Das Facebook-Novum

tl;dr: Die Facebook-Page “Wir wollen Guttenberg zurück” hat nach meiner Einschätzung weitgehend echte Fans.

Der “Call for Crowd Action” vom vergangenen Freitag hat ein für mich erstaunliches Echo gefunden: neben über 900 Kommentaren kamen vor allem fast 100 Mails mit allen möglichen Hinweisen, von quasiprofessionellen Datenauswertungen bis zu Mutmaßungen. Mehrere Scripte sind geschrieben worden, die die Steigerung der Zahl der Fans der Guttenberg-Page auslesen, ein paar Datensätze sind lange vor meinem Aufruf angefertigt worden, insgesamt gibt es sehr, sehr umfangreiches Datenmaterial. Vielen und sehr herzlichen Dank dafür an alle, die sich beteiligt haben.

Zunächst zu den im Ausgangsartikel beschriebenen Methoden – die Sammlung von Screenshots ist durch die Scripte hinfällig geworden, die schon früh eingesetzt worden sind und die Beschreibung von aussagekräftigen Wachstums-Graphen erlauben. Die zweite Methode ging wie von mir beschrieben von einigen Ausgangsvoraussetzungen aus, um überhaupt aussagekräftig sein zu können. Tatsächlich ist, wenn man die geposteten Zahlen betrachtet, die aufgrund ihrer Größe eine ausreichende Aussagekraft haben könnten, der Anteil der Guttenberg-Fans bei vielen kleiner als erwartet – teilweise auffällig kleiner. Eine mögliche Erklärung dafür ist noch wesentlich interessanter als irgendein Tool, mit dem man Fakeprofile steuern kann: Vielleicht hat Guttenberg Leute zu Facebook gezogen, die vorher nicht da waren – und zwar eine ganze Menge. Die Zahlen von Socialbakers, einem Statistikdienst vor allem für Facebook, sind im Detail nicht übermäßig präzise, lassen in der 3-Monatsauswertung durchaus den Schluß zu, dass sich im letzten Drittel des Februar deutlich mehr Leute bei Facebook angemeldet haben als in vergleichbaren Zeiträumen.

Aber die vielen verschiedenen Beiträge, die durch die Crowd geleistet worden sind, haben dem Aufruf doch einen Sinn gegeben. Einige ausgewählte finden sich im Folgenden als Teil der Auswertung, viele andere bleiben unerwähnt – aber alle haben zumindest beigetragen, dass ich für mich zu einer recht eindeutigen Einschätzung gelangt bin: Ich glaube, dass die überwiegende Anzahl der Fans der Seite echt sind. Beweise habe ich nicht, und selbstredend ist es möglich, dass ich mich täusche. Aber es gibt starke – für mich ausreichend starke – Indizien, die auf die weitgehende Echtheit hindeuten:

1. Indiz
Das wichtigste Argument ist die für Facebook offenbar absolut übliche Wachstumskurve. Die Twitternutzer @scytale und @marekventur haben die Daten mit denen der Page der Sendung “Germany’s Next Top Model” verglichen – und auch mit den Wachstumsdaten der Page gegen Guttenberg. Hier ist das recht eindeutige Ergebnis:


2. Indiz
Facebook hat auf meine Anfrage hin nochmal in den Daten gewühlt und festgestellt:

“[…], es können da und dort Fakes dabei sein – aber nicht en masse”.

Hierzu muss man sagen, dass natürlich immer wieder Unzulänglichkeiten von Facebook bekannt werden, auch technischer Natur. Zum Beispiel habe ich häufiger einen Hinweis auf aktuelle spam- oder wurmartige Aktivitäten zugesendet bekommen, die in diesem Artikel beschrieben werden: “Wie man sich auf Facebook Likes erschleicht”. Theoretisch käme dieses Prinzip technisch auch bei der Guttenberg-Page in Frage. Aber – in dieser Größenordnung hätte das nicht unbemerkt bleiben können. Ebenso wenig, wie man aus Versehen zwei Drittel einer Doktorarbeit kopieren kann ohne es zu merken, können mehrere hunderttausend Facebook-Nutzer Fans werden, ohne es zu merken. Trotz solcher und anderer Unzulänglichkeiten von Facebook muss man zugestehen, dass dort in den allermeisten Fällen schnell und technisch präzise auf Fakes reagiert worden ist. Die Erstellung von gefälschten Profilen ist zwar möglich, aber alles andere als trivial. Noch schwieriger dürfte es sein, sechsstellige Anzahlen von Profilen so zu fälschen, dass auch die Techniker von Facebook – die jeden Tag mit Fakes zu tun haben – mit den Möglichkeiten der Administratoren das nach mehrfacher Prüfung nicht erkennen.

3. Indiz
Der Journalist Marcus Schwarze von der Rheinzeitung hat vom Ersteller der Seite einen Admin-Zugang bekommen, der einen Blick in die internen Facebook-Statistiken erlaubt. Er hat dort Zahlen und Detailstatistiken gefunden, die – sowohl was die Interaktionen angeht wie auch vom Traffic her – den Schluss zulassen, dass der Großteil der Page-Besucher echt sind.

Natürlich bleiben Ungereimtheiten. Natürlich gibt es einzelne Accounts, die ganz eindeutig Fakes sind. Natürlich kann es sein, dass Betrüger aus welchen Gründen auch immer auf den Zug aufgesprungen sind, etwa, um mit repititiven Massenpostings Traffic für zweifelhafte Seiten zu generieren. Die Kommentare auf der Wall der Page lockten ja durchaus mit der Anmutung, dass der Großteil der Leute dort, sagen wir: eher anfällig für plumpe Klickfallen schienen. Und natürlich ist noch nicht gesagt, ob nicht etwa die ersten zehntausend Page-Fans gefaket waren, um einen Anschub zu geben. Aber würde es wirklich eine Rolle spielen, wenn zum Beispiel 100.000 der fast 600.000 Fans Fakes wären?

Das wichtigste und 4. Indiz für die Echtheit der Page-Fans aber ist die Entwicklung der digitalen Gesellschaft in Deutschland selbst. Etwa 20% der Bevölkerung oder 17 Millionen Deutsche sind auf Facebook. Es liegt nahe, dass es sich inzwischen um einen einigermaßen ausgewogenen Querschnitt durch die Bevölkerung handelt, natürlich mit der Tendenz, jünger, progressiver, gesellschaftlich aufgeschlossener zu sein. Aber eben nur mit der Tendenz. Es ist unbestritten, dass Guttenberg ein mediales Massenphänomen war. Jemand, der Leute ansprach, von denen man sich irgendwie schon dachte, dass sie exakt so seien, wie sie sich später auf der Fan-Page dann auch präsentiert haben. Ohne Häme und intelligent analysiert hat das der Twitternutzer @haekelschwein in einem Kommentar auf dem Blog netzpolitik.org. Der ehemalige Verteidigungsminister hat eher nach dem Prinzip Justin Bieber funktioniert als nach politischen Maßstäben, dementsprechend sind zu seiner Beschreibung auch eher Popstar-Mechaniken geeignet. Guttenberg wurde von seinen Fans – die oft keine einzige konkrete Tat ihres Idols benennen konnten – in erster Linie ästhetisch und emotional beurteilt und nicht politisch. Von ihm bleibt mehr Haargel als politische Substanz. Niemand aber hätte Verdacht geschöpft, wenn ein Popstar wie zum Beispiel Dieter Bohlen in wenigen Tagen eine halbe Million Fans versammelt hätte, jeder hätte gedacht – ja nun, so sind die Menschen, in ihrer irrationalen Begeisterung fühlen und handeln sie oft unerklärlich.

Und darin liegt der Schlüssel zu der Merkwürdigkeit: als aufgeklärter Netzteilnehmer konnte und wollte man sich bisher einfach nicht vorstellen, dass eine halbe Million Menschen unter den gegebenen Betrugs-Umständen ernsthaft für die weitere politische Betätigung Guttenbergs ist – und gleichzeitig im Netz unterwegs ist, das doch irgendwie eher progressiv und liberal war. Bisher. Wenn ich ähnlich starke Indizien für das Fake-Szenario gefunden hätte, hätte ich vermutlich nicht gezögert, laut “Betrug!” zu rufen. Aber manchmal passen einem Erkenntnisse so gar nicht in den Kram und sind doch richtig.

Der digitale Marsch der halben Million nach Guttenberg zeigt vor allem eines: jahrelang hat man sich gefragt, wann abgesehen von Mails und Online-Banking das Volk endlich wirklich im Internet ankommt. Und jetzt ist es da.

Nachtrag
Die äußerst geringe Zahl von Demonstrationsteilnehmern erklärt sich meiner Meinung nach daraus, dass es kein niedrigschwelligeres “politisches Engagement” gibt als ein Klick auf Facebook. Dementsprechend ist es kaum möglich, allein daraus irgendetwas über eine mühevolle Demonstrationsteilnahme abzuleiten, in die eine wie in die andere Richtung.

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This Post Has 91 Comments

  1. Finn Reddig says:

    Ich denke, es ist eine Mischung aus echten Fans, Beobachtern (siehe @beichstaedt) und einer Menge “künstlicher Fans”. Das ist zwar nur eine Mutmaßung. Aber ich kann mir vorstellen, dass die “kritische Masse” künstlich angeschoben wurde. Bei uSocial kann man 250.000 “echte” Fans für schlappe 9.000$ kaufen.

  2. Sascha Lobo says:

    uSocial liefert zum einen nach mehreren Berichten nicht so schnell und zum anderen arbeiten Fake-Dienste oft mit indischen oder chinesischen Klickfabriken zusammen – nur sind die kaum so organisch im Wachstum steuerbar, dass sich den deutschen Normaluhrzeiten angepasste Wachstumskurven ergeben. Ausgeschlossen ist das wie gesagt nicht, aber sehr unwahrscheinlich schon.

  3. Helen says:

    Die sind jetzt erst im Internet angekommen und dann gleich bei Facebook gelandet? Das ist ja schrecklich. So wie die Flüchtlinge aus Afrika, die an der Küste Italiens ankommen und dann gleich in ein Auffanglager aka Abschiebelager gesteckt werden.

  4. Hans Adam says:

    Und Sie, Herr Lobo, haben wirklich keine Lust darüber nachzudenken, ob das Verhältnis der “likes” der echten Unterstützer und den “like” der sog. Realsatiriker, Spötter und amüsierten Beobachter nicht korreliert mit dem Verhältnis der echten Unterstützer auf der Straße und den sog. Realsatirikern und Spöttern auf der Straße?

    Müssen Sie wirklich, nach der Auswertung schreiben, dass es sich bei den echten “likes” um Unterstützer handelt?

    Wollen Sie wirklich nicht einfach mal einen Blick auf die Seite werfen und feststellen, dass die überwiegende Anzahl der Kommentare spöttischer, satirischer und teils völlig themenfremder Natur ist und das Phänomen dadurch erklärbar scheint?

  5. D@ny says:

    Ich denke auch, dass vile der Fans echt sind…90% denken nach folgendem Schema:

    Für alle, die es immer noch nicht verstanden haben, hier sind die Fakten:

    1. Er war so nett.
    2. Er sah so gut aus.
    3. Er war kompetent.
    4. Er hat einen guten Job gemacht.
    5. Er war Doktor, bevor ihm Neider den Titel klauten.
    6. Er hat eine hervorragende Doktorarbeit geschrieben.
    7. Deutschland ist ein Neidland.
    8. Alle anderen Doktorarbeiten sind auch erschlichen und erlogen.
    9. Er hatte die Haare schön.

    Die ganzen kommunistischen Medienhetzer sollten sich schämen. Da hat man so lange gesucht, bis man am Ende so eine Kleinigkeit gefunden hat. Nur weil er einmal geschummelt hat. Dabei war er so kompetent. Er hat einen so guten Job gemacht. Ihr habt meinen Lieblingsmenschen auf dem Gewissen!

    ;-)

  6. Das ist schon ganz gut rausgearbeitet und eine gute Replik auf die Behauptung der Großteil wären fakes. Ist schon was dran, zu fragen ob es bei 600.000 schlimm wäre, wenn 100.000 fakes dabei wären. 500.000 Monarchisten ist schon ganz schön viel (wie groß wohl der Anteil Bayern ist, die haben vielleicht die größte Monarchie-Sehnsucht.
    Aber abgesehen davon, ist’s nicht einfach auch mal genug? Guttenberg ist zurück-getreten und hat endlich das getan, was nach der, besonders von Politikern, immer wieder geforderten Moral, unausweichlich war.

  7. Edith Winkelmann says:

    Die proGuttenberg-Seite habe “weitgehend echte Fans” kann m.E. so nicht stehen bleiben. x Teilnehmer haben auf “gefällt mir gedrückt”, sind zwar nach Definition von facebook Fans, aber sind sie wirklich Anhänger zu Guttenbergs? Es wäre wichtig, dies zu unterscheiden, um die Legende vom unglaublich beliebten zu Guttenberg nicht weiter zu fördern.

  8. Wolfgang Noelke says:

    Solange es bei fb keinen Dislike- button gibt, glaube ich nicht, dass das Verhältnis echter Unterstützer zu Gegnern und neugierigen Lesern von den Ergebnissen anderer Umfragen abweicht. Doch die These, dass wegen des Guttenberg-Hypes sich viele neue, in diesem Fall vor allem ältere Menschen bei fb angemeldet haben, ist glaubwürdig. Die müssen aber auch nicht unbedingt Guttenberg- Fans sein.

    Am Beispiel meiner zwei Videos, die ich zum Thema ins Netz gestellt habe, darunter das Video der “Schuh-Demo” mit 15.000 Klicks, registriere ich in der demografischen Altersstruktur einen deutlichen Trend nach oben: Ohne Guttenberg war das Interesse an meinen Videos ziemlich ausgeglichen, mit leichtem Schwerpunkt in der Altersgruppe 13- 17 Jahre (ca 25%) bis zur Gruppe 45-54 Jahre (ca. 8-10%). Die älteren Altersgruppen waren kaum messbar (unter 5%).
    Aktuell verschob sich die Altersstruktur innerhalb der letzten Woche auf 45-54 Jahre (30%) und selbst die 65-Jährigen sind jetzt mit ca. 8% vertreten (vorher ca 2%).
    Die Gruppe der Älteren dürfte demnach ebenfalls überwiegend zu den Guttenberg- Gegnern gehören, wie die Auswertung der bis heute 146 Kommentare zeigt. Darunter befinden sich nur ca. 15 Kommentatoren, die Guttenberg unterstützen.
    Hier das Video: https://www.youtube.com/watch?v=ZNKdQz98X_w

  9. [...] Sascha Lobo: “Der digitale Marsch der halben Million nach Guttenberg zeigt vor allem eines: jahrelang hat man sich gefragt, wann abgesehen von Mails und Online-Banking das Volk endlich wirklich im Internet ankommt. Und jetzt ist es da.” [...]

  10. Torsten says:

    Zwei wichtige Faktoren hast Du hier übersehen: Facebook hat in den letzten Monaten die Algorithmen des Livefeeds geändert. Folge: wer viel auf Facebook aktiv ist, wird sehr bevorteilt. Durch die enorme Steigerung am Anfang und die (unbewusst?) geschickte Strategie der Gruppengründer bekam wirklich jeder gelegentliche Facebook-Nutzer andauernd diese Gruppe vorgesetzt. Gerade in Deutschland macht sich das bemerkbar, da hier die Schwelle von der verschworenen Facebook-Gemeinschaft der arte-Zuschauer und Fernsehverweigerer zum Massenmedium wurde. Das änderte nicht nur die soziale Zusammensetzung der Plattform, die Anzahl der Updates steigerte sich so weit, dass die Auslese durch Facebook immer mehr gegriffen hat. Und die Folge davon ist: Facebook polarisiert wie US-Nachrichtensender. Die Mitte, die nachhaltig, aber langsam wachsenden Gruppen, die konstruktive Arbeit wird von kurzfristigen Aufregern untergebuttert.

    Zweiter Faktor: Jede Pro-Gruppe ist auch eine Anti-Gruppe. So wie wir die Nase über die überzeugten Guttenberg-Fans rümpfen, sind andere Leute angewidert vom allzu forschen Auftreten mancher Guttenberg-Gegner. Seien wir ehrlich: Die Anti-Guttenberg-Fraktion hat sich nicht durchweg mit Ruhm bekleckert. Trittins Auftritt in der Fragestunde war fraglos polemisch, Guttenberg in Berlin ausgerechnet die Schuhe zu zeigen, war in meinen Augen peinlich — klauen wir doch Mal das Symbol der arabischen Demokratiebewegungen, wieso nicht? Vielleicht verwandelt sich dann Guttenberg in einen Hosni Mubarak und wir sind Revolutionäre. Nein, das sah gar nicht gut aus.

    http://notes.computernotizen.de/2011/03/05/das-gutten-fake-mysterium-eine-einfache-erklarung/

  11. Du schreibst “Dementsprechend ist es kaum möglich, allein daraus irgendetwas über eine mühevolle Demonstrationsteilnahme abzuleiten, in die eine wie in die andere Richtung. ”
    Gestern bin ich zum gegenmteiligen Ergebnis gekommen: Ich habe mich eher gefragt, was denn die ganzen Umfragen über Politiker zu bedeuten haben? Offenbar nicht, dass es irgendwem wert ist vor die Tür zu gehen. Darüberhinaus habe uich noch einmal festgestellt, dass das ZDF nicht die Beliebtheit misst im Politbarometer, sondern nur die Wichtigkeit.. So als Beispiel. Ernst nehmen muss man doch vor allem die Leute, die für ihre Interessen auch auf die Straße gehen. Zufällige Meinungen, die Leute auf Nachfrage rausgeben sind doch eher genau das: Zufällig und beliebig.

  12. Mich wundert, dass niemand auf die Idee gekommen ist, die like-Klicker ‘spöttischer, satirischer und teils völlig themenfremder’ Kommentare zum ent-like-n aufzufordern.
    Anyway: mir belegt der KTvG-Hype in FB, dass das Netz nur ein Abbild unserer manchmal doch sehr oberflächlichen Gesellschaft darstellt – und nicht mehr.
    Meines Erachtens wird es Zeit, die Sache abzuhaken um Energie in wichtige Themen zu investieren, wie Ostern oder die Fußball-WM. ;-)

  13. Andreas says:

    Danke für die Mühe, die du dir mit dieser Analyse gemacht hast. Aber das Ergebnis ist wenig überraschend. Man muss sich doch nur mal in seinem persönlichen (also Offline) Umfeld umhören. Jeder kennt bestimmt einige unpolitische Leute, die ganz erbost über das Verschwinden Guttenbergs sind. Wüssten diese Menschen nicht, dass sie sich selbst damit entlarven würden, würden sie am liebsten sagen: “Ich interessiere mich nicht für Politik, aber der Guttenberg ist ein guter Politiker”
    Bohrt man dann nach, dann verfallen sie gerne mal ins stottern, oder wollen die Diskussion beenden.
    Ich weiß nicht was die Faszination des Guttenberg ausmacht, aber einer breiten Bevölkerungsschicht scheint das zu reichen.
    Ich würde daher sagen, die Zahl der Guttenberg Anhänger korreliert mit der Zahl der Nichtwähler.

  14. Finn Reddig says:

    @dan
    Das Thema “Facebook Fans kaufen” hatte ich auch im Kopf. Aber das ist wohl unwahrscheinlich (siehe oben).

    Die 100%ige Gewissheit werden wir wohl nie haben. …und natürlich spielt auch viel Unverständnis mit (inklusive meiner Person).

    Inwiefern KTzuG die Massen für sich mobilisieren konnte und ob das deutsche Volk ihm seinen “70%-Fälschungs-Fehler” vergibt werden wir spätestens sehen, wenn er das nächste Mal bei einer Wahl antreten sollte. :)

  15. [...] Sascha Lobo hat der Diskussion, ob die Guttenberg-Fans auf Facebook echt sind, mit einer ziemlich professionellen Analyse eine sachliche Komponente verpasst. Sein Urteil: Die „Liker“ sind in der Masse wohl ungefaked. Dass es sich dabei allerdings lediglich um „Klicker“ handelt – ob aus Dummheit, Irrglaube, Unwissenheit, Protest oder einfach nur Spaß an was auch immer – und nicht um politisch Interessierte und Informierte, ist ihm ebenso klar, wie den meisten von uns. Dass Facebook also als solches schon eher als niedrigstschwelliges Angebot einzustufen ist, wissen nicht nur Fachleute schon lange. Dazu gehört eine unübersichtliche Menge Datenmüll in Form von Texten, Bildern und Videos. Dazu gehören Gewinnspiele, die lediglich Freunde anziehen sollen – billigstes und dümmstes Marketingmotto: Quantität zählt, nicht Qualität! Und dazu gehören „Angebote„, die die Ahnungslosigkeit und Triebhaftigkeit der Nutzer bestrafen. Drum prüfe… [...]

  16. Dominik H. says:

    Danke für die gute Recherche.
    Zusammen mit dem BlogPost von Marcus komme ich immer mehr dahin, in diesem Zusammenhang von Schwarmverhalten zu sprechen.
    Insbesondere ist der kika Pur+ Beirag vom 1. März “Alle mir nach!” hervorzuheben. (Habe leider derzeit keinen Sendelink, nur den infolink gefunden: http://programm.ard.de/?sendung=280086227526633 ) Wer es sehen kann achte bitte auf den Schwarmversuch mit den 100 SchülerInnen und den Robofisch.

  17. Great Job, Sascha.

    Was mir besonders gut gefällt, ist, dass Du sicherlich nicht mit der Annahme gestartet bist, dass das “alles mit rechten Dingen zugehen kann”, aber dann die Faktenlage akzeptiert hast. Das ist selten. Zeigt Größe! :)

    Wo ich nicht zustimmen kann, ist:
    >> wann abgesehen von Mails und Online-Banking das Volk endlich
    >> wirklich im Internet ankommt. Und jetzt ist es da.

    Ich befürchte, dass, wenn “Das Volk” wirklich im Internet (vulgo Facebook) angekommen wäre, die Anzahl der Fans inzwischen locker über 2 Millionen läge. Die Zustimmung zu vuz Guttenberg ist – so unschön ich das finden mag – massiv und im Internet eher unter- als überrepräsentiert. Das zeigen die Vergleich zwischen Online-Umfragen (wo unabhängig von der veranstaltenden Website immer eine Mehrheit für baldigen Rücktritt war) und ALLEN anderen Umfragen.

    Müssen wir wohl so hinnehmen.

    Dass zwischen der Fan-Begeisterung bei Facebook und der Präsenz bei den angekündigten Demos in der physischen Welt eine so hohe Diskrepanz bestand, ist auch nicht weiter verwunderlich. Ein LIKE-Klick verlangt nicht viel Kraft :)

    Man sollte das aber nicht missverstehen oder darauf hinabschauen. Die Anzahl der Demonstranten bei eine Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung wäre in der physischen Welt sicherlich auch dramatisch kleiner als die Menge der entsprechend gesinnten Unterstützer auf Facebook, in Blogs oder bei einer ePetition.

    Was auch bedenkenswert ist: die den meisten Bürgern geläufigste Ausdrucksform der politischen Willensäußerung – das Kreuzchen auf dem Wahlzettel – verlangt ja nur wenig mehr Energieeinsatz als ein LIKE …

  18. Farlion says:

    Hallo Sascha,
    wie tief waren denn deine Einblicke in die Statistiken? Ohne zumindest eine IP-Auswertung halte ich Schlussfolgerung für etwas leichtfertig.

  19. Hallo Sascha,

    vielen Dank an Dich und die Friedliche für diese schöne Auswertung.

    Das gleiche Phänomen habe ich gerade erst bei Charlie Sheen beobachten können, der innerhalb von 24 Stunden über eine Million Twitter Follower bekommen hat ;-)

  20. Patrick says:

    Zu Punkt 1 ist anzumerken, dass bei WWGZ das Wachstum für einen Zeitraum verglichen wird, an dem längst eine Eigendynamik vorhanden war. Interessant wären diese Kurven für die ersten 48 Stunden.

    An der Echheit der “Fans” ab ca. 280.000 zweifle ich nicht. Aber die ersten 24 Stunden immer noch kurios.

    Zudem (ja, Verschwörungstheorie) könnte ICH mir vorstellen, dass sich eine derartige Manipulation für gewisse Gruppen schon soweit lohnt, dass sie bereit sind ein paar Euro dafür zu investieren.
    Man mietet sich irgendein Callcenter, dass mit 50 Leuten nichts anderes tut, als in den ersten zwei Tagen die Zahlen zu pushen. Die Kosten dafür sind im Vergleich zu sonstigen Ausgaben für Imagepflege oder Wahlwerbung oder Volkspropaganda Peanuts.
    Und ob ich Facebook für so integer halten kann, dass die eine Manipulation aufdecken würden? Bei Firmen dieser Größenordnung kann man nicht oft genug
    “qui bono” fragen.

    Just my 2 cents

  21. Frank says:

    Danke an Sascha Lobo für die Mühe – doch leider ist Analyse fehlerbehaftet. Sie basiert nicht auf Kausalitäten. Im Klartext: jeder Netzwerkökonom weiss, dass nach Erreichen einer kritischen Masse Netzwerkeeffekte selbstverstärkend sein können. Es gibt also keinen Grund für Entwarnung. Denn wieso sollte die plötzlich die sonst so kritische Netzgemeinde plötzlich so schnell ihre moralischen Standards ablegen? Wäre es nicht denkbar, dass durch ein Initialinvestment von wenigen Tausend Fans und starke Trafficbringer wie Bild.de, etc. derartige Phänomene ausgelöst werden können? Ich finde es geradezu naiv zu glauben, dass im Web 2.0 nicht manipuliert wird. Sascha Lobos Persilschein ist daher aufgrund methodischer Fehler nicht akzeptabel – oder ein zur Dramaturgie des grossen Guttenberg-Scam gehörender Akt. Denn die neue Bild ist Sascha Lobo – und nur “No news are bad news”. Es profitieren also auch diesmal alle Beteiligten davon – der Dumme ist mal wieder der sich so aufgeklärt fühlende Social Web User.

  22. Torsten says:

    Patrick: Hier ist der Gruppengründer ein entscheidendes Kriterium. Tobias Huch hat es immer Mal wieder probiert, den großen Facebook-Hype zu generieren. Zum Beispiel versuchte er die irische Aktion zu kopieren, als die dortigen Single-Charts gezielt benutzt wurden, um eine politische Botschaft zu senden. Doch bevor die gruppe richtig Fahrt aufnehmen konnte, hatte Huch schon so viel Gegenwind, dass sich eine Gruppe von Kritikern zusammenfand: http://www.facebook.com/group.php?gid=297067545154

    Ich nehme an, Huch hat seine Lektionen gelernt und ein Netzwerk von Leuten aufgebaut, die ihm beim schnellen Pushen der Gruppe tatkräftig halfen, Hunderte von Nachrichten und Links in allen möglichen Foren hinterließen. Ab einem gewissen Punkt wurde das zum Selbstläufer.

  23. NetzBlogR says:

    Solange reine “Gefällt mir”-, Follower- oder Views-Zahlen im Internet als Maßstab für irgendwas gelten, kann man Statistiken wälzen, wie man will: Die sagen alle aus, dass es genug Trottel im Netz gibt, die bei jedem Mist auf “Gefällt mir” klicken.

    Und dann kommt da eine BILD daher, rechnet einfach die Zahlen aller Pro-Guttenberg-Gruppen zusammen und kommt auf eine Zahl von “1,8 Millionen Unterstützern allein auf Facebook”. Genial.

    Ich gehe davon aus, dass (eigene Schätzungen) 80% aller Facebook-User ihren Account nicht pflegen, weil sie eh keinen Überblick mehr haben, wo sie schon alles auf “Gefällt mir” geklickt und wen sie “gefriendet” haben.

    Ich wäre daher mal sehr interessiert, wie viele Facebook-User in 3 Jahren noch immer Mitglied dieser Guttenberg-Gruppen sind, wenn ihn keiner mehr kennt. Vorausgesetzt, er verschwindet in der Versenkung*.

    * Wovon ich ausgehe, denn wenn der sich jemals wieder um ein öffentliches Amt bewirbt, wird da einer im Internet sein, der das merkt und den Shitstorm auslöst…

  24. [...] und benennt sogar Zugriffsquellen auf die jeweiligen Facebook-Seiten. Sascha Lobo schreibt vom Facebook-Novum, und folgert darin weitgehend biologisches Wachstum. Das Phänomen einer halben Millionen [...]

  25. Edith Winkelmann says:

    Umfrageergebnisse lassen sich über die Fragen beliebig steuern, total vereinfacht bei facebook über den „gefällt mir“-Button. Der aber kann prinzipiell zweierlei bedeuten: „Mir gefällt der Inhalt“ oder „Mir gefällt die Tatsache, dass jemand sich um eine z.B. kritische Angelegenheit kümmert.“ Zur Erinnerung: Das Thema der facebook-Seite war nicht zu Guttenberg, sondern: „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“.
    - Viele Neueinsteiger haben gedacht, wie ich weiß, sie müssten vor der Abgabe eines Kommentars auf “gefällt mir” klicken. Es gab überraschend viele negative, spöttische, Guttenberg-kritische Kommentare. Wieviele Kommentatoren haben zuvor den „gefällt mir“ Button angeklickt und nicht daran gedacht, diesen Eintrag wieder rückgängig zu machen? Und wenn schon:
    - Die Bundeskanzlerin und selbst Teile der kritischen Presse (z.B. TAZ) hatten das eigentliche Problem, die Glaubhaftigkeit der Wissenschaft und folglich die Glaubhaftigkeit eines Verteidigungsministers, zunächst als Streit um Fußnoten gesehen. So wurde der eigentliche Skandal auf die Ebene des Schummelns heruntergebrochen. Viele Kommentare auf der proGuttenberg-Seite äußerten sich auch gar nicht pro Guttenberg, sondern – über den „Umweg“ Guttenberg – gegen “die” Presse, die Menschen zu „Stars“ aufbaut und später wegen irgendwelcher Nichtigkeiten niedermacht, also doppelt von Einzelschicksalen profitiert. Von Plagiat dürften die meisten zum ersten Mal gehört haben. Die Reaktion der Presse, auch die von Politikern und Wissenschaftlern, wurde als Willkür, Ungerechtigkeit und Verlogenheit empfunden.
    Ich fände es fatal, wenn wir die proGuttenberg -Stimmen nicht genauer analysierten. Sie sollten nicht als Ausdruck der Popkultur, als Reflexe auf Show, Glamour, Adel etc. verstanden oder auf das höhere Durchschnittsalter der Fans der proGuttenberg-Seite oder auf die leichte Bedienbarkeit eines „gefällt mir“-Buttons zurückgeführt werden.
    Besonders fatal finde ich es, dass Nationalisten mit den blendenden facebook-Zahlen hausieren gehen und den Schulterschluss mit den proGuttenberg-Fans suchen. Wenn wir die Legende vom unglaublich beliebten Guttenberg weiter undifferenziert verbreiten, fördern wir, wie ich befürchte, dessen Rückkehr – dann vielleicht unter einem nationalistischen Gejubel ohnegleichen!

  26. Wolfgang Noelke says:

    @Patrick – ich schließe nicht aus, dass gewisse Gruppen (beispielsweise Angehörige der Bundeswehr) zum Liken befohlen wurden oder dies sogar freiwillig machten. Vielleicht ist so der rasante Zuwachs der Unterstützer zu erklären. Das lässt sich allerdings nur mit einer IP-Auswertung beweisen.

  27. Olli says:

    Guter Artikel – Danke Sascha!
    Der für mich wichtigste Satz am Schluß:
    “…. dass es kein niedrigschwelligeres “politisches Engagement” gibt als ein Klick auf Facebook”
    Das war ein Zitat!
    Nehmen wir nicht alle einen einzelnen Mitmenschen (und eine einzelne Internetseite) viel zu Ernst!
    Er ist halt auch nur ein ganz normaler Mensch (Politiker) – und er hat seine Chance nicht genutzt!

    C’est La Vie

  28. [...] Hunderttausender Facebook-Fans für Karl-Theodor zu Guttenberg sind die Medien so ratlos wie wir Blogger.Sind die Guttenberg-Liker einfach faul? Oder falsch? Oder gar ein Zeichen von Schwarmdummheit? [...]

  29. Elisabeth Chowdhury says:

    LIEBER Herr Sascha Lobo, meine Erkenntnis ist die, dass die Portale
    Karl-Theodor zu Guttenberg / Gegen die jagt auf Karl-Theodor zu Guttenberg /
    Wir wollen Guttenberg zurück / und noch viele mehr, immer ca. 20 Personen gleiche Personen aufweisen, die pro Tag 60 -100 nur Guttenberg Kommentare abgegeben haben.
    Mir als Einsteigerin fiel auf, immer wenn ich einen Kommentar (in den oben genannten Portalen o h n e Teilen) abgab, erhielt ich ca. 20 Antworten, von Personen die ich anfangs nicht kannte. Diese obwohl ich keine Einladung zur Freundschaft abgab, stellte man mir „K-T Guttenberg“, „Gegen die jagt…“, und „Wir wollen Guttenberg zurück“, in mein Facebook-Portal, ich habe es nur mit blockieren sperren können.
    Können Sie mir bitte das erklären, wie das möglich ist?

    Bei allen Portalen können Kommentare nur abgegeben werden, wenn zuerst auf „gefällt mir“ gedrückt wird, also auch alle negativen Kommentierungen.
    Können Sie mir das erklären wie ich das umgehen kann?

    Ihren Ersten bericht habe ich auch gelesen, gab darüber aber nur deshalb keinen Kommentar ab, weil ich darin mein Problem auch gelesen hatte.

  30. Koller says:

    Facebook und Guttenberg, das passt einfach gut zusammen! Jovial, oberflächlich und schnell entschlossen. “Freundschaft?” “Yep!”

    Oder steckt hinter dem Misstrauen etwa Neid? Denn auch Lobo und Guttenberg haben viel mehr gemeinsam als den Umstand, dass sie gerne ihr Hair stylen.

  31. drei says:

    Könnte es vielleicht einfach sein, dass 99% aller Kommentatoren (die hier versammelten eingeschlossen) die Relevanz von Facebook völlig überbewerten? Dass Facebook eben keine “soziale Plattform” ist, kein Spiegel des wirklichen Lebens, kein Ausdruck von Modernität oder was immer auch, sondern lediglich eine Spielwiese für Wichtigtuer, Früh-, Spät- und sonstwie Pubertierende?

  32. ralf says:

    Problem ist das morgens um 5 Uhr genausoviele neue Fans dazugekommen sind wie Mittags um 12. Das kann doch nicht sein das die neuen Fans 24h am Tag in gleichem Maße dazukommen. Es muss doch Tageszeiten geben wo es weniger sind, und es muss Tageszeiten geben an denen viel mehr kommen. Das habe ich mehrfach aus Graphen herausgelesen.

  33. Largos says:

    Es wäre wohl auch ein wenig naiv gewesen wenn ausgerechnet das Internet von diesem medialen Massenphänomen ausgenommen geblieben wäre.

  34. weltherrscher says:

    ok, ich gebe es zu:
    liebe netzgemeinde, guttifans, kritiker, ich habe all die fans gefaked. in mühevoller kleinstarbeit habe ich tausende neue useraccounts bei facebook angelegt. da ich extrem multimässig bin, konnte ich gleichzeitig (auf mehrere rechner verteilt) ca. 400 fanaccount in 3 minuten anlegen. geschlafen habe ich überhaupt nicht mehr. meine finder sind auch wund. aber egal. ich tat es in namen einer gutten sache. der mann ist doch unser aller ideol. fettige haare, schmieriges lächeln und ne frau mit großen glocken. was will man mehr. dem muss man doch helfen.

    da ich persönlich total unpolitisch bin, finde ich auch, dass uns gutti total gute arbeit geleistet hatte, also in der zeit, in der er da war. jetzt ist nur noch ein schatten von ihm in berlin. was ne totale sauerei ist. berlin ist ärmer geworden. und auch die politik. wäre gutti unser aller kanzler, würde wir auch endlich im ausland wieder mehr beachtet werden. gaddafi z.b. hätte sofort abgedankt und wäre untergetaucht. ein wort von gutti hätte gereicht und das lybische volk wäre jetzt befreit. aber dazu kam es ja nicht, weil die vielen neider in der BRD bewusst und vorsätzlich die wahrheit sagten. einfach so. und diese dann auch noch online bewiesen, ihr schweine! ihr wahrheitsnazis! ihr dings!

    also. die suche hat ein ende. ich schwöre auch, bei allem was meiner nachbarin heilig ist, dass ich das nie wieder für gutti machen werde. ich mein, der mann ist jetzt verbrannt. so ist das nun mal.

    gez.
    ein reudiger täter

    #soistdas

  35. Navigator42 says:

    also ich war auch einer von den 500.000 “Fans”, aber nur um einfacher am morgen die tollen Argumente der Gutti-Fantruppe zu verfolgen.

    Vielleicht kenne ich die falschen Leute, aber im realen Leben begegnen mir auch immer noch Leute mit dem von D@ny irgendwo weiter oben treffend zusammen gestellten Denkschema.

    Auch in der Politik haben wir ein Pisa-Problem, die dürfen trotzdem alle wählen.

  36. Erich says:

    So hätten letztendlich 3,75% der Facebooknutzer auf der Pro-Guttenberg-Seite mitgemischt, ohne dabei automatisch Pro-Guttenberg zu sein. Dies entspricht auch dem Durchschnittsanteil, wenn man die Städtezahlen (inkl. 10 Meilen Metropolenradius) mit den Facebookaccounts der Großstädte von Facebookmarketing.de verrechnet, mit Nürnberg als Spitze bei 10%, was auch politisch-lokalpatriotisch Sinn macht. Interessant ist auch in diesem Zusammenhang die Zahl der Seitenaufrufe im Vergleich zu den Teilnehmerzahlen. Danach haben über 98 % der Aufrufe zu der Entscheidung geführt, da nicht mitzumachen, egal in welcher Form. Im vergleich zur Zahl der Bundesbürger sieht das noch viel ernüchternder aus. 0,75%. Das wird auch nicht wesentlich besser, wenn man die Kleinkinder abzieht. Wenn man eben betrachtet, wie “ausbaufähig” diese Zahlen schon rein praktisch sind, gäbe es wirklich diese wahnsinnige Zustimmung für Guttenberg im Volk, von welcher die Bildzeitung spricht, so sind 600.000 nicht zuzuordnende Teilnehmer auf Facebook eigentlich eine ziemliche Schlappe.

  37. Suat says:

    Ich bin ja kein Statistiker und ich hab’ leider gerade wirklich keine Zeit mich intensiver mit den Zahlen außeinanderzusetzen. Allerdings sehe ich in den Graphen einige auffällig linearen Abschnitte – hier zwei Beispiele:

    http://test.sui.li/facebookProGuttenberg/graph.png

    Der zweite markierte Abschnitt beginnt mit einem leichten Knick um ca. 6:00, wird so um 7:00 einigermaßen konstant und endet mit einem großen Knick um ca. 14:00. In einem Zeitraum von 8 Stunden, wo die Leute zur Arbeit/Schule fahren und zwischendrin ihre Mittagspause machen müssten doch eigentlich größere Schwankungen beim Zuwachs zu verzeichnen sein, oder habe ich irgendwo einen Denkfehler?

  38. ogmb says:

    Dieser Artikel ist nicht nur tldr, er ist vor allem zum Grossteil Unsinn und wieder ein Beispiel dafür, dass auch in der digitalen Medienlandschaft die gehört werden, die das lauteste Sprachrohr haben, und nicht die, die etwas davon verstehen. Im einzelnen:

    1. Sowas nennt man eyeballing, oder anders ausgedrückt, “Oh das sieht aber so ähnlich aus wie …”. Als Beweis für oder gegen ist das völlig wertlos, aber immer gut, um Ahnungslose zu beeindrucken. Hier gibt es offensichtlich noch nicht mal eine erkennbare Hypothese, die getestet wird.

    2. Facebook sagt es ist nicht so? Oh dann ist ja alles in Ordnung. Nur zur Info, hier ist ein Screenshot eines meiner E-Mail Accounts: http://i54.tinypic.com/301ofhv.png Das Merkwürdige nur: das sind nicht meine Kontakte. Facebook hat einfach jemandem erlaubt, mit meiner E-Mail Addresse einen Account zu öffnen (und dieser Person auch noch meine Freunde vorgeschlagen). Wenn man es so einfach macht, Fake Accounts zu erzeugen, ist man als neutraler Zeuge eher unglaubwürdig.

    3. Herr Schwarze versteht auch nichts von Statistik und kann auch keine Hypothese vorweisen, die er entkräftet. Den Logiksprung von “ich sehe nix” zu “da ist nix” hat er immerhin mit Herrn Lobo gemeinsam. Und zweimal falsch ergibt ja bekanntlich einmal richtig.

    4. Das ist kein Indiz, das ist wieder ein Logiksprung von “ich kann es mir nicht vorstellen” zu “dann muss es so sein”.

    Im Grunde ist es ja ziemlich egal, weil die Plattform, die die Diskussion entscheidend beeinflusst hat, nicht Facebook war, sondern Wikia. Aber als Abbild der Meinungsbildungsprozesse ist dieser Beitrag, wenn auch unabsichtlich, sehr aufschlussreich. Summa cum laude!

  39. Erich says:

    @suat:

    Ich würde wetten, im Bereich des zweiten auffällig linearen Anstiegs fehlen schlicht Datenpunkte und die Linie wurde (in vielen Programmen automatisch) durchgezogen. Und das ist das, was wir nicht haben: Daten. Selbst die Städtezahlen sind nur sehr eingeschränkt nutzbar, da Facebook einen 10 Meilen Metropolenradius mitzählt. Umrechnungen auf Bevölkerungszahlen ergeben dann auffällige Verteilungen, die aber letztendlich ein Artefakt aufgrund der technischen Methode sind. In den aktuellen Facebookmarketing-Daten für die deutschen Städte befinden sich aufgrund dieses Gitternetzverfahrens vier Städte, die mehr Facebooknutzer haben, als Einwohner. 130 % der Oberhausener benutzen Facebook. Selbst als Statistiker nützen dir solche Daten herzlich wenig.

  40. Petra Schwartz says:

    Ich bin sehr überrascht, daß zwielichtige wissenschaftliche Arbeit so viele Fans in diesem Lande hat.
    Es geht hier nicht um den Politiker Guttenberg, sondern um alle die Menschen, die ehrliche Doktorarbeiten abliefern und Jahre damit verbringen, eine einigermaßen fundierte Arbeit abzuliefern.
    Die Blender dieser Gesellschaft demonstrieren jetzt für Guttenberg, die die gut reden können, aber weiter nichts vorzuzeigen haben.
    Genau wie er, nichts dahinter, aber jede Menge Blahblah.

  41. Suat says:

    @erich:

    Die Daten habe ich selbst minütlich über die FB Graph API erhoben. Da fehlt nix und da ist auch nichts interpoliert.

  42. m_rtin says:

    Irgendwie sind viele Kommentatoren hier weltfremd. Es geht nicht um Monarchisten, Gel oder Verschwörungstheorien.
    Wer einmal bei jemanden erlebt hat, wie nervtötend das Schreiben von Diplomarbeiten, Büchern oder Doktorarbeiten ist, hat einfach mehr Verständnis wenn jemand einfach kein Bock mehr hat, perfekt zu arbeiten. Mit wachsender Erschöpfung wird man einfach fahrlässig und eben gleichgültig. Ich bin mir überzeugt, dass viele Guttenberg-Unterstützer nicht politisch auf seiner Linie sind, sondern einfach besser über menschliche Grenzen bescheid wissen und deswegen auch nicht mit der Moralkeule kommen und den bereits am Boden liegenden zusätzlich eins drauf hauen. Wir haben eine Demokratie, weil wir ‘nur’ Menschen sind. Wer in das Gesicht von Guttenberg schaut und etwas Menschenkenntnis hat, wird kein Gel sehen. Und ich würde das selbe über Joschka Fischer und seine Jugend sagen. Oder Schröder oder schaut euch das Leben von Willi Brandt an.

  43. Erich says:

    @suat

    Dann ist es definitv auffällig, aber nicht zwingend ein Beweis für Manipulation.
    Selbst bei biologischem Populationswachstum gibt es üblicherweise lineare Phasen, bevor ein Plateau erreicht wird.

    Der Knick wäre interessanter zu erklären. Feierabendknick? Es bleibt Spekulation.

  44. Erich says:

    @Martin

    “Wer einmal bei jemanden erlebt hat, wie nervtötend das Schreiben von Diplomarbeiten, Büchern oder Doktorarbeiten ist, hat einfach mehr Verständnis wenn jemand einfach kein Bock mehr hat, perfekt zu arbeiten.”

    Ach…ich seh das eher so. Wer weiß, wieviel Blut, Schweiß und Tränen in einer Doktorarbeit stecken können, der bekommt einfach eine Riesenkrempe bei der Vorstellung, dass ein Saubermann wie Guttenberg, der weit weniger finanziellen und zeitlichen Druck (7 Jahre!? Da steht jeder nicht externe Doktorrand vor dem Rausschmiss!) erleidet, es sich so einfach macht und dann den Titel bekommt.

  45. Julian says:

    Die einfachste Erklärung für mich ist doch, dass Guttenberg-Liken ungefähr die gleiche Polit- und Humorqualität hat, wie bei StudiVZ seinerzeit als Politische Ausrichtung “Kronloyal” angeben. Klar, gibt immer noch all jene, die tatsächlich traurig sind, die Porno-Barbie und Polit-Ken vermissen, aber ein Teil der Masse hat das mit Sicherheit angeklickt, weil er das irgendwie ironisch-lustig findet.

  46. GMV says:

    Ich bin hier zufällig über Twitter reingestolpert und frage mich bei dem ganzen Geschreibsel hier: Wieso verschwenden Leute so viel Zeit mit Politikern? Es bringt keinen weiter. Ottonormalbürger kann an dem System nichts ändern. Hat er das wirklich vor, muss er selbst Politiker werden und sein ganzes Leben dieser Vision unterordnen.
    Wird noch bedacht, dass die Politik kaum ihre Ziele gegen eine Monster-Wirtschaftslobby durchsetzen kann und zudem die Mehrheit der politics ausschließlich auf die nächste Wahl fixiert sind…tja, soll jeder machen was er will.
    Die Leute wären besser beraten, wenn sie ihre Energie in ihr eigenes Fortkommen stecken würden. Das Volk wird verscheissert und die Politik ist eine einzige Farce geworden. Heute meckern die Leute rum, und bei der nächsten Wahl geben sie diesen Heuchlern wieder ihre Stimme.
    Um die Politik wachzurütteln bedarf es einer einfachen und krassen Maßnahme: Alle Wahlberechtigten müssen eine Splitterpartei wählen. Genau davor graust es den Etablierten doch am meisten. Verbannt diese charakterlosen Heuchler aus dem Bundestag. Ganz einfach!
    Ich traue zwar einer NPD, oder den Anarchisten nicht zu, es besser zu machen. So ein knallharter Schuß vor den Bug ist aber überfällig und es besteht wenigstens die Chance darauf, dass sich bei den bisherigen rulern vielleicht endlich wirklich was im Kopf bewegen könnte.

    Das Medium Internet ist genau die Basis, die es braucht, um das Volk oder auch den Verbraucher spontan und flexibel kurzzuschließen und zu koordinieren – ohne großen Aufwand des Einzelnen. Wird dieses Instrument richtig genutzt, müssen Politiker und Wirtschaft den einzelnen Bürger respektive Kunden das erste Mal in der Geschichte moderner Demokratien, wirklich fürchten und ernst nehmen. Ohne Blutvergießen. Das ist doch optimal, oder?
    Ich befürchte fast, dass diese aufkeimende Drohkulisse durch das Internet (Guttenberg, Nordafrika sind erste Vorboten, was noch alles möglich ist), von den politics langsam aber sicher realisiert wird. Es würde mich demnach nicht wundern, wenn es in einigen Jahren deutlich verschärfte Regeln für die Benutzung des Netzes geben wird. Bleibt die Hoffnung, dass das Internet durch seine globale Ausrichtung dadurch nicht ernsthaft eingeschränkt werden kann.

    http://www.im-nahmen-des-volkes.de [title]Die Plattform des Souveräns[/title]

  47. Lilly says:

    Ich bin mir sicher, (auch wegen der oben genannten Aspekte) die “Likes” sind zum größten Teil echt. Ich würde aber darauf wetten, dass 50% dieser “Fan-Gemeinde” keinesfalls authentisch sind. In meinem eigenen Umfeld habe ich oft gesehen, dass beispielsweise 12-Jährige Mädels haufenweise auf “like” geklickt haben, einfach nur, weil auch der jeweilige Schwarm der Gruppe beigreten war. In meinem eigenen Freundeskreis konnte ich vermehrt feststellen, dass der Gruppe beigetreten wurde, um sich die – meist amüsanten – Kommentare in den Foren durchzulesen oder um auch ein paar “Anti-Guttenberg” Kommentare in die Gruppe hineinzumogeln. So einfach ist das.

    Man kann auch einfach Facebook beispielsweise mit der Plattform Youtube vergleichen. Dort findet man Musik Videos von Justin Bieber, die zwar Millionen von Klicks haben, aber wenn man nach unten scrollt, sieht man, dass das bestbewertete Kommentar “Justin Bieber is gay” – oder so ähnlich lautet.

    In diesem Sinne: “Guttbye”

  48. F.A. Keuser says:

    Ich halte die Vorwürfe, bei der Facebook-Gruppe sei manipuliert worden, einfach für abstrus.

    Dennoch Dank an meine beiden “Vorschreiber”. :)

    Watch more TV.

  49. F.A. Keuser says:

    P.S.: Ich meinte die Beiträge von GMV und “erheiterter Leser”.

  50. Ace Ventura says:

    Ich finde da wird die Flinte zu schnell ins Korn geworfen.
    Merkwürdig erscheinen die Anzahl der Likes in der Nacht (http://medienstratege.de/2011/03/alles-nur-ein-fake-neue-indizien-auf-gefalschte-guttenberg-fans/), so wie die konstanten Zahlen, ohne große Ausschläge zu bestimmten Tageszeiten. Wenn dem so ist deutet dieses auf Manipulationen, wie Fans kaufen (http://facebookfanskaufen.com/ Die Seite könnte man diesbezüglich auch mal anschreiben, auch wenn man eher mit weniger Erfolg rechnen dürfte) oder selbst generieren.

    Auch die paar hunderttausend Likes mehr als alle DSDS-Seiten zusammen müssten skeptisch machen. Die hatten mehrere Jahre um “Fans” anzuziehen und sind nach wenigen Stunden weit abgeschlagen? Meine Einschätzung ist, dass DSDS ebenso viel Altersschichten anspricht, wie Guttenberg, und somit für einen Vergleich in Frage kommt.
    Auch wenn es sich um einen neuartigen Hype handelt, so wäre doch wenigstens die Deutsche Nationalmannschaft zu Zeiten der WM ein perfektes Vergleichsobjekt. Gibt es dazu Statistiken, die man mit den Guttenberg-Seiten vergleichen könnte?

    Ein Multiplikator des Hypes um Guttenberg wird die häufige Erwähnung in anderen Medien, zur Untermauerung der Unterstützung durch Guttenbergfans, sein, die zu einer Mobilmachung noch schlafender Guttenbergfans geführt hat.
    Aber fraglich bleibt es trotzdem, dass so eine spontane Entladung des Politikverdruss so viele Menschen mobilisiert.
    Möglich erscheinen noch Anordnungen und persönliches unter Druck setzen bei der Bundswehr und in Kreisen der Union. Eine große Kampagne um Guttenberg zu stützen. Jedoch wäre dies wohl schon publik geworden.

    Auch wenn man nichts Handfestes hat sollte man auch weiterhin hinterfragen und skeptisch bleiben. Zwar wäre in die “Lose Change”-Mentalität zu verfallen auch nicht die beste Idee aber vielleicht beim nächsten Medienhype genauer hinschauen und die Statistiken vergleichen, denn wenn Manipulationen stattgefunden habe, werden sie kein Einzelfall bleiben. Wahrscheinlich wird das das einzige stichhaltige Indiz bleiben.

  51. Andree says:

    Danke, lieber Sascha Lobo, für die aufschlussreiche Aktion und Auswertung!
    Es ist unendlich wichtig, sich brennend dafür zu interessieren, wie in diesem Land mit Macht umgegangen wird.
    Und wenn Popularität das zentrale Qualitätsmerkmal eines Politikers wird, wen müssen wir denn da bald noch im Kabinett erleiden? Homer Simpson, Lady Gaga oder die Muppets (um mal ein olles Orson Welles-Zitat zu fleddern)?
    Allen alles Gute!

  52. [...] zu erkennen, Rückschlüsse darauf, ob die Pro-Guttenberg-Seiten manipuliert sein könnten. Saschas Fazit von gestern Abend in sehr verkürzter Form: Sie könnten, es sieht aber nach Analyse der vorhandenen Daten nicht danach aus. Sascha stellt [...]

  53. mainwasser says:

    Danke für die Auswertung. Überraschend ist das am Ende ja nicht, denn:

    1. ist es ja kein Geheimnis, daß Nutzer -aus guten und schlechten Gründen- Sockenpuppenaccounts anlegen, auf jedem Netzwerk. Deswegen hat Facebook (oder Netzwerk XY) auch niemals “x Millionen Benutzer”, sondern immer nur “x Millionen Accounts”. Das sollte man bei jeder Jubelmeldung im Kopf behalten. Ob die Sockenquote nun 20% oder 50% beträgt, können wir immer noch diskutieren.

    2. weiß der Tatort-Gucker: für jede Schweinerei braucht es ein Motiv. Aber wer hätte hier ein Motiv? Soll Guttis Büro eine Werbeagentur oder 200 Praktikanten zum Accountzüchten anstellen? Wozu? Der Mann ist politisch erstmal weg. Wieviele Leute wo auf “gefällt mir” klicken, ist völlig wurscht. Er hat zur Zeit nichts mehr zu gewinnen. Es gibt kein Motiv für so einen Aufwand. In drei Jahren vielleicht.

    3. gibt es bei bevorstehenden Wahlen (hallo BaWü, Rh-Pf und Berlin!) oder Produkteinführungen sehr wohl ein Motiv zur Massenproduktion von Jubelaccounts, deswegen sollten wir solche Themen durchaus mit Deinen Methodiken scannen. Es gibt sehr viele JU-/Juso-Ortsverbände mit Tatendrang und Internetanschluss.

    4. müssen wir uns wohl mit dem Gedanken anfreunden, dass wir linksliberalen Akademiker im Netz nicht allein sind, sondern dass -tadaa!- es auch im Netz Menschen mit Ansichten gibt, die von unserer abweicht. Ein klarer Nachteil der Demokratie, keine Frage, aber ich fürchte, es wird irgendwann sogar soweit kommen, daß Menschen nicht mehr sofort massenentfolgt werden, wenn sie auf Twitter Sympathien für die CDU äußern.

    Fazit 1: Schlimm, aber eigentlich ahnten wir es: Guttenberg hat tatsächlich echte Fans.

    Fazit 2: Bitte behaltet mit eurer Fakesuchmethode Gruppen im Auge, die sich mit den anstehenden Landtagswahlen oder sonstigen relevanten Diskussionen befassen. Die Lobbyindustrie ist auch auf Facebook angekommen.

  54. erheiterter leser says:

    @Keuser
    Also von Manipulationen in der Gruppe habe ich eigentlich gar nichts geschrieben. Mir ging es darum, dass in der Diskussion einfach mehr als schluderig mit Statistiken und Visualisierungen umgegangen wird. Die Grafiken da oben sind einfach nur mehr als unseriös erstellt. Dies beginnt schon dabei, dass nicht ersichtlich ist, wie das Datenmaterial erhoben wurde (Abstände der Protokollierung, wo sind Daten und wo Interpolation), die Linien selbst aussehen wie frei Hand per Paint eingezeichnet und anhand Verzerrungen bei den Skalen völlig falsche Parallelen suggeriert werden sollen (Skalen abschneiden an sich is schon nich so schön, aber dann bei den Skalen selbst unterschiedliche Verhältnisse anzusetzen ist völliger Blödsinn). Ebenso bezog ich mich auf die Screenshots aus der Rhein-Zeitung in welche mickrige 2 Messpunkte eingingen und dann linear verbunden wurden. Diese beiden Messpunkte sind zu allem Überfluss nicht einmal exakt nachvollziehbar, denn die Zeitangaben unter der Grafik würden für den ersten Punkt belegen, dass am 1. März um 8 Uhr morgens bereits über 300.000 Leute zu Guttenbergs Rücktritt vom noch nicht stattgefundenen Rücktritt forderten. Wenn also, wie ich annehme, die Zeiten durch eine abweichende Server-Uhr bedingt ist, muss das irgendwo ausgewiesen werden. Die simple Annahme einer Serverzeit an der Westküste der USA (also -9 Stunden) ergibt 300.000 Likes um 17 Uhr am Tag des Rücktritts. Da ich die Gruppe nicht aktiv verfolgt habe, kann ich nicht sagen wie wahrscheinlich diese Zahl zu dem Zeitpunkt ist, jedoch reichen 2 Minuten Google Recherche um die Zahlen in Frage zu stellen (http://www.technobase.fm/news/15041-wir-wollen-guttenberg-zur-ck-anh-nger-erstellen-rekordverd-chtige-facebook-seite spricht von 60.000 um 18 Uhr und 250.000 um 22 Uhr). Mir ging es hier absolut nicht um Diskussionen ob Fake oder nicht (wenn überhaupt, dann würde ich einen solchen eher zu Beginn der Gruppe erwarten, um sozusagen eine kritische Masse zu erreichen und danach auf die Verselbstständigung zu setzen; sollte so etwas geschehen sein, wären etwaige Fake Profile wohl schon längst wieder ausgetreten bzw. hätten das like zurückgezogen). Ich denke der Nachtrag von Herrn Lobo trifft das ganze sehr sehr gut und dem ist auf den Sachverhalt der halben Million Unterstützer wenig hinzuzufügen. Der Punkt ist, dass ich es einfach nicht leiden kann, wenn lustige Grafiken irgendwo hingestellt werden und den Leuten dann erklärt wird, die würden für dies und das stehen, was sie aber objektiv betrachtet gar nicht tuen. Der Hinweis aufs Fernsehen ist insofern schon ganz richtig, da kommt das so häufig vor, das man aus dem Ärgern gar nicht mehr herauskommt. In Bezug auf die mir unterstellten Vorwürfe an die Gruppe würde ich ihnen daher statt den audio-visuellen Medien mal zu einem guten alten Buch raten (zum Beispiel dem aus meinem ersten Post, dann hätte ich mir den aufsatzlangen Post hier sparen können).

  55. ogmb says:

    So, seit letzten Freitag hat die “WWGZ” Gruppe noch 25000 Nutzer dazugewonnen. Das sind … durch 5, durch 24, durch 60: 3.5 neue Nutzer pro Minute. Trotz “pro-Guttenberg Demos”, trotz Fasching, trotz politischem Aschermittwoch, trotz endlosen Medienkommentaren. Da hat wohl jemand den Haupthahn abgedreht…

  56. [...] Intro (by me – Karsten): Second part of the crowdsourcing experiment made by the german blogger Sascha Lobo regarding what he deemed as suspicious fast growth of a political fanpage. First part in english can be found here. Original in german is here: part 1, part 2. [...]

  57. I took the liberty to translate this article to englsih as well, and publishing it on mindpark. Avaible here: mindpark.se. Translated with the help of contentor.de

    ————————————————–

    Habe mir die Freiheit genommen und auch diesen Follow-up für die Internationelle Scene zu Übersetzen. Interessante perspektiven gibt so eine Story wirklich! Ich schon ein sehr grosser Untershied zwischen Facebook und Benutzer frekvens und Durchschlagekraft bei unterschiedlischen nationen, auch nur innerhalb Europa.

  58. Ralf says:

    Vielen hier sei gesagt – es gibt auch andere Meinungen.
    Und ich glaube, die Gesellschaft lebt von der Meinungsvielfalt….

  59. man könnte ja auch mal einen Zusammenhang zwischen Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und den “gefällt mir” zum Thema Guttenberg herstellen. Betrügen ist ja Alltagssport und somit war einer einer aus der Mitte der Gesellschaft.

    Anerkennung muss man sich nicht verdienen, man kann Sie sich auch erkaufen…

  60. Phiesi says:

    Ich bin überrascht, dass Sie einen solch fundierten und wissenschaftlichen Artikel veröffentlichen, obwohl er Ihnen inhaltlich nicht in den Kram passen dürfte. Das ist höchst lobenswert und mit Hinblick auf eine mögliche Unglaubwürdigkeit der deutschen Wissenschaftslandschaft Balsam auf die Wunden.

    Danke

  61. daniel says:

    as ist mit der seite facebookfans kaufen, hat die schon jemand erfahrung mit gemacht.
    angeblich soll damit alles pushbar sein ?!

  62. claudia says:

    würde gern mal sehen was seine angeblichen freunde nun sagen , das er entlarvt wurde und seine plagiate sich nun doch als geplanter schwindel entpuppten.
    ein feiner mensch !! die cdu plant dennoch eine wiederkehr.
    wahnsinn

  63. Markus (Oberbayern) says:

    Hast du echt nix besseres vor im Leben als irgendwelche Guttenberg-Seiten zu analysieren. Mein Gott hast du ein armseeliges Leben du Hahn in deiner Legebatterie.

  64. Marlo says:

    Fans – So werden als die Menschen genannt, die ein bisschen verstand haben und gesehen haben, das Guttenberg wenigstens einer von denen war, die was im Kopf haben. Wahnsinn, wie man so auf einem Politiker herumreiten kann. Warum wird nicht mal komplett das Leben von unserer Kanzlerin auseinander genommen?

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