Zu Schlecker

Der Schleckerskandal, der eigentlich keiner ist, sondern nur Normalarroganz gepaart mit fehlendem Wissen über die digitale Vernetzung, zeigt drei beachtenswerte Spannungsfelder der digitalen Vernetzung auf:

• Wo früher kommunikative Sphären einigermaßen gut getrennt werden konnten, ist das durch die Vernetzung nicht mehr der Fall. “Niedriges Bildungsniveau” ist in der Sphäre der Werbung ein gängiger Ausdruck, der zunächst ohne jede Wertung daherkommt. Irgendwie muss man seine Zielgruppe ja beschreiben, und wenn die im Schnitt seltener Abitur hat, dann ist das für die Ansprache relevant. Auf Nichtwerber wirkt “niedriges Bildungsniveau” aber völlig anders – nämlich mit eingebauter Wertung. Dass Kommunikate nicht nur an Fachempfänger geraten, die sie korrekt entschlüsseln können, sondern an die digitale Öffentlichkeit – die nach dem Anscheinsprinzip vorgeht – das empfinden besonders professionelle Kommunikatoren als Kontrollverlust und als ungerecht. Ist es auch – aber das ist die Art von Eskalation, die man inzwischen vor dem Hintergrund der digitalen Vernetzung berücksichtigen muss. Vorher. Was zum zweiten Punkt führt:

• Wer öffentlich kommuniziert, denkt vorher über die Wirkung nach (im angestrebten Normalfall). Inzwischen muss das auch für Mikroöffentlichkeiten gelten, im vorliegenden Fall einen Brief zwischen Unbekannten, eine Art Zwei-Personen-Öffentlichkeit. Die digitale, soziale Vernetzung kann solche Mikroöffentlichkeiten mit nur einem Klick durch nur einen Teilnehmer in eine Makroöffentlichkeit verwandeln. Diese Möglichkeit sollte man immer mitdenken. Es mag sich aus Sicht des 20. Jahrhunderts für Privatpersonen anfühlen wie eine unmenschliche Schere im Kopf. Tatsächlich existiert diese Schere längst und ist akzeptiert: Gespräche im Café werden anders geführt als im Wohnzimmer. Für professionelle Kommunikatoren gilt, grundsätzliche jede Mikroöffentlichkeit als Öffentlichkeit zu betrachten und konsistent zu kommunizieren, und zwar konsistent nicht aus Fachsicht, sondern aus Sicht einer möglichen Makroöffentlichkeit. Das ist kein Abgesang auf nichtöffentliche Kommunikation, die muss es weiter geben. Es ist aber der Abschied des früher so angenehmen Opportunismus in der Kommunikation, wo man jeder Zielgruppe einzeln erzählen konnte, was sie vermutet gern hören würde, ohne auf Konsistenz zu achten.

• Und schließlich wirkt Arroganz in der digitalen Öffentlichkeit wie ein Treibstoff der Skandalisierung. Ein Brief gleichen Inhalts, reduziert um den arroganten Unterton, hätte kaum für Aufregung gesorgt. Diese Arroganz, die sich für Außenstehende besonders im Ausdruck “niedriges Bildungsniveau” manifestiert, scheint beim Verfasser des Briefes aber die Standardeinstellung zu sein: default Überheblichkeit. Das wirkt, als müsse er sich in der öffentlichen Kommunikation völlig verstellen und könne im Brief endlich er selbst sein. Das ist sein gutes Recht – nur taugt man mit dieser Einstellung im Zeitalter der digitalen Vernetzung nicht zum professionellen Unternehmens-Kommunikator. Denn genau, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann, im Anflug einer Kommunikationskrise, wird eine empörte und kaum feindifferenzierende Meute nach jedem Anzeichen von Hochmut suchen, das sich finden lässt, um sich selbst mit Treibstoff zu versorgen. Wer sich auf einen Sockel stellt, wird in Krisenzeiten angeschossen. Ein Chinesisches Sprichwort sagt: “Wer kein freundliches Gesicht hat, sollte nicht Verkäufer werden.” Wer arrogant ist, sollte nicht Unternehmenssprecher werden – denn durch die digitale Vernetzung lässt sich diese Einstellung wesentlich schwerer verbergen.

Die Schleckersituation ist kein Skandal, weil nichts Schlimmes aufgedeckt worden ist. Es ist stattdessen ein Lehrstück, wie fehlende Sachkunde und eine unangebrachte Haltung, die in der Kommunikationsbranche aber als normal gelten muss, zu einem Kommunikationsdebakel werden können.

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This Post Has 53 Comments

  1. Hagen says:

    Ich glaube, der Sprecher Florian Baum litt schon länger unter dem vermeintlichen Widerspruch, als M.A. für eine Zielgruppe “niederen Bildungsniveaus” zu arbeiten.
    Ich finde, die Story ist auch ein Lehrstück in Sachen Unternehmenskultur – da war Schlecker ja noch nie ein Paradebeispiel…

  2. rbq says:

    Kannst du bitte, bitte, bitte den Blocksatz abschalten? Im Web gibt’s im Moment noch keine Silbentrennung, das Resultat sind zufällige Lücken wechselnder Ausmaße, die zwischen den Worten klaffen. So macht das Lesen echt keinen Spaß.

  3. Sehr schön finde ich die Konklusio: Kommunikation im Zeitalter der Vernetzung ist immer auch eine Frage der Haltung.

    Kein Gespräch und damit auch das jeweilige unterschiedliche Rollenverhalten ist theoretisch mehr sicher vor der Allgemeinheit. Das führt natürlich automatisch zu einer Enttäuschung sobald man in gewisse Netzwerke dringt.

    Wobei mich die Arroganz von Schlecker jetzt nicht wirklich enttäuscht/überrascht hat, denn die Unternehmenskultur strahlt ja seit Jahrzehnten genau diese Signale aus.

  4. Zeugt es aber nicht ebenso von einer Arroganz der digitalen Öffentlichkeit Menschen mit “niedrigem Bildungsniveau” als dumm zu stigmatisieren?

  5. Komischerweise hat sich damals bei dm, als Goethes “Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein” zu “Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein” verballhornt wurde, kaum jemand aufgeregt. Da gab es aber auch noch kein Web 2.0. Und zugegeben – es klingt tatsächlich ein klein wenig intelligenter, wenn auch nur ein klitzekleines. Ich selbst habe dann mit einem Schmunzeln verfolgt, wie letzterer wörtlich ins Kroatische, Bosnische usw. übersetzt wurde, natürlich ohne den Hauch einer Assoziation mit Johann Wolfgang, dafür aber mit unsäglichem Marktfuzzi-Palaver von wegen Menschlichkeit und Fairness. So kann’s gehen.

  6. Deinen Überlegungen zu Öffentlichkeit und Nicht-Öffentlichkeit und zur Aufhebung von Grenzen zwischen kommunikativen Sphären stimme ich zu. Darüber hinaus denke ich aber, dass es gar nicht die Phrase „niedriges Bildungsniveau“ an sich war, die Empörung hervorgerufen hat. Dass Menschen unterschiedlich viel formelle Bildung haben, ist ja eine offensichtliche und unstrittige Tatsache, auch außerhalb der Werbebranche. Die Empörung dürfte eher der Tatsache geschuldet sein, dass der Briefschreiber zunächst seinen eigenen bildungsbürgerlichen Hintergrund hervorhebt und versucht, sich und seinen Briefpartner als Teil einer (mit fünf Prozent der Bevölkerung natürlich viel zu klein geschätzten) Elite zu konstruieren, die nicht nur mehr formelle Bildung hat, sondern die vor allem feingeistiger ist als die Masse. Dazu kommt noch, dass das Bildungsniveau der Schlecker-Kundschaft in keinem offensichtlichen Zusammenhang mit dem Firmen-Motto steht. Die Idee, dass Menschen mit niedrigem Bildungsniveau einen besonderen Hang zu deutsch-englischem Sprachgemisch haben, entbehrt nicht nur jeder wissenschaftlichen Grundlage, sie entspricht auch nicht der Alltagswahrnehmung.

  7. johnny says:

    Einen Skandal sehe ich auch nicht so recht, stimme dir auch sonst in den meisten Punkten des Artikels zu. Ist aber die Frage gar keine, wie wir mit persönlicher Kommunikation umgehen? Wenn ich es richtig verstehe, war die Antwort von Schlecker zunächst an einen einzigen Adressat gerichtet, dessen vorhergehenden Brief an Schlecker wir nicht kennen. Dieser Adressat hat dann nur die Antwort veröffentlicht. Auch, wenn es hier um die Antwort eines Unternehmens geht, war sie nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern an eine bestimmte Person gerichtet. Das ist keine Mikroöffentlichkeit, sondern ein privater Briefwechsel, dem vielleicht sogar (reine Spekulation) ein ähnlicher Tonfall voraus ging.

    Wenn ich also jederzeit damit rechnen muss (Spreeblick ist schließlich auch ein Unternehmen und ich klinge vielleicht manchmal auch arrogant), dass je nach Laune des Empfängers meine persönlichen Mails und Briefe bei Facebook landen…

    Dann lass uns doch vielleicht lieber telefonieren oder hinter der alten Eiche treffen.

  8. Daniel Liberski says:

    Schlecker ist _spätestens_ seit der menschenverachtenden “Schlecker XL-Umverteilung” in jeder Hinsicht untragbar.

    Da passt die Einstellung dieses Menschen wie die Faust aufs Auge!

    *Würg*

  9. pseudonym says:

    was mal als das große instrument zu mehr freiheit angedacht war, zeigt sich mehr und mehr als werkzeug zum ausspionieren, des petzens und des mobbings. will sagen: die unguten seiten der vernetzung gewinnen mehr und mehr die oberhand. jammerschade.
    denn unter “der alten eiche” treffen ist auch nur schön im sonnenschein, aber was macht man bei regen ?!

  10. JSG says:

    Danke für diesen sachlichen “Befund”!

    Ich sehe bloß ein Problem:
    Wenn man immer nur “Marketinggewäsch” schreibt, dann beschweren sich auch wieder Leute. Die nämlich keine befriedigende Antwort erhalten.
    Wenn die Deutsche Bahn, unser aller Lieblingsopfer, z.B. bei einer Störung sagt “10 Minuten später”, dabei wissen sie es noch gar nicht und es werden wahlweise 5 Minuten oder 20, dann hagelt es Kritik. Wenn sie es marketingtechnisch vorsichtig kommunizieren, “um unbestimmte Zeit”, dann schimpfn die Leute aber eben genauso.
    Oder sehe ich das falsch?

    Den optimalen Weg gibt es halt leider nicht. Dass ein Dr. W, dem doch angeblich sogar ach-so-sehr an der Sprache gelegen ist, diesen Brief gleich zwecks reißerischer Aufmachung weitergibt, war halt auch nicht das Wahrscheinlichste…

  11. Übrigens ist es Käse zu ignorieren, dass es Menschen mit geringem Bildungsniveau gibt. Nur ist man als gutderdienender Manager oder Vorstand einer Agentur oder eines Konzerns (eben nicht die typische Schlecker-Klientel) eben nicht davor gefeit ebenfalls in diese Kategorie gesteckt zu werden.

    Ich glaube was man hier sehr gerne in dem Zusammenhang durcheinander würfelt ist der Zusammenhang von gesellschaftlichem Status (Macht, Potenz etc.) und Bildungsniveau. Also dass man automatisch als Vielverdiener gebildet sein muss und umgekehrt.

  12. Floyd says:

    Glückwunsch zur Analyse aus Werbersicht;) Tatsächlich ist es so: täglich wird in dieser Branche kategorisiert, ohne Menschen zu nahe treten zu wollen, was Bildungsniveau etc. betrifft. Der Mensch denkt in Schubladen einfacher. Folglich sind Schubladenlösungen einfacher zu entwickeln als individuelle. Kategorien sind aber nicht zwingend Schubladen, sondern sie bleiben Kategorien. Manchmal denke ich der nicht in der Werbung Arbeitende würde im Boden versinken, wenn er die Arbeitsweise sehen würde. Vielleicht, ja vielleicht aber hat sich das Bildungsniveau doch gesteigert und es ist an den Werbern dieser Welt vorbeigegangen wie ein Hauch von Sehnsucht. Sehnsucht nach den guten alten Kategorien.

    Was mich viel mehr ärgerte war die Aussage im Schlecker Blog:

    “Nun kommentieren einige Internet-Nutzer den veröffentlichten Brief und setzen ein niedriges und mittleres Bildungsniveau mit “dumm” oder “unterbelichtet” gleich. Das ist in der Sache ebenso falsch und zynisch, wie aus unserer Sicht unverschämt und arrogant. Es entlarvt letztlich diejenigen, die sich derart äußern.”

    Denn es entlarvt nicht diejenigen, die sich derart äußern, sondern nur diejenigen, die sich derart äußern UND IN DER WERBEBRANCHE ARBEITEN.

  13. Danke für Deine Einschätzung. Ein wichtiger angesprochener Punkt ist für mich auch der kommunikative Opportunismus eines werbenden Unternehmens: Inwieweit kann PR in heute noch ein Jahrmarkt der Wendehälse sein?

    Ich halte es nämlich durchaus für möglich, dass Herr Baum nur versucht hat, sich einem angenommenen Bildungsbürger anzubiedern und entsprechend mit kultur- und sozialpessimistischen Phrasen schmeicheln wollte. Demgegenüber kann ich mir nämlich kaum vorstellen, dass ein Pressesprecher ohne Absprache in derart unprofessioneller Weise auf Distanz zu seinem Unternehmen geht, selbst wenn er innerlich mit seinem Arbeitsplatz schon abgeschlossen hat. So eine unloyale Volte disqualifiziert ihn ja für alle zukünftigen Arbeitgeber.

    So oder so bleibt es allerdings ein Fanal für vorsintflutliche Kommunikation.

  14. Ein schöner Artikel, der mir aus der Seele spricht!
    In meiner täglichen Arbeit geht es mir vor allem darum, die Bedeutung des Menschen in seiner Funktion als Kunde zu erkennen und sie in der täglichen Arbeit absolut zu respektieren. Davon hat Herr Baum aber scheinbar noch nichts gehört.

  15. Dave Zarosa says:

    Niedriges Bildungsniveau hat für mich überhaupt nichts abwertendes.

    Wenn einer DUMM ist, dann sagt man auch: Du bist dumm! Das ist abwertend, aber wenn einer die Hauptschule oder Realschule besucht hat, und anschließend eine Ausbildung gemacht hat, dann ist dessen Bildungsniveau niedrig. Da muss man doch nicht weiter diskutieren.
    Oder sollte man besser schreiben: Bildzeitungsniveau, damit sich auch niemand angegriffen fühlt?!

    Deswegen finde ich so einen “leak” nicht sehr tragisch!

    Cheers, Dave

  16. Raventhird says:

    Internet: “Hey Schlecker, Dein Slogan ist dumm!”

    Schlecker: “Klar, dass der nicht Deinen Ansprüchen genügt, er soll eben auch die einfachen Leute ansprechen. Die Masse unserer Kunden.”

    Internet: “Haha, Schlecker sagt, dass seine Kunden dumm sind!!1eins #fail”

    Schlecker: “Nein, Internet, einfache Leute sind nicht automatisch gleich dumm.”

    Internet 0:1 Schlecker.

  17. Martin says:

    @johnny: Kurz mal etwas überspitzt: Wichtig ist doch die Fallhöhe und die Divergenz zwischen privater und öffentlicher Kommunikation. Wenn Du arrogant bist, entspricht das nicht dem Image, dass Du über spreeblick transportierst. Das würde natürlich skandalisiert werden um die Fassade einzureissen.
    Andersrum gilt das vermutlich ähnlich: wenn xyz blogger oder scheisshaufenzusammenkehrer sich öffentlich sehr abfällig äußert und in privater Kommunikation dann dies wieder in den höchsten Tönen lobt, würde das auch skandalisiert.

  18. Christoph says:

    Ähm, alles sicher nicht falsch, und vielleicht bin ich etwas schwerer von Begriff, aber: Was hat denn das Pseudoskandälchen nun ursächlich mit der digitalen Vernetzung zu tun? Früher waren es halt Briefe oder Faxe, die den vorgesehenen engen Kommunikationskreislauf verließen und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Und auch damals schon kam Arroganz in der Öffentlichkeit nicht gut an (oder um es in der verschachtelten Sprache dieses Blogbeitrags auszudrücken: “wirkt(e)… wie ein Treibstoff der Skandalisierung”). All das nun weitgehend darauf zu reduzieren, dass der – sicher ungeschickt kommunizierende – Unternehmenssprecher in erster Linie die Kraft der digitalen Vernetzung unterschätzte, erscheint mir doch etwas bemüht.

  19. Susanne Wiemer says:

    Meiner Meinung nach geht es nicht um die Debatte ob einfache Menschen gleich dumm sind oder nicht. Wir schreiben bald das Jahr 2012, Verkaufsförderung “auf Teufel komm raus” ist Geschichte. Unternehmen, die zukünftig erfolgreich Kommunikation betreiben übernehmen eine gewisse soziale Verantwortung und haben nicht nur den Abverkauf vor Augen. Auch dank Social Media wird eine solche Politik nicht mehr geduldet. Und das ist gut so.

  20. teekay says:

    Ich find’s schade und arrogant, dass Schlecker einen super-daemlichen Denglisch-Slogan noch verteidigt-was ja eigentlich auch ein Ausloeser der Kontroverse war. Etwas besseres faellt denen nicht ein als ‘for’ und ‘vor’ zu verhunzen?!

  21. mahmut courage says:

    darf ich mal eben den den herrn magister in schutz nehmen? bzw. auf den brief-veröffentlicher eindreschen. so richtig verändern wird es nichts an schleckers einstellung, dass ein philologenverband diesen brief veröffentlicht. wahrscheinlich behält herr baum auch seinen job. alles, was passiert ist (vom veröffentlicher) kalkulierte empörung. und was passiert, wenn ab jetzt alle arroganten PRler saschas empfehlung übernehmen: es wird einfach gar nicht mehr geantwortet oder nur noch so verklausuliert, dass niemand sich daran stören kann. ist für mich nicht sonderlich erstrebenswert.

  22. SarahMiriam says:

    Ich verstehe nur noch Bahnhof. Da gehört einer, der “nur” einen Realschulabschluss hat zu dem “Niedrigen Bildungsniveau” und wer Abitur hat, ist also automatisch “schlauer”? Wie kommt es dann, dass es soviele Menschen gibt, die mit Abitur ein schlechteres Allgemeinwissen haben, als so mancher Hauptschüler? Und was ist mit diesen sogenannten “Fachidioten” die ausser ihrer Studienrichtung für nichts anderes ein Auge haben? Der Schulabschluss als Intelligenzmesser… nun, da haben sich schon so manche Chefs bei der Einstellung geirrt.

  23. Markus says:

    Schöner Artikel, gerne gelesen :-)

    Eine Frage kommt bei mir allerdings nach der Diskussion hier auf:

    Könnte mal jemand “Bildung” definieren?

  24. Daemonstrand says:

    Meine Idee zum Thema: einfach nur ein ‘A’ vor den Firmennamen setzen.

  25. der wene says:

    ich bin bestimmt kein fan der unternehmensführung, aber schlecker hat einfach eier und nennt es beim namen.

  26. Sascha Lobo says:

    @anatol Was Du beschreibst, meinte ich genau mit “arrogantem Unterton” – nach meiner Wahrnehmung hat dieser Unterton für viele Diskussionsteilnehmer aber schon mit dem Ausdruck “niedriges Bildungsniveau” zu tun. Dass grundsätzlich deutsch-englische Mischwortspiele für Leute ohne Hochschulabschluss besser geeignet sind, ist natürlich Unfug, aber genau dieser Claim wurde ja bei dieser Zielgruppe getestet, und ist besser angekommen. Ich kenne solche Fokusgruppen, das hat mit Wissenschaft außerordentlich wenig zu tun, aber das ist in der Werbelandschaft Standard.

    @johnny
    Das sehe völlig anders. Jemand schreibt einen Brief an ein Großunternehmen. Der Unternehmenssprecher antwortet. Das hat mit privater Korrespondenz exakt gar nichts zu tun, das ist die unprivateste, nichtpersönlichste Korrespondenz der Welt.

  27. Olaf says:

    Ich sehe das ähnlich wie Johnny. Auch wenn es nicht privat ist, ist nicht in Ordnung, wenn jetzt jedes Schreiben zwischen zwei Parteien (Firma, privat oder sonst was) in die Öffentlichkeit gebracht wird. Und wenn schon, dann die gesamte Korrespondenz und auf beiden Seiten nicht geschwärzt, so wie es hier der Fall ist.

  28. Georg says:

    Also das hat für mich nichts, aber auch gar nichts mit einem Skandal zu tun, eher nach Hetze gegen Schlecker…gestern hat der WDR das ganz toll vorgeführt:
    Erst hat man den Werbespruch von Schlecker (For You. Vor Ort.) gezeigt und ein paar Personen aus “höheren Bildungsschichten” haben sich über die Verwässerung der deutschen Sprache darin aufgeregt (mal im Ernst: Den einfachen Schulabgänger mit durchschnittlichem Hauptschulabschluss juckt das doch nicht die Bohne!) . Dann wurde dieser Brief vorgezerrt und aus ihm zitiert, dass Schlecker mit seiner Werbung hauptsächlich auf Kunden niedrigerer Bildungsschichten abziehlen, welche auch den Hauptanteil der Kunden ausmachen. Schrecklich, es gibt tatsächlich Geschäfte, die ihre Kundschaft analysieren und angepasste Werbug herausbringen. Unternehmen, die keine unangebrachte Ignoranz gegenüber den “schlechter” gebildeten zeigen. Natürlich könnte Schlecker mit der tollen ökologischen Zusammensetzung ihres neuen Bio-Premium-Waschmittels werben, aber was bringt das, wenn die Kundschaft es nicht versteht? Daraufhin hat der WDR Personen von der Straße gefragt, was sie davon halten. Eine …sagen wir mal nicht zu günstig… angezogene ältere Frau mit strengem Gesicht hat von sich gegeben, dass sie eh nie in den Schlecker einkaufen geht, jetzt wisse sie aber auch wieso! Jaja, es ist schwer unbetroffen zu sein wenn man doch gar nicht angesprochen ist…
    Ich finde es unverständlich, wieso ein Unternehmen nicht auch Kunden aus niedrigeren Bildungs- und sozialen Schichten ansprechen darf, wieso jegliche Öffentlichkeitsarbeit auf einem künstlichen Akademikerniveau hochgehalten werden muss? Schlecker hat nie behauptet, ALLE Kunden seien dumm oder von dem und dem Niveau, nur, dass ein Grossteil der Kunden einem gewissen Bildungs- und damit auch finanziellem Niveau entspringe. Wenn Schlecker daraufhin optimierte Werbung anbietet, ist es GUTES Marketing! WEnn SChlecker jetzt nachgibt und die Werbung an überzüchtete arrogante Nicht-Kunden anpasst, geht das an der wahren Kundschaft vorbei, wäre es SCHLECHTES Marketing. Schlecker hat alles richtig gemacht mMn.

    Kurz gefasst sieht dieser “Skandal” doch so aus:
    -Nicht-Kunden beschweren sich über die Schlecker-Werbung.
    -Schlecker verfasst einen Brief an irgendjemand mit einer Stellungname.
    -In diesem Brief erwähnt Schlecker, dass die meisten ihrer Kunden einem bestimmten Bildungsniveau entsprächen und die Werbung auf die Kundschaft hin optimiert sei.
    -Der Brief wird von weiß Gott wem (ob das legal ist…naja, was Wikileaks nicht darf, ist das Recht der freien Presse…) auseinandergenommen und auf diese Aussage heruntergebrochen.
    -Die Nicht-Kunden beschweren sich, dass sie nicht korrekt angesprochen werden, nämlich dem ihrer Ansicht nach höherem Bildungsniveau entsprechend.

    Ich verstehe nicht, wie man da von einem Schlecker-Skandal sprechen kann? Das ist für mich mehr ein Skandal für die sensationslüsternen Medien, die die Meinung ihrer Redakteure und Klientel einseitig und alle Grundsetze der Neutralität der Presse verletzend absondern! Vor allem ist es für mich auch ein Skandal für die GEZ-kassierenden staatlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Wer will schon für Hetze auf einzelne Unternehmen Steuer bezahlen? Anscheinend dient die GEZ zur Refinanzierung unneutraler und einseitiger Berichterstattung!

  29. [...] Zu Schlecker von Sascha Lobo. 50.732704 7.096311 Teilen Sie dies mit:StumbleUponDiggRedditTwitterDruckenE-MailFacebookLinkedInGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in "Unterhaltung", Marketing, Medien, Werbung und getaggt mit "Media", "Nachrichten", "News", Allgemein, Allgemeines, Blog, Blogger, Deutschland, Medien, Schlecker von gunnarsohn. Setze ein Lesezeichen auf den Permanentlink. [...]

  30. philipp says:

    Dem Unternehmenssprecher Arroganz zu unterstellen, finde ich nicht zielführend. Vielmehr sollte Organisationen ALLER ART bei der Berufung von Mitarbeitern in solche Positionen vllt. künftig darauf achten, nicht unbedingt Menschen mit offensichtlich ausgeprägtem MaFo oder Werbe-Hintergrund herauszupicken – oder ihnen wenigstens die Möglichkeit geben, ihr eingeschliffenes Wording auszumerzen…

  31. [...] Zu Schlecker “• Wer öffentlich kommuniziert, denkt vorher über die Wirkung nach (im angestrebten Normalfall). Inzwischen muss das auch für Mikroöffentlichkeiten gelten, im vorliegenden Fall einen Brief zwischen Unbekannten, eine Art Zwei-Personen-Öffentlichkeit. Die digitale, soziale Vernetzung kann solche Mikroöffentlichkeiten mit nur einem Klick durch nur einen Teilnehmer in eine Makroöffentlichkeit verwandeln. Diese Möglichkeit sollte man immer mitdenken. Es mag sich aus Sicht des 20. Jahrhunderts für Privatpersonen anfühlen wie eine unmenschliche Schere im Kopf. Tatsächlich existiert diese Schere längst und ist akzeptiert: Gespräche im Café werden anders geführt als im Wohnzimmer. Für professionelle Kommunikatoren gilt, grundsätzliche jede Mikroöffentlichkeit als Öffentlichkeit zu betrachten und konsistent zu kommunizieren, und zwar konsistent nicht aus Fachsicht, sondern aus Sicht einer möglichen Makroöffentlichkeit. Das ist kein Abgesang auf nichtöffentliche Kommunikation, die muss es weiter geben. Es ist aber der Abschied von des früher so angenehmen Opportunismus in der Kommunikation, wo man jeder Zielgruppe einzeln erzählen konnte, was sie vermutet gern hören würde, ohne auf Konsistenz zu achten.” [...]

  32. Sascha Lobo says:

    @rbq: Argument eingesehen, oben verlinkten Hyphenator ausprobiert, für zu sperrig befunden, Blocksatz abgeschaltet.

  33. erstmalanonym says:

    Bin heute über diesen Skandal, der nur vielleicht ein halber ist, gestolpert und habe nun mal überflogen, was passiert ist. Eine Frage drängt sich auf:
    Wo kann man denn das Original-Schreiben des Lesers /Mitglieds(?) der “Deutschen Sprachwelt” an Schlecker lesen?
    Interessant wäre das, denn dann sieht man welchen Tonus das Schreiben tatsächlich hatte.

  34. Achim says:

    Wenn ich als Pressesprecher eines Unternehmens einen Brief mit einem Brief beantworte, erwarte ich eigentlich, dass dieser Brief nicht veröffentlicht wird. Das wäre guter Stil. Damit rechnen muss ich allerdings.

    Und wenn der Empfänger den Brief nun schon veröffentlicht, hätte es durchaus auch Stil, wie hier schon angemerkt, die Korrespondenz in toto publik zu machen.

    Ich finde den Slogan blöd, aber kann mir schon vorstellen, dass Leute, die nur wenig Englisch können, phonetisch nicht oder kaum zwischen for und vor unterscheiden. Dann ist der Spruch schon irgendwie witzig.

  35. Kristof says:

    Ich war einige Tage im Urlaub und hab die Diskussion nicht ganz mitbekommen. Daher verzeiht mit die Frage: Geht es darum, dass Schlecker auf englisch wirbt – oder dass Schlecker auf türkisch wirbt? Und worauf bezieht sich das “niedrige Bildungsniveau” – auf die deutsche oder die türkische Zielgruppe?

  36. Thomas Arbs says:

    Mir stoßen jetzt vor allem zwei Dinge auf: Der Skandal, der keiner ist (du, Sascha, erklärst ihn erst zu einem Skandal, indem du mit dem Wort “Skandal” auf einen Spiegelartikel verlinkst, der dies Wort nicht enthält, um dann im selben Satz das selbst Erklärte zu negieren), und das peinliche Fehlen von Herzensbildung (wer sich selbst erhöht, setzt sich herab, und das hat Pressesprecher Baum getan, indem er sich mit dem Ursprungsbriefschreiber W. in einem Satz genannt und vom bewußt übergroß gewählten Rest der Welt abgegrenzt hat). Ansonsten finde ich keine drei beachtenswerten Spannungsfelder, sondern wenig Berichtenswertes, das aber wie immer lesenswert geschrieben.

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