Interaktion

Der Debattenartikel für die Wirtschaftswoche: Nebensache Geld

Ja, es handelt sich hier explizit nur um eine Randdiskussion, die aber trotzdem nötig ist. Ich habe bereits im Startartikel geschrieben, dass ich einen größeren Teil des Geldes – nämlich 1.000 Euro – für den Debattenartikel 2.0 (man verzeihe mir nocheinmal die augenzwinkernde Reminiszenz auf die Versionsnummernära) unter denjenigen aufteilen möchte, die sich am Artikel beteiligen. Ich werde ihn zwar zur Gänze selbst schreiben, um das auch nochmal ausdrücklich zu erwähnen – aber die Anregungen, Zitate und Gedankengänge der Crowd werden dabei sehr wertvoll sein. Nun, da die Diskussion in den Kommentaren bereits erfreulich substanziell ist, könnte der richtige Zeitpunkt sein, um herauszufinden, wie die Aufteilung des Geldes vor sich gehen soll. Was wäre dazu besser geeignet, als die Meinung der Community selbst herauszufinden?

Ich weiss zwar (und bin sehr froh drüber), dass die primäre Motivation sich zu beteiligen, der Wunsch ist, ein besseres Ergebnis zu bekommen. Aber in einem Artikel über die Wirtschaft darf das Geld keine allzukleine Rolle spielen, finde ich. Deshalb habe ich diese Abstimmung kreiert, die zwei Tage lang läuft und deren Ausgang darüber entscheiden wird, was mit den 1.000 Euro passiert, die sich “die Crowd erarbeitet”.

Read More

Debattenbeitrag 2.0: Die Wirtschaft und das Netz – Digitale Strategien der Zukunft (AT)

Die seit einigen Monaten etwas diffus geführte Debatte um die Wirkung des Internets auf die Gesellschaft vernachlässigt nach meiner Überzeugung einen wichtigen Bereich: die Wirtschaft.

Die wichtigsten Taktgeber für die zukünftige Entwicklung des Netzes sind Unternehmen – aber unterschätzt wird in der Öffentlichkeit, wie sehr die digitale Vernetzung auf sämtliche Industrien und Branchen Einfluss nimmt. Das betrifft nicht nur das Marketing; von Forschung und Entwicklung über Personal und Logistik bis zur täglichen Arbeitsorganisation stehen Konzerne wie Kleinunternehmen vor einer existenziellen Entscheidung: Wie gestaltet man seine Geschäftsprozesse so, dass man weder morgen vor Investitionsruinen steht, noch übermorgen von der Entwicklung des Netzes überrollt wird?

Entscheidend wird die richtige digitale Strategie sein, die das Netz und die Kohlenstoffwelt miteinander verbindet – aber welchen Regeln folgt diese? Unternehmen dürfen sich einerseits nicht von “Social Media Consultants” verrückt machen lassen, die behaupten, dass DAX-Konzerne ohne Twitter-Account bereits unmittelbar vor der Insolvenz stehen würden. Auf der anderen Seite kann man die ungeheuren Implikationen des Internet für die weltweite industrielle Infrastruktur zum Beispiel daran erkennen, dass die Firma Google mit ihren geschätzt 1 Million Hochleistungsservern zu den größten Stromabnehmern der Welt zählt – und deshalb in den USA unter die Stromerzeuger und Energiehändler geht.

Im Kleinen habe ich selbst praktische Erfahrungen – positive wie negative – sammeln können, wie eine Vermählung von Online und Offline aussehen kann, zum Beispiel mit der CeBIT, wo das sehr “offlinige” Geschäftsmodell einer Messe auf Internetunternehmen wie Amazon trifft. Herausgekommen ist der Messebereich Webciety, der versucht, Erkenntnisse aus der Funktionsweise des Internet mit den nach wie vor wirtschaftsrelevanteren Offline-Welt zu verbinden. Natürlich gibt es eine Vielzahl von gelungenen Beispielen, aber was verbindet sie und welche Strategien stehen dahinter?

Ich möchte einen Debattenbeitrag schreiben, der für die Wirtschaft beleuchtet, welche Entwicklungen unternehmensrelevant sein werden – und welche nicht. Wie die weiteren Innovationsschritte des Internet aussehen und weshalb sie so ungeheuer selten aus Deutschland kommen. Worauf man sich einstellen muss, wenn man ein Unternehmen gleich welcher Größe in die digitale Zukunft führen möchte.

Gemeinsam mit der Wirtschaftswoche habe ich mich aber entschlossen, diesen Artikel nicht so zu schreiben, wie man ihn auch im 20. Jahrhundert hätte verfassen können, im stillen Kämmerlein, ohne Einfluss des Publikums. Wir möchten stattdessen einen Debattenbeitrag 2.0 – wenn diese etwas abgegriffene Nummernmetapher noch einmal erlaubt ist – erarbeiten. Dieser Text ist der Auftakt für den Beitrag, den ich unter redaktioneller Betreuung von Jochen Mai im Auftrag von Roland Tichy produzieren möchte. Dabei will ich einige sinnvolle und auch einige eher experimentelle Mittel nutzen, die dem Journalismus im Netz zur Verfügung stehen.

Konkret heisst das, dass das Publikum bereits bei der Entstehung des Debattenbeitrags 2.0 dabei ist, von der Recherche über die Entstehung der Struktur des Artikels bis zur Rohversion des fertigen Textes. Während dieser knapp zwei Wochen dauernden Phase, die ab sofort beginnt, darf und soll das Publikum teilhaben am Artikel (und dafür von mir auch die Hälfte der Entlohnung erhalten, auf einem noch abzustimmenden Weg).

Diese Einbindung ist kein Selbstzweck – ich glaube tatsächlich daran, dass der Debattenbeitrag auf diese Weise besser werden wird. Auf folgenden öffentlich zugänglichen Plattformen im Netz werden sich die Entwicklungen abspielen:

Unter delicious.com/saschalobo/wirtschaftswoche sammele ich relevante Bookmarks in größerer Zahl, jeweils mit zusätzlichen Tags (thematischen Stichworten) versehen.

Interessante Zitate, Fallbeispiele, Videoclips, Diagramme und andere Inhalte speise ich in ein eigens für den Beitrag eingerichtes Mini–Weblog unter wirtschaftswoche.posterous.com ein. Hier können die Inhalte vom Publikum direkt kommentiert werden.

Beide Quellen fliessen in die Facebook-Seite der Wirtschaftswoche, zu finden unter facebook.com/wirtschaftswoche – dort können sie ebenfalls kommentiert werden, ich werde mich in einzelne Diskussionen einmischen.

Über meinen Twitter-Account twitter.com/saschalobo stelle ich regelmäßig Fragen und rufe zur Diskussion einzelner Punkte auf – der offizielle Hashtag (das Stichwort) zu diesem Debattenbeitrag lautet schlicht #wirtschaftswoche.

Auf meinem Blog schließlich erstelle ich unter saschalobo.com/wirtschaftswoche einen “lebendigen Artikel”, also einen häufig aktualisierten Beitrag, der den jeweiligen Entwicklungsstand des Debattenbeitrags skizziert. Dort wird auch die wichtigste Kommentar- und Diskussionsbasis sein, die am stärksten in die Ausgestaltung des Artikels einfliesst.

Auf wiwo.de schließlich werden über Widgets alle Aktivitäten der verschiedenenPlattformen nachverfolgbar sein, gewissermaßen als Beobachtungszentrale und Kommentarbasis für das Projekt allgemein. Dort erscheint am Ende auch der Artikel – natürlich ebenso in der gedruckten Wirtschaftswoche, weil man die Leute im Wartesaal des Friseurs nicht mehr vom Sinn eines Haarschnitts überzeugen muss. Oder anders gesagt: wir wollen mit diesem Debattenbeitrag 2.0 auch und besonders diejenigen Menschen erreichen, die wirtschaftliche Entscheidungen von größerer Tragweite treffen. Und die lesen trotz unserer Begeisterung für das Netz eher die Wirtschaftswoche auf Papier als Blogs, Facebook und Twitter.

Read More

Die Facebook-Fan-Falle

Jetzt ist es passiert und ich habe ein Problem, bei deren Lösung nur Ihr mir helfen könnt. Mit “Ihr”, das ich des briefartigen Ansprachecharakters halber im Internet immer groß schreibe, meine ich diejenigen Menschen, die mit mir auf Facebook befriendet sind. Kein Verschreiber, ich unterscheide “Freunde” und “Friends”. Ich habe grundsätzlich wenig Probleme mit Anglizismen, die “Sprache reinhalten” zu wollen, ist in meinen Augen Unsinn mit der Tendenz zur kulturellen Möchtegernhegemonie, aber das nur am Rande.

Jedenfalls habe ich seit einiger Zeit 5000 Friends auf Facebook, das ist die von Facebook willkürlich eingezogene Obergrenze. Natürlich kenne ich von diesen 5000 allenfalls 1000 persönlich, wenn man “kennen” weitestmöglich fasst im Sinne von “schon mal persönlich gesehen oder online miteinander kommuniziert”. Das macht mir nichts aus, im Gegenteil. Bisher habe ich Friends übersetzt als “Interessierte Personen”. Als ich an der Friend-Grenze anlangte, habe ich facebookinterne Kreise kontaktiert und nachgefragt, was zu tun sei. Die Antwort hat mich indirekt vor das eingangs erwähnte, gemeinsam zu lösende Problem gestellt. Da die 5000-Friends-Grenze keinesfalls aufgehoben wird, bleibt als einzige Möglichkeit die Umstellung meines Profils auf eine so genannte Page. Damit kann man die meisten Funktionen normaler Profile auch nutzen und noch einige mehr. Gut und schön. Aber! Die eben noch Friends genannten Kontakte auf Facebook wandeln sich – in Fans. Uff. Fans. Eben waren wir noch Friends, jetzt schon muss ich den interessierten Personen zumuten, zu ver-fan-nen. Ich weiss um die Bedeutung von Namen und Bezeichnungen, und habe mir deshalb etwas ausgedacht, um meine Friends nicht zu Zwangsfans zu machen. Nicht, dass ich etwas gegen Fans oder Fantum habe – aber der unfreiwillige Bezeichnungswandel macht mir Sorgen. Mein Teil der erwähnten Problemlösung ist oben zu sehen. Mit der Macht der selbsterklärten Deutungshoheit ist bei mir auf der Facebook-Seite “Fan” ab sofort (bzw. ab der Umschaltung in ein paar Tagen) ein Akronym für “Friend Auf Netzwerk”. Da mag in Euren Profilen Fan stehen – und hier kommt Euer Teil der Problemlösung – aber wir alle wissen, dass es Friend auf Netzwerk heisst. Wir bleiben trotzdem ganz normal befriendet, es heisst nur umständehalber anders. Okay mit Euch?Damit erspart Ihr mir einige kleinere Problemchen, zum Beispiel auf Parties sagen zu müssen, “sorry, ich kann Dich nicht hinzufügen auf Facebook, sonst müsste ich jemand anderen entfrienden”. Oder Ausreden zu erfinden für die 500 freundlichen, interessierten Personen, die sozusagen auf der Warteliste der Befriendung stehen. Danke für Euer Verständnis.

Und bei der Gelegenheit kann ich gleich auch mal ein paar Dinge aufschreiben zu Friendschaft, Freundschaft und sozialen Netzwerken.

• Wer Friendschaften grundsätzlich ablehnt, hat ein in Zukunft größer werdendes Problem. Denn die so genannten “schwachen Bindungen” (vgl. Mark Granovetter, “The Strength of Weak Ties“) machen den persönlichen Wert (hier keinesfalls monetär gemeint) eines sozialen Netzwerkes aus. Das gilt nicht nur beruflich, wo über die “schwachen Bindungen” die wichtigsten Kontakte zustande kommen – sondern auch privat. Die meisten Lebenspartnerschaften ergeben sich per Vermittlung über schwache Bindungen.

• Wer auf der anderen Seite aber Friends mit Freunden verwechselt, wird vermutlich böse enttäuscht. Friends helfen eher nicht beim Umzug, Friends sind nur selten alarmiert, wenn man zwei Wochen verstummt, Friends können wesentlich schlechter zwischen den Zeilen lesen als Freunde. Friends sind eher digitale Nachbarn. Das macht weder Friends noch Nachbarn zu schlechten Menschen, es sind eben nur keine Freunde im klassischen Definitionssinn.

• Allgemein bitte ich darum, die penetrante Frage nach dem “Warum?” zu allen möglichen Sozialen Netzwerken und Plattformen nicht mehr zu stellen. Die einzige mir sinnvoll erscheinende Antwort darauf lautet “Weil Menschen es wollen”, was aber meistens nicht die Art von Antwort ist, die eine wertvolle Diskussion eröffnet.

• Und wo wir gerade dabei sind, bei der allgemeinen Diskussion um Daten in der Öffentlichkeit, kann ich ja auch mal am Rande erwähnen, dass ich eine der jüngsten Entwicklungen im Social-Network-Bereich gut finde und benutze: Blippy. Man veröffentlicht dort, was man gekauft hat, und zwar automatisiert mit Schnittstellen zu Services wie iTunes oder auch der Kreditkarte (was in Deutschland leider noch nicht geht). An anderer Stelle schreibe ich mal auf, weshalb das im Moment aussieht wie das schlimmste, was man überhaupt etc. usw. – warum es aber mittelfristig den Konsumenten Macht zurückgibt. Hint: es hat auch damit zu tun, dass ein bisher verborgener Mechanismus (siehe zum Beispiel Payback-Karte) ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, und zwar bewusst und vom Nutzer kontrolliert.

Read More

Mailbeschwerden

Fast jeden Tag bekomme ich Mails von mir unbekannten Menschen, die reagieren auf irgendetwas, was ich irgendwo gesagt oder geschrieben habe. Das ist schön. Die meisten sind tatsächlich sehr freundlich formuliert, sogar, wenn sie Kritik enthalten und wenn ich es irgendwie einrichten kann, antworte ich freundlich zurück. Ab und zu kommen Beschimpfungsmails, auch das ist normal, da antworte ich seltener. Und dann bekomme ich Facepalm-Mails. Wenn ich gerade Lust habe, antworte ich darauf. So ist der folgende Maildialog entstanden, den ich hier anonymisiert veröffentliche, weil ich das will. Schwere Kost, aber durchaus von innerer Komik. Finde ich.
(more…)

Read More

Was Oettinger jetzt tun könnte

Darf man sich so sehr über Günther Oettinger lustig machen, wie das gerade geschieht? Ich glaube: ja. Ich halte es sogar für die Pflicht des aufgeklärten Bürgers, sich unbedingt über alles lustig zu machen, was an entsprechenden Steilvorlagen von den Autoritäten abgesondert wird. Und nicht nur von Autoritäten, eigentlich muss man sich über alles lustig machen, was lustigmachenswert ist, die Definition muss jeder in Eigenverantwortung erarbeiten.

Verspotten ist eine Art der Kritik, die notwendig ist und eines der wenigen politischen Korrektive darstellt, die so simpel wie wirksam sind. Einfaches Beispiel: die schiere Angst vor der medialen Superblamage dürfte derzeit viele Dutzend Politiker in die Arme von professionellen Englischlehrern treiben. Unsere Entscheidungsträger werden so (hoffentlich) besser – etwas naiv argumentiert, zugegeben, aber die Mechanik halte ich für richtig.

Was aber könnte Günther Oettinger tun? Genau jetzt, da er im “Shitstorm” steht? Zumal es sich nicht um einen inhaltlichen Sturm handelt, wie etwa der Hartz-IV-Shitstorm von Roland Koch in der letzten Woche. Zum Vergleich: bei inhaltlichen Fragen kann man grundsätzlich auf unterschiedlichen Seiten stehen, bei Blamagen wie dieser eher nicht.

Für die Antwort auf diese Frage möchte ich zwei Dinge vorab bemerken: ich bin nicht unbedingt Experte für politische Krisenkommunikation und gerade in der Politik gelten oft völlig andere Regeln als für Marken, Produkte und Ähnliches. Und ich möchte beim besten Willen Günther Oettinger nicht unterstützen. Aber weil ich über “Shitstorms” und die Vorgehensweise damit einen Vortrag halten werde (auf der CeBIT Webciety und/oder auf der re:publica), möchte ich einen Ausblick geben, wie man in dieser verfahrenen Situation verfahren könnte.

Oettinger könnte eine kurze Videoerklärung veröffentlichen und darin lächelnd Folgendes sagen:

• zugeben, dass seine Englischkenntnisse eine mittlere Katastrophe sind – erst recht für einen EU-Politiker

• sich darüber selbst lustig machen – zum Beispiel mit einem augenzwinkernden Eigenzitat aus dem bekannten Video oder der scherzhaften Ankündigung, Schwäbisch neben Englisch, Französisch und Deutsch als vierte EU-Arbeitssprache durchdrücken zu wollen

• bekanntgeben, dass er in drei oder vier Wochen seinen geplanten Urlaub für einen Englisch-Crashkurs verwenden wird

• abschliessend einladen zu einer Pressekonferenz in ca. 6 Wochen, die er auf Englisch halten wird, vielleicht verbunden mit einem Aufruf an seine Kollegen, ebenfalls besser Englisch zu lernen – bezugnehmend auf seinen eigenen Fehler

In guten sechs Wochen sollte ein deutlich sicherer Umgang mit der englischen Sprache erlernbar sein. Die Motivation dürfte inzwischen vorhanden sein. Und erfahrungsgemäß wird der offene und offensive Umgang mit den eigenen Schwächen, verbunden damit, sich selbst nicht allzu Ernst zu nehmen, sympathisch aufgenommen. Zwar mögen wie erwähnt im politischen Alltag oft andere Regeln gelten, aber nach meiner Meinung ist im Fall Oettinger bereits ein ganzer Kindergarten in den Brunnen gefallen und ertrunken.

Nachtrag: Ich glaube nicht, dass die im 20. Jahrhundert mit Erfolg angewandte Helmut-Kohl-Methode des Aussitzens, also nicht zu reagieren und abzuwarten, in Zeiten des allgegenwärtigen digitalen Gedächtnisses namens Internet noch funktioniert, jedenfalls nicht bei größeren Shitstorms. Bei kleineren schon.
Es gibt übrigens ein sehr schönes (wenn auch nur bedingt paralleles) Beispiel dafür, wie jemand mit einem einzigen Satz die Stimmung eines ganzen Landes gedreht hat. Es handelt sich um Jürgen Klinsmann. Als er 1994 nach England zu den Tottenham Hotspurs wechselte, war er in ganz Großbritannien verhasst. Als deutscher Fussballer ist das sowieso nicht besonders schwer, aber Klinsmann hatte sich mit einer Reihe vermutlicher Schwalben (so sahen es die englischen Fans) den Ruf eines “Divers”, eines Schwalbenkönigs, erspielt.

In einer der berüchtigten britischen Fussball-Pressekonferenzen überraschte er die anwesende Presse und so über Bande das gesamte Land, indem er gleich zu Beginn selbstironisch nach einer “diving school” fragte. Mit der Doppeldeutigkeit von “Tauch-Schule” und “Schwalben-Schule” zeigt er exakt den Humor, der den Hass auf ihn in Begeisterung verwandelte. In der Folge wurden über 150.000 Klinsmann-Trikots verkauft, eigentlich undenkbar für einen deutschen Fussballer in Großbritannien. Als er dann auch noch passabel spielte und seine Tore mit dem “Diver”, einem der Schwalbe nachempfundenen Sprung feierte, wurde er sogar zum Fussballer des Jahres 1995 gewählt. Letztlich hatte er mit dem in einem Satz formulierten Beweis, sich nicht allzu Ernst zu nehmen, die Stimmung des Landes gedreht.

Read More

Remixwettbewerb Sixtus vs. Lobo Rap

Manchmal muss man Gelegenheiten auch einfach ergreifen. Weiter unten kann man die a cappella-Version des Sixtus vs. Lobo Raps downloaden, zum Zwecke des Remixes. Will sagen, hier können all diejenigen, die die Beats nicht so superfantastisch fanden wie die Lyrics, selbst Hand anlegen. Natürlich gibt es auch einen Preis für den besten* Remix und zwar ein exklusiver, persönlicher Gastauftritt in der auf 3sat und dem ZDF gesendeten Premium-Fernsehsendung “Sixtus vs. Lobo” sowie eine extra um diesen Auftritt herum konzeptionierte Folge. Eine eigene Fernsehsendung (auf eine Art), wo konnte man soetwas zuletzt gewinnen? Und warum?

Download Sixtus vs. Lobo-Rap just a cappella (ZIP-Datei, enthält AIFF und MP3)

Die Remixes kann man als Link in die Kommentare posten oder mir per Mail schicken oder sonstwo öffentlich zu Gehör bringen. Wir freuen uns auf Eure Einsendungen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen (Oldschool-Disclaimer).

*Die Jury besteht aus Mario Sixtus und mir. Vielleicht lassen wir uns von Volkes Stimme beeinflussen in unserer Entscheidung oder veranstalten eine spontane Umfrage, wenn genug Einsendungen vorhanden sind. Einsendeschluß ist am Freitag, den 22. Januar auf vielfachen Wunsch am Montag, den 1. Februar.

Read More

Abstimmung: Mein Vortrag auf CeBIT Webciety und re:publica 2010

lautsprecher_cbs_fan_flickr_smallAnfang März findet die CeBIT Webciety* statt und der “Call for Papers” für die re:publica 2010* im April läuft auch auf vollen Touren. Ich habe mich entschieden mitzucallen und so den Vortrag bestimmen zu lassen, den ich auf beiden Events vortragen möchte. Denn ich habe der Öffentlichkeit selbstredend eine Menge mitzuteilen, und zwar in so ziemlich allen Bereichen. Aber was für einen Vortrag mit welchem Thema (Rente fällt aus verschiedenen Gründen weg)?

Diese Frage möchte ich hier beantworten. Oder viel mehr: beantworten lassen, und zwar durch diejenigen, die den Vortag auch ertragen müssen. Deshalb findet sich hier ein öffentliches Voting, welches Thema ich beleuchten soll. Ich habe vier Themen skizziert, von denen ich glaube, dass das re:publikum und die Webciety-Besucher sie von mir hören wollen würden. Hier im Blog wird das Thema ausgewählt. Im von mir betreuten, offziellen CeBIT-Blog, dem 01blog, werde ich den hier ausgewählten Vortrag danach in einem öffentlichen Prozess ausarbeiten, was die Struktur angeht. Dort werde ich auch gern auf Vorschläge für inhaltliche Schwerpunkte eingehen. Die konkreten Inhalte trage ich aber erst auf der Bühne vor. Damit beide Veranstaltungen besuchende Personen und Streambenutzer auch etwas davon haben, werde ich mit der Live-Erfahrung auf der CeBIT Webciety den Vortrag für die re:publica deutlich weiterentwickeln.

Deadline für die Abstimmung ist Freitag, den 8. Januar 2010 um 12 Uhr Mittags.

Hier nun die Auswahl der Themen:

(more…)

Read More

Ushahidi – Collective Intelligence Agency

Ushahidi ist eine Art Social WikiLeaks (auch ein Projekt, dem man mehr Aufmerksamkeit widmen sollte) und hat den schönen, etwas sperrigen Claim “Crowdsourcing Crisis Information”. Ushahidi – das Wort bedeutet “Zeugenaussage” auf Suaheli – sammelt, sortiert und veranschaulicht Augenzeugenberichte. Es handelt sich um eine internetbasierte Plattform mit einer Software unter CC-Lizenz, die schnell auf einem Server aufgesetzt ist und sowohl vom Mobiltelefon wie auch vom Computer aus angesteuert werden kann. Man lädt Kommentare, Fotos, Filme, Tondokumente unter Angabe des Ortes und der Art des Zwischenfalls hoch und beantwortet so die Frage “Was ist hier gerade passiert?”

“Twitter für Krisengebiete” könnte man es nennen, aber würde damit nicht ganz der politischen Dimension gerecht. Eher schon handelt es sich um die Umsetzung des Gedankens, der im zivilgesellschaftlichen Sinn schön bei FixMyStreet.co.uk abgebildet ist – nämlich um die Nutzung der wahren Kollektiven Intelligenz, nicht um die oft mißverstandene, handelsübliche Verbrämung dieses Begriffs. Diese Eigenschaft des Netzes kommt überall dort zum Tragen, wo die Masse eine Qualität abbildet, die der Einzelne nicht oder nur mit allergrößter Energieaufwendung erreichen kann. In diesem Fall sind es foto- und filmgestützte Augenzeugenberichte, hier das aktuellste Beispiel aus dem Iran.
ushahidi_iranFunktioniert die mit Ushahidi betriebene Internetplattform gut und wird intensiv genutzt (was bei der iranischen Plattform noch nicht der Fall ist), dann ergibt sich etwa in einer Bürgerkriegssituation eine solche Vielzahl verschiedener Berichte von Zeugen, dass eine flächendeckende Fälschung erschwert oder je nach Material fast unmöglich wird. Die mediale Inszenierung einer Krise, wie sie etwa die Hamas in Gaza veranstaltet hat (die aber heute zum Handwerkszeug aller Kriegsparteien in sämtlichen Konflikten gehören dürfte), wird so ein kleines bißchen schwieriger – und das wiederum könnte durchaus (lindernde) Folgen haben für das Vorgehen bewaffneter Kräfte.

Denn diktatorische Herrscher wie Saddam Hussein, denen Fotos vergifteter Kurden völlig egal waren, weil sie kaum in der eigenen Bevölkerung ankamen, sind selten geworden. Nicht, weil es keine Unmenschen mehr in der Politik gäbe, sondern weil die meisten von ihnen verinnerlicht haben, dass auch in autoritären Staaten Information und öffentliche Meinung durchaus eine Rolle spielen. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass etwa die Milizen im Iran in ihren Gewaltexzessen ganz unmittelbar weniger grausam würden durch ein paar Handyfotos im Internet. Aber ihre Führung wird früher oder später den Befehl geben müssen, zumindest nicht mehr allzu offensichtlich Gewalt anzuwenden, um eine Flut ungünstiger Aufnahmen zu vermeiden. Denn ein einzelnes Foto kann man zur Lüge erklären, einen Film als Inszenierung abtun. Bei tausenden Schnappschüssen sieht das anders aus – die schiere Masse ergibt eine Wirkung, gerade auch im eigenen Lager.

Immer wieder begegnet mir die Frage, wie denn bitteschön das Internet die Welt besser machen könne. Hier ist ein Beispiel, das plakativer kaum sein könnte. Es sei denn, man bezweifelt allgemein den Wert von offen zugänglicher Information und politischer Transparenz. Aber dann hat man ganz andere Probleme.

via @Elquee

Read More

Trollforschung aktuell

Jeder, der im Netz ab und zu auf Trolle trifft, also praktisch jeder, fragt sich irgendwann, wie Trolle eigentlich aussehen. Ich kann diese Frage seit einem “Trollüberfall” gestern Nacht beantworten. Sie sehen so aus:
trollfoto1trollfoto2
Die Geschichte dahinter ist durchaus erzählenswert. Aufmerksamen Betrachtern der deutschsprachigen Internetlandschaft wird nicht entgangen sein, dass ich mir im Netz in den letzten Jahren nicht ausschliesslich begeisterte Jubelfreundeskreise geschaffen habe, sondern dass hier und da vereinzelt oder auch mal etwas intensiver Kritik laut geworden ist. Es ist eine Eigenschaft des Internet, dass Kritik ab und zu umschlägt ins Aggressive, ins Pöbelnde, seltener sogar ins Bedrohliche: das Werk von Trollen. Nebenbei bemerkt – eine eigene Diskussion, die ich hier nicht führen möchte – halte ich diese Begeleiterscheinung für eine leider unausweichliche, etwa so, wie sich offenbar die Gesellschaft auch irgendwie damit arrangiert hat, Autos nicht abzuschaffen, obwohl sie in Deutschland 5.000 Menschenleben im Jahr kosten.

Jedenfalls stehen alle meine Kontaktdaten von der Mailadresse über die Handynummer bis zu meiner Adresse im Netz, was dazu geführt hat, dass ich neben unflätigen Kommentaren auch unregelmässig Beschimpfungsmails bekomme. Seit etwa zwei Jahren kriege ich auch anonyme Trollanrufe, die sich interessanterweise seit meinem Auftauchen in der Vodafone-Kampagne im Sommer gehäuft haben; zwischenzeitlich lag die Frequenz bei etwa einem Anruf in der Woche. Meistens gibt es nur ein kurzes Geschimpfe, ab und zu verwirre ich den Anonymling auch durch offensive Freundlichkeit. Einen Höhepunkt erreichte die Multichannel-Trollerei mit der Veröffentlichung des Internet-Manifests, beispielsweise habe ich eine anonyme SMS bekommen, die nur eine Zeichenfolge enthielt, die sich wiederum als Base64-Code entpuppte – mit folgender Bedeutung: “hoffentlich hängen sie dich auf du verrecker“.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht sagen, wie ich zu derartigen Belästigungen durch Trolle oder übers Ziel hinausschießende Kritiker stehe: ich sehe das mit einiger Belustigung und mit forscherischem Interesse, die Wechselwirkungen von Gesellschaft und Internet gerade in den Grenzbereichen gehören schon länger zu meinem Arbeitsgebiet. Ich fühle mich eher selten von den Trollereien gestört, Angst oder Gefühle substanzieller Bedrohung empfinde ich gar nicht. Abgesehen davon ist ja das Schöne daran, publizistisch-schöpferisch zu arbeiten, dass man alle möglichen Alltagserlebnisse verarbeiten kann – in diesem Fall kam die Sixtus-vs-Lobo-Folge “Trolle” heraus, eine der meistgesehenen übrigens.

Im Rahmen der öffentlichen Debatte um das Internet-Manifest habe ich wohl auch die Aufmerksamkeit eines eher zweifelhaften Internet-Forums erregt (dessen Namen ich nicht nennen werde), das man durchaus als Trollnistplatz bezeichnen kann. Dort treffen sich in der Regel junge Männer vollkommen anonym und loten die Grenzen der Provokationsmöglichkeiten im Internet aus. Provokation ist Weg, Ziel und Sinn der Trollerei (dass dabei sogar nicht ausschliesslich Unfug herauskommt, darüber schreibe ich vielleicht mal einen eigenen Artikel). In diesem Forum hat die Beschäftigung mit meiner Person zeitweise extreme Ausmaße angenommen, mehrere hundert Beiträge sind erschienen, was den Betreibern des Forums offenbar so lästig wurde, dass dort die Software inzwischen meinen Namen automatisch in ein Pseudonym verwandelt.

Schliesslich verabredete man sich dort dazu, mich “zu trollen”. Neben hunderten automatisierten Spam-Kommentaren auf diesem Blog und Warenproben-Bestellungen auf entsprechenden Webseiten in meinen Namen wurde auch ein sehr provozierender, einigermaßen zynischer Videoclip zum Tod von Robert Enke dutzendfach auf Youtube und anderen Plattformen veröffentlicht, unter eigens eingerichteten Pseudonymen, die meinen Klarnamen enthielten (zum Beispiel SaschaLobo75). Damit sollte über Bande getrollt werden: unbedarfte Fussballfans sollten gegen mich aufgehetzt werden, denn unter Tarnnamen postete man die Clips in Fan-Foren, samt meiner Adresse und Handynummer. Der Trollerfolg hielt sich in engen Grenzen, ich bekam vier Anrufe: zwei von Mitgliedern des Forums selbst, die so taten als ob, die Anrufe aufzeichneten und in ihr Forum stellten. Ein Anruf kam von einem Fan, der sich überschwenglich entschuldigte, als ich den Sachverhalt kurz aufklärte. Am empörtesten war ein achtjähriger Junge, der aus Hamburg weinend und quiekend ohne Rufnummernunterdrückung anrief und Argumenten gegenüber eher unaufgeschlossen schien.

Diese Zusammenhänge kenne ich, weil ich das Forum aus, sagen wir, forscherisch-journalistischem Interesse beobachtete: wie funktionieren Trolle? Was sind ihre Intentionen? Wie kommunizieren sie? Wie kann man ihnen gegebenenfalls beikommen? Abgesehen davon ist natürlich Feindbeobachtung und Beweismittelsicherung per Screenshot im Zweifel ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Daher weiss ich (inzwischen) auch, dass sich Donnerstag Abend in Berlin Prenzlauer Berg, ein paar hundert Meter von meiner Wohnung entfernt, ein halbes Dutzend Trolle trafen, vermutlich, um Trolldinge zu besprechen. Irgendwann klingelte es mitten in der Nacht zwischen zwölf und ein Uhr an meiner Tür Sturm. An der Gegensprechanlage gaben sich die Klingler als Mitglieder des Trollforums zu erkennen. Aus dem Fenster schauend konnte ich fünf Gestalten ausmachen. Eine davon entfernte sich nach kurzer Zeit. Öffnen wollte ich zunächst nicht, was die Trollpersonen offenbar etwas erboste; sie sahen sich gezwungen, bei sämtlichen Nachbarn zu klingeln. Als sie nach einer guten Viertelstunde noch immer nicht gegangen waren – man weiss aus dem Internetalltag, dass fehlende Hartnäckigkeit eher nicht zu den Schwächen des Trolls an sich gehört – entschloss ich mich auch aus einem Forschungsinteresse heraus zur Konfrontation und ging herunter, und zwar mit einem Fotohandy bewaffnet.

Nach einigen Minuten des heimlichen Lauschens durch die noch verschlossene Haustür – ich hatte das Licht im Flur nicht angemacht – riss ich die Tür unvermittelt auf. Nach einem kurzen, eher zufälligen Gerangel stand ich in der Tür vier jungen, angetrunkenen Männern gegenüber, Anfang bis Mitte zwanzig, alles andere als tumb, aber doch mit einem leicht aggressiven Unterton im allgemeinen Gebaren. “So also sehen diese Trolle aus”, dachte ich bei mir. Bei ihnen herrschte interessierte Verwunderung vor. Sie hatten wohl bereits mit meinem Klingelschild eine Art Devotionalien-Foto erstellt, um ihren Trollfreunden zu beweisen, bei mir gewesen zu sein: ein deutlicher Hinweis darauf, dass zum Trollen auch der Adoleszenz-Klassiker “Mutprobe samt Beweis” gehören kann. Ich verfolgte meinerseits den Plan, der in diesem Blogposting seine Erfüllung findet, nämlich die öffentliche Beantwortung der Fragen: Wie sehen Trolle eigentlich aus? Und was sind das in der Realität für Menschen?

Ich sprach einige Minuten mit den Trollen, um so mehr über diese in der Natur ja so selten anzutreffende Spezies zu erfahren. Als diese Phase in der Unergiebigkeit zu versanden drohte, wechselte ich die Erforschungsstrategie und murmelte Verwirrendes – Verwirrendes zu murmeln gehört zu meinen Stärken – mit dem Ziel, sie einzulullen und dann Fotos von ihnen zu machen. Ich habe dafür sogar im Überrumplungsverfahren um Erlaubnis samt Veröffentlichungsrecht gefragt. Dabei sind die obenstehenden Fotos entstanden. Die Lullmenge habe ich allerdings etwas zu klein dosiert, so dass sich der vierte Troll, wie oben zu sehen, vor dem Foto flugs maskierte. Dann verabschiedete ich mich knapp, Umgangsformen sind ja gerade in komplizierten sozialen Situationen gefragt und ging wieder in meine Wohnung.

Zusammenfassend lassen sich die jüngsten Erkenntnisse der Trollforschung am lebenden Subjekt so beschreiben: die obigen Bilder täuschen nicht. Trolle scheinen die jungen, übermütigen Männer zu sein, die man sich sowieso schon vorgestellt hat. Allerdings sind sie nicht unintelligent und von Angesicht zu Angesicht durchaus kommunikationsfähig. Jedoch fehlt ihnen ein gewisser sozialer Filter (anderenfalls würden sie kaum um halbeins an fremden Türen sturmklingeln), was sich auch darin bemerkbar macht, dass sie zwischenmenschliche Situationen schwer einschätzen können, will sagen: kaum über Empathie verfügen. Im vorliegenden Fall wurde ich am Anfang der Begegnung ernsthaft gefragt, warum ich denn böse gucken würde.

Absichtliche Aggression spielt offenbar eine geringere Rolle als vermutet, denn ein oder zwei Mal drohte die Begegnung zwar ins eher Aggressive umzuschlagen, liess sich aber bereits durch einen simplen Themenwechsel wieder beruhigen. Die vorhandene, leichte Aggression mag auch mit der Angetrunkenheit der Trolle zu tun gehabt haben. Die gesamte Herangehensweise an die konfrontative, soziale Situation schien mir eher eine spielerische zu sein, jedoch mit schwer einzuschätzendem Potenzial für körperliche Offensivitäten.

Spannenderweise waren bei den einzelnen adoleszenten Trollmännchen zwar durchaus Verhaltensunterschiede zu erkennen, der kleinste Troll etwa war der stillste, der schlaksige maskierte der ängstlichste – trotzdem liess sich in Körpersprache und Umzinglungsverhalten keine soziale Rangfolge erkennen – es gab keinen erkennbaren Alphatroll. Sollte hier das Internet, der natürliche Lebensraum des Trolls, bereits hierarchisch nivellierend eingegriffen haben?

Das bleibt ebenso zu erforschen wie meine hierzu aufgestellte Theorie: Es handelt es sich bei den meisten Trollereien um eine Fortsetzung des Klingelstreichs mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts. Das würde auch bedeuten, dass trotz allem Getöse und Bedrohlichkeiten Trolle live, ausserhalb des Internet, wohl harmlos oder sogar ziemlich normal sind (mit der Einschränkung, dass ich gern wissen würde, wie sich eine Gruppe Trollmännchen gegenüber einer Frau verhalten hätte). Und so scheint mir der Erkenntnisgewinn meiner gestrigen explorativen Tätigkeit zu bestätigen, was bereits 2004 im Rahmen des vernetzten Videospiels “Unreal Tournament” genialisch in folgendem Schaubild niedergelegt wurde und als “John Gabriel’s Greater Internet Fuckwad Theory” bekannt geworden ist.
internet_fuckwad_theory

Read More