Posts by: Sascha Lobo

Seit einiger Zeit spiele ich mit dem Gedanken, eine Rohkost-Diät auszuprobieren. Dieses österreichische Produkt erleichtert die Entscheidung erheblich.

 

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In einem Interview mit der Tech-Zeitschrift T3N vor ein paar Tagen erzählte ich etwas von meiner Social-Media-Strategie “Reduce to the max” (ein Slogan, den ich mir von der Einführungskampagne des Smart ausgeborgt habe). Konkret bedeutet das, sehr sehr wenig zu posten – das dann aber in seiner Wirkung zu maximieren. Dieser Ansatz ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass ich soziale Medien kaum privat benutze, sondern viel mehr als öffentliche Person. Privatleute müssen natürlich exakt nichts optimieren oder maximieren, aber ein Teil meines Jobs ist die Erforschung des Funktionsweise sozialer Medien.

Und deshalb schaue ich seit langer Zeit darauf, was wie wo in sozialen Medien funktioniert, natürlich auch für mich. Vor allem auf Twitter. Schon seit 2011 haben ausgewählte, “verified” Nutzer (ich auch) Zugriff auf die Twitter Analytics. Seit Ende August 2014 können alle auf dieses Analysetool zugreifen. Ich bin gebeten worden, zu Vergleichszwecken mal ein paar Einblicke in meine Statistiken zu teilen. Weil keine Gelegenheit zum Angeben auslassen will, das Wissen um soziale Medien zu mehren, folgen hier ein paar Screenshots aus meinem Account @saschalobo.

Zu Berücksichtigen ist dabei vor allem, dass ich sehr, sehr selten twittere. Im August 2014 zum Beispiel habe ich insgesamt zweimal getwittert. Im Juli ebenfalls nur zweimal. Das relativiert natürlich alle zeitbezogenen Werte.

Hier erstmal das Dashboard, an dem man noch nicht besonders viel erkennen kann.

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Das hier ist schon aussagekräftiger. In den drei Monaten Juni, Juli und August habe ich insgesamt acht Mal getwittert. Diese drei Monate hebe ich deshalb heraus. Die letzten 8 Tweets haben zwischen schmalen 7.864 und 109.529 Impressions erreicht, insgesamt 417.468, der Schnitt liegt damit bei 52.183,5 Impressions je Tweet. Die Engagements dieser 8 Tweets reichen von 331 bis 4.123, insgesamt ergibt das 16.661 mit einem Schnitt von rund 2083 Engagements je Tweet. Die Engagementrate reicht von 1,7% bis 7,5%, insgesamt also 47,8%- haha, Unsinn natürlich, der Schnitt ist aber schon interessant, er liegt bei 4,1%.

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Der Tweet mit den meisten Impressions war meine Empfehlung für die Krautreporter vom 11. Juni mit 109.529 Impressions.

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Die genauen Zahlen des Engagements werden offenbar erst seit Anfang Januar 2014 erhoben, jedenfalls werden sie für frühere Tweets bei mir nicht angezeigt. Seit diesem Zeitpunkt war die höchste Engagementrate unter meinen Tweets 10,5% im Februar:

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Die zweithöchste Engagementrate betrug 7,5% und – ein wenig bin ich schon auf meine Followerschaft stolz – beide Tweets waren inhaltlich gegen die BILD-Zeitung gerichtet.

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Schließlich zur Abrundung auch noch ein Screenshot der Followerschaftsanalyse. Leider mäßig aussagekräftig, immerhin erkennt man, dass ich in den nächsten Tagen die 200.000-Follower-Marke überschreiten werde. Hier hat allerdings Twitter vor einiger Zeit einige Funktionen weggeschnitten. Früher konnte man die einzelnen Gruppen anklicken, und dann wurden alle anderen Werte auf dieser Seite dementsprechend berechnet. Will sagen: ein Klick auf Hamburg zeigte alle Parameter nur für die Hamburger Follower an. Geht nicht mehr, leider.

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Abschließend vielleicht noch eine Anmerkung. Bisher überprüfe ich die Wirkung von Tweets mit Favstar.fm, das haben auch die Twitter Analytics nicht ersetzen können. Aber diese Analyse hat mir schon früh gezeigt, dass Retweets extrem wertvoll sind, und zwar wertvoller als eine sehr große Followerschaft. Exemplarisch hier der Tweet vom 24. Juni diesen Jahres. Er bekam 249 Favs und 491 Retweets:

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Und obwohl die ersten 404 Retweeter (die in die Favstar-Analyse eingeflossen sind) alle zusammen 15.000 Follower weniger haben als ich allein, halte ich Retweets für das eigentliche Instrument der Kommunikationsmacht via Twitter. Nach meiner Erfahrung ist die Zahl der Retweets zum Beispiel für die Klicks auf einen mitgetwitterten Link wesentlich entscheidender als die Zahl der Follower. Das kann ich bei mir besonders gut ablesen, weil die Zahl meiner Follower meistens wesentlich größer ist als die Followerzahl aller Retweeter zusammen – dadurch relativiert sich die schiere Followerschaft, anders als bei Accounts mit weniger Followern.

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Nach Favstar.fm haben die letzten 8 Tweets ingesamt 1744 Retweets bekommen, das ergibt einen Schnitt von 218 Retweets je Tweet. Und ich bin überzeugt davon, dass die “Retweets je Tweet”-Quote mit zu den wichtigsten Maßstäben auf Twitter gehört, weil sie die Balance aus Vernetzung und Aufmerksamkeit abbildet. “Wichtig” hier übrigens im klassischen Sinn von “wenn man sich für diesen Social-Media-Quatsch überhaupt interessiert oder interessieren muss”.

Fazit: All hail to the retweet. Wer glaubt, optimieren zu müssen, sollte den Retweet ehren.

In der deutschsprachigen Twittersphäre geht gerade diese Weltkarte/Datengrafik herum, gebastelt vom Gründer der Firma Shodan, der laut eigener Aussage alle mit dem Internet verbundenen Devices angepingt hat:

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Oh, ja. Das Internet ist ja eine rein europäisch/amerikanische Veranstaltung. Über die Chinesen hört man ja viel, aber so dolle scheint das ja nicht zu sein! Und Afrika, oh Gott!

Kann man so denken, wenn man die Karte betrachtet. Dann stutzt man vielleicht – Moment, warum ist Japan denn nicht durchgehend rot, wo doch sogar Mecklenburg-Vorpommern…?

Tatsächlich ist die Karte ohne Legende und technische Erläuterung stark irreführend und enthält – ziemlich sicher unbeabsichtigt – westlich-chauvinistische Elemente. Sie ist ein Musterbeispiel dafür, wie man mit Statistik, Datenjournalismus und Infografiken irreführen kann, will sagen: Leute die falschen Schlüsse ziehen lassen kann, ob aus Versehen oder absichtlich.

Es beginnt damit, dass hier IP-Adressen abgefragt wurden, der Gründer der Firma Shodan, von dem die Karte stammt, sagte, das habe er in ein paar Stunden gemacht. Das kann nur heißen, dass er IPv4-Adressen “angepingt” hat, davon gibt es eine bewältigbare Menge, nämlich rund 4 Milliarden. Allerdings ist diese Technologie recht alt und wird deshalb eher dort benutzt, wo das Internet zuerst war. In China (und Teilen von Asien) ist man längst auf IPv6 aufgesprungen, davon gibt es mehr Adressen als Atome im Universum (Schätzwert), nämlich 340 Sextillionen. Eine Abfrage aller dieser Adressen würde – wenn man eine milliardstel Sekunde je Abfrage bräuchte – ganz grob überschlagen zehn Trillionen Tage dauern, also ein paar Billiarden Jahre. Diese IPv6-”Geräte” werden also hier nicht gezeigt, daher ist China zwar a) forschrittlicher und hat mehr Netznutzer als die USA, sieht hier aber dunkel aus (völlig abgesehen von Chinas “Great Firewall“, die das Ergebnis vermutlich noch stärker verfälscht).

Dazu kommt, dass keine “Geräte” angezeigt werden im allgemeinverständlichen Sinn des Worts. Hinter einem hier abgebildeten Farbpunkt kann sich theoretisch ein Einzelrechner ebenso verbergen wie ein Routinghost für tausende Nutzer.

Dazu kommt ebenfalls, dass aus Sicherheitsgründen viele Geräte (Endkundenrouter etwa) absichtlich nicht antworten, wenn so eine Anfrage kommt, wie der Shodan-Mann sie losgesendet hat (ein Ping-Signal ist eine Art “Hallo ist da wer?”-Abfrage). Diese “Geräte” fehlen also auch alle, und das sind viele, eventuell könnten es sogar die Mehrheit sein, da kenne ich mich zu wenig aus und es gibt recht unterschiedliche Schätzungen über die Größenordnung.

Dazu kommt auch noch, dass zum Beispiel in Afrika viele Elemente des Internet/der digitalen Vernetzung mobil abgebildet werden durch Handys. Die können hier bei einer IPv4-Ping-Abfrage aber gar nicht (so einfach) angezeigt werden. Im Sub-Sahara-Afrika gibt es rund 500 Millionen Handynutzer, die diese Karte nicht erfasst. Insgesamt liegt die Internetnutzerrate in Afrika bei 21% (Q4/2013, laut internetworldstats.com, eine einigermaßen verlässliche, schon lange bestehende Quelle), schon 2012 hat die Gesamtzahl der afrikanischen “Mobile Subscribers” die Zahl sowohl in der EU wie auch in den USA überholt.

Diese ganzen technischen Hintergründe (die ich hier etwas vereinfacht dargestellt habe) sind dem Shodan-Gründer mit Sicherheit bekannt, das ist kein Geheimwissen. Die Karte hat er auch mit einem Zwinkern präsentiert und sprach auf Twitter von “pinged all devices”. Für Leute mit Fachkenntnis sollte dann alles einigermaßen klar sein. In der ersten Rezeption aber hat zumindest die deutsche Twitterlandschaft sofort das hineininterpretiert, was sie glaubte, hoffte oder fürchtete zu sehen.

Denn man kann sich natürlich je nach Gusto sofort schön überlegen fühlen oder in Mitleid suhlen, wenn man diese Karte sieht, wo China nur ein paar Farbkleckse enthält und Afrika praktisch keine.

#datenjournalismus #internet

Nachtrag: der Gründer von Shodan war übrigens schon mal vor anderthalb Jahren in der Presse mit einem, sagen wir, “Dual Use”-Projekt.

Noch ein Nachtrag: Das Getöse um diese Datenkarte zeigt sehr gut die Schwierigkeiten, wenn man a) zuviel technischen Sachverstand beim Publikum erwartet, b) nicht eine Grundregel des Datenjournalismus beachtet, nämlich “Legende an die Daten kleben” und c) die Dynamik von Bildern in sozialen Medien unterschätzt, die begleitenden, aber nicht abgebildeten Text schnell unter den Tisch fallen lässt und sich dann eigene (Quatsch-)Interpretationen herausbilden.

Watt. Watt in der Sonne.

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Watt. Watt in der Sonne.

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Das Problem mit Native Advertising, erklärt von John Oliver, dem derzeit ernsthaftesten Comedian.

Metaüberlegung: Ganz so strikt abzulehnen wie John Oliver sehe ich persönlich Native Advertising nicht, aber natürlich trifft er den problematischen Punkt. Und eine Lösung für das Problem habe ich auch nicht, was zu den Gründen gehört, weshalb ich nicht mehr in der Werbung bin, trotz meiner noch immer andauernden Hassliebe zu Werbung und Markenkommunikation.

#nativeadvertising #johnoliver #werbung

Ein SUV PickUp in Prenzlauer Berg mit:

1) Bekenntnis zu erneuerbaren Energien und gegen Atomkraft
2) einem Jesus-Fisch und halbironischer Abitur-Angabe
3) ADAC-Mitgliedschaft

Deutschland in a nutshell. Zu 100%.

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#deutschland #prenzlauerberg

So weit ist es also schon: Offline SEO auf einem Kleidercontainer des Roten Kreuzes.

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#seo #roteskreuz #berlin

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Bilder lügen nicht? In diesem Foto haben #Telekom und #Bahn eine dreiste Lüge versteckt.

Überhaupt scheint mir WLAN im ICE in Kooperation mit dem Kinder-Überraschungsei angeboten zu werden. In jedem siebten Ei Zug hat man Internet. Manchmal.

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Okay, das sieht aus wie ein ganz normaler Screenshot von Twitter, wo man nicht eingeloggt ist. Was tatsächlich zu sehen ist – eine Katastrophe, die auf uns zurollt. Und das ist nur ein ganz kleines bisschen übertrieben.

Denn der iPhone-Screenshot zeigt den bei Twitter in die App eingebauten Browser, in dem ich nicht eingeloggt bin – in Twitter. Dementsprechend werde ich aufgefordert, mich bei Twitter einzuloggen, im Twitter-Browser der App, mit der ich bei Twitter eingeloggt bin. Ja, hört sich bekloppt an, und zwar, weil es bekloppt ist.

Dabei das Twitter-Twitter-Browser-Login ist nur die kuriose Blüte des Problems. Weil das mobile, soziale Web verappt, aber immer noch viele Links enthält, hat jede App auch einen Browser. Und in diesem Browser muss man sich wieder überall dort einloggen, wo man Profile hat. Wenn bei Facebook ein Twitterlink kommt, müsste man sich im Facebook-Browser bei Twitter – aaargh!

Eine Lösung ist nicht in Sicht. Jetzt warte ich auf einen Link bei Facebook, der zu Twitter führt, wo Facebook verlinkt ist. Dann kann ich mich endlich im Browser von Facebook bei Twitter einloggen, und darin Twitterlinks zu Facebook öffnen, um mich schließlich im Twitter-Browser im Facebook-Browser bei Facebook einzu-