Archive for July, 2010

Zur Loveparade in Duisburg

Ich habe nicht die geringste Ahnung, was im Detail wo und wie passiert ist. Ich sitze 500 Kilometer entfernt auf einem sehr weichen Stuhl und kann im Moment exakt nichts zu irgendetwas beitragen. Ich bin weder Augenzeuge noch Angehöriger noch potenziell Angehöriger oder irgendwie sonst persönlich involviert. Ich bin kein Experte oder auch nur ansatzweise Fachmann in irgendeinem Fachgebiet, das für die Katastrophe, ihr Zustandekommen oder die emotionale, technische oder juristische Aufarbeitung relevant ist. Ich verfüge über keinerlei Spezialwissen in Desasterforschung, Massenpanik, Katastrophenschutz, Katastrophenberichterstattung, Tunnelarchitektur, Großveranstaltungssicherung oder in ähnlichen oder angrenzenden Bereichen. Ich habe unendlich viele Fotos und Filme gesehen, Statements und Berichte gelesen und Kommentare von allen möglichen Beteiligten und Unbeteiligten und habe trotzdem weder eine Erklärung noch eine Deutung der Gesamtsituation. Ich weiss kein bisschen, wer Schuld trägt und wer nicht, oder ob überhaupt jemand besondere Schuld trägt. Ich kenne weder die Sicherheitsplanungen noch kann ich trotz des Unglücks fundiert einschätzen, ob sie wirklich versagt haben. Ich könnte niemanden für irgendetwas verurteilen, selbst wenn ich das wollte, was zumindest im Moment nicht der Fall ist.

Deshalb tue ich nichts weiter, als mein Mitgefühl auszudrücken und bin ansonsten zu diesem Thema still.

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Die bescheuerte Musikindustrie und die egoistischen Filesharer

Prolog
Anderntags schrieb ich einen Artikel über Flattr und habe dabei einen unverzeihlichen Fehler gemacht: ich habe in einem Nebensatz die widerliche, asoziale, egoistische Handlung des illegalen Downloadens von Musikstücken “Diebstahl” genannt. Das ist juristisch zumindest ungenau, auch diskutabel, eventuell träfe “Erschleichung” es besser, wer weiss das schon, ich jedenfalls nicht. Wesentlich besser wussten das jedoch zwei an sich vernünftige Menschen, nämlich Dirk von Gehlen und auch Marcel Weiss, die über ihren Kenntnisvorteil sogleich Artikel geschrieben haben, vom Tenor her ähnlich: Jehova, Jehova, immaterielle Güter kann man gar nicht stehlen, Kampfrhetorik! Wahrscheinlich ist es richtig, hier präziser auf das Wording zu achten, mein Fehler ist also klar ein Fehler – bezeichnend allerdings, dass Dirk von Gehlen in einem anderen Kontext kein Problem damit hat, immateriellen Werten das Wort Diebstahl anzuhängen, “Identitätsdiebstahl” in diesem Fall. Noch interessanter ist, dass Marcel Weiss (zumindest vor einiger Zeit) mit deutlich spürbarer Empörung von “Screenshots klauen” spricht – wenn er nämlich selbst irgendwie betroffen sein könnte. Jetzt, wo wir geklärt haben, dass bei allen Beteiligten die lebendige, verwendete Sprache zum Glück nicht der juristisch stets korrekten entspricht, ist es Zeit, mit tatsächlichen Argumenten abseits meiner neckisch-kleinlichen Revanche zum Hauptteil zu kommen, nämlich zu Pest und Cholera, oder um doch nochmal die juristisch korrekten Bezeichnungen zu wählen: zur Musikindustrie und den Filesharern.

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Warum ich nicht flattre

Das hier ist kein Rant. Denn Flattr erscheint mir als eine Möglichkeit, wie Blogs und blogähnliche Medien etwas Geld verdienen können, das ist zunächst nichts Schlechtes, sondern vom Effekt her etwas Gutes. Trotzdem möchte ich aufzeigen, weshalb ich mich gegen Flattr entschieden habe. Es folgen deshalb persönliche Gründe und nur eingeschränkt allgemeingültige Argumente.

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