Quoten sind immer die Quoten der anderen – eine Frauenquote für die Blogroll

Heute ist Weltfrauentag, und ich bin als Freund der Kommunikation nicht nur symbolfixiert, sondern empfinde mich auch als feministisch orientiert. Jawohl. Gockelfrisur, Halbargentinier, Feminist, für mich völlig selbstverständlich und logisch. Ehrlich gesagt verstehe ich kaum, wie man gleichzeitig das Grundgesetz für das Maß aller rechtsstaatlichen und gesellschaftlichen Dinge halten kann und nicht wenigstens ansatzweise feministisch orientiert sein kann. Natürlich auch als Mann, gerade als Mann. Antirassismus ist ja auch nichts, was nur Farbige Schwarze angeht. An dieser Stelle vielleicht nochmal die Definition des Feminismus: es handelt sich um den Glauben an die soziale, ökonomische und politische Gleichheit der Geschlechter (Encyclopedia Britannica via Mädchenmannschaft).

Bezeichnenderweise kommen die heftigsten antifeministischen Argumente in meinem weiteren Umfeld von Männern, die mit Frauen wenig bis nichts am Hut und anderen Körperteilen haben, sogar Extremfälle misogyner Jungfräulichkeit sind vorhanden. Das ist natürlich nur eine anekdotische Beobachtung, die wenig beweist. Aber dafür interessant ist. Sex scheint mir bei antifeministischer Verwirrung ein hochwirksames Mittel gegen Frauenfeindlichkeit, vielleicht finden sich ja hier wie dort Freiwillige für Feldstudien, “Fuck for Feminism” oder so.

Dass unter der Flagge des Feminismus auch viel Quatsch passiert ist, ist vollkommen klar, die meisten -ismen hatten und haben problematische Fans, die die Sache veralbern bis pervertieren. Dass ich mit den durchaus vorhandenen antimännlichen Tendenzen wenig anfangen kann, sollte auch nachvollziehbar sein – aber das ändert nichts an der Substanz des gesellschaftlichen Ziels der Gleichheit. Und Gleichheit heisst nicht Gleichbehandlung, um nach langem Rechtfertigungsgelaber endlich zum Thema der Überschrift zu kommen. Deshalb halte ich auch etwa eine Frauenquote für gut und richtig (in den meisten Fällen), nicht, weil sie kurzfristig immer zu tolleren Ergebnissen führt, sondern weil sie gesellschaftlich notwendig ist. Und damit mittel- und langfristig zu einer für alle tolleren Gesellschaft führt. Mit der Frauenquote ist es meiner Meinung nach ein bisschen wie mit der Demokratie, um ein bekanntes Zitat von Churchill abgewandelt zu paraphrasieren: Die Frauenquote mag eine schlechte Methode der Gleichberechtigung sein, aber die beste, die wir haben.

Nur sind die Quoten immer die Quoten der anderen, oft wohlfeile Handlungsaufforderungen, ohne dass man selbst dahinterstünde. Deshalb habe ich beschlossen, eine Frauenquote für meine Blogroll einzuführen, und zwar eine 50%-Quote. Im Moment stehen dort 54 verlinkte Blogs, davon sind beschämende 15 (also 27,7%) weiblich dominierte Blogs. Daraus folgt, dass ich weitere 24 Blogs von Frauen zur Blogroll hinzufügen werde, um mit 39 zu 39 Blogs einen Gleichstand zu erreichen. An dieser Stelle kommt Ihr ins Spiel, die Leserinnen und Leser dieses Blogs. Ich bitte recht herzlich um Vorschläge für die Ergänzung meiner Blogroll, wenn möglich auch mit kurzer Erklärung. Der famose Nebeneffekt ist vielleicht, dass auch Dritte neue, gute, interessante Blogs von Frauen entdecken. Angesichts der ebenfalls beschämenden grob überschlagen 5% Blogs von Frauen in den Top 100 der Deutschen Blogcharts kann das definitiv nicht schaden – genausowenig, wie das flächendeckende Aufgreifen der Frauenquote für die Blogroll.

Update
Vielen Dank für die vielen Anregungen, nach und nach werde ich in den nächsten Tagen meine Blogroll entsprechend auffüllen und zur re:publica aller Voraussicht nach nochmal etwas dazu schreiben.

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