Archive for May, 2012

Jeder Urheberrechtsaufruf jemals (pro & contra)

Das Internet! Ha!
Und deshalb muss das Urheberrecht dringend modernisiert werden, und zwar in unserem Sinne.

Denn unser Standpunkt zum Urheberrecht ist der einzig richtige. Übrigens sind wir nicht die einzigen, die das so sehen. Wir haben irgendeine passende Studie herausgesucht, die ein bisschen zurechtinterpretiert zweifelsfrei beweist, dass wir richtig liegen und alle anderen daher logischerweise falsch. Es ist recht weit außerhalb unserer Vorstellungskraft, dass man anderer Meinung sein könnte, ohne bösartig, dumm und falsch informiert zu sein.

Was die Diskussion jetzt braucht, ist Vernunft, und le Vernunft, c’est nous.

Das eigentliche Problem ist ja nun so klar, dass man es nicht mehr erklären muss:
Wir sind unzufrieden mit der Gesamtsituation. Und deshalb brauchen wir konkrete Schuldige, alles andere würde nämlich nicht in unser Konzept passen. Nebenbei bemerkt konnten wir uns keinem der bisherigen fünfhundert Aufrufe anschliessen, weil keiner das für uns elementarste Kriterium erfüllte: von uns zu stammen.

Unser höchst ehrenwertes Ziel ist, die Gesellschaft zu verbessern, und wenn wir sagen: die Gesellschaft, dann meinen wir zuallererst uns. Deshalb muss sich etwas verändern. Aber Weltverbesserung ist nicht Rom, deshalb führen nicht alle Wege dorthin, sondern nur ein einziger, nämlich unserer. Das ist kein Zufall: natürlich sind unsere Absichten die allerbesten, sonst hätten wir uns doch andere gesucht! Ausrufezeichen!

Schon klar, dass alle Beteiligten irgendwelche Bedürfnisse haben, aber unsere sind halt die entscheidenden. Das sagt übrigens auch – mit der Kraft der Wissenschaft untermauert; Sie ahnen es längst – die eingangs erwähnte Studie.

Aber nicht nur die Wissenschaft (die uns außerhalb der Studie völlig schnurz ist) gibt uns Recht, auch die Geschichte (die wir nicht kennen) lässt keinen anderen Schluss zu. Wir haben deshalb ein paar historische Situationen willkürlich herausgesucht, die zwar exakt nichts beweisen, aber sich nach Substanz anhören. Und die Presse steht drauf, was übrigens daran liegt, dass sich kaum jemand so richtig mit allen Seiten auseinandersetzen möchte, und historische Holzschnitte dann alles vereinfachen. Diejenigen historischen Vergleiche, die uns nicht in den Kram passen, weil sie das Gegenteil von unseren historischen Vergleichen ergeben würden, lassen wir aber sowas von weg. Und zwar: mit Recht.

Denn natürlich ahnen wir, dass alles nicht so simpel ist, wie wir in diesem Aufruf behaupten. Aber Differenzierung ist nur was für Schwächlinge und Deppen, denn irgendwann wird ja vielleicht konkret verhandelt werden. Dann ist eine undifferenzierte Extremposition ein viel günstigerer Ausgangspunkt. Abgesehen davon sind wir zusätzlich empört, und wir mögen unsere Empörung wie unseren Kaffee: kochend heiß und aufputschend. Daher sind fast so schlimm wie unsere Gegner: diejenigen, die nicht ausreichend platt argumentieren, ihnen gilt unser ewiges Unverständnis.

Keinesfalls wollen wir die Gelegenheit verstreichen lassen, Andersmeinende behauptungsintensiv zu beschimpfen, um zu unserer Selbstvergewisserung möglichst die Fronten zu verhärten. Das tun wir in Form eines notdürftig als Analyse getarnten Weltuntergangsszenarios: unsere kurzsichtigen, egoistischen Gegner zerstören mit ihrem Lobbyismus die wichtigsten Grundlagen der modernen Zivilisation! Nazivergleich!

Wir können und wollen deshalb nicht länger zusehen, wie ein Aufruf nach dem anderen sinnlos verhallt, ohne nicht auch einen sinnlos verhallenden Aufruf zu veröffentlichen. Je größer die Unterstützung für den Aufruf, desto rechter haben wir schließlich, völlig unabhängig vom Inhalt.

Unterzeichnen Sie deshalb hier und zeigen Sie der Welt, dass Sie an simple Lösungen für komplizierte Probleme glauben!

Damit es die von unseren Gegnern misshandelten Kulturschaffenden später einmal besser haben, lassen Sie uns alle gemeinsam kreischen:

Nieder mit der Contentmafia/den Raubkopierern!
(Zutreffendes bitte streichen)

Read More