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	<title>saschalobo.com &#187; Interaktion</title>
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		<title>Der Brief, den Schlecker jetzt schreiben sollte</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Oct 2011 10:51:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ab und zu rufen mich Unternehmen an, die ein Social-Media-Problem haben. Wenn zum Beispiel auf einem praktisch unverlinkten Blog mit drei Artikeln ein Unternehmensvorstand mit Hitler verglichen wird &#8211; das aber unangenehm weit oben in der Google-Suche zum Namen auftaucht. Manchmal aber geht es auch um Shitstorms, für die ich eine gewisse Expertise entwickelt habe. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Ab und zu rufen mich Unternehmen an, die ein Social-Media-Problem haben. Wenn zum Beispiel auf einem praktisch unverlinkten Blog mit drei Artikeln ein Unternehmensvorstand mit Hitler verglichen wird &#8211; das aber unangenehm weit oben in der Google-Suche zum Namen auftaucht. Manchmal aber geht es auch um Shitstorms, für die ich eine gewisse Expertise entwickelt habe. Und in Zeiten von Shitstorms kann man bedeutend mehr falsch als richtig machen, deshalb berate ich Unternehmen in dieser Richtung, wenn ich <del>absurd hohe Honorare</del> einen Sinn darin sehe und Lust darauf habe (ist nicht immer so).</p>
<p>Mit Schlecker habe ich keinerlei geschäftlichen Kontakt, außer dass ich dort meinen Lieblingsdeoroller kaufe. Aber das, was mit und um Schlecker im Internet – Blogs, Twitter, Google+, Facebook, Online-Medien – momentan passiert, ist ein wunderschöner Trainingsshitstorm für deutsche Unternehmen. Also, schön für alle außer Schlecker. Obwohl das Stürmchen relativ egal ist im Vergleich zu ungefähr allem anderen, was derzeit passiert, haben im Moment die nichtschleckerschen Beteiligten ihre helle Freude an seiner Aufrechterhaltung. Schlecker, namentlich der Unternehmenssprecher Florian Baum, sollte deshalb einen Brief (Blogbeitrag) an die Öffentlichkeit schreiben. &#8220;When you&#8217;re in a hole, stop digging&#8221;, so heisst es auf dem mit Marketingweisheiten gesättigten, amerikanischen Sprichwortmarkt. Den Brief habe ich im Folgenden probeweise formuliert: Die andersfarbige, kleine Schrift dazwischen sind meine internen Kommentare, die die strategischen und taktischen Funktionen des Briefs erläutern sollen.</p>
<blockquote><p>Liebe digitale Öffentlichkeit,</p>
<p>wir, das Unternehmen Schlecker, und ich, Florian Baum, sind erstaunt. Nicht die angenehme Art von Erstaunen, das lässt sich vermutlich erahnen. Es fühlt sich eher an, als würde man einen kritischen Unbekannten auf der Straße treffen, der verwickelt einen in ein Gespräch, man versucht etwas unbeholfen, verständnisvoll zu sein – und stellt hinterher fest, dass das Gespräch live ins Fernsehen übertragen wurde.</p>
<blockquote><p style="font-size:9px;color:blue;">
Im ersten Abschnitt werden explizit zwei Parteien ins Spiel: Baum und Schlecker. Der Sprecher soll alles Negative auf sich ziehen, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Die Situation wird auf eine Art beschrieben, die für jeden nachvollziehbar ist und zumindest ein gewisses Verständnis für Schlecker aufkommen lässt. Der Vergleich ist essentiell, um die Deutungshoheit über das Geschehene zu gewinnen. Dazu kommt mit &#8220;unbeholfen&#8221; die erste Andeutung eines eigenen Fehlers.
</p>
</blockquote>
<p>Ich habe einen Fehler gemacht. Genau genommen habe ich sogar mehrere Fehler gemacht. Nicht soviele wie damals, als ich in der achten Klasse unglücklich verliebt war und zweimal sitzen blieb – aber drei oder vier sind es schon:</p>
<p>• Ich habe völlig unterschätzt, welche Wellen ein Brief schlagen kann, von dem ich dachte, ihn an eine Einzelperson zu schreiben<br />
• Ich habe mich zu Formulierungen hinreissen lassen, die in der Öffentlichkeit missverstanden werden mussten (das war unklug und unsympathisch)<br />
• Ich habe diese beiden Fehler viel zu spät bemerkt und deshalb<br />
• versucht, sie so gut es geht zu verteiden. Was nicht so wahnsinnig gut geklappt hat.</p>
<p>Das alles tut mir leid, besonders, falls sich jemand angriffen oder verspottet gefühlt haben sollte. </p>
<blockquote><p style="font-size:9px;color:blue;">
Der zweite Abschnitt ist auf die Fehler bezogen – wenn Shitstorms vorhanden sind, muss jemand Fehler gemacht haben. Findet die Öffentlichkeit jedenfalls, und um die geht es hier, deshalb entschuldigt man sich. Persönlicher Stolz ist gefälligst an der Garderobe abzugeben. Zugegeben werden die Fehler von der Einzelperson, wenn irgend möglich (gibt auch andere Fälle). Deshalb fängt hier jeder Punkt mit &#8220;ich&#8221; an. Das Unternehmen wird damit aus dem Fokus geschoben. Mit einem überraschenden, unterhaltsam formulierten Eingeständnis eigener Unzulänglichkeit am Anfang (&#8220;sitzen geblieben&#8221;) wird eine erfrischende Distanz zur eigenen Person aufgebaut. Das wirkt der fatalen Arroganz des ersten Briefs entgegen. Trotzdem wird das Wort &#8220;Arroganz&#8221; vermieden, es tritt sich sonst fest. Dazu kommt eine explizite Entschuldigung in der Sache, die aber die Vorwürfe nicht explizit wiederholt. Die Entschuldigung wird halbgar nicht relativiert.
</p>
</blockquote>
<p>Dass die Situation – für uns so überraschend – eskalieren konnte, liegt an etwas für mich einigermaßen Neuem: Fachleute sprechen von &#8220;Social Media&#8221;. Ich glaube, dabei handelt es sich eigentlich um Sie alle. Ich habe zwar (drei Semester über der Regelstudienzeit wegen eher durchschnittlichen Organisationstalents) etwas mit Medien studiert, aber damals gab es das noch nicht, das Internet von heute. Wo man mit vielen, mit ausgesprochen vielen Leuten in direktem Kontakt steht und wo deshalb Regeln herrschen, mit denen ich noch nicht allzuvertraut bin. Obwohl ich regelmäßig Beiträge in unserem Unternehmensblog schreibe, ist für die meisten vermutlich keine Riesenüberraschung, dass ich persönlich bisher mit Social Media nicht soviel anfangen konnte. Aber daraus ergibt sich eine Chance.</p>
<blockquote><p style="font-size:9px;color:blue;">
Im dritten Abschnitt folgt in direkter Ansprache ein subtiles Kompliment für die Leser und Shitstormteilnehmer: Ihr habt etwas Wichtiges verstanden, was ich so noch nicht kannte. Das ist auch das Eingeständnis der eigenen, persönlichen Unzulänglichkeit – aber diesmal im Fachlichen (es gab ja menschliche und fachliche Fehler bisher). Deshalb wird behutsam erklärt, warum hier offensichtlich ein Mangel an KnowHow herrscht, direkt verbunden mit einer Wendung ins Positive: der folgende Abschnitt über die Chancen wird vorbereitet.
</p>
</blockquote>
<p>Denn wenn Sie mir auch nichts glauben, dann doch wenigstens, dass wir, das Unternehmen Schlecker und insbesondere ich, die Kraft und die Energie des Internet in den letzten Tagen kennengelernt haben. Die Chance liegt nun darin, diese Kraft auch im positiven Sinn zu nutzen. Mir persönlich will nicht in den Kopf, dass diese sozialen Medien angeblich nur für den Aufschrei taugen sollen – darin muss gerade für Unternehmen auch eine Chance liegen. Und die wollen wir versuchen zu nutzen (und würden uns freuen, wenn Sie dabei mitmachen, müssen Sie aber natürlich nicht).</p>
<blockquote><p style="font-size:9px;color:blue;">
Der vierte Abschnitt ist der Zukunft zugewandt und dreht die Kraft der eben leicht angeschleimten, digitalen Öffentlichkeit ins Positive. Sowie von Zukunft und positiven Dingen die Rede ist, kommt auch wieder das Unternehmen Schlecker ins Spiel. Die Chancen werden hervorgehoben, die Digitale Öffentlichkeit eingeladen mitzumachen, ohne sich allzu uncharmant aufzudrängen. Und es gibt ein Versprechen, sich mit den Leuten im Internet – die das Stürmchen ja verursacht haben – positiv auseinanderzusetzen. Das erhöht die Aufmerksamkeit für folgende, positive Aktionen.
</p>
</blockquote>
<p>Abschließend wollen wir uns für den ärgerlichen Eindruck entschuldigen, der durch meine Fehler entstanden ist. Wir wollen alles dafür tun, um zu beweisen, dass dieser Eindruck falsch ist: wir mögen nämlich unsere Kunden, alle Kunden, sie zahlen uns die Miete, wir sind von ihnen abhängig. Und das ist auch der Grund, warum wir versuchen, Artikel, die jeder braucht, so preisgünstig anzubieten, dass sie auch jeder kaufen kann.</p>
<blockquote><p style="font-size:9px;color:blue;">
Im Schlussteil aber nicht zu positiv euphorisch werden, es handelt sich immerhin um eine Art Entschuldigungsbrief mit zerknirschter Grundstimmung. Deshalb nochmal eine explizte Entschuldigung, auch von Schlecker (&#8220;…wollen wir uns ent…&#8221;), ohne das Unternehmen dabei in den Vordergrund zu rücken. Nochmal persönlich Stellung beziehen (&#8220;meine Fehler&#8221;). Dann drehen ins Pathos. Pathos ist verrufen, aber nur bei (hihi) Hochgebildeten Superironikern, bei den meisten kommt Pathos gut an, wenn es richtig eingesetzt wird. Schlecker hat viele Jahre daran gearbeitet, dass Drogerieartikel in Deutschland erschwinglicher sind als irgendwo sonst (im Verhältnis), das kann man also ruhig andeuten.
</p>
</blockquote>
<p>Mit lieben Grüßen,<br />
Florian Baum<br />
Unternehmenssprecher Schlecker<br />
Social Media-Beauftragter in spe</p>
<blockquote><p style="font-size:9px;color:blue;">
Halb ernsthafter, halb unterhaltsamer Schlussakkord im neuen Titel des Unternehmenssprechers, der eine nachhaltige Änderung der Haltung und des Verständnis anzeigen soll
</p>
</blockquote>
</blockquote>
<p>Anmerkung: wenn dieser Brief bei Euch jetzt nicht mehr funktionieren sollte, liegt das natürlich zum einen an der unendlichen Weisheit der digitalen Öffentlichkeit, also von Euch, und zum anderen an dem, was Goethe so formuliert hat: &#8220;Man erkennt die Absicht und ist verstimmt.&#8221;</p>
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		<title>Das Facebook-Novum</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Mar 2011 00:05:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[crowd]]></category>
		<category><![CDATA[facebook]]></category>
		<category><![CDATA[guttenberg]]></category>

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		<description><![CDATA[tl;dr: Die Facebook-Page &#8220;Wir wollen Guttenberg zurück&#8221; hat nach meiner Einschätzung weitgehend echte Fans. Der &#8220;Call for Crowd Action&#8221; vom vergangenen Freitag hat ein für mich erstaunliches Echo gefunden: neben über 900 Kommentaren kamen vor allem fast 100 Mails mit allen möglichen Hinweisen, von quasiprofessionellen Datenauswertungen bis zu Mutmaßungen. Mehrere Scripte sind geschrieben worden, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>tl;dr: Die Facebook-Page &#8220;Wir wollen Guttenberg zurück&#8221; hat nach meiner Einschätzung weitgehend echte Fans.</strong></p>
<p>Der &#8220;Call for Crowd Action&#8221; vom vergangenen Freitag hat ein für mich erstaunliches Echo gefunden: neben über 900 Kommentaren kamen vor allem fast 100 Mails mit allen möglichen Hinweisen, von quasiprofessionellen Datenauswertungen bis zu Mutmaßungen. Mehrere Scripte sind geschrieben worden, die die Steigerung der Zahl der Fans der Guttenberg-Page auslesen, ein paar Datensätze sind lange vor meinem Aufruf angefertigt worden, insgesamt gibt es sehr, sehr umfangreiches Datenmaterial. Vielen und sehr herzlichen Dank dafür an alle, die sich beteiligt haben. </p>
<p>Zunächst zu den im Ausgangsartikel beschriebenen Methoden – die Sammlung von Screenshots ist durch die Scripte hinfällig geworden, die schon früh eingesetzt worden sind und die Beschreibung von aussagekräftigen Wachstums-Graphen erlauben. Die zweite Methode ging wie von mir beschrieben von einigen Ausgangsvoraussetzungen aus, um überhaupt aussagekräftig sein zu können. Tatsächlich ist, wenn man die geposteten Zahlen betrachtet, die aufgrund ihrer Größe eine ausreichende Aussagekraft haben könnten, der Anteil der Guttenberg-Fans bei vielen kleiner als erwartet – teilweise auffällig kleiner. Eine mögliche Erklärung dafür ist noch wesentlich interessanter als irgendein Tool, mit dem man Fakeprofile steuern kann: Vielleicht hat Guttenberg Leute zu Facebook gezogen, die vorher nicht da waren – und zwar eine ganze Menge. Die Zahlen von Socialbakers, einem Statistikdienst vor allem für Facebook, sind im Detail nicht übermäßig präzise, <a href="http://www.socialbakers.com/facebook-statistics/germany/last-3-months#chart-intervals">lassen in der 3-Monatsauswertung durchaus den Schluß zu, dass sich im letzten Drittel des Februar deutlich mehr Leute bei Facebook angemeldet haben als in vergleichbaren Zeiträumen</a>.</p>
<p>Aber die vielen verschiedenen Beiträge, die durch die Crowd geleistet worden sind, haben dem Aufruf doch einen Sinn gegeben. Einige ausgewählte finden sich im Folgenden als Teil der Auswertung, viele andere bleiben unerwähnt &#8211; aber alle haben zumindest beigetragen, dass ich für mich zu einer recht eindeutigen Einschätzung gelangt bin: Ich glaube, dass die überwiegende Anzahl der Fans der Seite echt sind. Beweise habe ich nicht, und selbstredend ist es möglich, dass ich mich täusche. Aber es gibt starke &#8211; für mich ausreichend starke – Indizien, die auf die weitgehende Echtheit hindeuten:</p>
<p><strong>1. Indiz</strong><br />
Das wichtigste Argument ist die für Facebook offenbar absolut übliche Wachstumskurve. Die Twitternutzer <a href="http://twitter.com/scytale">@scytale</a> und <a href="http://twitter.com/marekventur">@marekventur</a> haben die Daten mit denen der Page der Sendung &#8220;Germany&#8217;s Next Top Model&#8221; verglichen – und auch mit den Wachstumsdaten der Page gegen Guttenberg. Hier ist das recht eindeutige Ergebnis:</p>
<p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2011/03/guttenberg_facebook2-e1299538834847.png" alt="" title="guttenberg_facebook2" width="608" height="442" class="aligncenter size-full wp-image-2300" /><br />
<img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2011/03/guttenberg_facebook1-e1299538895801.png" alt="" title="guttenberg_facebook1" width="608" height="440" class="aligncenter size-full wp-image-2301" /></p>
<p><strong>2. Indiz</strong><br />
Facebook hat auf meine Anfrage hin nochmal in den Daten gewühlt und festgestellt: </p>
<blockquote><p>&#8220;[…], es können da und dort Fakes dabei sein &#8211; aber nicht en masse&#8221;. </p></blockquote>
<p>Hierzu muss man sagen, dass natürlich immer wieder Unzulänglichkeiten von Facebook bekannt werden, auch technischer Natur. Zum Beispiel habe ich häufiger einen Hinweis auf aktuelle spam- oder wurmartige Aktivitäten zugesendet bekommen, die in <a href="http://www.d-mueller.de/blog/reingefallen-wie-man-sich-auf-facebook-likes-erschleicht/">diesem Artikel beschrieben werden: &#8220;Wie man sich auf Facebook Likes erschleicht&#8221;</a>. Theoretisch käme dieses Prinzip technisch auch bei der Guttenberg-Page in Frage. Aber &#8211; in dieser Größenordnung hätte das nicht unbemerkt bleiben können. Ebenso wenig, wie man aus Versehen zwei Drittel einer Doktorarbeit kopieren kann ohne es zu merken, können mehrere hunderttausend Facebook-Nutzer Fans werden, ohne es zu merken. Trotz solcher und anderer Unzulänglichkeiten von Facebook muss man zugestehen, dass dort in den allermeisten Fällen schnell und technisch präzise auf Fakes reagiert worden ist. Die Erstellung von gefälschten Profilen ist zwar möglich, aber alles andere als trivial. Noch schwieriger dürfte es sein, sechsstellige Anzahlen von Profilen so zu fälschen, dass auch die Techniker von Facebook – die jeden Tag mit Fakes zu tun haben – mit den Möglichkeiten der Administratoren das nach mehrfacher Prüfung nicht erkennen. </p>
<p><strong>3. Indiz</strong><br />
Der Journalist Marcus Schwarze von der Rheinzeitung hat vom Ersteller der Seite einen Admin-Zugang bekommen, der einen Blick in die internen Facebook-Statistiken erlaubt. <a href="http://blog.rhein-zeitung.de/?p=14083">Er hat dort Zahlen und Detailstatistiken gefunden, die – sowohl was die Interaktionen angeht wie auch vom Traffic her – den Schluss zulassen, dass der Großteil der Page-Besucher echt sind</a>. </p>
<p>Natürlich bleiben Ungereimtheiten. Natürlich gibt es einzelne Accounts, die ganz eindeutig Fakes sind. Natürlich kann es sein, dass Betrüger aus welchen Gründen auch immer auf den Zug aufgesprungen sind, etwa, um mit repititiven Massenpostings Traffic für zweifelhafte Seiten zu generieren. Die Kommentare auf der Wall der Page lockten ja durchaus mit der Anmutung, dass der Großteil der Leute dort, sagen wir: eher anfällig für plumpe Klickfallen schienen. Und natürlich ist noch nicht gesagt, ob nicht etwa die ersten zehntausend Page-Fans gefaket waren, um einen Anschub zu geben. Aber würde es wirklich eine Rolle spielen, wenn zum Beispiel 100.000 der fast 600.000 Fans Fakes wären?</p>
<p>Das wichtigste und <strong>4. Indiz</strong> für die Echtheit der Page-Fans aber ist die Entwicklung der digitalen Gesellschaft in Deutschland selbst. Etwa 20% der Bevölkerung oder 17 Millionen Deutsche sind auf Facebook. Es liegt nahe, dass es sich inzwischen um einen einigermaßen ausgewogenen Querschnitt durch die Bevölkerung handelt, natürlich mit der Tendenz, jünger, progressiver, gesellschaftlich aufgeschlossener zu sein. Aber eben nur mit der Tendenz. Es ist unbestritten, dass Guttenberg ein mediales Massenphänomen war. Jemand, der Leute ansprach, von denen man sich irgendwie schon dachte, dass sie exakt so seien, wie sie sich später auf der Fan-Page dann auch präsentiert haben. Ohne Häme und intelligent analysiert hat das der Twitternutzer <a href="http://twitter.com/haekelschwein">@haekelschwein</a> in einem <a href="http://www.netzpolitik.org/2011/spas-mit-rucktritt-wir-wollen-guttenberg-zuruck/#comment-416171">Kommentar auf dem Blog netzpolitik.org</a>. Der ehemalige Verteidigungsminister hat eher nach dem Prinzip Justin Bieber funktioniert als nach politischen Maßstäben, dementsprechend sind zu seiner Beschreibung auch eher Popstar-Mechaniken geeignet. Guttenberg wurde von seinen Fans &#8211; <a href="http://www.youtube.com/watch?v=0LXGYMfG7bQ">die oft keine einzige konkrete Tat ihres Idols benennen konnten</a> – in erster Linie ästhetisch und emotional beurteilt und nicht politisch. Von ihm bleibt mehr Haargel als politische Substanz. Niemand aber hätte Verdacht geschöpft, wenn ein Popstar wie zum Beispiel Dieter Bohlen in wenigen Tagen eine halbe Million Fans versammelt hätte, jeder hätte gedacht &#8211; ja nun, so sind die Menschen, in ihrer irrationalen Begeisterung fühlen und handeln sie oft unerklärlich. </p>
<p>Und darin liegt der Schlüssel zu der Merkwürdigkeit: als aufgeklärter Netzteilnehmer konnte und wollte man sich bisher einfach nicht vorstellen, dass eine halbe Million Menschen unter den gegebenen Betrugs-Umständen ernsthaft für die weitere politische Betätigung Guttenbergs ist &#8211; und gleichzeitig im Netz unterwegs ist, das <a href="http://blog.mathias-richel.de/2011/03/07/gut-dass-ihr-da-seid-oder-warum-das-netz-konservative-bewegungen-braucht/">doch irgendwie eher progressiv und liberal</a> war. Bisher. Wenn ich ähnlich starke Indizien für das Fake-Szenario gefunden hätte, hätte ich vermutlich nicht gezögert, laut &#8220;Betrug!&#8221; zu rufen. Aber manchmal passen einem Erkenntnisse so gar nicht in den Kram und sind doch richtig.</p>
<p>Der digitale Marsch der halben Million nach Guttenberg zeigt vor allem eines: jahrelang hat man sich gefragt, wann abgesehen von Mails und Online-Banking das Volk endlich wirklich im Internet ankommt. Und jetzt ist es da.</p>
<p>Nachtrag<br />
Die äußerst geringe Zahl von Demonstrationsteilnehmern erklärt sich meiner Meinung nach daraus, dass es kein niedrigschwelligeres &#8220;politisches Engagement&#8221; gibt als ein Klick auf Facebook. Dementsprechend ist es kaum möglich, allein daraus irgendetwas über eine mühevolle Demonstrationsteilnahme abzuleiten, in die eine wie in die andere Richtung.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Call for Crowd Action: Betrügt die Guttenberg-Seite auf Facebook mit den Fan-Zahlen?</title>
		<link>http://saschalobo.com/2011/03/04/call-for-crowd-action-betrugt-die-guttenberg-seite-auf-facebook-mit-den-fan-zahlen/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=call-for-crowd-action-betrugt-die-guttenberg-seite-auf-facebook-mit-den-fan-zahlen</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Mar 2011 14:07:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
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		<category><![CDATA[facebook]]></category>
		<category><![CDATA[guttenberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Schummelt irgendjemand (muss ja nicht der Seiten-Admin sein) mit der Facebook-Page &#8220;Wir wollen Guttenberg zurück&#8221;? Lasst uns versuchen, es gemeinsam herauszufinden &#8211; wie, das steht in diesem Artikel. Nachtrag, Freitag, 20:15 &#8211; ich habe ein Google Doc publiziert namens &#8220;Facebook Fake Finding Force&#8221;, kurz: #4F, in dem die bisherigen Erkenntnisse gesammelt werden, die in den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Schummelt irgendjemand (muss ja nicht der <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/facebook-seite-wir-wollen-guttenberg-zurueck-marius-die-geister-die-er-rief-1659943.html">Seiten-Admin</a> sein) mit der Facebook-Page &#8220;Wir wollen Guttenberg zurück&#8221;? Lasst uns versuchen, es gemeinsam herauszufinden &#8211; wie, das steht in diesem Artikel.</strong></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><strong>Nachtrag, Freitag, 20:15 &#8211; ich habe ein <a href="http://1.ly/FakeFindingForce">Google Doc publiziert</a> namens &#8220;Facebook Fake Finding Force&#8221;, kurz: #4F, in dem die bisherigen Erkenntnisse gesammelt werden, die in den Kommentaren und auch per Mail an mich eingetroffen sind. Kurzlink ist http://1.ly/FakeFindingForce</strong></span></p>
<p>Es begann einigermaßen plausibel: zu Guttenberg füllt die Hallen und die Seiten des Boulevard &#8211; warum sollte er nicht auch die Facebook-Massen begeistern können? Zumal Facebook in Deutschland wächst wie verrückt, inzwischen gibt es mehr als 16 Millionen aktive Mitglieder. Bis etwa 200.000 Fans der Gruppe &#8220;<a href="http://www.facebook.com/pages/Wir-wollen-Guttenberg-zur%C3%BCck/136786223053705">Wir wollen Guttenberg zurück</a>&#8221; war meine Einschätzung: überraschend, aber nicht unmöglich, eher sogar wahrscheinlich.</p>
<p>Ab 300.000 Fans begannen meine Zweifel, vor allem geschürt durch die Häufung der Profile der Page-Mitglieder wie dieses: <a href="http://www.facebook.com/profile.php?id=100001935993936">Anna-Lena Breitenberger</a>* hat keine Interessen außer Guttenberg (auf verschiedenen Pages) &#8211; und offenbar auch keine anderen Friends, keine Bio, kein nichts. Hätte ich es noch für realistisch gehalten, dass jemand von Freunden animiert sich extra auf Facebook anmeldet, um Guttenberg zu unterstützen, so ist es doch unwahrscheinlich, dass diese Person nicht einmal diejenigen als Freunde hinzufügt, die sie darauf aufmerksam gemacht haben. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.</p>
<p><strong>Auch den Facebook-Fake mithilfe der Crowd aufdecken</strong><br />
Bei 500.000 Fans und nach <a href="http://medienstratege.de/2011/03/alles-nur-ein-fake-neue-indizien-auf-gefalschte-guttenberg-fans/">Entdeckung dieses Artikels, der die Merkwürdigkeit der sehr konstanten Steigerung der Fan-Zahlen beschreibt</a>, habe ich beschlossen, irgendwie zu überprüfen, ob sich konkretere Anzeichen für falsche Fans finden lassen. Und zwar mithilfe der Crowd, der Vielen im Netz, die auch schon zu zu Guttenbergs Fall beigetragen haben &#8211; und mit zwei Methoden, um Anhaltspunkte zu finden.</p>
<p><strong>1. Methode</strong><br />
Die erste Methode ist sehr einfach: ich bitte darum, die Zahl der Fans der Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt zu posten, wenn irgend möglich, als Screenshot, um nachvollziehbar zu bleiben. Ich habe zum Beispiel einen <a href="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2011/03/Bildschirmfoto-2011-03-01-um-22.08.40.jpg">Screenshot vom 1. März, 22.08 Uhr, wo die Page 229.069 Fans</a> hat. Wenn genügend von diesen Daten zusammenkommen, kann man eine Kurve berechnen, deren Regelmäßigkeit Aufschluss gibt über eine eventuelle maschinelle Unterstützung der Page. Insbesondere Daten/Screenshots tief aus der Nacht wären hier interessant. Ich bitte um heftiges Posten in den Kommentaren.</p>
<p><strong>2. Methode</strong><br />
Die zweite Methode ist nicht ganz simpel, sie ist eine arithmetische Annäherung an die Wahrscheinlichkeit, mit der bei der Guttenberg-Page die Zahl der MItglieder künstlich hochgetrieben wird. Sie beruht darauf, dass jedes Facebookmitglied sehen kann, wieviele seiner Freunde eine Page mögen, bzw. Mitglied sind &#8211; unabhängig davon, ob man sie selbst mag oder nicht. Zum Zeitpunkt dieses Screenshots (11.05 Uhr, heute am Freitag) hat die Page 545.982 Fans. Mein Profil hat 4.917 Friends, davon mögen 145 die Guttenberg-Page.<br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-2273" title="gutten_gruppe" src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2011/03/Bildschirmfoto-2011-03-04-um-11.06.30.jpg" alt="" width="608" height="237" /><br />
Daraus ergibt sich, dass 0,02655% der Guttenberg-Fans auch meine Friends sind. Das allein ist ersteinmal unverdächtig, obwohl nach kurzer Durchsicht und Rückfrage geschätzt ein Drittel der Fans unter meinen Friends offensichtlich ironisches Interesse an der Gruppe haben &#8211; aber das ist in Kauf zu nehmen, Mitglied ist Mitglied. Schaue ich mir jedoch die <a href="http://www.facebook.com/profile.php?id=685101756#!/AngelaMerkel">Page von Angela Merkel</a> an, dann hat sie 74.353 Fans, davon sind 147 meine Friends, das ergibt 0,1977% Merkelüberschneidungen. Seltsam &#8211; ein siebeneinhalbtel der Mitglieder, aber fast die gleiche Anzahl von Überschneidungen? Schaue ich auf die <a href="http://www.facebook.com/bild">Page der BILD-Zeitung</a>, dann hat diese zum Zeitpunkt des Screenshots (heute, 11.05 Uhr) 111.398 Fans &#8211; und davon sind 214 meine Friends. Das gibt interessanterweise einen Überschneidungswert, der dem von Angela Merkel sehr ähnlich ist, nämlich 0,1921%. Die <a href="http://www.facebook.com/zuGuttenberg">Page von Karl-Theodor zu Guttenberg</a> selbst eignet sich natürlich auch für die Überprüfung: 219 der insgesamt 197.414 Fans finden sich unter meinen Friends. Es ergibt sich ein Überschneidungswert von 0,1109% – etwas weniger als für BILD und Merkel, aber immer noch mehr als viermal so hoch wie bei der &#8220;Guttenberg zurück&#8221;-Page – allesamt also signifikante Abweichungen.</p>
<p>Natürlich kann ich mit meiner recht offen vorgetragenen politischen Einstellung nicht davon ausgehen, dass meine Friends auf Facebook auch das Epizentrum der konservativen Bewegung sind. Aber eine gewisse Konsistenz innerhalb verschiedener irgendwie konservativer Bewegungen müsste ansatzweise gegeben sein. Trotzdem sagen diese Zahlen noch verhältnismäßig wenig aus, denn die große Aufmerksamkeit der Page auch im Fernsehen, die häufige mediale Erwähnung und Verlinkung und die erwiesene Hysterie der Guttenberg-Fans bieten durchaus die Möglichkeit, dass das Phänomen echt ist.</p>
<p>Und an dieser Stelle kommt wiederum die Crowd ins Spiel. Je mehr Leute posten, wieviele Freunde sie haben und wie hoch die Überschneidungen mit den obenstehenden vier Pages sind, desto weniger fällt der Bias durch die einzelne Person ins Gewicht, zum Beispiel die politische Ausrichtung. Zu bedenken ist aber trotzdem noch: vor allem die zweite Methode geht von einer ganzen Menge Vorannahmen aus und hat damit definitiv ihre Schwachstellen.</p>
<p>Ihr alle könnt aber mithelfen, herauszufinden, wie hoch etwa die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Guttenberg-Page mit gefakten Unterstützer-Profilen arbeitet. Wenn genügend Leute zusammenkommen, lässt sich noch genauer ausrechnen, wie hoch die Abweichung ist, und infolge dessen auch die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um gefakte Fans handelt. Beweisen wird man so nichts können, aber Anhaltspunkte wären es schon. Und das sind wir ja aus den Guttenberg-Angelegenheiten gewohnt.</p>
<p>Ich bitte also darum, neben den Screenshots der Fan-Zahlen (s.o.) in die Kommentare hineinzuposten:<br />
• Die Zahl der eigenen Freunde<br />
• Die Zahl der Überschneidungen mit der <a href="http://www.facebook.com/pages/Wir-wollen-Guttenberg-zur%C3%BCck/136786223053705">&#8220;Guttenberg-zurück&#8221;-Page</a><br />
• Die Zahl der Überschneidungen mit der <a href="http://www.facebook.com/profile.php?id=685101756#!/AngelaMerkel">Merkel-Page</a><br />
• Die Zahl der Überschneidungen mit der <a href="http://www.facebook.com/bild">BILD-Page</a> (falls nicht offensiv aussortiert&#8230;)<br />
• Die Zahl der Überschneidungen mit der <a href="http://facebook.com/zuGuttenberg">offiziellen Guttenberg-Page</a><br />
sowie einen Link zum eigenen Profil der Nachvollziehbarkeit halber.</p>
<p>Bei mir würde das so aussehen:<br />
4.917 &#8211; 145 &#8211; 147 &#8211; 214 &#8211; 219</p>
<p>Am Montag oder Dienstag würde ich dann die Daten auswerten, wenn genügend vorhanden sind und auch nochmal Experten wie <a href="http://facebookmarketing.de">Philipp und Jens von Facebook-Marketing</a> vorlegen; eine Anfrage an Facebook selbst läuft ebenfalls schon. Danke im voraus für Eure Beteiligung und Weiterverbreitung.</p>
<p><strong>* Update (Freitag, 16:36)</strong><br />
Unterdessen bestätigt mir Facebook, dass das oben verlinkte Profil von Anna-Lena Breitenberger &#8220;absolut echt&#8221; sei. Sorry, Anna-Lena.</p>
<g:plusone href="http://saschalobo.com/2011/03/04/call-for-crowd-action-betrugt-die-guttenberg-seite-auf-facebook-mit-den-fan-zahlen/"  size="standard"   ></g:plusone>]]></content:encoded>
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		<title>Vortrag zur Re:publica</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Jan 2011 17:40:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[republica]]></category>
		<category><![CDATA[vortrag]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Bloggerkonferenz re:publica XI (13. bis zum 15. April) habe ich eine schöne, jährliche Tradition (seit 2010) entwickelt: die Einreichung eines Vortragsthemas, über das die Leser dieses Blogs abstimmen dürfen. Beim letzten Mal entschieden sich die Umfragenteilnehmer für &#8220;How to survive a shitstorm&#8221;. Das fast einstündige Youtube-Video wurde inzwischen über 19.000 Mal angesehen, vermutlich weil [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Zur Bloggerkonferenz <a href="http://re-publica.de/11/">re:publica XI</a> (13. bis zum 15. April) habe ich eine schöne, jährliche Tradition (seit 2010) entwickelt: die Einreichung eines Vortragsthemas, über das die Leser dieses Blogs abstimmen dürfen. Beim <a href="http://saschalobo.com/2010/01/06/abstimmung-mein-vortrag-auf-cebit-webciety-und-republica-2010/">letzten Mal entschieden</a> sich die Umfragenteilnehmer für &#8220;How to survive a shitstorm&#8221;. Das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=-OzJdA-JY84">fast einstündige Youtube-Video</a> wurde inzwischen über 19.000 Mal angesehen, vermutlich weil das Publikum vorher votet, was es nachher auch sehen möchte.</p>
<p>Dieses Jahr möchte ich weitergehen und nicht nur das Thema des Vortrags, sondern auch den Vortragsstil zur Abstimmung bringen. Zwischen polemischer Publikumsbeschimpfung und seriöser Analyse mit beinahe wissenschaftlichem Hintergrund ist eine Menge denkbar und weiter unten deshalb auch auswählbar. Das Ergebnis soll in wenigen Tagen am 31. Januar um 13 Uhr feststehen, denn die Einreichungsfrist für Vortragsvorschläge zur re:publica endet Ende Januar.</p>
<p><strong>Vortragsthema</strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Trollforschung – jüngste Erkenntnisse</span><br />
Im Dezember 2009 habe ich erstmals <a href="http://saschalobo.com/2009/12/04/trollforschung-aktuell/">Erkenntnisse über die Trolllandschaft</a> aufgeschrieben, die ich teilweise in &#8220;How to survive a shitstorm&#8221; habe einfliessen lassen. Die Trollforschung selbst ist ein noch junges Feld, das in diesem Vortrag vertieft werden soll. Insbesondere Anti-Troll-Strategien anhand von konkreten Beispielen werden benannt und vorgeführt. Darüberhinaus soll auch in die Kunst des Trollens selbst eingeführt werden und die durchaus vorhandenen postiven Funktionen des Trolltums herausgestellt werden. Mit interaktiver, kollektiver Livetroll-Übung!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Das deutschsprachige Internet &#8211; eine Bestandsaufnahme</span><br />
Das deutschprachige Internet, seine Akteure und Aktionen, seine Modi und Mechanismen, seine Riten und Rätsel, seine Plattformen und Prozesse sind der Inhalt dieses Vortrags, und zwar im vollen Bewusstsein der Unmöglichkeit der Vollständigkeit dieses Unterfangens. Dabei sollen die länderspezifischen Eigenarten auf eine Weise herausgestellt werden, die die Abstraktion des für normal Gehalteten ermöglicht. Insbesondere soll hier auf die prototypischen Elemente des deutschsprachigen Internet eingegangen werden, inklusive völlig ungerechter, aber zutreffender Typisierungen und Vorurteilsvertiefungen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Die Welt 2026</span><br />
In fünfzehn Jahren sieht die Welt zweifellos anders aus, aber wie? Atombetriebene MacBooks? Digitale Demokratur? Alles augmented? Das Internet eine Facebook-App? Oder der Börsengang des Internet? Apple führt die Todesstrafe ein? In diesem Vortrag soll über diese zugegeben plumpen Fragen hinaus in Szenarien erforscht werden, wie die Digitale Welt sich entwickeln könnte und in ihrem Fahrwasser die Kohlenstoffwelt. Zusätzlich zu den Szenarien werden drei bis fünf Geschäftsmodelle der Zukunft vorgestellt (mit 97% Erfolgsgarantie ab 2026).</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Seid Ihr eigentlich bescheuert?</span><br />
Vorwürfe satt.</p>
<p><strong>Vortragsstil</strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Sachlich &amp; unterhaltsam</span><br />
Sauber faktenrecherchiert, aber vollgepumpt mit anekdotischer Evidenz, populärwissenschaftlich präsentiert im beliebten Plauderstyle des Funfeuilleton mit Sachbuchneigung. Eigenbeispiel: &#8220;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=YAlGk6NKZHI">Dinge geregelt kriegen</a>&#8220;.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Pöbelnd &amp; unterhaltsam</span><br />
Kraftvoll durchge<a href="http://www.urbandictionary.com/define.php?term=rant">rant</a>et, die Kunst der Rundumbeleidigung auf geschmacklose Weise verbunden mit verletzenden Unterstellungen, zart erkenntnisdurchwirkte Beschimpfungen mit und ohne Hand und Fuß. Eigenbeispiel: <a href="http://wirres.net/article/articleview/5667/1/6/">Antwortantwortantwort auf wirres.net</a></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Vermutig &amp; unterhaltsam</span><br />
Nassforsch reinbehauptet, stark anprognostiziert, mutig vermutend, steil aufgestellt, gehalten im Stil der gesellschaftlichen Großvermutung mit medialer Wirkungsmaximierung dank höchster Punchline-Sättigung. Eigenbeispiel: &#8220;<a href="http://wirnennenesarbeit.de/index.html?nr=20080709223500">Wir nennen es Arbeit</a>&#8220;.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Unterhaltsam &amp; unterhaltsam</span><br />
Auf Pointe gebürstet und nur auf Pointe gebürstet, realitätsbezogene Daten und Zahlen allenfalls stichwortgebend benutzend oder erfindend oder alternativ ignorierend, jeden Winkel des Themas auf Gagpotenzial abklopfend. Eigenbeispiel: &#8220;<a href="http://www.n24.de/news/newsitem_5430655.html">Links Rechts</a>&#8221; auf N24.</p>
<p><script type="text/javascript" charset="utf-8" src="http://static.polldaddy.com/p/4451615.js"></script><br />
<noscript><br />
	<a href="http://polldaddy.com/poll/4451615/">Welchen Vortrag soll Sascha Lobo auf der re:publica 2011 halten?</a><span style="font-size:9px;"><a href="http://polldaddy.com/features-surveys/">survey software</a></span><br />
</noscript></p>
<p><script type="text/javascript" charset="utf-8" src="http://static.polldaddy.com/p/4451630.js"></script><br />
<noscript><br />
	<a href="http://polldaddy.com/poll/4451630/">Welchen Stil soll Sascha Lobos Vortrag auf der re:publica 2011 haben?</a><span style="font-size:9px;"><a href="http://polldaddy.com/features-surveys/">online surveys</a></span><br />
</noscript></p>
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		<title>Strohfeuer Appfragen</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Oct 2010 13:55:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Strohfeuer]]></category>
		<category><![CDATA[app]]></category>
		<category><![CDATA[apple]]></category>
		<category><![CDATA[iphone]]></category>
		<category><![CDATA[rowohlt]]></category>
		<category><![CDATA[strohfeuer]]></category>

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		<description><![CDATA[In der vergangenen Woche zur Frankfurter Buchmesse wurde die iPhone/iPad App für &#8220;Strohfeuer&#8221; vorgestellt, explizit als App (den gesamten Text enthaltend) und nicht als iBook. Weshalb das über das normale eBook – seit September verfügbar – hinaus erwähnenswert ist, versuche ich im Folgenden zu beantworten, und zwar mithilfe von Fragen aus der geschätzten Perspektive des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>In der vergangenen Woche zur Frankfurter Buchmesse wurde die iPhone/iPad App für &#8220;Strohfeuer&#8221; vorgestellt, explizit als App (den gesamten Text enthaltend) und nicht als iBook. Weshalb das über das normale eBook – seit September verfügbar – hinaus erwähnenswert ist, versuche ich im Folgenden zu beantworten, und zwar mithilfe von Fragen aus der geschätzten Perspektive des kritisch-aufgeklärten Digitalkonsumenten.</p>
<p><strong>Warum kostet die App sagenhafte 18,99 €?</strong><br />
Die Preispolitik von Rowohlt ist wie bei vielen anderen deutschen Verlagen so abgestuft, dass die elektronische Variante immer soviel kostet wie die derzeit preisgünstigste Papierausgabe des Buchs. &#8220;Strohfeuer&#8221; ist als Hardcover erschienen, da sind 18,95 € ein normaler Preis für ein entsprechendes Ebook in deutscher Sprache. Die 9 am Ende ist Apples Preisabstufungsdiktat geschuldet. </p>
<p><strong>Aber für eine App muss man doch keine getöteten Bäume bedrucken, das muss doch billiger sein!</strong><br />
Diese Preispolitik ist, wie der Name bereits andeutet, politisch begründet und hat in diesem Fall mit den tatsächlichen Herstellungskosten etwa soviel zu tun wie der Preis einer Kinokarte mit den Produktionskosten des Films. Aber ich natürlich sehe ich das Argument auch aus dem Blickwinkel der finanzschwächeren iPhone-Nutzer und deshalb…</p>
<p><strong>Ja, was?</strong><br />
… deshalb erhöhe ich einfach die Leistung der Strohfeuer-App, weil ich den Preis natürlich nicht eigenmächtig herabsetzen kann. Famoserweise hat das digitale Labor von Rowohlt sich etwas ausgedacht, das sich &#8220;<a href="http://www.rowohlt.de/digitalbuchplus-de">digitalbuchplus</a>&#8221; nennt und diesen Herbst mit vier Titeln startet. Es handelt sich dabei um verschiedene Ideen, die das Buch über den bloßen Text hinaus versupern sollen.</p>
<p><strong>Zum Text von &#8220;Strohfeuer&#8221; gibt es also heitere Fotos und muntere Filmchen dazu?</strong><br />
Nein. Während bei den anderen Projekten, etwa bei der Einstein-Monographie, sinnvollerweise Film-, Ton- und auch gescannte Papier-Dokumente eingebaut sind, besteht die Anreicherung bei &#8220;Strohfeuer&#8221; aus autorenorientierter interaktiver Textkommunikation, wie wir coolen Agency People sagen. Ein Roman wird durch Videoclips nicht zwingend automatisch verschönert, so die Überlegung. </p>
<p><strong>Was heisst das genau?</strong><br />
In der Strohfeuer-App verbirgt sich die so genannte Buchfrage. Dabei kann man an jeder Stelle des Buchs ein Stück Text markieren, drauftippen und dann dazu direkt eine Frage stellen (siehe Abbildung). In der App, auf der Plattform <a href="http://www.lovelybooks.de/buchfrage/">Lovelybooks.de</a>, aber auch hier auf meinem Blog kann man dann <a href="http://saschalobo.com/strohfeuer/buchfrage/">unter saschalobo.com/strohfeuer/buchfrage die Fragen sehen &#8211; und meine Antworten dazu</a>, denn ich werde sie sämtlich selbst beantworten.</p>
<p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/10/buchfrage_screens1.jpg" alt="" title="buchfrage" width="600" height="290" class="aligncenter size-full wp-image-2121" /><br />
<strong>Was soll das bringen?</strong><br />
In Woody Allens Film &#8220;Der Stadtneurotiker&#8221; gibt es eine berühmte <a href="http://www.youtube.com/watch?v=bBtXfBdEXEs">Szene in einer Schlange an der Kinokasse</a>, in der jemand lautstark darüber redet, was Marshall McLuhan in seinem Werk habe sagen wollen. Allen holt den echten McLuhan hinter einem Plakat hervor, der vor Ort erklärt, was wie gemeint war. Woody Allen schliesst die Szene mit dem Wunsch &#8220;If life were only like this&#8221;. Im Internet für mein Buch &#8220;Strohfeuer&#8221; is life jetzt like this, weil ich in den nächsten Wochen digital hinter der App lauere und alle auftretenden Fragen so schnell wie möglich – fast in Echtzeit – versuche zu beantworten. Was es aber genau bringt und ob es dem Publikum bei einem Roman als geeigneter Gegenwert erscheint, das muss man erst noch herausfinden.</p>
<p><strong>Hm, was wäre denn das schlechtesterwartete Ergebnis?</strong><br />
Es werden fünf gleichlautende Fragen gestellt (&#8220;Wieviel Sascha Lobo steckt in der Hauptfigur?&#8221;) und dann interessiert sich nie wieder jemand dafür, weil die von mir für irrsinnig toll gehaltene Autoren-Interaktivität keinen erkennbaren Vorteil für das Publikum bringt, zumindest für Romane, bzw. für diesen Roman von mir. </p>
<p><strong>Und was wäre das allerbeste Ergebnis, wenn möglich in für Sie typisch überhöhender Weise dargestellt?</strong><br />
Die Buchfrage bewegt Tausende dazu, sich die App zu kaufen und Fragen zu stellen, die ich direkt beantworte, wodurch der Buchgenuss sich erhöht. Im Gegenzug entdecke ich, welche Stellen eventuell unverständlich oder doof sind und welche witzig sind oder gut ankommen. Im besten Fall verändert sich mein Schreiben, weil es praktisch für jede Zeile direktes Feedback gibt, ich erkenne als Autor, ob die von mir beabsichtigte Wirkung oder Aussage von dieser oder jenen Passage überhaupt beim Publikum angekommen ist. Auf diese Weise verändert sich auch die Arbeit an Büchern in der Zukunft, zumindest, wenn der Autor das möchte.</p>
<p><strong>Kann man auch Fragen stellen, wenn man das Papierbuch gekauft hat oder auch einfach so ohne Buch?</strong><br />
Ja, dazu muss man sich sogar noch nicht einmal bei <a href="http://lovelybooks.de">lovelybooks.de</a> anmelden, Mailadresse und Name reichen aus (das stand hier vorher andersherum, jetzt ist es richtig).</p>
<p><strong>Und wann kommt die Android App?</strong><br />
Die wird so bald wie möglich kommen, sie ist in Arbeit. Schon allein, um sich nicht von Apple abhängig zu machen, denn die durchaus problematische Firma Apple hat außerordentlich seltsame Vorstellungen davon, wie man mit schriftlichen Kulturgütern umgeht. Die ersten Vertragsentwürfe von Apple für verschiedene deutsche Verlage beinhalteten angeblich eine Liste mit Worten, die im Text nicht ausgeschrieben vorkommen dürften. Dass zumindest Rowohlt diese groteske Situation nicht akzeptieren konnte und wollte, sieht man an der Strohfeuer-App, in der exakt 43 Mal das Wort &#8220;Fuck&#8221; zu lesen ist (sowie 15 Mal &#8220;Hitler&#8221; in verschiedenen Varianten).</p>
<p><strong>Un das alles soll also die Antwort sein auf die Frage, wie das Digitalbuch der Zukunft aussieht?</strong><br />
Ehrlich gesagt weiss ich nicht, wie das Digitalbuch der Zukunft genau aussieht. Ein paar qualifizierte Vermutungen kann ich gern äussern, dazu brauche ich nur ein in Gesichtsnähe gehaltenes Mikrophon. Aber ob sich die Realität meinen Prognosen unterzuordnen gedenkt, kann man im Moment nicht sagen. Um so wichtiger ist es, auszuprobieren, was für die Käufer funktioniert und was nicht. Das wissen sie nämlich im Bereich Technologie oft selbst noch gar nicht so genau, woher auch. 2005 hätte ich auf die Frage, ob ich ein Handy mit Touchscreen haben will, geantwortet: &#8220;Touchscreen? Sie meinen diese Fahrkartenautomaten-Technik, die zwei Minuten nach der Berührung etwas ganz anderes tut als ich eigentlich wollte?&#8221; Ich fürchte also, wir müssen alle gemeinsam ausprobieren, wie ein Digitalbuch in Zukunft aussieht, damit die begeisterten Massen bekommen, wonach sie verlangen.</p>
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		<title>Google Street View-Widerspruch-Widerspruch</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Aug 2010 19:06:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Irrwitz]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[google streetview]]></category>
		<category><![CDATA[ilse aigner]]></category>
		<category><![CDATA[widerspruch]]></category>

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		<description><![CDATA[Und zack &#8211; mit der politischen Feinfühligkeit eines betrunkenen Diplodocus teilt die Firma Google unvermittelt mit, dass noch in diesem Jahr Google Street View auch in Deutschland an den Start gehen wird, und zwar in 20 ausgewählten Städten. Das ist &#8211; trotz anderweitiger Verfehlungen ebendieser Internetfirma im Moment &#8211; eine gute Nachricht, denn damit ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Und zack &#8211; mit der politischen Feinfühligkeit eines betrunkenen Diplodocus teilt die Firma Google unvermittelt mit, dass noch in diesem Jahr <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,711073,00.html">Google Street View auch in Deutschland</a> an den Start gehen wird, und zwar in 20 ausgewählten Städten. Das ist &#8211; trotz <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,710998,00.html">anderweitiger Verfehlungen</a> ebendieser Internetfirma im Moment &#8211; eine gute Nachricht, denn damit ist endlich plakativ die Digitale Öffentlichkeit auf den Weg gebracht. Diese funktioniert zwar nach etwas anderen Regeln als die Analoge Öffentlichkeit, aber solche Veränderungen haben bisher viele Technologien verursacht: der Fotoapparat zum Beispiel hat das Verständnis des Bildes der eigenen Person grundlegend verändert. Wenn man mitten in einer grösseren Menge Menschen in der Öffentlichkeit fotografiert wird, muss man (in den meisten Fällen) akzeptieren, dass das Foto von Dritten ohne Nachfrage verwendet wird. Öffentlichkeit eben.</p>
<p>Das Verständnis des Konzepts der Digitalen Öffentlichkeit (eigentlich wollte ich nach meinem <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-72370280.html">SPIEGEL-Streitgespräch zu diesem Thema</a> längst einen Artikel drüber geschrieben haben) ist aber noch nicht besonders weit verbreitet. Unter anderem deshalb hat Frau Ilse Aigner auf ihren <a href="http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Verbraucherschutz/Internet-Telekommunikation/GoogleStreetview.html">Ministeriumsseiten einen schriftlichen Muster-Widerspruch</a> vorbereitet – für diejenigen, die nicht wollen, dass ihr Haus in Google Street View auftaucht (<a href="http://www.bmelv.de/cln_154/SharedDocs/Downloads/Verbraucherschutz/Internet-Telekommunikation/MusterwiderspruchGoogleStreetview-PDF.html">Link zum PDF</a>). Menschen, die das Konzept der Digitalen Öffentlichkeit nachvollziehen können, halten das <a href="https://twitter.com/schwadroneuse/status/20814655852">für eine mittlere Katastrophe</a> – das eigene Haus nicht in Street View? Eine Fassade soll Privatsphäre sein? Darf jedes Dorf entscheiden, ob es im Atlas veröffentlicht wird?</p>
<p>Die meisten Leute haben zweifellos Nachbarn, denen man einen so schwerwiegenden Eingriff in die Digitale Öffentlichkeit wie einen &#8220;Google Street View Widerspruch&#8221; zutraut. Und genau deshalb biete ich hier den &#8220;Google Street View Widerspruch-Widerspruch&#8221; an. Die Benutzung ist ganz simpel, man füllt das formlose Formular aus und schickt es an Google. Und zwar präventiv, falls man seltsame, offlinige Nachbarn hat, oder als Gegenwiderspruch, wenn man schon von einem Widerspruch weiss. Hier ist der <a href="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/08/widerspruch_widerspruch.pdf">Google Street View Widerspruch-Widerspruch als PDF-Download</a> (unten angefügt ein Screenshot). Er ist dem Otto-Normal-Widerspruch spürbar nachempfunden, hoffentlich ergibt das keine Urheberrechtsprobleme. Man kann den Text auch per Mail an streetview-deutschland@google.com versenden – ich empfehle allerdings, entweder einen Brief zu schicken oder in ein Museum einzubrechen und den Widerspruch per Fax zu senden: auf traditionelle Weise vorgebrachte Offline-Meinungen zählen offenbar mehr als Online-Meinungen. </p>
<p><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/08/widerspruch_widerspruch.jpg" alt="" title="widerspruch_widerspruch" width="536" height="757" class="aligncenter size-full wp-image-1848" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Thilo Sarrazin entlassen &#8211; Protest per Google SideWiki</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Jun 2010 18:58:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Die jüngsten Äusserungen von Thilo Sarrazin sind, wenn sie wie von den Medien kolportiert lauten, offen rassistisch. Sie enthalten die klassische Rassismus-Konstruktion &#8220;Schwarze sind halt dümmer&#8221; in Reinform. So etwas sollte niemand sagen &#8211; für einen Bundesbank-Vorstand, zu dessen Aufgaben zumindest inoffiziell auch internationale Repräsentation gehört – ist es absolut untragbar. Thilo Sarrazin, der Rassist, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Die <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700031,00.html">jüngsten Äusserungen</a> von Thilo Sarrazin sind, wenn sie wie von den Medien kolportiert lauten, offen rassistisch. Sie enthalten die klassische Rassismus-Konstruktion &#8220;Schwarze sind halt dümmer&#8221; in Reinform. So etwas sollte niemand sagen &#8211; für einen Bundesbank-Vorstand, zu dessen Aufgaben zumindest inoffiziell auch internationale Repräsentation gehört – ist es absolut untragbar. Thilo Sarrazin, der Rassist, muss zurücktreten. Ich glaube auch, dass er zurücktreten wird, oder vielmehr zurückgetreten werden wird. Um der Angelegenheit noch mehr Schwung zu verleihen als ohnehin schon, habe ich ein Instrument angewendet, das ich für die Zukunft des Netzprotestes halte (wenn auch eher eine mittelfristige Zukunft). Nämlich <a href="http://googleblog.blogspot.com/2009/09/help-and-learn-from-others-as-you.html">Google SideWiki</a>. Mit diesem Tool können auf beliebigen Websites Kommentare von Nutzern hinterlassen werden (rein technisch sind sie nämlich nicht auf der Website, sondern werden zusätzlich vom Browser abgerufen). Sichtbar sind diese Kommentare für alle, die Google SideWiki, zum Beispiel als Teil der Google Toolbar installiert haben. Und so sieht die offizielle Seite der Bundesbank, auf der Thilo Sarrazin vorgestellt wird, aus, wenn man Google SideWiki aktiviert hat.<br />
<img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/06/Bildschirmfoto-2010-06-10-um-20.55.21-e1276196201861.png" alt="" title="sarrazin_sidewiki" width="536" height="560" class="aligncenter size-full wp-image-1713" /></p>
<p>Nachtrag: Ich habe eine <a href="http://mailbox.posterous.com/anfrage-fur-eine-statement-bzgl-thilo-sarrazi">Anfrage an die Pressestelle der Bundesbank</a> geschrieben.</p>
<p>Kleine, unvollständige Linkschau:<br />
<a href="http://medienelite.de/2010/06/10/sarrazin-rassist/">Nadine Lantzsch</a> über den Sarrassisten<br />
Auf <a href="http://www.unpolitik.de/2010/06/11/der-thilosoph/">Unpolitik</a> sieht Stefan Graunke den &#8220;Tilosoph&#8221; als Volksverhetzer am Ende seiner Laufbahn.<br />
Auf Spiegel Online ein <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700146,00.html">analysierender Kommentar</a> von Yassin Musharbash, der zum Schluss hin ganz sachte Sarrazins Rauswurf fordert.<br />
Internationale Aufmerksamkeit findet auch statt, hier <a href="http://www.dailymail.co.uk/news/worldnews/article-1285815/Bundesbanks-Thilo-Sarrazin-Immigrants-making-Germany-dumber.html?ITO=socialnet-twitter-mailonline">die Daily Mail</a>, die davon raunt, dass geraunt wird, dass Sarrazin rausfliegen könnte.</p>
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		<title>Vom Wert der Vielen</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 09:06:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Debattenartikel in der Wirtschaftswoche ist erschienen, sowohl leicht gekürzt in der Printausgabe wie auch Online auf wiwo.de (das hier angeschnittene, niedliche Frisurmotiv ist auf Vorschlag der Wiwo-Illustrationsabteilung entstanden und eine freundliche Referenz auf die von mir verehrte Haarlackindustrie). Aus Gründen der Zusammenführung halte ich es für richtig, drüben auf Wiwo.de zu diskutieren und zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://www.wiwo.de/technik-wissen/vom-wert-der-vielen-im-internet-423367/"><img src="http://saschalobo.com/wp-content/uploads/2010/03/Bildschirmfoto-2010-03-01-um-09.46.05-e1267433267497.png" alt="" title="wiwo_debatte" width="536" height="161" class="aligncenter size-full wp-image-1543" /></a>Der Debattenartikel in der Wirtschaftswoche ist erschienen, sowohl leicht gekürzt in der Printausgabe wie auch Online auf <a href="http://www.wiwo.de/technik-wissen/vom-wert-der-vielen-im-internet-423367/">wiwo.de</a> (das hier angeschnittene, niedliche Frisurmotiv ist auf Vorschlag der Wiwo-Illustrationsabteilung entstanden und eine freundliche Referenz auf die von mir verehrte Haarlackindustrie).</p>
<p>Aus Gründen der Zusammenführung halte ich es für richtig, drüben auf <a href="http://www.wiwo.de/technik-wissen/vom-wert-der-vielen-im-internet-423367/">Wiwo.de</a> zu diskutieren und zu kommentieren, deshalb sind die Kommentare hier zu. Ich werde noch etwas abwarten, damit sich dort die Stimmen und Meinungen sammeln und dann natürlich auch selbst mitdiskutieren; Beteiligung ist sehr gern gesehen. Bedanken möchte ich mich ausdrücklich bei allen, die mitdiskutiert haben und wertvolle Anregungen und Kritikpunkte angebracht haben, insbesondere bei <a href="http://fritz-iversen.de">Fritz Iversen</a>, auf dessen Gedanken schätzungsweise ein Fünftel des fertigen Beitrags zurückgeht, aber auch bei <a href="https://www.xing.com/profile/Jens_Best">Jens Best</a> und <a href="http://breitsprecher.de">Martin Breitsprecher</a>, bei <a href="http://www.foris.de/">Ulrich Tödtmann</a> sowie den folgenden Personen, die sich ganz offensichtlich nicht alle unter ihrem Echtnamen beteiligt haben (hoffe ich jedenfalls für sie): Erklärbär, Supersarkozy, Kathrin Koehler, Collin Mueller, Mirko Lange, Jonas Ginter, Olaf Kolbrueck, Jormason, Christian Strietzel, Stefan Wild, André Paetzel, SvenR, Christian Fenner, Martin Bregulla, Mathias Richel, Thomas Pfeiffer, Raventhird. </p>
<p>Dankesehr.</p>
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		<title>Der Debattenartikel für die Wirtschaftswoche: Nebensache Geld</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 13:04:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
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		<description><![CDATA[Ja, es handelt sich hier explizit nur um eine Randdiskussion, die aber trotzdem nötig ist. Ich habe bereits im Startartikel geschrieben, dass ich einen größeren Teil des Geldes &#8211; nämlich 1.000 Euro – für den Debattenartikel 2.0 (man verzeihe mir nocheinmal die augenzwinkernde Reminiszenz auf die Versionsnummernära) unter denjenigen aufteilen möchte, die sich am Artikel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Ja, es handelt sich hier explizit nur um eine Randdiskussion, die aber trotzdem nötig ist. Ich habe bereits im Startartikel geschrieben, dass ich einen größeren Teil des Geldes &#8211; nämlich 1.000 Euro – für den Debattenartikel 2.0 (man verzeihe mir nocheinmal die augenzwinkernde Reminiszenz auf die Versionsnummernära) unter denjenigen aufteilen möchte, die sich am Artikel beteiligen. Ich werde ihn zwar zur Gänze selbst schreiben, um das auch nochmal ausdrücklich zu erwähnen – aber die Anregungen, Zitate und Gedankengänge der Crowd werden dabei sehr wertvoll sein. Nun, da die Diskussion in den Kommentaren bereits erfreulich substanziell ist, könnte der richtige Zeitpunkt sein, um herauszufinden, wie die Aufteilung des Geldes vor sich gehen soll. Was wäre dazu besser geeignet, als die Meinung der Community selbst herauszufinden? </p>
<p>Ich weiss zwar (und bin sehr froh drüber), dass die primäre Motivation sich zu beteiligen, der Wunsch ist, ein besseres Ergebnis zu bekommen. Aber in einem Artikel über die Wirtschaft darf das Geld keine allzukleine Rolle spielen, finde ich. Deshalb habe ich diese Abstimmung kreiert, die zwei Tage lang läuft und deren Ausgang darüber entscheiden wird, was mit den 1.000 Euro passiert, die sich &#8220;die Crowd erarbeitet&#8221;. </p>
<p><script type="text/javascript" charset="utf-8" src="http://static.polldaddy.com/p/2689977.js"></script><noscript><br />
<a href="http://answers.polldaddy.com/poll/2689977/">Wie sollen die 1.000 Euro für die Leistung der &#8220;Crowd&#8221; beim Debattenartikel ausgeschüttet werden?</a><span style="font-size:9px;">(<a href="http://answers.polldaddy.com">opinion</a>)</span><br />
</noscript></p>
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		<title>Debattenbeitrag 2.0: Die Wirtschaft und das Netz – Digitale Strategien der Zukunft (AT)</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 13:06:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
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		<category><![CDATA[webciety]]></category>
		<category><![CDATA[wirtschaftswoche]]></category>

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		<description><![CDATA[Die seit einigen Monaten etwas diffus geführte Debatte um die Wirkung des Internets auf die Gesellschaft vernachlässigt nach meiner Überzeugung einen wichtigen Bereich: die Wirtschaft. Die wichtigsten Taktgeber für die zukünftige Entwicklung des Netzes sind Unternehmen – aber unterschätzt wird in der Öffentlichkeit, wie sehr die digitale Vernetzung auf sämtliche Industrien und Branchen Einfluss nimmt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Die seit einigen Monaten etwas diffus geführte Debatte um die Wirkung des Internets auf die Gesellschaft vernachlässigt nach meiner Überzeugung einen wichtigen Bereich: die Wirtschaft. </p>
<p>Die wichtigsten Taktgeber für die zukünftige Entwicklung des Netzes sind Unternehmen – aber unterschätzt wird in der Öffentlichkeit, wie sehr die digitale Vernetzung auf sämtliche Industrien und Branchen Einfluss nimmt. Das betrifft nicht nur das Marketing; von Forschung und Entwicklung über Personal und Logistik bis zur täglichen Arbeitsorganisation stehen Konzerne wie Kleinunternehmen vor einer existenziellen Entscheidung: Wie gestaltet man seine Geschäftsprozesse so, dass man weder morgen vor Investitionsruinen steht, noch übermorgen von der Entwicklung des Netzes überrollt wird?</p>
<p>Entscheidend wird die richtige digitale Strategie sein, die das Netz und die Kohlenstoffwelt miteinander verbindet – aber welchen Regeln folgt diese? Unternehmen dürfen sich einerseits nicht von &#8220;Social Media Consultants&#8221; verrückt machen lassen, die behaupten, dass DAX-Konzerne ohne Twitter-Account bereits unmittelbar vor der Insolvenz stehen würden. Auf der anderen Seite kann man die ungeheuren Implikationen des Internet für die weltweite industrielle Infrastruktur zum Beispiel daran erkennen, dass die Firma Google mit ihren geschätzt 1 Million Hochleistungsservern zu den größten Stromabnehmern der Welt zählt – und deshalb in den USA unter die Stromerzeuger und Energiehändler geht.</p>
<p>Im Kleinen habe ich selbst praktische Erfahrungen – positive wie negative – sammeln können, wie eine Vermählung von Online und Offline aussehen kann, zum Beispiel mit der CeBIT, wo das sehr &#8220;offlinige&#8221; Geschäftsmodell einer Messe auf Internetunternehmen wie Amazon trifft. Herausgekommen ist der Messebereich<a href="http://webciety.de"> Webciety</a>, der versucht, Erkenntnisse aus der Funktionsweise des Internet mit den nach wie vor wirtschaftsrelevanteren Offline-Welt zu verbinden. Natürlich gibt es eine Vielzahl von gelungenen Beispielen, aber was verbindet sie und welche Strategien stehen dahinter? </p>
<p>Ich möchte einen Debattenbeitrag schreiben, der für die Wirtschaft beleuchtet, welche Entwicklungen unternehmensrelevant sein werden – und welche nicht. Wie die weiteren Innovationsschritte des Internet aussehen und weshalb sie so ungeheuer selten aus Deutschland kommen. Worauf man sich einstellen muss, wenn man ein Unternehmen gleich welcher Größe in die digitale Zukunft führen möchte. </p>
<p>Gemeinsam mit der Wirtschaftswoche habe ich mich aber entschlossen, diesen Artikel nicht so zu schreiben, wie man ihn auch im 20. Jahrhundert hätte verfassen können, im stillen Kämmerlein, ohne Einfluss des Publikums. Wir möchten stattdessen einen Debattenbeitrag 2.0 – wenn diese etwas abgegriffene Nummernmetapher noch einmal erlaubt ist – erarbeiten. Dieser Text ist der Auftakt für den Beitrag, den ich unter redaktioneller Betreuung von <a href="http://twitter.com/karrierebibel">Jochen Mai</a> im Auftrag von <a href="http://twitter.com/rolandtichy">Roland Tichy</a> produzieren möchte. Dabei will ich einige sinnvolle und auch einige eher experimentelle Mittel nutzen, die dem Journalismus im Netz zur Verfügung stehen. </p>
<p>Konkret heisst das, dass das Publikum bereits bei der Entstehung des Debattenbeitrags 2.0 dabei ist, von der Recherche über die Entstehung der Struktur des Artikels bis zur Rohversion des fertigen Textes. Während dieser knapp zwei Wochen dauernden Phase, die ab sofort beginnt, darf und soll das Publikum teilhaben am Artikel (und dafür von mir auch die Hälfte der Entlohnung erhalten, auf einem noch abzustimmenden Weg). </p>
<p>Diese Einbindung ist kein Selbstzweck &#8211; ich glaube tatsächlich daran, dass der Debattenbeitrag auf diese Weise besser werden wird. Auf folgenden öffentlich zugänglichen Plattformen im Netz werden sich die Entwicklungen abspielen:</p>
<p>Unter <a href="http://delicious.com/saschalobo/wirtschaftswoche">delicious.com/saschalobo/wirtschaftswoche</a> sammele ich relevante Bookmarks in größerer Zahl, jeweils mit zusätzlichen Tags (thematischen Stichworten) versehen.</p>
<p>Interessante Zitate, Fallbeispiele, Videoclips, Diagramme und andere Inhalte speise ich in ein eigens für den Beitrag eingerichtes Mini–Weblog unter <a href="http://wirtschaftswoche.posterous.com">wirtschaftswoche.posterous.com</a> ein. Hier können die Inhalte vom Publikum direkt kommentiert werden. </p>
<p>Beide Quellen fliessen in die Facebook-Seite der Wirtschaftswoche, zu finden unter <a href="http://facebook.com/wirtschaftswoche">facebook.com/wirtschaftswoche</a> – dort können sie ebenfalls kommentiert werden, ich werde mich in einzelne Diskussionen einmischen.</p>
<p>Über meinen Twitter-Account <a href="http://twitter.com/saschalobo">twitter.com/saschalobo</a> stelle ich regelmäßig Fragen und rufe zur Diskussion einzelner Punkte auf – der offizielle Hashtag (das Stichwort) zu diesem Debattenbeitrag lautet schlicht #wirtschaftswoche.</p>
<p>Auf meinem Blog schließlich erstelle ich unter <a href="http://saschalobo.com/wirtschaftswoche">saschalobo.com/wirtschaftswoche</a> einen &#8220;lebendigen Artikel&#8221;, also einen häufig aktualisierten Beitrag, der den jeweiligen Entwicklungsstand des Debattenbeitrags skizziert. Dort wird auch die wichtigste Kommentar- und Diskussionsbasis sein, die am stärksten in die Ausgestaltung des Artikels einfliesst. </p>
<p>Auf <a href="http://www.wiwo.de/technik-wissen/zuschauen-oder-mitmachen-wie-vertwittert-muss-die-wirtschaft-sein-421866/">wiwo.de</a> schließlich werden über Widgets alle Aktivitäten der verschiedenenPlattformen nachverfolgbar sein, gewissermaßen als Beobachtungszentrale und Kommentarbasis für das Projekt allgemein. Dort erscheint am Ende auch der Artikel – natürlich ebenso in der gedruckten Wirtschaftswoche, weil man die Leute im Wartesaal des Friseurs nicht mehr vom Sinn eines Haarschnitts überzeugen muss. Oder anders gesagt: wir wollen mit diesem Debattenbeitrag 2.0 auch und besonders diejenigen Menschen erreichen, die wirtschaftliche Entscheidungen von größerer Tragweite treffen. Und die lesen trotz unserer Begeisterung für das Netz eher die Wirtschaftswoche auf Papier als Blogs, Facebook und Twitter.</p>
<g:plusone href="http://saschalobo.com/2010/02/11/debattenbeitrag-2-0-die-wirtschaft-und-das-netz-%e2%80%93-digitale-strategien-der-zukunft-at/"  size="standard"   ></g:plusone>]]></content:encoded>
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