Die bescheuerte Musikindustrie und die egoistischen Filesharer

Prolog
Anderntags schrieb ich einen Artikel über Flattr und habe dabei einen unverzeihlichen Fehler gemacht: ich habe in einem Nebensatz die widerliche, asoziale, egoistische Handlung des illegalen Downloadens von Musikstücken “Diebstahl” genannt. Das ist juristisch zumindest ungenau, auch diskutabel, eventuell träfe “Erschleichung” es besser, wer weiss das schon, ich jedenfalls nicht. Wesentlich besser wussten das jedoch zwei an sich vernünftige Menschen, nämlich Dirk von Gehlen und auch Marcel Weiss, die über ihren Kenntnisvorteil sogleich Artikel geschrieben haben, vom Tenor her ähnlich: Jehova, Jehova, immaterielle Güter kann man gar nicht stehlen, Kampfrhetorik! Wahrscheinlich ist es richtig, hier präziser auf das Wording zu achten, mein Fehler ist also klar ein Fehler – bezeichnend allerdings, dass Dirk von Gehlen in einem anderen Kontext kein Problem damit hat, immateriellen Werten das Wort Diebstahl anzuhängen, “Identitätsdiebstahl” in diesem Fall. Noch interessanter ist, dass Marcel Weiss (zumindest vor einiger Zeit) mit deutlich spürbarer Empörung von “Screenshots klauen” spricht – wenn er nämlich selbst irgendwie betroffen sein könnte. Jetzt, wo wir geklärt haben, dass bei allen Beteiligten die lebendige, verwendete Sprache zum Glück nicht der juristisch stets korrekten entspricht, ist es Zeit, mit tatsächlichen Argumenten abseits meiner neckisch-kleinlichen Revanche zum Hauptteil zu kommen, nämlich zu Pest und Cholera, oder um doch nochmal die juristisch korrekten Bezeichnungen zu wählen: zur Musikindustrie und den Filesharern.


Die grauenhafte Musikindustrie
Und schon muss man differenzieren – natürlich ist nicht die gesamte Musikindustrie bescheuert und grauenhaft. Sondern nur von mir geschätzte 90%, anders gesprochen: die Major Labels und angrenzende Unternehmen samt Lobbyverbänden. Ein wenig muss ich ausholen und nutze die Gelegenheit zu einem eitlen Bekenntnis: eigentlich bin ich der Traumkunde der Musikindustrie. Ich loade nicht illegal down, ich share nicht file, ich respektiere die Haltung des Künstlers, der festlegen möchte, wie und zu welchen Bedingungen und Preisen die von ihm geschaffenen Werke verbreitet werden. Und trotzdem hat sich in mir ein Hass aufgestaut, der noch nicht einmal mit der Generalunterstellung zu tun hat, jeder Kunde sei potenziell kriminell. Sondern ganz schlicht mit dem Zeitdiebstahl (huch, schon wieder immaterieller Diebstahl, verdammt), den die Musikindustrie an mir begeht. Es fängt mit DRM an, dem Digital Rights Management, das mir soviel Lebenszeit geklaut hat, dass ich überlege, eine stundensatzbasierte Rechnung an Dieter Gorny zu schreiben und so meine Altersvorsorge auf ein solides Fundament zu stellen.

Dazu kommt, dass ich als normal geistesgestörter Techniknarr im Jahr zwei Handys und anderthalb neue Computer kaufe – und jedesmal gravierende Probleme damit habe, die von mir rechtmäßig erworbene Musik “freizuschalten”. Inzwischen gibt es Musikdateien, die ich vor einigen Jahren gekauft habe und auf neuen Geräten nicht mehr abspielen kann, weil die maximale Zahl der Abspielgeräte erreicht ist. Bitte stellen Sie sich an dieser Stelle einen eyjafjallajökullartigen Wutausbruch vor, ich scheine nur unaufgeregt und cool, alles Fassade, ich koche. Auch, dass man alle paar Stunden auf Youtube-Videos stösst, die aus unnachvollziehbaren, also juristisch ausgedachten Gründen “in meinem Land nicht verfügbar” sind, hat dazu geführt, dass ich etwa Sony Music boykottiere, die gefühlt für 95% der gesperrten Videoclips verantwortlich sind. Ich kaufe in der Woche etwa für 30 Euro Musik und andere Kulturgüter, meist in Downloads, iTunes, Amazon, und so weiter, wenn mir ein Lied gefällt, das ich irgendwo höre, kaufe ich es. Ausser, wenn es von Sony ist, dann kaufe ich es nicht. Und wenn es das tollste Lied der Welt ist: Sorry, no Sony. Mehr oder weniger alle großen Labels sind so, aber jetzt muss eben Sony unter meinem Boykott leiden, die Speerspitze der Holzwegelagerer.

Die Bescheuertheiten der Musikindustrie gehen noch weiter. Jahrelang war es so, dass man Musikstücke nur legal downloaden konnte, wenn man einen iTunes-Account (oder ähnliches) hatte – und der wiederum war nur mit einer Kreditkarte zu eröffnen. Ich kenne die Verbreitung von Kreditkarten unter einer der wichtigsten Käufer- wie Filesharer-Gruppe (nämlich den Minderjährigen) nicht. Allzu hoch dürfte sie in Deutschland nicht sein, wo schon nur etwa 20% der Menschen insgesamt über eine Kreditkarte verfügen. Inzwischen gibt es zwar zum Beispiel für iTunes PrePaid-Karten – allerdings erst ab 15€. Man wird es nicht für möglich halten, wenn man Funktionär der Musikindustrie ist, aber 15 Euro auszugeben, wenn man eigentlich nur ein Lied für 99 Cent haben will und also 14 Euro Kapital auf unbestimmte Zeit zu binden, das ist für manche Menschen ein echtes Problem. Erst recht, wenn man ein begrenztes Taschengeld zur Verfügung hat.

Eine andere gravierende Dummheit der Musikindustrie ist die künstliche Verknappung, darüber hat der zu den 10% Musikindustrievernünftigen gehörende Tim Renner einiges geschrieben. Über viele Jahre war die Marketingmaschinerie der Plattenfirmen darauf ausgerichtet, ein Musikstück zu bewerben, durch Verteilung vorab an die Multiplikatoren einen Hype zu schaffen und dann, wenn nach einigen Wochen die Platten gepresst oder die CDs gebrannt und in den Läden verteilt waren – dann konnte der Verkauf losgehen. Heute gibt es keinen logistischen und damit logischen Grund mehr, ein digital verfügbares Musikstück über Wochen zurückzuhalten. Es wird trotzdem getan, weil es schon immer so war und die Marketingabteilung glaubt, es ginge irgendwie nicht anders. Der Effekt: ich höre ein tolles Stück im Radio oder sonstwo, finde zum Beispiel mit neuen Tools wie Shazam heraus, was es ist, möchte es begeistert kaufen – und muss feststellen, dass es erst in soundsoviel Wochen verfügbar ist oder in meinem Land vielleicht auch nie.

All diese Dinge haben dazu geführt, dass ich die Musikindustrie in meinen Augen zu Recht bescheuert nennen kann. Und von der Filmindustrie möchte ich gar nicht erst anfangen, die hat durchaus das Potenzial, noch grauenhaftere Dummheiten zu begehen; jeder, der die ersten zehn unskipbaren Minuten einer rechtmäßig erworbenen DVD voller Mahnungen, verkappter Anschuldigungen und Drohungen mehr als einmal über sich ergehen lassen musste, wird ahnen, wovon die Rede ist. Aber nun zur Gegenseite:

Die egoistischen Filesharer
Auch hier wieder zu Beginn die Relativierung: Filesharing als Technologie ist eine gute Sache, eine intelligente Möglichkeit der Datendistribution – das ändert sich in dem Moment, wo illegalerweise zum Beispiel Musikdaten verteilt werden. Da ist also diese beschriebene, dämliche Industrie und macht es über Jahre dem nicht besonders wohlhabenden 15jährigen fast unmöglich, legal ein digitales Musikstück im Internet zu kaufen. Er soll gefälligst eine CD kaufen, hinfort, niederes Geschnetz. Die Reaktion des 15jährigen ist zumindest nachvollziehbar: er besorgt sich das Stück irgendwo irgendwie. Irgendwann aber wird der 15jährige erwachsen, vernünftiger, verfügt auch über Geld. Ein Teil dieser Menschen geht den richtigen Weg: damals illegal downgeloadet, als Jugendsünde abgehakt, egal, jetzt kauft man die Stücke halt digital bei iTunes oder Amazon. Ich glaube, dass es sich dabei sogar um die Mehrheit handelt, denn ich halte den Menschen in den meisten Fällen für ehrlich und gut (ja, jetzt nicht lachen).

Ein anderer Teil dieser metaphorischen 15jährigen – denn auf das Netz bezogen waren wir alle unabhängig vom Alter mal 15, ich auch – geht einen anderen Weg. Er tut das Gleiche wie die Musikindustrie, er redet sich die Realität schön. Oder zumindest ein bisschen schöner. Ein Dieb will niemand sein, natürlich. Benutzt man den von Dirk von Gehlen vorgeschlagenen Begriff “im digitalen Raum vergütungsfrei konsumierte geistige Schöpfungen” oder Marcel Weiss’ “unautorisiertes Filesharing”, dann hört sich das schon ganz anders an. Das hört sich nicht mehr so schlimm an, wenn man ein Lied nicht klaut, sondern nur, äh, vergütungsfrei, also, unauto- na, dings halt. Aber nicht Diebstahl! Das ist etwas ganz, ganz, GANZ anderes. Wie Marcel Weiss nicht müde wird, an allen Ecken und Enden ins Netz zu schreiben. Das Problem ist: er hat recht. Diebstahl ist ein juristisch gesehen unzulängliches Wort, wenn es um immaterielle Güter geht. Wenn man aber nur dann juristisch genau sein will, wenn es in diesem Moment die illegale Handlung nicht so schlimm erscheinen lassen soll – dann ist das Pochen auf die juristische Genauigkeit eine sprachliche Verschleierungsmaßnahme und damit zutiefst egoistisch.

Man misst mit zweierlei Maß, je nach dem, auf welcher Seite man steht, wie man am eingangs verlinkten “Screenshot klauen”-Beispiel sieht. Der nächste Schritt, nachdem man mit angenehmeren Worten die eigene Missetat umschrieben hat, findet sich dankenswerterweise auch an auslösender Ort und Stelle, nämlich in Form eines Kommentars zum Flattr-Text von “UrbanP1rate”, der unglaubliche, aber leider nicht unübliche Dimensionen der Realitätsverschiebung beinhaltet: “Was aber passiert denn, wenn jemand deine Werke ungefragt verbreitet und dabei sehr wohl deinen Namen nennt? Damit steigert sich deine Bekanntheit. dadurch wirst du wohl auch mehr Zugriffe auf deine Distributionsplattform erhalten. Soll dieser Sharer auch abgemahnt werden? Immerhin hat er ja deinen Umsatz gesteigert. Leute kennen deinen Namen, die ohne diesen Filesharer niemals von dir gehört, gelesen oder sonstwie erfahren hätten.

Kurz sacken lassen – da lädt jemand offensichtlich illegal ein Musikstück herunter, jedenfalls möchte der Urheber dieses Kulturprodukts das nicht – und dieses ungebührliche, 15jährige Verhalten wird verklärt, ins Gegenteil verkehrt zu einer Unterstützungsleistung eben dieses Künstlers, den man soeben – beinahe hätte ich fehlerhafterweise “bestohlen” gesagt. Das ist das, was ich in den Kommentaren des Flattr-Artikels mit “Newspeak” bezeichnet habe; nämlich die sprachliche Umdeutung der Realität in eine Richtung, die einem insgesamt besser in die eigene Weltsicht und das eigene Verhalten hineinpasst. Ein Dieb möchte man nämlich nicht sein – aber mit ein paar Klicks die Bekanntheit des Künstlers steigern? Da soll er sich doch freuen! Gesteigerte Bekanntheit! Vielleicht kauft es ja am Ende doch jemand, das Stück! Diese Personen sind sich nicht zu schade, die “Freiheit der Information” als Generalargument zu benutzen, so als sei etwa die berechtigte Sorge um die Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten im digitalen Raum zu Forschungszwecken gleichzusetzen mit dem vermutlich zu Erbauungszwecken downgeloadeten Lied von Menowin Fröhlich, für das man aus schierem Egoismus keine 99 Cent ausgeben will.

Freilich gilt meine Argumentation nur, wenn man – wie ich – glaubt, dass ein Musikstück ein Kulturprodukt ist, das man als Künstler verkaufen können sollte. Diese Definition ist auch im digitalen Zeitalter nicht überholt, sie muss nur in vielen Facetten feinjustiert werden. Das Copyright ist stark überholungsbedürftig, es stammt im Kern aus einem nichtdigitalen Jahrhundert. Open Access ist ein schönes Beispiel, das zeigt, dass in vielen Bereichen andere, differenziertere Regeln gelten sollten als das plumpe, unflexible Copyright. Aber Kulturarbeit erzeugt ein Kulturprodukt (in der Regel), das durch den Kulturschaffenden oder seine Stellvertreter zum Zweck des Geldverdienes verkäuflich sein sollte, wenn der Kulturschaffende es möchte. Von dieser Maxime bin ich deshalb nicht bereit abzurücken, weil ich sie für die Basis der Kultur als Beruf halte. Ich möchte, dass Musik (auch) von Profis gemacht wird. Der Künstler muss von seinem Werk Leben können, zumindest theoretisch bei einem gewissen Mindesterfolg, und zwar auch ohne T-Shirts zu verkaufen. Alle anderen Haltungen halte ich in ihrer letztendlichen Wirkung für kulturfeindlich.

Conclusio
Da sind zwei extremistische Parteien, die einander gegenüberstehen: die Musikindustrie und die Filesharer (Extremisten sind die jeweils schlimmen Finger darunter). Beide nutzen auch die Sprache, um ihr Tun zu rechtfertigen – die Musikindustrie zeigt mit dem Wort “Raubkopie” (das ich versuche, nicht zu verwenden), in welche sittlichen Ebenen des Verbrechens sie den 15jährigen Filesharer einordnet. Entsprechend kämpft sie dafür, dass von der Netzsperre bis zur Three-Strikes-Regel kein Mittel überzogen scheint, um diese garstigen, gesellschaftsbedrohenden Räuberhorden zu stoppen. Ein einfacher Tipp für die Musikindustrie: mit der konsequenten Verwendung des Begriffs “Massenmordkopie” liesse sich vielleicht erreichen, dass im Zuge der Prävention das Internet insgesamt verboten wird.

Auf der anderen Seite sind nicht die Scharfmacher, sondern die Schönredner, auch unter ihnen sind Extremisten, die alles abmildern wollen, alles nicht so schlimm, von “klauen” zu sprechen ist juristisch auch falsch und irgendwie profitiert ja auch der Künstler davon, er weiss es bloss nicht. Diese Schönredner sind Egoisten, weil sie nicht bezahlen wollen für das Werk, das andere Leute geschaffen haben und sie sind unehrlich, weil sie eher die Realität verbal verbiegen wollen, als sich einzugestehen, dass sie “stehlen”. Oder “erschleichen”. Oder wie man auch immer diese verbotene, moralisch fragwürdige Handlung nennen möchte, ohne sie als “vergütungsfreien Konsum im digitalen Raum” in buntes Geschenkpapier einzuwickeln. Ein einfacher Tipp für die hartnäckigen Filesharer: wenn man Filesharing so wie UrbanP1rate als Marketingdienstleistung für den Künstler versteht, dann sollte man konsequenterweise für diese Leistung auch Geld verlangen. Also flugs eine Rechnung an das Management derjenigen Künstler geschrieben, die Ihr in den letzten Jahren so downgeloadet und weiterverteilt habt, da kommt doch bestimmt einiges zusammen.

Und jetzt die Überraschung: die beiden extremistischen Pole – sie brauchen einander. Dringend. Sie bilden eine Art Gleichgewicht des Schreckens wie seinerzeit die Falken in den USA und in der UdSSR. Dieter Gorny braucht UrbanP1rate braucht Dieter Gorny. So haben beide Feindbilder: der eine geht damit in der Politik hausieren und versucht mit schrecklichen Worten und Bildern und Zahlen, die Gesetzgebung in seinem Sinne zu beeinflussen. Der andere rechtfertigt mit diesem grauenvollen Verhalten seine illegalen Handlungen und verklärt diese entweder zur “Revolution”, weil die Musikindustrie mit allen Mitteln bekämpft werden muss, oder gar als “Vorteil für die Künstler”. Die Falken beider Seiten können nicht ohne einander, das zeigt die Geschichte, und die Leidtragenden sind auf beiden Seiten diejenigen, die Vernunft und Einsicht walten lassen wollen:

Die Musiker und Labels, die im Netz nicht den Feind sehen, aber trotzdem gern Musik verkaufen würden, um davon zu leben. Und die Musikhörer, die gern für Musik bezahlen, wenn man sie bloß zu ihren Rahmenbedingungen lässt – so wie man es als Kunde aus ungefähr allen anderen Branchen gewohnt ist.

Insofern möchte ich diesen emotionalen und in Teilen polemischen Artikel mit einem versöhnlichen Aufruf beenden: unerlaubtes Filesharing ist kein Kapitalverbrechen, sondern in erster Linie eine Dämlichkeit. Sie erschwert Musikern, auch in Zukunft schöne Musik zu machen. Menschen, die Musik illegal downloaden, sollten einfach damit aufhören, sie machen die Welt so besser. Und die Musikindustrie möchte bitte akzeptieren, dass die Kontrolle über die Distributionsinfrastruktur, die sie jahrelang ausgeübt hat, so nicht mehr existiert und dass sie sich neu ausrichten muss, mit Strukturen, die den Kontrollverlust nutzen, anstatt ihn zu bekämpfen. Das ist auch gar nicht so schlimm. Die gesamte Zivilisation beruht nicht auf der Androhung drakonischer Sanktionen – sondern auf Freiwilligkeit. Schon immer. Hier, in Berlin, gibt es eine große Anzahl von öffentlichen Blumenbeeten (ja, ich wähle ein kitschiges Schlussbild, absichtlich). Sie sind wunderschön, und ich bin sicher, dass man nichts zu befürchten hat, wenn man ein paar Blumen abreisst. Trotzdem sehen die allermeisten Menschen ein, dass man besser Blumen im Laden nebenan kauft, anstatt sie kostenlos abzurupfen. Ausser einer handvoll 15jähriger. Aber damit muss man leben. Kann man auch.

Bei allen 15jährigen möchte ich mich entschuldigen, dass ich sie als Synonym für den unverständigen, unreifen Menschen missbraucht habe, ging nicht anders. Immerhin seid ihr in spätestens einem Jahr nicht mehr gemeint.

Nachtrag: Marcel Weiss hat auf meine Antwort geantwortet.
Daraufhin habe ich auf seine Antwort auf meine Antwort auf seine Antwort auch etwas geantwortet.

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This Post Has 147 Comments

  1. Schoschie says:

    Sehr gut gesprochen!

    Winziges Detail nur: das Wort »Raubkopie« ist keine Erfindung der Musikindustrie; es ist uralt. Das war schon gang und gäbe Mitte der 80er, als man Disketten auf dem Schulhof getauscht hat; vermutlich aber noch älter.

  2. Dirk says:

    Auch wenn wir über die Schönheit Eurer Berliner Blumenbeete streiten könnten: Dein Fazit ist ja gut und richtig. Und gerade deswegen ist der Begriff “Diebstahl” falsch und kontrapoduktiv. Ich könnte alle Berliner Blumen pflücken und mitnehmen nach München – und trotzdem wären immer noch alle da. Denn ich würde sie nicht wegnehmen, wie es §242 des StGB definiert. Das ist das Unverschämte an der Digitalisierung. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich sagen: http://bit.ly/cQxjUM

    P.S.: Der zitierten Belegstelle aus meinem Blog fehlen die Anführungszeichen, das stimmt. Aber die Begrifflichkeit geht auf Jennifer Saranow und ihren Text im WSJ zurück, nicht auf mich.

  3. Das abstruseste, mir bekannte Beispiel für die von dir angesprochene Verknappung ist Wallis Bird (http://www.wallisbird.de/), die auf ihrer Deutschlandtournee letztes Jahr von ihrer Plattenfirma untersagt bekam, das bereits in Irland erschienene Album während der Tour zu verkaufen. Da stehen also bei über 15 Terminen in Deutschland Fans am Merch und fragen nach der Platte und alles was sie antworten kann ist: ja, ich hab tonnenweise dabei, aber ich darf sie euch nicht verkaufen. Release in Deutschland war dann ein Jahr später… und dann wundert man sich, warum Plattenverkäufe rückläufig sind. Willkommen im Jahr 2010 kann man da nur sagen.

    Gruß
    Ollie

  4. Marcel Weiss says:

    “Noch interessanter ist, dass Marcel Weiss (zumindest vor einiger Zeit) mit deutlich spürbarer Empörung von “Screenshots klauen” spricht – wenn er nämlich selbst irgendwie betroffen sein könnte.”

    Sascha, Du verlinkst auf einen drei Jahre alten Artikel. (Wie bist Du denn darauf gestossen? Hast die die Archive durchsucht?)

    Ich hoffe, Du bist nicht der Meinung, dass man nicht dazulernen darf. Zum einen ging es dort nicht um etwas von mir (der Screenshot stammte von TechCrunch), zum anderen störte mich damals vor allem, dass die Quelle nicht angegeben wurde. Hinzu kommt, dass ich mich in den letzten drei Jahren intensiv mit diesen Themen beschäftigt habe, und demzufolge mittlerweile andere, differenziertere Ansichten dazu entwickelt habe.

    Im Februar 2007 hätte ich zum Beispiel unautorisiertes P2P auch als Diebstahl bezeichnet. Warum? Weil ich mich zu dem Zeitpunkt mit diesen Themen noch nicht intensiver auseinandergesetzt hatte.

    “wenn er nämlich selbst irgendwie betroffen sein könnte.”

    Ich habe mal vor einer gefühlten Ewigkeit ein Musikstück auf einer kleinen Vinyl-Compilation veröffentlicht. Nichts würde mich diesbezüglich glücklicher machen, als dass Leute dieses Stück kopieren und online herumreichen würden. Sie würden dabei nichts von mir, meinem damaligen Partner oder dem Label stehlen.

    So, jetzt lese ich den Rest des Artikels und reagiere eventuell dann darauf nochmal hier oder bei mir. :)

  5. Carlos says:

    ich erinner mich noch als man von der guten alten Langspielplatte auf eine chromdioxid Kassette von BASF Musik zur weitergabe kopierte oder sie im Radio (mono) mitschnitt.
    Das war allerdings nie das was man wollte.
    ZIEL war DIE Platte zu besitzen. nur das orginal war wertvoll.
    Das hat die Plattenindustrie aus …bitte hier Grund eintragen … In den Müll geworfen und dieses Feeling gekillt.

    Jungs Ihr habt versagt. Mich hättet ihr haben können … Aber mich habt ihr auch verlohren.

  6. Dominic says:

    Guter Artikel, kann man so Unterschreiben.

    Aber was sagst du zu folgendem Szenario. Früher konnte man ja noch in einen Plattenladen gehen (und damit meine ich einen richtigen nicht so ein High Tech Supermarkt wo Leute ohne Ahnung arbeiten) und sich die Alben die man evtl. kaufen möchte anhören. Da konnte man sich hinsetzen und mit anderen Musikbegeisterten über die Neuerscheinungen reden. Diese Möglichkeit besteht heute nicht mehr. Natürlich kann ich mir irgendwo Snippets anhören, aber das ist doch nicht das gleiche.

    Ich bin generell kein Freund elektronische Konsumgüter, ich habe gerne etwas in der Hand und vor allem im Schrank stehen. So hat es sich also zugetragen das mein CD Schrank mittlerweile mit 1200 Scheiben gefüllt ist. Wenn ich mir jetzt aber was neues zulegen möchte kaufe ich die Katze im Sack.

    Was kann man machen? Ist es in diesem Fall ok sich das Album herunter zu laden, einmal zu hören und bei bedarf entweder zu kaufen oder halt wieder zu löschen? Und wenn ich es gekauft habe darf ich die herunter geladenen Dateien dann behalten? Ich möchte ja auch unterwegs die von mir gekaufte Musik hören, aber schon so manche CD ließ sich nicht von mir auf den PC überspielen (was an mangelnder Kenntnis liegen kann)

    Also, Musik runter laden, hören und gegebenenfalls kaufen, oder bewegt man sich damit schon in einem Rahmen der nicht mehr in Ordnung ist? Vielleicht will die Musikindustrie ja auch das ich vorher nicht weiß was mich erwartet, wie ein Ü-Ei quasi… schwieriges Thema halt.

  7. Stefan says:

    Schön zu sehen, wie du hier der Idee des geistigen Eigentums das Wort redest. Geistiges Eigentum kann es nicht geben, weil geistige Güter nicht einzigartig sind, in ihrer Natur. Urheberrechte werden somit zu einem Kontroll- und Verhaltensrecht für normale Bürger, so war das jedoch nie gedacht. Man muss eine Abwägung machen ob man auf der einen Seite ein auf alten Gegebenheiten basierendes Gesetz folgt (das heute ungefähr so sinnvoll ist wie ein Monopol auf Salzverkauf), oder ob man nicht einfach sagt sagt, hey, kopieren ist in Ordnung, wir sind gespannt was für neue Kunstformen sich entwickeln werden.

    Klar müssen Künstler von was leben. Dies kann man jedoch auch anders lösen als mit dem Urheberrecht, was wiederum ja auch ein spezielles Wirtschaftsmodell ist und bestimmte Kunstformen bevorzugt, andere benachteiligt. Es ist auch imho völlig offen, ob wir als Gesellschaft Kulturformen subventionieren müssen, neue Ausdrucksformen (Blogs, etc), gedeihen ja nicht schlecht.

    Dein “kitschiges Bild” am Ende hat etwas Wahres in sich, aber genau da liegt der Hund begraben: Es ist eben nicht so, dass Urheberrechte unumstößlich sind und eine “gerechte” und allgemein akzeptierte Verhaltensnorm darstellen. Ich sehe nichts schlechtes darin, wenn ich jemanden kostenlos ein Musikstück kopiere, genau wie ich nichts schlechtes darin sehe jemanden ein Bier zu spendieren oder mit meinem Handy telefonieren zu lassen. Dass bei Ersterem der Urheber nicht profitiert ist ein Problem, wofür sich aber sicher Lösungen finden — schließlich sind File-sharer eben File-sharer weil sie ein Interesse an Musik haben, sich aber nicht mehr dem alten Knappheitsparadigma unterwerfen wollen. Umdenken ist angesagt, nicht ewiges Verleugnen der Realität.

  8. Julian says:

    Sascha,

    das Problem ist nicht, dass diese Debatte in irgend einer Form müßig wäre, oder langweilig, wie Kommentatoren unterstellen.
    Wenn wir aber akzeptieren, dass es Filesharing gibt und dass es auch nicht weggehen wird, sind wir einen Schritt weiter.
    Ob die Leute jetzt 15 sind oder 35, ob sie sich leisten könnten, die Musik auch zu kaufen oder ob sie einfach nur mal “reinhören” wollen ist erstmal egal. Ich z.B. gebe offen zu, gewisse Musik zu Filesharen. Wenn sie mir gefällt, kaufe ich sie auf Vinyl. Das ist, so sehe ich das, wie Ebooks runterladen und das Hardcover zuhause stehen zu haben. Die Musiker, die ich höre, nehmen ohnehin nicht an Klagewellen teil oder sprechen sich sogar offen dafür aus, Filesharing zu betreiben. Wie auch immer:
    Akzeptieren wir Filesharing als Faktum, müssen wir uns fragen, wie wir damit umgehen und da gibt es nicht viele Wege. Der eine ist der übertrieben harte: DRM-Infrastruktur aufbauen, Gesetze Verschärfen, Filesharer verfolgen. Ist nicht nur unangemessen sondern auch wenig Zielführend. Vergleiche gibt es von der Prohibition bis zum Verbot des Westfernsehens in der DDR.
    Legalisieren wir Filesharing komplett, ist davon auszugehen, dass niemand mehr vom Verkauf von Tonträgern leben kann. Kann man auch wollen, ist aber schade und wenig Föderlich für die Kulturlandschaft zumal längst nicht alle Musiker in der Lage sind, live zu spielen und man durchaus möchte, dass Menschen sich für ihre Kulturprodukte auch Zeit nehmen können, also bezahlt werden.
    Der dritte Weg wäre eine Kulturflatrate. Oder ein freiwilliges Modell a la Flattr. Sicherlich nicht der schönste Kompromiß, aber immerhin einer über den man reden kann.

  9. seb says:

    Ohne jetzt Sony zu sehr in Schutz nehmen zu wollen: An den Sperrungen ist die Nicht-Einigung über die Vergütung zwischen GEMA und youtube schuld. Die Sperrungen werden nicht von Sony veranlasst. Sagt zumindest Sony Deutschland.

  10. Martin says:

    Hallo Sascha Lobo,
    aber Du hast doch selbst schon mal ein Song runtergeladen, oder?

  11. Jupp says:

    Sorry wenn ich jetzt dein Weltbild zerstöre, aber wenn man Künstlern was gutes tun möchte, besucht man ihr Konzert. Von CDs kriegen die Künstler bei den Major-Labels einstellige Prozentbeträge.

  12. mspro says:

    Ach, wär das schön, wenn die Blumen im Park einfach sofort nachwachsen würden. Jeder könnte sie sich einfach nehmen und alles mögliche damit schmücken. Die ganze Welt wäre voller Blumen. Was für eine schöne Vision.

    PS: schöner Text, dennoch.

  13. thilo says:

    Ganz ehrlich, mir fehlt hier der Flattr-Button.

    Wäre jede Rechthaberrei wortgewandt wie diese, würde jede Eitelkeit stets so haarscharf zwischen Größenwahn, Großkotzigkeit und entwaffnender Selbstironie changieren wie Saschas, die Welt wäre ein schönere. Auch ohne sofort nachwachsende Blumen.

  14. slowtiger says:

    Stefan: ob du es nun “Geistiges Eigentum” oder irgendwie anders nennst, ist wumpe. Auf jeden Fall hat jeder Künstler in die Herstellung seines Werkes Lebenszeit investiert – das Ausmaß oder die Originalität der Idee muß man da gar nicht messen. Und diese Lebenszeit will er bezahlt bekommen – wie jeder andere Handwerker auch. Wenn ich 3 Jahre an einem Film arbeite oder 3 Wochen an einem Musikstück, muß ich in dieser Zeit essen und Miete zahlen. Und ich kann währenddessen nicht irgendeinen anderen Job machen, um das zu finanzieren.

    Das bestehende Urheber- oder genauer Nutzungsrecht muß reformiert werden, dringend. Vor allem sollen dabei die Künstler wieder einen angemessenen, also größeren Anteil vom Ertrag bekommen, nicht die Zwischenhändler. Ich möchte auch gern der GEMA auf die Finger treten, die für die große Masse der Künstler durchaus wenig einbringt.

  15. Manuel says:

    Schön für Dich, aber was für ein egozentrischer Kindergarten, auch wenn Du Recht hast. Blogger müssen im Umgang miteinander noch viel lernen.

  16. Ich denke, das ist psychologisch und systemimmanent richtig argumentiert. Langfristig ist aber die Frage, ob die prinzipielle “Kostenlosigkeit” des Kopierens im digitalen Zeitalter nicht tiefgreifendere Veränderungen der herkömmlichen ökonomischen Produktions- und Verwertungslogik notwendig macht als nur eine “Feinjustierung” des “normalen Kapitalismus”. Aber es stimmt, dahin wird man nicht kommen, indem man Verhalten, das letztlich bloß egoistisch ist, als irgendwie revolutionär umdefiniert.

  17. Stefan says:

    @slowtiger

    Deine Argumentation greift nicht. Niemand hat einen Anspruch auf Leistungsschutz, zumindest nicht in einer marktwirtschaftlichen Gesellschaft. Was du hier forderst ist ein Vergütungsanspruch auf eine bestimmte Art von Leistung an die Gesellschaft, ein bisschen Sozialismus. Warum aber diese, warum auf genau diese Art des “Geistigen Eigentums”? (diese Formulierung sollte man ablehnen, weil eine falsche Parallelität zu normalen Eigentum schafft)

    Wir können als Gesellschaft durchaus entscheiden, dass wir künstlerische Leistungen fördern wollen, genauso wie wir das mit dem Gesundheitssystem, Sportvereinen, Hilfsorganisationen etc pp tun. Weil wir glauben, dass es a) einen Gewinn für die Gesellschaft bedeutet und b) sich nicht marktwirtschaftlich refinanziert. Ob b) bei Musik & Film gegeben ist, stelle ich in Frage. Es scheint mir doch eher als dass sich viele hier nicht bewegen wollen (was ich verstehen kann weil es Aufwand bedeutet). Andererseits werden diejenigen die die neuen Instrumente des Netzes am Besten zu spielen verstehen, das neue Marktumfeld sicherlich anführen und zu den Gewinnern gehören.

    Die ganze Diskussion um Filesharing geht ja insgeheim davon aus, dass ein Produkt genau das *wert* ist, was die Grenzkosten sind. Die sind im Internet 0. Klar bekommen damit diejenigen, die ihr Geschäftsmodell auf “Geistigen Eigentum” aufbauen das kalte Grauen. Die logische Folgerung daraus sind Kontroll- und Überwachungsrechte gegenüber den Kunden wie DRM,3-Strikes & Internetzensur, was Sascha ja zu recht verurteilt. Richtig ist aber, dass der “Wert” und der “Preis” nicht immer unbedingt Hand in Hand gehen, oder besser gesagt das gar nicht möglich ist in einem Markt mit Monopolen (Urheberrecht&Patente).

    Ich glaube dass es möglich ist andere Geschäftsmodelle zu entwerfen, die nicht auf “geistigen Eigentum” basieren. Wie die Aussehen kann ich nicht sagen, ich bin kein Prophet. Es gibt aber schon eine Vielzahl an interessanten Beispielen. Einfach zu behaupten es geht nicht, wir brauchen geistiges Eigentum oder Kulturflatrate (die aber weiterhin eine Option bleibt, falls sich herausstellen sollte, dass unsere Kultur verarmt…) hat für mich die gleiche Dimension wie Zeitungen die ein Leistungsschutzrecht fordern oder Autobauer die Abwrackprämie.

  18. yak says:

    Daß die Musikindustrie ein abzuschaffendes Übel ist, ist nicht ernsthaft strittig.
    Ich warte auf eine Erfindung, die man “Bezahlkumpel” oder so nennen könnte, die würden Musikschaffende benutzen, um von P2Pbenutzern mal zwischendurch Geld transferiert zu kriegen. Wilder, illusorischer Plan. Würde aber bei unbedeutenden Indiebands wie “Radiohead” (sowas britisches Verschwurbeltes) vielleicht funktionieren.
    “Happy Birthday” Singen kostet de jure Geld, binomische Formeln auswendig kennen ist “Diebstahl geistigen Eigentums”. Gorny und Konsorten (kann sich noch jemand an Sonys Suizid/Abschied von jeglicher Gerechtigkeit durch XCP <—googlen erinnern?) sind durch, doof, wechmittat. Und wenn man sich nur ansatzweise mit der "GEMA" befasst, hat man schon nach erstaunlich wenigen gelesenen Zeilen diverser Elendsberichte aber sowas von die Fresse dick.
    Und: "ich respektiere die Haltung des Künstlers, der festlegen möchte, wie und zu welchen Bedingungen und Preisen die von ihm geschaffenen Werke verbreitet werden." geht schlichtweg nicht, denn nicht der Künstler, sondern die Industrie setzt die Regeln fest. Die enorm doofen Regeln.

  19. elzoido says:

    Solange ich nach wie vor mit geeigneten Tools MP3-Streams von Radiosendern automatisiert abspeichern, in Song-große Teile zerstückeln, diese dann benennen und taggen lassen kann und somit innerhalb kürzester Zeit sämtliche relevante und bekannte Popmusik der letzten x Jahrzehnte kostenlos auf der Festplatte habe…

    Solange ich nach wie vor auf Youtube mit einer kurzen Suche komplette aktuelle Alben (mit Alibi-Bildern als “Video”) finden, anhören und (wieder mit geeigneten Tools) runterladen und zu kostenlosen MP3s verwurschteln kann…

    …solange wird dieser Diskussion auch weiterhin recht herzlich egal sein, dass sie gerade geführt wird.

  20. Rubeus Schmidt says:

    Lieber Herr Lobo,
    was ist denn hier gerade passiert?

    Ich habe “geistiges Eigentum gestohlen”!?
    Ich habe ihren Artikel gelesen.

    Die Informationen wurden mit der Hilfe dieses kongenialen optischen Interfaces namens “Augen” in mein Gehirn kopiert.
    (Zugegeben eine analoge Kopie und keine dieser komfortablen verlustfreien digitalen Kopien, aber immerhin)

    Bin ich jetzt ein Dieb?
    Nein!
    Bin ich ein Dieb wenn ich den Artikel Wort für Wort auswendig lerne?
    Natürlich (sic) nicht!

    Warum nicht?
    Weil Informationen (Audio, Bilder (bewegt oder nicht), Text aka Schrift, …) nun mal kopierbar sind, das ist ein Naturgesetz!
    Das passiert fortwährend und andauernd (DNA, Zellteilung, usw.), und kann nicht verhindert werden.
    (Okay, ich kann mich aller meiner Sinne berauben, aber …)

    Man kann Gesetzte machen die das verbieten, muss man aber nicht.
    Denn diese sind/wären sinnlos. Ich kann dem Apfel auch nicht verbreiten vom Stamm zu fallen.

    Der Aufwand (digitale) Informationen zu kopieren ist endlich bei nahezu null angelangt.
    Alles was man an Informationen aus seinem Container namens “Gehirn” entlässt ist fortan frei, und potenziell unbegrenzt kopierbar (und wenn nur von Gehirn zu Gehirn).
    Es kann nicht wieder zurückgeholt, gelöscht, entfernt, … werden. Geht nicht.
    Wir alle spüren das (hoffentlich nicht) täglich am eigenen Leib wenn wir uns in diesem Internet “bewegen”.

    Weil das aber so einfach geworden ist, ist es für die die Musik, Lieder, Filme, … erschaffen schwieriger geworden damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
    So what! Das ist nun mal so. Technischer Fortschritt halt. Zu allen Zeiten hat eben das dazu geführt das es den einen einfacher gemacht wurde und andere es schwerer hatten.
    Wollten Wir (als Menschheit) das aufhalten, können wir uns gleich die nächste Keule nebst Höhle suchen und zu Fuß Kleintiere jagen.

    Ich denke was Sie bemängeln ist im eigentlichen Sinne nicht das da Musik ohne Einverständnis des Urhebers kopiert wird,
    sondern das dieser nicht dafür entlohnt wird wenn diese Musik auch konsumiert (aka angehört) wird.
    Für den Urheber macht es nicht den allergeringsten Unterschied ob die Musik kopiert wird oder nicht, null, nada, nix, völlig egal.

    “Ich glaube, dass es sich dabei sogar um die Mehrheit handelt, denn ich halte den Menschen in den meisten Fällen für ehrlich und gut (ja, jetzt nicht lachen).”
    Ja, da gehe ich auch mit. Selbst gebe ich zwar aus Prinzip nicht mehr als 10,- für eine CD aus aber ich kaufe nach wie vor welche (wenn’s sie denn zu kaufen gibt).
    Der Grund warum ich das tue hat sich übrigens gewandelt. Früher ™ habe ich sie gekauft weil ich keine andere Chance hatte an die Musik zu kommen (außer Kassettenkopie, schon klar).
    Heute ist das eher so das ich da dem Urheber(Text, Musik)/Interpreten was zurückgeben möchte.
    Da ist ein CD kauf eher die suboptimale Lösung, aber gut, besser als nix.
    Die Industrie sollte mit den Informationskopierern ihren Frieden schließen und sich sagen: “Ist halt so”.
    Die exorbitanten Gewinne der 60er bis 90er aus dem letzten Jahrhundert gibt’s nicht mehr. Schade, ist halt so.

    Und den Urhebern eine monetäre Zuwendung zu kommen zu lassen muss mir (im Netz) so einfach wie nur irgend möglich gemacht werden.
    Denn dann kann ich das mal eben mit einem klick erledigen. Und wenn das tausende, zehntausende, … machen.
    Und da kommen wir auch noch kurz zu dem Thema Flattr. Flattr macht genau das.
    - einfach und schnell (verglichen mit allen anderen Möglichkeiten)
    - Anonym (quasi Bargeld im Netz)
    - Kostenkontrolle

    Tja, Herr Lobo hätten Sie einen Flattr-Button …
    So kann ich nur “Danke für den Artikel” sagen.

    Mit freundlichem Gruß
    R. Schmidt

  21. Tharben says:

    Für den geduldigen Leser die Schilderung einer wahren Begebenheit:

    Vor zwei Tagen suchte ich ruhige, orchestrale Musik und stieß auf jamendo.com/de/artist/celestial.aeon.project Es ist exakt die Musik, die mir vorschwebte. Ich wollte dem Künstler persönlich ein paar Euro überweisen und las Folgendes:

    I’ve been overwhelmed by the response people have shown to the projects of mine. Many have asked if it is possible to offer donations via PayPal, and while I appreciate the thought, I have to decline – I hold the freedom of art and music in great value and as my life is currently economically stable and sustainable, I’m in no need for extra money. However, I believe that we live in a middle of truly extraordinary times and there are lots of intense changes going on in the world at the moment, and now more than ever healthy sense of responsibility and unselfishness is needed. So if you enjoy the soundscapes and are wondering, if there are some way you can lend me a helping hand and make the world a bit more balanced place, please make yourself acquainted with the following organizations and their work:

    Gefolgt von Links auf beispielsweise Amnesty International (siehe: mikseri.net/artists/?id=48147)

    Der zitierte Text steht für die Angst der Verlage, Plattenfirmen und Filmstudios. Die Konkurrenz durch Kulturgüter, die Menschen aus Spaß an der Freude sich untereinander schenken. Vernetzung (Internet) und Digitalisierung (1:1-Kopie) machen es möglich.

    Herr Lobo, in einer freiheitlichen, vernetzten und digitalen Gesellschaft können kommerzielle Nullen und Einsen nicht mit den geschenkten Nullen und Einsen konkurrieren. Das wissen die ausgedienten Werkmittler und das müssten Sie doch auch sehen. Diesen Aspekt beleuchten Sie allerdings, neben Ihrer geschmackvollen Polemik, gar nicht. Warum ist das so? Sie müssten es doch besser wissen.

  22. neuerLeser says:

    Sehr schöner Artikel! Jemand der sich traut und sich auch richtig Zeit nimmt, was detailliert durchzugehen.

    Und er macht deutlich (wenn auch teilweise indirekt), dass er wie jeder andere auch nich unfehlbar ist.

  23. Stefan says:

    Noch ein Wort zum “egoistischen Filesharer”:

    Zum Filesharen gehören immer mindestens Zwei: Einer der gibt, einer der nimmt. Der, der gibt, bekommt dafür im Regelfall keine Kompensation. Er handelt also ziemlich selbstlos. Andererseites könnte man dem Künstler aber Egoismus vorwerfen, wenn er aus reinem Eigennutz verbieten will, dass bestimmte Menschen seine Musik nicht hören dürfen.

    Die Logik den Filesharern “Egoismus” vorzuwerfen folgt dann doch eher insgeheim dem Homo oeconomicus: rationale Besitzmehrung zu den geringsten Kosten. Ein homo oeconomicus würde nicht auf ein Konzert gehen, denn die Lieder kennt er ja schon und das in besserer Qualität. Ein homo oeconomicus würde keine Fanartikel kaufen, weil diese keinen Vorteil zu normalen Kleidungsstücken bieten und schon garnicht würde ein homo oeconomicus einem Musiker einfach so Geld spenden. Ja, in einer Welt von homo oeconomicus bräuchte man Geistiges Eigentum und diejenigen die sich nicht dran halten wären wahlweise “Kriminelle”, “Raubkopierer” oder nun eben “Egoisten”.

    Aber vielleicht ist es ja garnicht so. Vielleicht sind wir keine homo oeconmici sondern homo socialis? Wenn das so ist, dann sollten wir auch unsere Welt entsprechend gestalten.

  24. Hanno says:

    @Dominic: “Und sich die Alben, die man evtl. kaufen möchte, anhören. Da konnte man sich hinsetzen und mit anderen Musikbegeisterten über die Neuerscheinungen reden.”

    Ich behaupte ja mal, dass Du die Vergangenheit verklärst.

    Meine beiden Kleinstadt-Musikläden in den 80ern waren ein kleines Kaufhaus ohne großartige Beratung und ein eher Geschäft, das zur Hälfte Schallplatten, zur Hälfte Fahrräder verkaufte. Der Besitzer war zwar nett, aber bestimmt 50 Jahre älter als ich und kannte nur E-Musik und Schlager.

    Bei beiden Läden konnte man in Alben reinhören, ja, aber das kann ich im Saturn und Mediamarkt heute ebenso. Und so sehr ich diese Elektromärkte verachte, zu meiner Überraschung sind die Angestellten bei “meinen” gut informiert, können einen beraten, wissen wo was im Regal liegt, kennen Perlen usw.

    Es ist nicht alles so schwarz/weiß.

  25. neuerLeser says:

    Hinzuzufügen wäre:
    Um Musik, die ein Mensch mit eigenem Geschmack gut findet, zu kriegen muss man oft schon einige Läden abklappern, oder sie sogar beim Interpreten selbst bestellen. Da bestell ich dann aber lieber gleich ein T-Shirt ö.ä., damit die nicht noch was von dem Geld an die Plattenfirma abdrücken müssen.
    Die Musiker denen ich es gönne gibt’s nicht bei Media Markt und auch nicht bei iTunes.
    Ja, ich bin überzeugter “Raubkopierer”!

    PS: Wer soo ein “Techniknarr” ist kann doch nicht allen Ernstes freiwillig iTunes benutzen?
    PPS: Auf welchem legalen Weg soll man überhaupt die benötigte Menge Geld zum Befüllen eines 120 GB iPod mit iTunes-Musik besorgen??

  26. yak says:

    @Tharben und Alle:
    Hoho, nun aber gemach! Wollen wir uns etwa dem Punkt nähern, daß durch einen Warhol’schen Kunstbegriff jetzt einfach mal Allem, was man so als mp3 darstellen kann, ungeschoren Kreativität und Erbauung attestiert wird? Daß bestimmte Songs einen nie verlassen? Dann die Denkrichtung: L’art pour l’art? Nur, weil ich kein Geld habe, darf ich trotzdem das frische Album von Kele enorm erbauend und “positivierend” finden? Und mir vornehmen, wenn mal Geld da ist, auch was zu kaufen? Kurzum:
    Kunstfreiheit, Freiheit des digitalen Vermehrens Schöner Dinge, unabhängig vom Kaka-Kapitalismus?
    Was für ein linksextremer Unsinn!
    (^^)v

  27. Frank says:

    Ich will gar nicht ins Detail gehen, hab nur laut genickt bei yak’s Einwand daß die Musikindustrie die Regeln aufstellt – den Verdacht hab ich nämlich auch. Ich verfolge das Thema nur am Rande, hab vielleicht was verpasst, aber eine Frage bzw. Anmerkung scheint mir wichtig: Warum äussern sich zu dieser ganzen Thematik nicht zu allererst die Musiker quer durch die Genres selbst?? Sie sind davon doch am meisten betroffen, oder nicht? Das wir Verbraucher uns erzählen, wie toll wir kopieren oder wie “ehrlich” wir kaufen ist doch eigentlich völlig an der Sache vorbei geredet – und Verbraucher Vertriebswege entwerfen lassen heisst für mich das Pferd von hinten aufzäumen.

  28. [...] weder die Musikindustrie noch der Autor, in seiner Replik auf Sascha Lobos schönen Eintrag hier. Aber er ist sich sicher, daß es durch diese geheimnisvollen Strukturen zukünftig [...]

  29. Schoschie says:

    Habe mir nicht alle Kommentare durchgelesen, aber hat jemand schon was zum besonderen Problem in Deutschland gesagt, nämlich mit der GEMA? Die es einem Musiker, wenn ich alles richtig begriffen habe, quasi unmöglich macht, seine Werke direkt selbst zu vermarkten? Und die eine solche Macht hat, dass z. B. ein Dienst wie spotify hierzulande nicht angeboten werden kann [mal unabhängig davon, ob spotify nun ein für Musiker faires/lukratives System darstellt]? Die ein staatlich toleriertes (gefordertes? gelenktes?) Monopol-Kontrollorgan darstellt, das herrschen und walten kann, wie es ihm gefällt? Das mal eben, offenbar aus reiner Gier, Vergütungskonditionen so massiv verändert, dass kleine Clubs und Bars mehr oder weniger dazu gezwungen werden, entweder gar keine Musik mehr zu spielen oder dies illegal zu tun?

    Die GEZ ist ja auch noch so eine deutsche Erfindung, Dinge besonders kompliziert zu machen.

    Germany, GEMA, GEZ.

  30. Dominic says:

    “Ich behaupte ja mal, dass Du die Vergangenheit verklärst.”

    Nein, ich schildere meine, Du hast halt Deine eigene, aber für Dich will ich ja auch nicht sprechen. Ich hatte super Plattenläden in der Nähe aber wenn ich heute mal was haben möchte was meinem Geschmack entspricht kann mir der Typ vom Saturn irgendwie nicht weiter helfen. Ist doch schön wenn es für Dich anders ist :)

  31. Z. says:

    Ein paar unsortierte Gedanken, nicht alle im direkten Zusammenhang mit diesem Artikel. Verzeihung für Abschwoferei.

    ——————————-

    Du sprichst über die Downloader, aber nicht über die Anbieter von Content in Filesharing-Netzen.

    Filesharing-Inhalte sind ein relativ wahrhaftiges Abbild unseres Kulturschaffens und unseres Kulturinteresses. Dieses Abbild ist korrekter als das, was zur Zeit der kommerzielle Markt erreicht.

    Weil die Filesharer nur Inhalte reinstellen, von denen sie der Überzeugung sind, dass sie geteilt werden sollten. Natürlich ist darunter auch Mainstream-Soße, sonst wäre es ja auch nicht der Mainstream. Aber man findet in Filesharing-Netzen dank Long Tail Prinzip zu jedem Spezialinteresse den passenden Inhalt (und ich meine damit jetzt nicht Pr0n, obwohl das natürlich auch dort gilt).

    Das ist toll. Und es gibt dafür keinen Platz wie die Filesharing-Netze. Wenn man sich für Surfmusik aus Uruguay, afrikanischen Jazz, verschollene Stummfilme oder 50er-Jahre-Samuraiflicks interessiert – es wird im Filesharing-Netz drin sein. Content, der von seinen “Eigentümern” schlecht gepflegt, unterdrückt oder vergessen wird, erscheint eben in Filesharing-Netzen.

    Von Star Wars gab es die unveränderte “Han shot First”-Fassung als illegalen Download, weil es den Leuten wichtig war, die Version ihrer Kindheit zu haben und nicht das 90er-Jahre-Effekt-Update. Fans haben liebevoll die alte Laserdisc digitalisiert, restauriert und für DVD codiert. Und das nicht, weil sie George Lucas schaden wollten.

    Ich habe einen außerhalb Japans nicht erhältlichen, absolut wunderbaren Anime-Klassiker per Fansub übersetzt und ins Netz gelegt. Ein Kumpel von mir hat in mühevoller Kleinarbeit mehrere Dutzend längst-out-of-print Jazzplatten digitalisiert, entknackt und hat sie dann geshared, weil er diese Musik liebt.

    Ist das soziales Verhalten oder asozial? Sind die Downloader asozial? Hätten Film und Musik lieber unbekannt bleiben bzw. in Vergessenheit geraten sollen?

    ——————————-

    So wie zuletzt eine verschollene Metropolis-Fassung in einem südamerikanischen Filmmuseum entdeckt wurde, wird man künftig verschollenes oder vergessenes Kulturgut als Backup im Filesharing-Netz wiederfinden. Und sich dann freuen, dass es nicht weg ist.

    ——————————-

    Natürlich hat ein professioneller Künstler ein Interesse daran, seinen Lebensunterhalt aus seinem Talent zu bestreiten. Aber wie gut bezahlt man ihn dann? Was ist die Metrik?

    Um ein extremes Beispiel heranzuziehen: Warum werden Menschen überhaupt noch Ballett-Tänzer oder Opern-Sänger? In diesem Bereich ist der “Markt” zusammengebrochen und überlebt nur dank staatlicher Subventionen auf Basis des gesellschaftlichen Konsens, dass dieses Kulturgut erhaltenswert ist. Theatern geht es ganz ähnlich.

    Warum also das Jammern der Popmusik-”Industrie” darüber, dass die Margen geringer werden? Wo ist ihr Sonderrecht gegenüber Ballett, Oper und Theater? Und wie schlimm wäre es, auch Popmusik zu subventionieren über eine staatliche Kulturflatrate?

    ——————————-

    Sascha, warum bietest Du Deinen Content in aller Regel kostenlos an?

    Natürlich wirst Du sagen, dass dies halt Deine freie Entscheidung war, so wie es eine freie Entscheidung der anderen ist, ihren Content nicht kostenlos anzubieten, die man halt respektieren sollte.

    Klar.

    Aber obwohl Du die Wahl hast, bietet Du Deinen Content überwiegend kostenlos im Netz an. Warum? Offensichtlich weil Du überzeugt bist, so den besseren Gegenwert zu kriegen.

    Wie kommt es dazu? Du bist doch (und das meine ich nicht als Vorwurf, sondern als Lob) ein klares Vorbild in Sachen Kopieren, Remix, “Kostenloskultur”.

    ——————————-

    Wie gesagt, unsortiert und nicht alles stringent. Musste es aber mal loswerden.

  32. Hanno says:

    @Schoschie

    Gema gibt es äquivalent überall auf der Welt.

    GEZ gibt es äquivalent mind. in UK.

  33. neuerLeser says:

    @Z. sehr schön!
    @yak Wer gleich alles als linkksextrem abstempelt, was ihm nicht gefällt, mit dem kann man ohnehin nicht diskutieren.

    Was mir noch einfiel: Ich verschenke Schallplatten an Freunde und meinen Vater, habe aber leider selbst keinen Plattenspieler – da hat man was in der Hand. Und neue DVDs kaufe/verschenke ich auch. Alben habe ich tatsächlich sehr wenige gekauft, aber die Alternative wäre nicht, die Musik zu kaufen, sondern sie garnicht zu haben – woher sollte ich den das Geld nehmen?

  34. Odyssee says:

    Zitat: “Inzwischen gibt es Musikdateien, die ich vor einigen Jahren gekauft habe und auf neuen Geräten nicht mehr abspielen kann, weil die maximale Zahl der Abspielgeräte erreicht ist.”

    Klingt nach iTunes.

    Tipp (falls ihn kein anderer Kommentator hier gegeben hat): Die Anzahl der Abspielgeräte (damit sind die Rechner, aber nie die iPods gemeint) kann in iTunes einmal pro Jahr auf Null zurückgesetzt werden, wenn man zuvor vergessen hat, nicht mehr verwendete Rechner in iTunes abzumelden.

    Schönen Abend noch!

  35. Alex says:

    Wie immer ein schöner Artikel. Aber um ein Beispiel des positiven Filesharens zu geben. Die Band Frei.Wild hatte in einem Newsletter dazu aufgerufen, deren aktuelle Single “Dieses Jahr holen wir uns den Pokal” auf CD zu brennen und mit zum Public Viewing zu nehmen, damit der DJ das vielleicht in der Halbzeit spielt. Die Idee fand ich persönlich super, gerade weil die Band noch relativ unbekannt ist und dabei wirklich etwas positives für die Band heraukommen kann.

  36. Jens Ferner says:

    Um mal eine Brücke zu bauen: Juristisch ist die Rede vom “Diebstahl” falsch. Aber umgangssprachlich dennoch vertretbar, denn für den Laien bedeutet Diebstahl, dass man sich etwas nimmt, was einem nicht gehört. Der Jurist weiß, dass es hier nur um “Sachen” gehen kann – und Rechte sind nun mal keine Sachen. Der Laie aber sieht nur das abstrakte “wegnehmen”. Und wer ohne entsprechende Erlaubnis Musik anbietet oder kopiert, der nimmt sich etwas, das ihm nicht zusteht, nämlich ein Verfügungsrecht, dass eine entsprechende Lizenz voraussetzt. Insofern mag man dem Laien vielleicht nicht so böse sein, wenn er vom Diebstahl spricht.

    Zum Filesharing erlaube ich mir abschliessende den Hinweis auf unsere Seite http://www.filesharing-abmahnung-mythen.de

  37. stationsarzt says:

    Ohne DRM Weiterverteilung, mit DRM Plattenverkäufe rückgängig. Da muss einem doch mal auffallen, das da etwas Grundlegenderes nicht richtig läuft.

    Das Problem ist, dass hier ein Wirtschaftszweig im Sterben liegt, wie schon viele vor ihm, und versucht noch mitzunehmen, was mitzunehmen ist.

    (Gewagte) Prognose: In ein paar Jahren gibt es keine Major-Labels mehr, weil die durch den Wegfall des Vertriebsgeschäft in der Größe und Unflexibilität nicht mehr überlebensfähig sind, sondern einen äußerst ausdifferenzierten Produktionsbereich und ein paar Direktvertriebsportale.

    Dennoch stimme ich zu, dass die Künstler nichts dafür können und man bis bessere Vertriebsmöglichkeiten sich etabliert haben, z.B. a la jamendo, last.fm, Direktdownload gg Spende beim Künstler o.Ä., sein Möglichstes tun, sie finanziell nicht hängen zu lassen und eben doch die CD kaufen sollte.

    Das wird seine Zeit dauern.

  38. [...] inhaltlich vor ungefähr 3 Jahren angesiedelten Oldschool Artikel zum mehr als ausgelutschten Thema Musikindustrie. Wer den Inhalt noch nicht kennt, lebt wohl unter einem Stein. Die Vorstellung, wie sich Sascha [...]

  39. Ulfi says:

    Ich sehe das Problem darin, das meine Freundin Blumen aus dem Blumenladen nicht mag. Ich würde verdammt viel Ärger bekommen, also muss ich welche pflücken gehen und irgendwie finde ich das auch schöner, als in nem Laden Blumen zu kaufen. Vielleicht sollte man beides kombinieren und Musik zum Pflücken anbieten. Denkt mal drüber nach.

  40. Nico says:

    mir ist der artikel zu lang, hat schon jemand eine zusammenfassung, idealerweise in 140 zeichen or less gepostet? danke.

  41. Maximilian says:

    @Stefan

    “Niemand hat einen Anspruch auf Leistungsschutz, zumindest nicht in einer marktwirtschaftlichen Gesellschaft.”

    Wie kommst du darauf? Willst du behaupten Marktwirtschaft und Urheberrecht seien nicht miteinander vereinbar? Das wäre Unsinn.

    “Wir können als Gesellschaft durchaus entscheiden, dass wir künstlerische Leistungen fördern wollen, genauso wie wir das mit dem Gesundheitssystem, Sportvereinen, Hilfsorganisationen etc pp tun.”

    Du vergleichst hier völlig unterschiedliche Dinge. Mit dem Gesundheitssystem wäre höchstens die Kulturflatrate zu vergleichen, aber auch hier gibt es ganz wesentliche Unterschiede.

    Dann sprichst du auch noch von “Film&Musik”. Urheberrecht erstreckt sich natürlich nicht nur darauf. Ohne Urheberrecht wäre es auch so gut wie unmöglich, mit Büchern Geld zu verdienen. In Folge dessen würden die allermeisten Autoren aufhören müssen zu schreiben. Denn in einem Buch steckt verdammt viel Arbeit. Sollen Autoren für lau arbeiten, nur weil dir das das Prinzip des geistigen Eigentums nicht gefällt? Niemand zwingt dich dazu, Geld für geistige Schöpfungen Anderer auszugeben. Aber in diesem Fall hast du auch kein Recht darauf, sie dir illegal zu beschaffen, also ohne dafür zu bezahlen.

    “Die ganze Diskussion um Filesharing geht ja insgeheim davon aus, dass ein Produkt genau das *wert* ist, was die Grenzkosten sind.”

    Hä? Wie kommst du denn darauf?

    “Richtig ist aber, dass der “Wert” und der “Preis” nicht immer unbedingt Hand in Hand gehen, oder besser gesagt das gar nicht möglich ist in einem Markt mit Monopolen”

    Nein. Der “Wert” eines Gutes ergibt sich aus dem Spannungsfeld dem, was der Anbieter haben möchte, und dem, was der Käufer zu zahlen bereit ist.

    “Ich glaube dass es möglich ist andere Geschäftsmodelle zu entwerfen, die nicht auf “geistigen Eigentum” basieren. Wie die Aussehen kann ich nicht sagen, ich bin kein Prophet.”

    So lange du keine Alternative zum Urheberrecht hast ist es heuchlerisch seine Abschaffung zu fordern.

  42. Musikindustriecist cool und polarisiert, genau wie jetzt die Hörer, sprich sharer.
    Alle stylen, nerdten, tauschen, machen, promoten, aber wirklich gut sind offizielle VÖs egal in welchem Format. Das Beispiel Lady Gaga zeigt deutlich, wie “wenig” man verkaufen muß, um überspitzt als unglaublicher Star dargestellt zu werden. Die Industrie ringt nach neuen Lichtern, die die 90er zu dem machten, was sie waren. Einer von ihnen ist verstorben, ein anderer fängt gerade erst an. Die Bühne zählt. Die Karten sind neu gemischt. Das Spiel beginnt von vorn.
    Let’s go !

  43. Stefan says:

    @Maximilian

    “Wie kommst du darauf? Willst du behaupten Marktwirtschaft und Urheberrecht seien nicht miteinander vereinbar? Das wäre Unsinn.”

    Genauso ist es. Urheberrecht und Patente sind Monopole und damit ein Fremdkörper in der Marktwirtschaft.

    Vermischt wird das ja gerne mit der Absicht, dass wir Kunst & Kultur fördern wollen. Ja dann sollen wir das doch tun! Aber wer sagt denn, dass wir Leuten verbieten sollen, ganz natürliche Dinge zu machen (Dateien kopieren).

    Urheberrecht & Patente konnten sich in die Neuzeit halten, weil in der Vergangenheit diese immer an das Trägermedium geknüpft waren. Dieses zu kopieren war anfänglich schwer wurde aber immer einfacher.

    Es ist in Ordnung Unternehmen zu regulieren, damit hab ich kein Problem. Aber der Staat soll sich doch bitte zurückhalten, seinen Bürgern bestimmte völlig harmlose Handlungen zu verbieten, nur um eine bestimmte Industrie zu fördern.

    Ach und die Behauptung es könnte ohne Urheberrecht keiner mehr Geld verdienen mit Büchern ist doch auch ziemlich kleingeistig. Geht ja insgeheim wiedermal davon aus, dass es nur homo oeconomici gibt deren einziges Ziel es ist die Informationen die im Buch enthalten sind zu erlangen. Dabei sind es doch gerade die Bücher-freaks, die besonders gerne besonders viel Geld für Bücher ausgeben. Obwohl man sich die Bücher bestimmt auch ausleihen könnte. Warum sollte sich das ändern?

    Die Angst vor den Filesharern beruht doch mE sehr auf einer Zukunftsangst, was ich verstehen kann, denn es wird sich einiges ändern. Aber das kann kein Grund sein bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse einzufrieren.

  44. Ein Mensch says:

    @Jens Ferner: Die Frage ist doch eher, woher kommt dieses “Verfügungsrecht”, das man hier angeblich nimmt. Wenn ein Bildhauer ein Werk schafft und verkauft, dann ist es weg. Da hat er kein Verfügungsrecht. Er kann auch kaum vorschreiben, dass sein Werk nicht öffentlich ausgestellt werden darf, oder dass sein Werk nur zusammen mit anderen Werken in einem bestimmten Kontext stehen darf (“Album”).

    Man muss sich fragen, warum es im Immaterialgüterrecht so viel mehr Rechte für den Künstler gibt (bzw. so viel weniger Rechte für den Käufer) als im klassischen dinglichen Recht, und ob diese vielleicht ehemals sinnvollen Festlegungen heute noch Bestand haben sollen.

  45. j4n says:

    15jährige haben monatlich einen festen, kleinen Geld-Betrag zur Verfügung.

    Wenn Musikindustrie, Spieleindustrie und andere Contentanbieter wie Jamba daran partizipieren wollen, macht es keinen Sinn die Schuld bei den 15jährigen zu suchen. Der 15jährige hat den kleinen Geldbetrag X und kann auch nur diesen ausgeben.
    Wenn man also für die Dienstleistung Distribution Geld haben möchte, sollte man den potentiellen Zahler nicht bedrohen, kriminalisieren oder gar aus dem Netzsperren.

    Es kann in meinen Augen nur einen Schuldigen geben: Die Industrie.

    Denn diese 15jährigen werden in 3 Jahren auch Wähler und ich bezweifle, dass 2 Dekaden der Verfolgung von Jugendlichen ohne negative Auswirkung auf die Verfolger bleiben wird.
    Die Piratenpartei ist ein erstes sanftes Anzeichen für diese grundsätzliche politische Ausrichtung in der Bevölkerung.

  46. [...] Die bescheuerte Musikindustrie und die egoistischen Filesharer [...] – natürlich ist nicht die gesamte Musikindustrie bescheuert und grauenhaft. Sondern nur von mir geschätzte 90%, anders gesprochen: die Major Labels und angrenzende Unternehmen samt Lobbyverbänden. Ein wenig muss ich ausholen und nutze die Gelegenheit zu einem eitlen Bekenntnis: eigentlich bin ich der Traumkunde der Musikindustrie. Ich loade nicht illegal down, ich share nicht file, ich respektiere die Haltung des Künstlers, der festlegen möchte, wie und zu welchen Bedingungen und Preisen die von ihm geschaffenen Werke verbreitet werden. Und trotzdem hat sich in mir ein Hass aufgestaut, der noch nicht einmal mit der Generalunterstellung zu tun hat, jeder Kunde sei potenziell kriminell. Sondern ganz schlicht mit dem Zeitdiebstahl (huch, schon wieder immaterieller Diebstahl, verdammt), den die Musikindustrie an mir begeht. Dieser Beitrag wurde unter Internet, Link-Ecke abgelegt und mit comic, politik, wiki, wikileaks verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. ← Neues Design. [...]

  47. thorsten says:

    Zur letzten Zeile hätte mein Opa jetzt den Glashaus-Spruch rausgeholt.

  48. [...] Die bescheuerte Musikindustrie und die egoistischen Filesharer | saschalobo.com Wie man sich das eigene illegale Verhalten schönreden kann. Normalerweise ignoriere ich Sascha Lobo, aber in diesem Punkt hat er durchaus Recht. (tags: musikindustrie internet) [...]

  49. @UrbanP1rate says:

    Hallo Herr Lobo,

    ja, ich bin es. Der echte, der wahre urbane Pirat. Schau mal einer an. Der lang vermisste rhetorische Feinsinn und die sarkastische Frohnatur des Herrn Lobo sind noch nicht ganz verschwunden. Dieser Artikel war eine Freude zu lesen. Und ich meine das nicht, weil ich meinen Nick diverse Male wiederfinden durfte. Ich sehe auch ein, dass sie meinen Nick nur als Stellvertreter für die gesamte Piratenzunft herangezogen haben. Wie sonst sollte man ja aus der anonymen Masse der Filesharer auch einen adäquaten Couterpart zu Herrn Gorny herausholen? Macht nichts. Alles in Allem (Vorsicht, jetzt kommts) finde ich diesen Artikel gut und um Längen besser als alles, was so in den letzten Monaten auf diesem Blog publiziert wurde. Respekt und Ovationen.

    Allerdings, nur um meine Person noch kurz vom Stigma des Egoismus reinzuwasschen: Ich bezahle für Musik.

    Kurz etwas Zeit gelassen um diese Äußerung sacken zu lassen. Fertig?
    Gut. Aus den Gründen, die Sie in Ihrem Artikel nannten unterstütze ich mittlerweile nicht ein einziges Major Label mehr. (Ausnahmen bestätigen wahrscheinlich auch hier wieder die schlecht informierte Regel) Filme schaue ich mir im Kino an. (naja, meistens)

    So ist es, wie es immer ist, Extremismus liegt immer im Auge des Betrachters. ;)

    Schönen Tag noch.

    Ihr @UrbanP1rate

    P.S.: Sie laufen doch bei dem Wetter hoffentlich nicht in Ihrem bekannten schwarzen Anzug herum.

  50. Olsi says:

    Ich kaufe bei iTunes weils einfach Praktisch ist und mir das suchen in den Tauschbörsen viel zu mühselig ist. Bevor es iTunes gab, war es einfacher sich die Musik bei Napster zu besorgen, weil es einfacher war, als in den Laden zu gehen. Man weiß ja Musikindustrie hat geschlafen usw.. Ausserdem kaufe ich auch nicht bei den anderen Musikhändlern im Netz, wie Musicload, weils, wieder viel zu umständlich ist bis man da überhaupt zum kauf kommt. Danach habe ich die Dateien irgendwo auf meinem Rechner und muss die wieder selbstverwalten usw. usf. Bei iTunes, kaufen, verwaltet und aufn iPod. Alles so schön einfach. Und ich habe überhaupt keine Probleme mit dem rechte Kram. Wenn mein iTunes bei 5 Maschinen angelangt ist, setz ich es einfach zurück, aus die Maus. Und irgendwie läuft alles auf die Einfachheit hinaus.

  51. Sam Vimes says:

    hm,
    ich verstehe nicht so ganz, warum zwischen dem illegalen, weil vergütungsfreien Konsum von Musikstücken (fileshareing) und dem illegalen, weil vergütungsfreien (bzw. wegen Nicht-Einigung über die Vergütung) Konsum von Musikstücken mit Alibi-Bewegbildern (youtube) unterschieden wird!

    Werden die files bei youtube nicht auch unters Volk gebracht, quasi geshared? Und warum ist es ind einen Augen nicht verwerflich, die Bekanntheit eines Künstlers über youtube zu steigern?

    Ich habe einen gut gefüllten Plattenschrank (Originale, wohlgemerkt), weil ich etwas materielles in der Hand haben möchte, weiss aber auch, dass dieser anders aussehen würde, wenn ich nicht durch (Raub?-)Kopien aus meinem Umfeld oder durch das Internet (z.B. zur Zeit nicht GEMA-technisch vergütete youtube-Videos) illegal mit neuen Bands in Berührung gekommen wäre.

    Natürlich stecken wir in einer Sackgasse, wenn irgendwann niemand mehr für Musik bezahlt, die Schlussfolgerung, dass der vergütungsfreie Konsum keinerlei positive Effekte auf den Musikmarkt hat, ist aber meiner Meinung nach ein Trugschluss!

    Hier, in Hannover, gibt es eine große Anzahl von öffentlichen Blumenbeeten (ja, ich wähle ein kitschiges Schlussbild, absichtlich). Sie sind wunderschön, und ich bin sicher, dass man als Vandale beschimpft wird, wenn man ein paar Ableger oder Samen abrupft. Trotzdem sehen die allermeisten Menschen ein, dass das Leben bunter wird, wenn manche der Samen auf freien Flächen ausgesät und ein Teil der Ableger grossgezogen und gepflanzt werden. Ausser einer handvoll 50jähriger. Aber damit muss man leben. Kann man auch.

  52. sebastian says:

    Es gab weiter oben die Frage nach einem Musiker-Statement. Da will ich mich mal angesprochen fühlen:

    Meine Erfahrungen aus 7 Jahren Netaudio, in denen ich mehrere Releases, zu denen es auch jedesmal physische Tonträger gab, veröffentlicht habe, die immerhin kleinere 5-stellige Downloadzahlen erreicht haben, sind folgende: An einer Hand abzuzählende Donations, so gut wie keine CD-Verkäufe via Internet. CDs oder T-Shirts wurden ausschließlich im Freundeskreis bzw. nach Konzerten vereinzelt verkauft. und das, wonach ich davon ausgehen kann, daß vielleicht 30000 Menschen meinen Künstlernamen bereits vernommen haben, ein großer Teil davon meine Musik gehört hat, und bestimmt ein kleiner aber nicht unbedeutender Teil bis heute Gefallen an meinen Arbeiten findet.

    Ich schreibe das hier nicht aus Frust, ich betreibe das Musikmachen schließlich nicht aus wirtschaftlichen Interessen. Vielmehr will ich dieses persönliche Beispiel nennen, da ich hiermit meine These gestärkt sehe, daß grundsätzlich heutzutage eine mangelnde Wertschätzung von künstlerischem Schaffen vorherrscht und diese ihren Ausdruck unter anderem im vergütungsfreien Konsumieren findet. Das unauthorisierte Filesharing ist sicherlich eine Spielart davon, aber zum Beispiel auch die Tatsache, daß Konzerte von kleinen Bands sowohl aus der Sicht von Veranstaltern, als auch aus der Sicht von Besuchern vornehmlich kostenfrei zu sein haben. (“Die können froh sein, daß sie spielen dürfen bzw. das jemand kommt!”)

    Was für dreiste Formen das manchmal annehmen kann, macht auch die weiter oben geschilderte Sichtweise deutlich, daß dasjenige, was einer sich ausdenkt, allen zu gehören hat, nur weil es nicht greifbar und zudem leicht zu duplizieren ist. Wo kommen wir denn dahin? Denkt euch selber was aus! Dann wird die Welt noch bunter!

    Schuld ist natürlich nicht das Internet oder speziell das Filesharing. Der Umgang damit läßt meiner Ansicht nach zu wünschen übrig und das, was “sich gehört”, scheint immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Wenn mir eine künstlerische Arbeit zusagt, sie mir etwas gibt, habe ich etwas “wertvolles”, möglicherweise eine Inspiration oder ein Glücksgefühl erfahren, und somit etwas, für das ich mich erkenntlich zeigen und es in irgendeiner Form vergüten sollte. (Eine Hand wäscht die andere.)

    Zwar werden Dank des Internets die Möglichkeiten dafür immer vielseitiger und es ist sogar schon so weit, daß man oftmals den direkten Kontakt zum Künstler suchen kann, ohne irgendwelche Zwischenhändler bedienen zu müssen, Aber ich fürchte, daß es unserer Gesellschaft mehr und mehr an Anstand fehlt, solche Handlungen zu vollziehen.

    Aber vielleicht liegt dieser Werteverfall auch einfach nur daran, daß es vielzuviel Content gibt, man gar nicht mehr weiß, was man alles hören soll, die Festplatten voll sind mit unzähligen und maximal einmal gehörten Releases. Da kann man schließlich nicht mehr erwarten, daß man jedes einzelne Stück würdigt.

  53. stefano says:

    Stimme Sascha Lobo in fast allen Punkten zu. Was einfach fehlt ist ein “One-Stop-Musikportal” wo alle Stücke zu finden sind und einzeln zu kleinem Preis LEGAL und systemunabhängig zu erwerben sind. Die Micropayment Methode macht sich bezahlt, wenn die Menge stimmt. Auch für die Verleger. Warum kriegt die Musikindustrie das nicht hin?

  54. thuetel says:

    Ob ein Künstler sein Werk von einem grossen Musiklabel vertreiben lässt oder nicht, ist ja die Entscheidung des Künstlers. Wenn man als Konsument mit der Art, wie das Werk vertrieben wird nicht einverstanden ist, gibt einem das noch lange nicht das Recht, sich das Werk auf einem anderen Weg zu besorgen.
    Das Problem ist doch eher, dass die Musikindustrie dem Konsumenten suggeriert, dass er das Werk selbst kaufen würde. Der Konsument kauft jedoch nur eine Nutzungslizenz. Wenn ich eine CD kaufe, dann kann ich sie nach ein paar Monaten wieder verkaufen. Ich kann sie auch in allen CD Playern laufen lassen oder einem Freund schenken. Mit dem digitalen Musikstück kann und darf ich das nicht.
    Und die Nutzungsgebühr ist für meinen persönlichen Geschmack zu hoch. Deshalb kaufe ich digitale Musik nur in seltenen Fällen. Das Recht mir das Musikstück auf anderem Wege kostenlos zu besorgen, sehe ich dabei für mich jedoch nicht.

  55. Christian says:

    Sehr geil geschrieben.
    Über den Inhalt kann man natürlich dieser oder jener Meinung sein (hat man was im Kopf vllt auch nur dieser ;) ) aber davon abgesehen, einfach nur gut geschrieben.

  56. @Sebastian.

    Wow, das inspiriert mich.

    Wir sind zudem in einer neu kriminologischen Zeit; am Beispiel Musikindustrie wurde das digitale Zeitalter mit der Etablierung der CD, des CD-Masters in der Bevölkerung eingeläutet. Das hat sich gehört, wurde gehört !
    Das das Internet mehr Angriffsfläche für Straftaten bietet, ist klar. Das gilt im speziellen für die Industrie. Erst sind Modelle wie Napster illegal, dann wird’s tatsächlich ein normales Unternehmen. Das schliesst aber keine etwaigen kriminellen Vorgehensweisen aus.
    Sagen wir’s so, Konsument und Anbieter werden sich sehr ähnlich. Die Lrute wolleb neben ihren unbegrenzten Möglichkeiten im Web den Künstler auf der Bühne in echt erleben ! Teure Konzertkarten werden gerne gekauft. Andere schauen sich dann Teile des Mitschnitts auf Youtube an. Oder nutzen, wie angesprochen, eben iTunes um dort Aufnahmen zu erwerben. Aber selbst Apple’s Weste ist nicht ganz Weiß … Patentverstöße gehören zum Alltagsgeschäft. Da war was mit Nokias Wi-Fi Technik …

  57. Odyssee says:

    @Sebastian
    “…da ich hiermit meine These gestärkt sehe, daß grundsätzlich heutzutage eine mangelnde Wertschätzung von künstlerischem Schaffen vorherrscht und diese ihren Ausdruck unter anderem im vergütungsfreien Konsumieren findet.”
    Full ack. Ist auch meine These.

    “Denkt euch selber was aus! Dann wird die Welt noch bunter!”
    Dann sehen die mal wie viel Arbeit allein in einem Song, ganz zu schweigen von einem kompletten Album steckt. Deshalb bezahle ich für Musik.
    Und ja, die Welt würde bunter und die Musik ideenreicher und interessanter, denn George Massenburg hat in meinen Augen Recht, wenn er (sinngemäss) sagt, die Musikindustrie hat kein Problem wegen des Filesharings, sondern weil sie seit den Neunziger Jahren beschissene Musik produziert. Deshalb kaufe ich nicht mehr viel Musik.

    Danke für Deinen Kommentar, Sebastian :-)

  58. Wie erreiche ich denn eine Wertschätzung von Musik ? Wenn sie in irgendeiner Form wertvoll erscheint. Das erreicht am ehesten Apple. Über die Menge und das Angebot läßt sich natürlich streiten. Hinzu kommt leider das gefährliche Halbwissen vieler Leute, die ausschließlich schadenfroh der Industrie gegenüber stehen; da arbeiten Leute, die auch nur Ihren Job machen uns Musik lieben. Es gibt keinen großen, bösen Mr. Evil, der an allem Schuld ist.
    Nicht zu vergessen sind auch die Nullerjahre mit ihrem musikalischen Inhalt. Immerhin haben wir uns alle zehn Jahre bewegt, seit dem das große Jammern begann. Für alle der englischen Sprache mächtigen sei dieser Link an’s Herz gelegt: http://twitlink.de/?ktmamt

  59. Odyssee says:

    Eine Wertschätzung entsteht in mir selbst. Wenn mich ein Song berührt, mich zum Tanzen, abrocken und somit zur Gefühlsauslebung animiert, dann hat er gar einen unschätzbaren Wert für mich. Ein geiler Song ist ein Motor für mich, der mich antreibt. Und wenn das so ist, dann haben die Jungs und Mädels an den Instrumenten und der Mann am Mischpult einen verdammt guten Job gemacht und das sollte mir dann auch ein paar Euro wert sein. Leider finde ich im Mainstream sehr selten richtig tolle Musik. Vielleicht gehen viele Labels zu oft kein Risiko ein und produzieren so die immer selbe, bewährte Unterhaltung, und das könnte durchaus ein Grund sein, weshalb viele Leute das lieblose, aufgewärmte und altbekannte Gedudel nicht wertschätzen (können).

  60. Fenetre says:

    Ha ha ha wer zieht denn noch groß was aus dem Netz!
    Die Kids haben heute alles auf Handy und iPod und tauschen außerhalb vom Netz alles mögliche.

  61. wunold says:

    Fast jeder kann einen Track, Film oder Text zusammenschustern.
    Der Ausspruch “der brotlosen Kunst” ist den meisten geläufig. Einigen wir uns darauf, dass nur jene Musik produzieren werden die es um der Musikwillen tun die den Schaffungsprozess ebenso und mehr schätzen als das Ergebnis. Jene Text-, Film- und MusikKünstler bekommen lediglich den sozialen Fame und nur die wirklich Guten werden ihr Hobby zum Beruf machen können, aus diesem Fame auch Geld generieren können.

    In fileshare Foren und Gruppen wird mit sozialer Anerkennung bezahlt wie in allen Ecken des Netzes – und die veraltete Industrie hat sich zu beugen. Es ist nun mal so das bestimmte Produkte kein Geld mehr generieren.

    Ich stehe politisch so weit Links das ich mich über jeden Bereich freue, der nicht mehr an Kapital geknüpft ist.

  62. @Wunold

    wow, klasse Aussage.

    Dennoch muß irgendwie ein Qualitätsstandart gehalten werden. Diesen Anspruch haben meines Erachtens nach die Labels. Deshalb brauchen wir nach wie vor welche, als Gutfilter.
    Klar war die CD total erfolgreich, aber Erfolg blendet, macht blind. Es gab in den 90ern etliche Flops, nur hat die Masse der Verkaufserlöse sowie die überanspruchte Drittverwertung zu Verschleierung geführt. Ein Dilemma.

  63. stov says:

    Ein meines Erachtens nicht ganz unwichtiges Argument, das in der Debatte fehlt – welches sowohl für “den 15-jährigen” als auch für die “älter gewordenden” gleichermaßen zählt, ist – ich nenne es jetzt einfach mal so – ein gewisser Pragmatismus. Diesem liegt die Überlegung zugrunde, wie man die vorliegende Situation ohne diebestehende Infrastruktur lösen würde.

    Beispiel: Als ich jung war (so 15, vielleicht), habe ich mir im Jahr 1-2 Alben gekauft. Ich habe gewissenhaft abgewogen, welchen Künstler ich durch meinen Kauf unterstützen möchte. Mein Geld war mir für einen Haufen von CDs, den ich ein paar Jahre später wahrscheinlich nur noch sehr auszugsweise nutzen würde, einfach zu schade.

    Ein Großteil der Gleichgesinnten, denen heutzutage das gesamte digitale Rüstzeug des 21. Jahrhunderts zur Verfügung steht, werden wohl auch 1-2 Alben im Jahr kaufen (nur halt nicht mehr bei Media Markt, sondern bei Amazon). Sie hätten für keine anderen Künstler bezahlt – und tun es auch jetzt nicht.

    Zugegeben, das macht es moralisch nicht ungemein besser. Man kann nicht bei einem Theaterbudged von 2 Veranstaltungen pro Jahr sich plötzlich in 8 weitere im Jahr durch den Hintereingang reinschleichen und das moralisch völlig einwandfrei sehen. Die Frage ist allerdings: Entsteht dem Theater ein Schaden, wenn die freien, unbesetzten Sitze einer Vorstellung auch ohne Vergütung ausgefüllt werden, die sonst ohnehin leer geblieben wären?

    Ich habe persönlich keine befriedigende Antwort darauf, sehe es allerdings eher in Grautönen als im Diebstahl-Schwarz :)

  64. yak says:

    Reicht aber auch langsam mit den Beschimpfungen der Contentmafia als “Verbrecherorganisation” oder “F*tzen die NordKorea für ALLE wollen”.
    Letztendlich geht es um wunderschöne Musik und kollateral um Musiker, die Ihre Werke auch mal für umsonst ins Netz stellen.
    http://www.youtube.com/user/gorillaz

  65. Peter says:

    Ich empfehle zu dem Thema bzw überhaupt zu Copyright, übereifrigen Rechtebewahrern, Redefreiheit, Musikindustrie etc. das sehr gute Buch “Freedom of Expression” von Prof. Kembrew McLeod, dass es (ganz legal!) auch als pdf vom Autor selbst gibt:
    http://kembrew.com/documents/mcleod-freedomofexpression3.pdf

    Er geht darin auch auf Samplen, Filesharing u.ä. ein und hat eine etwas differenziertere Meinung dazu als oben beschrieben…

  66. Andreas says:

    @yak: Habe den Gorillaz Youtube Link direkt mal angesteuert und was sehe ich da? –> “Dieses Video enthält Content von EMI. Es ist in deinem Land nicht mehr verfügbar.”

    Aaaaaaarrrrrrrrgggggggggggghhhhhhhhhhhhh………………..

  67. yak says:

    @Andreas yup, das war die Rechtfertigung für das böse Schimpfwort mit Sternchen. Künstler gibt Kunst frei, will Reklame machen, hat aber dooferweise einen Vertrag mit einer Firma, die Netzzensur macht. Also: mit Tor und Flashgot (beides nette Plugins für Firefox) auf die Jagd, Halali!
    (^^)v

  68. Frank Kemper says:

    Die These von der unglaublich blöden Musikindustrie stimmt. Es kann ja schon mal sein, dass eine Branche den Schuss nicht hört. Aber zehn Jahre lang? Ich habe irgenwann in den Neunzigern mal von einem A&R-Experten (Artist & Repertoire) die Aussage gehört, dass man bei einem Hit den Konsumenten daztu bringen müsse, im Schnitt elf Mal Kontakt zu dem Musikstück zu haben (Zum Beispiel Heavy Rotation im Dudelfunk), dann läuft er wie ferngesteuert los und kauft die Platte. Und wie läuft das heute? Sagt einmal ein Radio-Moderator den Titel dessen an, was da gerade läuft? Von irgendwelchen technischen Möglichkeiten á la “Dieser Titel hat Ihnen gefallen? Klicken Sie hier, um ihn zu kaufen” mal ganz abgesehen. Wo bleiben die Hinweise in den Werbespots, dass man die Musik, die dort läuft, auch online beziehen kann? Ich möchte den Musik-Fuzzis wirklich nicht zu nahe treten, aber nach jahrzehntelanger Erfahrung mit Drogen sollten sie eigentlich wissen, wie man Leute anfixt. Seit der Jahrtausendwende, als Breitbandanschlüsse in Deutschland endlich zu Consumer-Preisen verfügbar waren und Online-Musikdownload praktikabel machten, hat es ewige Jahre gedauert, in denen die Musikindustrie zahlende Kunden noch unhöflicher behandelt hat als irgendein arroganter Türsteher vor einem Nobelclub. Das kann man sich aber nur leisten, wenn nicht zwei Ecken weiter ein anderer Club ist, der genauso gute Musik spielt und keinen Türsteher hat.

    Ich glaube nicht, dass die Musikindustrie dieses Probel mit den herkömmlichen Vertriebswegen noch in den Griff kriegt. Es gibt einfach unheimlich viele Leute, die immer eine kostenlose Variante bevorzugen, egal ob sie unkomfortabel, illegal oder werbeverseucht ist. Man sehe sich nur mal in seinem beruflichen Umfeld um, wie viele Unternehmen zum Beispiel die kostenlose Privat-Version des Virenscanners Avira im Büro einsetzen. Die Pläne von Netscape und Opera, für ihre Browser Geld zu verlangen, haben nicht funktioniert, weil es Gratis-Briwser gab. Die waren nicht unbedingt besser, aber sie waren für umme.

    Vielleicht ist eine mögliche Lösung ein werbefinanzierter Musikvertrieb. Lady Gaga zum beispiel stellt ihre Musikvideos kostenlos auf Youtube ein, hat damit einem enormen Erfog (mehr als 1 Mrd. Abrufe!!) und finanziert sich vermutlich durch das in den Clips enthaltene Product Placement. Für mich steht fest, dass die Musikindustrie eine Lösung noch nicht gefunden hat. Und wenn sie sich weiterhin so ungeschickt anstellen wie in den letzten Jahren, dann bezweifle ich auch, dass es ihnen jemals gelingen wird.

  69. BoleB says:

    “so als sei etwa die berechtigte Sorge um die Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten im digitalen Raum zu Forschungszwecken gleichzusetzen mit dem vermutlich zu Erbauungszwecken downgeloadeten Lied von Menowin Fröhlich, für das man aus schierem Egoismus keine 99 Cent ausgeben will”

    Und jetzt mal die dumme Frage: Wo ist der Unterschied? Das meine ich natürlich nicht qualitativ, sondern eher kategorial. Es geht bei beidem um imaterielle Leistungen, die aus den Köpfen von Leuten generiert werden (bei letzerem natürlich aus denen der Texter und Komponisten, aber auf diese zusätzliche Trennung sei nur hingewiesen und nicht drauf eingegangen).
    Also, wo genau ist der Unterschied im Erbringen (nicht im Ergebnis) von wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen? Ich sehe keinen. Nur wird ganz klar gesagt, das eine soll bitteschön zum Wohle der Allgemeinheit kostenlos zu haben sein, das andere nicht. Und deshalb wird für ersteres halt ein anderer Weg der Finanzierung gesucht, mehr oder minder erfolgreich….
    Ganz ehrlich: Das gute an der Debatte ist, dass vielleicht einigen bewusst wird, dass es hier nicht um die Anerkennung künstlerischer Leistung geht, die wird ja nicht bestritten, sondern eher durch die bösen egoistischen….ja, eines der ursprünglichen Original-Piraten-Argumente aus dem Flattr-Artikel bitte hier einfügen. Worum es geht, ist die Entlohnung, das Bezahlen, ohne dass der Künstler halt sein Brot nicht kaufen kann. Tausche Produkt kreativer Schöpfung gegen Papier bzw. Metallstücke die ich dann wieder gegen Brot oder wahlweise auch Produkte kreativer Schöpfung tauschen kann….und auf jeder Station geht ein bissl was verloren, bzw. wandert in dunkle Taschen.
    Sorry, aber es gibt kein richtiges Leben im Falschen….und ja, so einfach ist das….

  70. wunold says:

    sommerpause von neues? was fürn thema!
    haha unterhält man sich hier echt über probleme von virtuellen also immer kulturgütern?
    20% prozent der weltbevölkerung verbrauchen 80% prozent des täglich produzierten stromes
    wenn ihr in afrika, indien oder china nachts auf die straße geht ist es dunkel
    ihr nehmt den umgang mit der millijarden schweren luxusindustrie auf und vergesst den einen euro der einem kind an diesem tag gegen das verhungern hilft?
    mich macht diese ereiferung über diesen scheiß krank

  71. Charly20010 says:

    Interessanter Artikel und auch durchaus nachvollziehbar. Auch ich höre hin und wieder gerne Musik, doch der Kauf meiner letzten CD dürfte ungefähr acht Jahre zurückliegen. Die hatte ich auch am selben Tag wieder zurückgebracht, da Dank massivem Kopierschutz, selbst in meiner alten Grundig Stereoanlage, jeder Titel am Anfang einen Hüpfer tat, und sich die Titel auch nicht auf meinen Mp3-Player überspielen ließen, da die Software damit nicht klar kam, und es ja zudem auch verboten ist den Kopierschutz zu umgehen, welcher auf der Hülle aber lustigerweise gar nicht angegeben war. DVD’s kaufe ich hingegen des öfteren mal, da ich DVD’s sammle.

    Darüber hinaus war ich es natürlich auch einfach Leid, mit der Einführung des Euros, plötzlich CDs zu absolut utopischen Preisen zu kaufen, die teilweise echt jenseits von Gut und Böse waren (45,00 – 55,00 EUR waren leider eher die Regel, als die Ausnahme). Ebenfalls verdammt Leid war ich es, dass man mich zwang, beim CD-Kauf immer für ca. 90% der Titel mit zu bezahlen, die ich weder mochte, noch kaufen wollte.

    Der Grund für mein verlorengegangenes Kaufinteresse an Musik, sind nicht zuletzt die hypertrophen Preisvorstellungen der Contentindustrie, ihre miese, kundenfeindliche Vertiebspolitik und ihre rigorose Vorgehensweise gegen ihre eigene Klientel, inklusive ihrer verstärkten Einflussnahme auf unsere Politik (sei es durch Infiltrierung mit Lobbyisten, oder durch möglichen “Korruptionsversuche” – Parteigeschenke), jener Contentindustrie, die unter immer gehässigeren Drohgebärden, Beschimpfungen und Verleumdungen gegen ihre eigene Klientel in den Krieg zieht, um dabei pauschal möglichst alle Musikinteressierte und Konsumenten gleichermaßen kriminalisieren, verfolgen und verklagen zu können (die neue Haupteinnahmequelle), oder sie mit DRM- und Routkit-verseuchtem Content zu bestrafen, der sich dann im schlimmsten Fall sogar auf keinem Gerät mehr richtig abspielen lässt, oder nur noch fehlerhaft wiedergegeben werden kann.

    Die Summe der genannten Umstände führte letztendlich dazu, dass ich die Contentindustrie regelrecht hassen gelernt habe, und ihr schon allein aus dem Grund, unter gar keinen Umständen auch nur einen Cent meines sauer verdienten Geldes in den gierigen Rachen werfen möchte. Für mich haben die großen Labels inklusive Verwertungsgesellschaften wie GEMA und GEZ absolut keine Daseinsberechtigung. Das sind in meinen Augen nur noch überflüssige, überholte, blutsaugende, parasitäre Vereinigungen, die endlich reformiert, bzw. längst abgeschafft gehören. Gerade die großen Labels und die GEMA machen sich in meinen Augen zum Zuhälter der Kreativwirtschaft, also sprich der eigentlichen Urheber, die es meines Erachtens absolut nicht nötig hätten, sich von diesen monopolistischen, profitgailen Konzernen verprostituieren zu lassen, zumal praktisch eh 99% der Tantiemen, diesen Konzernen zufließen, statt den eigentlichen Urhebern.

    Somit wäre meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, um Leute wie mich wieder dazu zu bewegen, Musik zu kaufen und gleichzeitig Diejenigen für ihre Arbeit zu entlohnen, die es auch verdienen (nämlich die Künstler), dass man seinen Content zu moderaten Preisen und absolut DRM-, Wasserzeichen- und Routekitfrei-, über entsprechende Bezahlbuttons der jeweiligen Seiten zum Verkauf anbietet. Darunter müsste sich dann natürlich zudem auch noch eine ausführliche Erklärung (am besten im PDF-Format) finden, die dem Konsumenten garantiert, dass die Erlöse aus dem Verkauf direkt dem Künstler-, und somit garantiert nicht einem dieser mafiösen Vereinigungen zufließen.

    Mfg.

    Charly2010

  72. Bin kein wirklicher Blog-Leser und hier auf der Lobo Seite war ich auch noch nie. Kann nicht schlafen, weil’s die erste nüchterne Nacht ist nach einer fantastischen Tournee. Dort (durch und durch in der Industrie sozialisiert und auch dank ihr bestens honoriert) unterhält man sich seit Jahren (wenn man nicht gerad von seinem eigenen Zeug gehyped und deshalb wunschlos glücklich ist) über wenig Anderes. Es ist immer das Gleiche. Alle sind genervt. Alles ist scheiße. Keiner weiß ‘ne Antwort. Irgendwann sind dann alle wieder blau und man hofft, irgendwer wird’s schon richten. Ich kaufe bei Itunes und Amazon. Ich kenne NIEMANDEN, der jemals auf Musicload war. Ich bekomme gutes Geld von der Gema. Mein Verlag kann deshalb Vorschüsse zahlen. Ich hijack manchmal Musik bei Youtube und kotze über gesperrte Sony Videos. Egal wer die sperrt. Und auch egal welcher Gema-Horst sich mit welchem Youtube-Schergen gerad nicht einigen kann. Gesperrt ist gesperrt und am Ende ist der (potenzielle) Fan der Verlierer, weil’s nix zu glotzen gibt. Ich kaufe selten CD’s weil sie meist völlig überteuert sind. Ich bin jeden Tag zigmal mit meinem Handy auf den Online-Ausgaben der großen deutschen Tageszeitungen und Magazine – keine Abos, keine Spenden. Ich habe keine Terrabyte-Platten voll mit Musik, die ich mir via USB mit meinen Kollegen synchronisiere, während 50 Euro Alk und Chips auf’m Tisch stehen, um uns über den frischesten Film im Download-Ordner zu retten, während die Kids nebenan auf ihrer Party mit Youtube den DJ ersetzen. Ich habe selten so eine bedachte, überblickende und liebevolle Zusammenfassung der Situation gelesen wie gerade eben. K.

  73. Robert says:

    Ganz einfache Lösung,

    Starfbar nicht nicht das “nehmen” eines Kunstgegenstandes, sondern das “empfangen”. Ganz einfach, anstatt das stehlen von Musikstücken in Tuschbörsen oder das streamen von Kinofilmen unter Strafe zu stellen, stellt man einfach unter Stafe Inhalte zu empfangen für die man nicht bezahlt hat.
    Wie soll das gehn?
    Ganz einfach, jeder zieht jeden Morgen nach dem Aufstehen ein Backup seines Gedächtnisses auf Platte und schickt sie an “die Regierung” jeden Abenend vorm schlafengen, das selbe Spiel. Die schnellen Rechner bei Goog.. äh “der Regierung” werten dann Übernacht aus ob neue Inhalte im Hirn dazugekommen sind die zuvor nicht bezahlt wurden. (Dazu muss der User nur den FreischaltCode auf dem Bidlschirm betrachten, die schnellen Computer werden die Sigantur im Gedächtniss finden).

  74. RandyAndy says:

    Ich bin voll j4n’s Meinung. Aber ich sollte auch selber etwas beitragen. Ich möchte hier mal die Geschichte der Raubkopierer zitieren, anhand eines meiner Lieblingsblog:

    http://11k2.wordpress.com/2009/10/13/100-jahre-der-angst-technik-ist-diebstahl/

    Im Jahr 1906 warnte der bekannte US-amerikanische Komponist John Philip Sousa, die aufkommende Mechanisierung durch Grammophone und automatische Pianos würde die Amateurmusik zerstören. Also, das selber Singen. Weswegen dann die Musikverlage keine gedruckten Notenblätter mehr verkaufen könnten und die Komponisten verhungern müssten.

    Im Jahr 1972 veröffentlichte die Times die Warnung des kalifornischen Juraprofessors Melville Nimmer, wonach schon bald niemand mehr gedruckte Bücher kaufen würde, weil ja nun jeder nur noch den Photokopierer benutzen würde.

    Im Jahr 1982 sagte der MPAA-Manager Jack Valenti vor dem US-Kongress aus, der Videorecorder sei für den US-Filmroduzenten dasselbe wie der berüchtigte Serienkiller „the Boston strangler “ für die amerikanische Hausfrau, und dass seine Industrie deswegen ausbluten würde. Besonders schlimm an dieser Maschine: Man können leicht einen Film aufnehmen und die Werbeblöcke beim Anschauen überspringen, so dass niemand mehr für Werbung im TV bezahlen würde und damit das Ende des öffentlichen Fernsehens absehbar wäre.

    Im Jahr 1980 begann die British Phonographic Industry mit der Kampagne Home Taping Is Killing Music, um der bedrohung der Musikindustrie durch die Leerkassette zu begegnen.

    Im Jahr 1987 erschien der damalige RIAA Präsident Jason Berman vor dem US-Kongress und erklärte, DAT (Digital Audio Tape) stelle die grösste Bedrohung dar, der die US-Musikindustriejemals ausgesetzt gewesen sei. Fünf Jahre später erliess der Kongress den Audio Home Recording Act (AHRA), schrieb damit die Einführung des SCMS-Kopierschutzverfahrens vor und erhob gleichzeitig eine Pauschalabgabe auf Geräte und Bänder.

    Im Jahr 1998 strengte die RIAA Prozesse gegen die Firma Diamond Multimedia an, um den Verkauf ihres Rio MP3 Players zu unterbinden. Die damalige RIAA Chefin Hilary Rosen sagte: „Der Diamond Rio wurde dafür gebaut, den Aufbau einer legalen digitalen Distribution zu verhindern“. Die Klage hatte zunächst Erfolg, aber danach galten MP3-Player wieder als legal.

    Im Dezember 1999 reichte die RIAA Klage gegen die Firma Napster ein. Dieses Angebot stelle eine existenzielle Bedrohung für die Entwicklung eines legalen Online-Musikmarktes dar. Die legalen Angebote wie PressPlay und MusicNet waren allerdings so DRM-überladen und teuer, dass das US-Justizministerium im Jahr 2001 eine Untersuchung wegen Wettbewerbsbehinderung begann.

    Im Jahr 2002 beklagte sich der Jamie Kellner, CEO des TV-Senders Turner Broadcasting, in einem Interview über die digitalen Videorekorder und ihre Möglichkeiten, sehr einfach die Werbeblöcke zu überspringen: „Jedesmal, wenn Sie einen Werbeblock überspringen, stehlen Sie die Sendung“. Die Begründung für diese Ansicht lieferte schon Jack Valenti 1982, siehe oben.

    Im Jahr 2004 befürchtete Mitch Bainwol von der RIAA, digitales Radio würde der unkontrollierbaren Verbreitung von Musik Tür und Tor öffnen: Wenn es keine Schutzmassnahmen gibt, verhindert das zukünftige Investitionen in Musik“. Dieselbe Angst führte übrigens auch dazu, dass Kopierschutzeinrichtungen für HDTV vorgeschrieben wurden.

    Quelle: http://arstechnica.com/tech-policy/news/2009/10/100-years-of-big-content-fearing-technologyin-its-own-words.ars

    =======================

    M.M.n. wird hier wiederholt die Privatkopie angegriffen. Strafen haben in 104 Jahre nicht funktioniert, weil hier etwas zu einem Problem aufgeblasen wird, was kein Problem ist. Oder ist jemand der Meinung, Videorecorder sind böse?

  75. adrian oesch says:

    du hast, vor ein paar tagen über flattr folgendes geschrieben: “Aber schon das flattr-Prinzip – man kann nur geflattrt werden, wenn man selbst flattrt – deutet stark darauf hin, dass die Vielzahl der kleineren Blogs die wenigen, größeren bezahlen werden. Als Fan der Umverteilung von oben nach unten ist mir das nur mäßig sympathisch.”

    und hier schreibst du: “… weil ich sie für die Basis der Kultur als Beruf halte. Ich möchte, dass Musik (auch) von Profis gemacht wird. Der Künstler muss von seinem Werk Leben können…”

    ist nicht die umverteilung von den kleinen zu den grossen eine bedingung für professionelles kulturschaffen?

    und zweitens, wieso möchtest du das kultur von profis gemacht wird? wäre es nicht gesellschaftlich viel wertvoller, wenn alle ein bisschen kultur machten. ist nicht der prozess des schaffens viel ergiebiger und sinnvoller als der des konsumierens? kulturschaffen impliziert doch ein gegenseitiges konsumieren bereits? ist nicht heutzutage der graben zwischen der kulturellen “elite” und der bevölkerung viel zu gross? so gross, dass kultur als szene (blase) angesehen wird, anstatt eines teils des lebens aller leute?

  76. Sargo Darya says:

    Ich muss auch sagen, dass es mittlerweile relativ egal ist ob man ein Album kauft oder nicht, weil dass was der Künstler wenn er bei einem der Majorlabels unter Vertrag steht nicht mal reicht um sich bei einem Albumpreis von 20€ eine Schachtel Zigaretten zu kaufen. Unter anderem weil die Labels sogar für digitale Distribution der Medien VERPACKUNGSMATERIAL anrechnen.

    Richtige Fans tun ihren Bands was gutes, wenn sie auf deren Konzerte gehen und dort eventuell noch Merch kaufen. Ich hör mir meine Musik durch last.fm an oder schau was mir meine Freunde empfehlen, so bin ich damals auf Lacuna Coil gestoßen. Keine Alben von denen gekauft aber sofort als ichs wusste auf eins ihrer Konzerte gegangen und Merch gekauft was denen im Endeffekt mehr bringt als eine Schachtel Zigaretten.

  77. Marcel says:

    Hallo,
    ein sehr langer Text, aber definitiv nicht “tl;dr”. Du bringst meine Meinung auf den Punkt. Ich bin wirklich froh, dass ich nur wenige Bands/Interpreten höre und deren Alben alle bereits erworben habe. Wenn ich doch mal Abwechslung suche, höre ich Radio. Manchmal auch Internet-Radio. ;)

    Viele Grüße

  78. Scea says:

    Auf DRM habe ich mich bisher noch nicht eingelassen. Entweder kaufe ich mir eine CD (was eher daran liegt, dass ich meinem heimischen PC und der Datensicherung nicht traue und weil ich für mein Geld “etwas in der Hand haben” möchte) oder ich gehe zu jamendo.com – da kann ich mir ganz legal meine Musik downloaden, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen. Und wenn ich will, kann ich den jeweiligen Künstler mit einer Spende unterstützen. Vor allem aber kann man da mal richtig gute Musik abseits vom Mainstream entdecken.

  79. Scilly says:

    dann will ich’s mir mal schönreden:

    Ich fileshare hemmungslos und hatte nie ein problem damit, weil ich…

    1. alles was mir gefällt dann auch auf Vinyl kaufe (nicht gerade wenig)
    2. die konzerte besuche und da auch mal ein t-shirt erwerbe…

    …spätestens seit gut komprimierenden lossless-codecs kann ich mir kein nutzloseres medium als cds vorstellen…dummerweise habe ich von denen aber auch noch so 1000 stück herumstehen…

  80. Dirk says:

    Die Parabel von einem, der auszog, um Gutes unter den Menschen zu verteilen.

    Vor langer, langer Zeit lebte in einem Land namens Phantastistan ein Bauer, der hieß Bernd.
    Bauer Bernd hatte eine Apfelplantage. Die Früchte seines Landes waren so saftig und grün, dass ihm bei jedem Gang durch seine Plantage der Duft seiner Äpfel als dichte Wolke um die Nase wehte.
    Eines Tages kam es zu einem Wechsel im Königshaus von Phantastistan.
    Der neue König Egomanus III. hatte verfügt, dass alle seine Bürger fortan ihre Äpfel auch umsonst bekommen sollten, da Äpfel in seinem Lande ein freies Gut zu sein hätten, für das man nicht unbedingt zahlen müsse.
    Bauer Bernd war entsetzt!
    Wie sollte er den Dünger, das Wasser in Trockenzeiten, die Ernte, den Transport und alle anderen Kosten, die mit einer Apfelplantage zusammenhängen, fortan bezahlen?
    Er bat um eine Audienz beim König und trug seine Bedenken vor.
    „Mein Sohn“, sagte König Egomanus III. „Wenn sich herumspricht, wie gut deine Äpfel sind, dann werden bestimmt einige meiner Bürger auch für deine Äpfel zahlen. Hauptsache ist doch, dass jeder schmecken kann, wie gut deine Äpfel sind.“
    Bauer Bernd ging, aber ein ungutes Gefühl blieb in ihm zurück.

    Einige Jahre später musste Bauer Bernd seine Apfelplantage abgeben, da er sie nicht mehr führen konnte. Die laufenden Kosten waren im Vergleich zu seinen mickrigen Einnahmen einfach zu hoch geworden. Aber Bauer Bernd war ja ein Optimist. Und so beschloss er, einen Ratgeber über die Aufzucht und Pflege guter Äpfel zu schreiben. Leider hatte er weder Papier, noch Tinte noch Stift, um seine Erfahrungen niederzuschreiben und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.
    Also ging er in den nächsten Gemischtwarenhandel und schlug dem Besitzer folgendes Geschäft vor:
    Er solle ihm Papier, Tinte und Stift kostenlos zur Verfügung stellen, damit Bernd sein Buch schreiben könne. Im Gegenzug würde er in einem Vorwort den Lieferanten der Bäume, die Hersteller des Papiers, die Großhändler des Papiers, die Rohstofflieferanten für die Tinte, die Hersteller der Tinte, die Rohstoffhersteller für den Stift, den Hersteller des Stiftes und zuletzt auch den Gemischtwarenhändler, lobend erwähnen, die ja alle daran beteiligt wären, wenn er seine Erfahrung der Allgemeinheit zur freien Nutzung zur Verfügung stellen würde. Sobald genug Leser Bauer Bernds Fachbuch kennen würden, würden bestimmt genug davon auch etwas bezahlen, sodass er davon leben und den Gemischtwarenhändler an den Gewinnen beteiligen könnte.
    Der Gemischtwarenhändler erklärte sich einverstanden und aus Bernd dem Bauern wurde Bernd, der Sachbuchautor.
    Bernd wurde auch bekannt, als der Mann, der die Aufzucht und Pflege von preisgekrönten Äpfeln revolutioniert hatte.
    Aber Geld?
    Das blieb aus.
    Und Bernd bekam allmählich Hunger.
    Also ging Bernd zum Hersteller des Papiers für sein Buch und fragte, ob er dort arbeiten könne.
    „Sicher“, sagte der Papierhersteller. „Aber Lohn und Gehalt kann ich dir keines zahlen. Die Leute wollen mein Papier umsonst haben, da es ja Allgemeingut ist. Aber ich kann dir versprechen, dass ich dich als tollen Arbeiter erwähnen werde, der mein Papier hergestellt hat. Wenn genug Leute deinen Namen kennen, werden bestimmt einige anfangen mein Papier zu bezahlen, und dann bekommst du auch Lohn.“

    Die Jahre gingen ins Land und Bernd wurde immer dünner, seine Kleidung bestand nur auch Flicken. Er arbeitete hart, aber da kein Mensch mehr Papier bezahlen wollte, bekam er auch keinen Lohn und ernährte sich von den Früchten des Waldes, die er nach Feierabend erntete. Aber da er nicht der Einzige war, der Hunger litt, wurde die Suche nach Essbarem im Wald immer schlimmer.
    Schließlich hörte Bernd eines Tages das Gerücht, dass hinter den Grenzen von König Egomanus III. Reiches, ein Land gäbe, wo man für seine Mühen und seine Arbeit bezahlt werden würde.

    Bernd beschloss, dort sein Glück zu versuchen.
    An der Grenze zu diesem Land namens Realistan musste er sich in eine lange Schlange von Bürgern einreihen, die alle Phantastistan verlassen wollten.
    Und nach etlichen Kontrollen und Formularen wurde Bernd endlich ein Bürger Realistans.

    Heute ist Bernd sowohl Bauer als Autor von Fachbüchern.
    Er verdient mit beidem genug Geld, das er sogar eine Familie gründen konnte.
    Phantastistan ist inzwischen mangels Einwohnern von der Landkarte verschwunden.

    Ich bin der Letzte, der nach Realistan ausgewandert ist.
    Man kann auch sagen, ich habe am Hofe des Königs Egomanus III. die Kerzen ausgeblasen.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser kleine Bericht sich weit verbreitet.
    Einzig die Nennung meines Namens erwünsche ich mir.
    Kein Geld, keinen Gewinn.
    Der Ruhm alleine reicht mir.
    Geld verdiene ich nämlich jetzt auch.
    Hier, in Realistan, wo eine Leistung, egal ob materiell oder geistig, auch etwas wert ist, und das geflügelte Wort vom geilen Geiz als ein Schimpfwort der untersten Klasse gilt.

    Dirk

  81. Felicius12 says:

    Also ich bin jetzt zwar erst 14 und ich verzeihe ihnen das sie uns als unreif bezeichnet haben ;). Ich nehme einfach Raiosender auf (online), und tue amit ja jetzt mal nichts unrechtmäßiges, wenn mir jetzt ein Song gut gefällt lae ich mir ihn über Itunes. Außerdem sollte man nicht legale Methoden wie Simfy oder LastFM vergessen, also sehe ich zum jetzigen Zeitpu nkt überhaupptkeinen Grund mehrund würde die Musikindustrie über Vertriebskanäle wie itunes die Musik etwas billiger anbieten, würde ich diese auch mehr nutzen,ich werde aber ab jetzt auch ihren boikot angeht es ihnen gleichtun ausserdem sollte man bedenken was sie etwa so in einer 3sat neues Sendung sagten: “Nicht die Musiker vrdienen über en verkauf der Musik, sondern die Musikinustrie”.

    mfg

    Felix

  82. Dominik says:

    Bisher habe ich unbegründet einen Bogen um deine Artikel gemacht.
    Das wird sich in Zukunft ändern. Denn du hast hier sehr gut einen Standpunkt, den ich voll unterstützen kann, vertreten.

  83. Haha Egoistisch ?

    Ich habe über 1000 Torrents auf Piratebay hochgeladen. Ich habe nix daran verdient bin jedoch ein Risiko eingegangen. Ganz einfach weil ich alles Wissen der Welt frei zur Verfügung stellen will.

    Ja und ich will legal zahlen, hab mich mal bei Spotify angemeldet, wollte deren ihre Flat buchen. Darf ich aber nicht weil nicht in Deutschland verfügbar. Kaufdateien interessieren mich nich, ich will einfach Zugriff auf sehr viele Titel. Bei einer Streamingflat wäre das gewährleistet, sowas gibet aber in Deutschland nicht. Weder für Film noch für Musik.

    Kein Wunder das da die Torrents boomen, schafft die Industrie legale Zugriffsmöglichkeiten z.B. Flattarife dann hätten sie sehr schnell sehr viele Kunden. Legal zu nutzen ist schließlich viel einfacher als nächtelang den Torrent clienten laufen lassen zu müssen bis das File fertig ist.

    Bei Ebooks das selbe, hab ich Bock für ein Ebook das ich für die Uni brauche 40 Euro zu zahlen ? (Gleicher Preis wie Print version) und dann noch in einem Kopiergeschützten PDF Format das sich nicht durchsuchen lässt ? Wohl eher nicht. Also lad ich das bei Rapidshare runter, ist jedenfalls praktischer als jedesmal in die Unibibliothek zu rennen. Wenn es hier ne gescheite Ebook Flat für 10-20 Euro im Monat geben würde dann wäre ich sofort Kunde. (sowas gibts aber leider nicht).

    Es geht also nicht um den Preis sondern einfach um die Möglichkeit zu bekommen darauf zuzugreifen, “Acces” ist das Stichwort. Durch den Verkauf von Files lässt sich im 21 Jahrhundert kein Geld mehr verdienen, das ist eine ökonomische Zwangsläufigkeit. Mit möglichkeiten des Zugriffs schon. Rapidshare macht Milliardenumsätze, nicht durch den Verkauf einzelner Titel sondern wiel die Menschen auf eine riesige Menge von Daten zugriff haben. Warum kopiert den die Contentindustrie dieses Modell nicht einfach ?

    Dann würde sich die ganze Urheberrechtsproblematik im Internet schnell auflösen…

  84. hanfstein says:

    @yak: “… Daß die Musikindustrie ein abzuschaffendes Übel ist, ist nicht ernsthaft strittig.” Und was ist mit den Produzenten, die Musiker aufbauen, besser machen, antreiben und – ihnen Vorschüsse bezahlen, damit sie überhaupt Musik machen können?

    @Dirk: so sieht es aus.

    Fazit: Es gibt nur eine Lösung. Und die heißt DRM und Durchsetzung von DRM.

  85. [...] Lobo vs. Weiss zugegen, in der es um Filesharing ging. Die Debatte hatte eine Blogvorgeschichte und wer die gelesen hat, hat eigentlich nichts verpasst. Eher im [...]

  86. Gruno says:

    Was ich unheimlich finde: Diese dubiosen Gestalten wie van Gogh oder manche Komponisten, oder die Höhlenmaler der Steinzeit. Oder die Leute, die sich neue witzige Wörter ausdenken, die sich dann herumsprechen, oder neue Moden, Arten, was zu machen. Weil die, im Gegensatz zu vielen heutigen Künstlern und Musikern, sich dieser Schaschlobologik so völlig entziehen, und das einfach machen, oder gemacht haben, weil sie es wohl einfach wollten und gutfanden 8und sowas macht man ja für Publikum), und weil sie nicht hinterher die Hand aufhalten und Diebstahl sagen, und das Geld verdienen aber ganz andere, die CD- und Kunstkalender- und Mode- und Höhlenmalereibuchverkäufer, und die sagen alle das gleiche wie S.L. Finde ich kurios!

    Letztens saß ein wunderschön trällender Vogel auf dem Balkon. Gefiel mir sehr, das Geträller. Wir hatten keinen Vertrag, doch ich wollte ihm 50 Cent geben, damit er sich was schönes kaufen kann, aber er bekam Angst vor den 50 Cent und flog leider weg.

  87. (,,,)---=^.^=---(,,,) says:

    Wo kann ich denn den Film “Der Mann der alles wußte” saugen? Gibt’s da ein torrent? Kann man das ‘mal bitte hier verlinken…

  88. Mike says:

    Hallo zusammen!

    Bin erst heute auf diesen Blog gestossen und habe gerade auch Marcel Weiss’ Antwort darauf gelesen. In den Kommentaren wurde ausserdem nach aktiven Künstlern gefragt, weshalb ich mich schon fast dazu gezwungen fühlte, mein Statement hier abzugeben, zumal ich überhaupt nicht mit Sebastian und seinem Musiker-Statement einverstanden bin!

    Ich habe neben meinem Musikschaffen auf der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft studiert und meine Bachelorarbeit über den Musikverkauf im Internet geschrieben. Während den Recherchen zu meiner Arbeit bin ich über zahlreiche sehr repräsentative Studien gestolpert, welche allesamt besagen, dass der Niedergang der Content-Industrie, wenn überhaupt, nur ganz ganz wenig mit dem Aufkommen des Filesharings zu tun hat. Stattdessen hat die Branche insgesamt, und dazu zähle ich Künstler, Labels, Konzertveranstalter, Merch-Verkäufer usw. in den letzten Jahren massiv ihren Umsatz steigern können. Profitieren konnten dabei vor allem die Konzertveranstalter (auch OpenAirs) sowie die KÜNSTLER. Deren Einkommen hat sich in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt verdoppelt.

    Weshalb der Sebastian von seiner Musik nicht leben kann?
    Kurz vorneweg: Wir können von unserer Musik auch (noch) nicht leben. Aber wir gehen mit der Zeit und versuchen, durch Information und Marketinglehre (im Internet gibt es so gut wie alles) und reichliches Musizieren uns weiterzuentwickeln, damit wir es irgendwann vielleicht schaffen, von der Musik zu leben. Ich denke, die Musiker müssen einfach mal ihre Augen öffnen und merken, dass sie von der Musikindustrie jahrzehntelang nur “prostituiert” wurden und jetzt sogar noch mehr werden (man denke an die 360 Grad Verträge). Sie müssen sich, wie alle anderen Selbständig-Erwerbenden auch, halt auch mal betriebswirtschaftliche Gedanken darüber machen, wie sie ihren Lebensunterhalt finanzieren. Das Statement “ich bin Musiker und mache nur Musik” hat sich doch längst überholt. Ausserdem sind die Musiker, die wirklich so dachten, noch selten erfolgreich geworden…

    In meinen Studien bin ich auch auf einen anderen Sachverhalt gestossen, welchen mich zweifeln lässt, ob von Herr Lobo und diverser Kommentatoren hier alles richtig verstanden wurde: Die meisten Leute betreiben Filesharing, weil es einfach benutzerfreundlicher und angenehmer ist als die umständlicheren legalen Angebote. Man bedenke nur das bereits erwähnte Problem mit den Kreditkarten. Jugendliche haben nunmal KEINE Kreditkarte…
    Andere Faktoren sind auch:
    - unvollständiges Musikangebot, unterschiedliches Angebot in unterschiedlichen Ländern
    - Es wird einem überall nur derselbe Mainstream verkauft, es ist schwer, relativ unbekannte Musik zu finden
    - komplizierte Zahlverfahren mit zig Registrationen und Umständlichkeiten

    Und meist ist da auch noch immer vorhandener Ärger mit dem DRM. Überhaupt war dies wahrscheinlich der grösste Fehler der gesamten MI in der jüngeren Geschichte neben dem, dass man es irgendwie einfach nicht schafft, sich mal zu einigen (ausser bei den immer noch überhöhten Preisen für CDs)..

    In diesem Sinne: Ich werde weiter rocken und hoffe, ihr schaut mal vorbei!

    Gruss
    Mike

  89. [...] 30.09.2012 14:53 Die großen Labels der Musikindustrie klagen häufig darüber, dass ihre Einnahmen zu gering sind und bremsen innovative Geschäftsmodelle aus, indem sie immer höhere Forderungen stellen, wie beispielsweise hier nachgelesen werden kann: http://www.n-tv.de/technik/Apple-arbeitet-an-Internetradio-article7353901.html In Anbetracht der Tatsache, dass man bei Amazon für ein dreiminütiges Lied etwa einen Euro bezahlt (und dafür weder einen Datenträger noch ein Cover oder gar ein Booklet erhält), kann ich die Klagen nicht nachvollziehen. Würde auch die Filmindustrie solche Minuten-preise verlangen, müsste der Kunde für einen 90-minütigen Film 30 Euro bezahlen, anstelle der heute üblichen 10 bis 15 oder manchmal 20  Euro. Bedenkt man, dass die Produktion von Musikstückstücken deutlich günstiger ist, als die Filmproduktion (es werden weder Kameras, noch Schauspieler oder Kulissen benötigt), dürften die Gewinne relativ hoch ausfallen. Basierend auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage kann man auch davon ausgehen, dass die Nachfrage relativ hoch ist, denn hohe Preise können nur bei hoher Nachfrage gehalten werden. Vorausgesetzt natürlich, die gemeinhin so gelobten Gesetze der angeblich freien Marktwirtschaft haben hier Gültigkeit. Am Hungertuch nagen die Vertreter der Major Labels offensichtlich nicht. Wieso also möchten sie immer höhere Einnahmen generieren und das sogar auf Kosten neuer Vertriebsstrukturen (was ja sogar kontraproduktiv sein dürfte)? Weiterführende Informationen: Die bescheuerte Musikindustrie und die egoistischen Filesharer [...]

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