Sixtus vs. Lobo: Der digitale Tod
Top Ten: Die zehn schmierigsten Originalzitate aus dem Artikel “Guttenberg, selbstleuchtend” (einer “Stilkritik” des Verteidigungsministers) vom stellvertrenden Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Kurt Kister:
Platz 10 – Noch ist Hoffnung, auf eine Art
Die Bundeswehr muss im November 2009 eigentlich eine glückliche Armee sein. Sie hat jetzt einen Minister, der früher selbst Unteroffizier war, und heute ganz eindeutig auch ein Dressman ist.
Platz 9 – Augenzwinkerndes Anbiedern
Er trug eine sehr schöne dunkle Jacke von Loro Piana, natürlich 100 Prozent Kaschmir, mit elfenbeinfarbenem Innenfutter.
Platz 8 – Mördermodenschau
Sein grauer Turtleneck, mutmaßlich ebenfalls Kaschmir, harmonierte farblich und sogar stilistisch mit der schwarzen Splitterschutzweste.
Platz 7 – Distanzlos ehrfurchtsschwanger
Die Hände hat er in die Hüften gestützt, das subalterne Offiziersvolk im Tarngewand umgibt ihn in einer distanzwahrenden, ehrfurchtsschwangeren Korona.
Platz 6 – Zartblaue Poesie am Kriegsgerät
Es gab ein sehr schönes Photo, auf dem Guttenberg mit zartblauer Krawatte in der leichten Dämmerung des Laderaums einer Transall steht.
Platz 5 – Tom Cruise für Arme
Schon am Donnerstag zeigte Guttenberg, dass man unter all den Flecktarn-Kriegern mit Wrap-around-Sonnenbrillen im einfachen dunkelblauen Anzug eine gute Figur machen kann.
Platz 4 – Die Seligsprechung
Natürlich ist es nur Licht, das von außen auf den Baron fällt, aber er sieht auf dem Foto trotzdem so aus, als leuchte er selbsttätig von innen.
Platz 3 – Die Heiligsprechung
Die Armee hat einen “cashmere dressed secretary that glows in the dark”, einen Kaschmir-Minister, der im Dunklen leuchtet.
Platz 2 – Zynismus ohne Zweifel
Kein Zweifel, dies ist der eleganteste Minister, der jemals Regionen besuchte, in denen es zu kriegsähnlichen Auseinandersetzungen kommt.
Platz 1 – Over the top of the pops
Kaschmirjacke, Freizeithose im Farbton desert tan und ein inneres Leuchten: Verteidigungsminister Guttenberg sieht auch am Hindukusch blendend aus.
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Nach mehrmaligem Lesen bekomme ich den auch von der Hoffnung auf die einst gemochte Süddeutsche Zeitung gespeisten Eindruck, dass Kurt Kister den Text durchaus als medienkritische Satire angelegt haben könnte (und bin inzwischen fast sicher – fast). Wenn das so sein sollte, ziehe ich meinen Hut, bzw. mache die entsprechende Geste für Menschen, die aus frisuralen Gründen hutavers aufgestellt sind. Besser könnte man die ekelerregende guttenbergsche Speichelleckerei, die einen Teil des deutschsprachigen Journalismus infiziert hat, nicht blossstellen. Allerdings erscheint mir nach dem Cover des Stern, “Der coole Baron“, praktisch keine journalistische Eindringtiefe in den Hintern von Guttenberg mehr ausgeschlossen.
Ich hatte ein kleines Problem, man hätte es sogar als Luxusproblem bezeichnen können. Ich wusste nicht so genau, wie ich mich der Zeitschrift GQ (Gentlemen’s Quarterly) gegenüber verhalten sollte. Auf der einen Seite fand ich Männerzeitschriften schon immer eher lächerlich. Menschen, die Themen wie “Chef-Sachen: Die zehn besten Sakkos für Gehaltsverhandlungen” ernst nehmen, kann ich wiederum kaum ernst nehmen. Jetzt aber hat mich die GQ-Redaktion in ihrer Novemberausgabe zum achtschlechtestangezogenen Mann Deutschlands bestimmt. Wie reagieren? Ignorieren? So mache ich es sonst oft, aber dazu finde ich das alles viel zu lustig. Beschreiben, weshalb ich einen sandfarbenen Anzug mit schwarzem Hemd so schlecht nicht finde? Ich habe viel zu wenig Ahnung von Mode, um alles ausser meiner Frisur über den modischen Zufall hinaus zur Absicht verklären zu können. Also habe ich mich einer stilkundigen Instanz anvertraut und dem Mode-Blog “The Closet” (unbedingt englisch aussprechen!) ein Interview zu diesem Thema gegeben.
Vor einigen Stunden habe ich auf Twitter das Mem #twitterlikeits1989 gestartet:
“Die DDR verliert gerade massiv Follower!” #twitterlikeits1989
“Krass – http://mauer.ddr ist down!” #twitterlikeits1989
Für Nichttwitterer und Auffassungsunbegabte das Hashtag-Mem rasch erklärt: So tun, als würde man im Jahr 1989 am Tag des Mauerfalls twittern. Hier ein unsortiertes Best Of, das ich im Laufe des Tages wohl erweitern werde:
blackhole makingof from arjanM on Vimeo.
Das neulich hier eingebundene, famose Klangvideo (siehe zwei Artikel weiter unten) von ArjanM fand offenbar soviele Freunde im Netz, dass er sich zu einem simplen, aber sehr interessanten Making Of-Video hat hinreissen lassen. Da unter dem Making Of ein neuer Song zu liegen scheint, handelt es sich unter Umständen um eine brandneue metamediale Erfindung, nämlich das Musikvideo-Making-Of-Musikvideo.
Kann das noch Zufall sein? Das Logo eines der testosteronsten Autos überhaupt, das Logo des Dodge Viper, sieht auf dem Kopf aus wie Daffy Duck. Ob das der Marke schaden könnte? Ich glaube schon, wenn dieser Zusammenhang sich nur lange und tief genug in die Verbraucherhirne einbrennt: ein Geschenk der Schadenfreude an die memverbreitende Industrie.