text</a> erschienen, für den Michael Kieffer auch mit mir gesprochen hatte.</p>
<p>Zweitnachtrag: Unterdessen hat <a href="http://blog.ronniegrob.com/2010/07/07/mein-hut-der-hat-drei-cents/">Ronnie Grob geantwortet und beschrieben</a>, warum er doch flattrt.</p>
<p style="font-size:11px;">* Die taz ist auf so vielen Ebenen ein publizistisch-ökonomischer Sonderfall, dass ich mir dort einen mittel- und langfristigen Erfolg mit Flattr tatsächlich vorstellen kann. Wenn kein besser geeignetes Micropayment-System aufkommt. Was ich wiederum sehr hoffe.</p>

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		<title>Sixtus vs. Lobo: StartUp</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 19:10:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Direktlink Sixtus vs. Lobo – Start-Up Diese Folge von Sixtus vs. Lobo ist im zweiten Teil inspiriert durch Kathrin Passigs &#8220;Standardsituationen der Technologiekritik&#8220;. Will sagen: Sixtus bringt jedes einzelne kultur- und technologiepessimistische Standardargument, das Kathrin identifiziert hat. Meine Antworten darauf sind eine unbunte Mischung aus dem jeweils billigstmöglichen Gag, Widerspruch und grotesker Plattheit. Der erste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>	<object width="542" height="305"><param name='movie' value="http://www.sixtus-vs-lobo.de/FlowPlayer.swf?config={ configFileName: 'http://www.sixtus-vs-lobo.de/embed.js', videoFile: 'http://www.blinkenfilme.de/svl/030/SVL_030.mp4', splashImageFile: 'http://www.blinkenfilme.de/svl/030/SVL_030.jpg'}"></param><param name="quality" value="high"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><param name="allowfullscreen" value="true"></param>
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	</object></p>
<p style="text-align: center; margin-top: 1em; margin-bottom: 1em;"><a href="http://www.sixtus-vs-lobo.de/svl/video/199/">Direktlink Sixtus vs. Lobo – Start-Up</a></p>
<p>Diese Folge von Sixtus vs. Lobo ist im zweiten Teil inspiriert durch Kathrin Passigs &#8220;<a href="http://www.online-merkur.de/seiten/lp200912adz.htm">Standardsituationen der Technologiekritik</a>&#8220;. Will sagen: Sixtus bringt jedes einzelne kultur- und technologiepessimistische Standardargument, das Kathrin identifiziert hat. Meine Antworten darauf sind eine unbunte Mischung aus dem jeweils billigstmöglichen Gag, Widerspruch und grotesker Plattheit. Der erste Teil hingegen bezieht sich sowohl auf die New Economy wie auch auf die derzeitige, in Teilen leicht überhitzte Gesamtsituation am Hypemarkt.</p>

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		<title>Sixtus vs. Lobo 6: Musik im Netz</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Mar 2009 16:39:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Direktlink: Sixtus vs. Lobo – Musik im Netz Tweet]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>	<object width="542" height="305"><param name='movie' value="http://www.sixtus-vs-lobo.de/FlowPlayer.swf?config={ configFileName: 'http://www.sixtus-vs-lobo.de/embed.js', videoFile: 'http://www.blinkenfilme.de/svl/006/SVL_006.mp4', splashImageFile: 'http://www.blinkenfilme.de/svl/006/SVL_006.jpg'}"></param><param name="quality" value="high"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><param name="allowfullscreen" value="true"></param>
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	</object></p>
<p style="text-align: center; margin-top: 1em; margin-bottom: 1em;"><a href="http://www.sixtus-vs-lobo.de/svl/video/112/">Direktlink: Sixtus vs. Lobo – Musik im Netz</a></p>

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		<title>Konstituierendes Startposting ohne weitere Inhalte</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Dec 2008 23:01:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn Sie nur diesen Text lesen können und sonst kein Posting darübersteht, haben Sie eine Kategorie angeklickt, die noch leer ist. Schade. Immerhin können Sie auf die Überschrift klicken und sehen dann eine schöne Garuda-Figur, also den Schutzheiligen dieses Blogs. Nur zu!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/01/garuda.jpg"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2009/01/garuda.jpg" alt="garuda" title="garuda" width="540" height="823" class="alignnone size-full wp-image-211" /></a></p>
<p>Das ist der Schutzheilige dieses Blogs, der Götterbote Garuda aus der indischen Mythologie.</p>

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