Freiheit statt Angst

Es ist dieses Gefühl der Ohnmacht, verbunden mit magenverkrampfender Wut. Momente, in denen man ganz leise und entfernt ahnt, wie es sein muss, in einem Willkürstaat zu leben, indem die Verfassung nicht die wichtigste Basis des Staats ist. In dem folgenden Video von der Demonstration “Freiheit statt Angst” am 12. September 2009 ist zu sehen, wie ein paar offensichtlich vollkommen harmlose Nerds von der Polizei gewalttätig angegangen werden. Moment – nicht von der Polizei. Sondern von einzelnen Polizisten. Eine wichtige Unterscheidung, denn in solchen Momenten kann man nicht intensiv genug betonen, dass und wie wichtig die Polizei ist. Aber eben auch, wieviel Schaden solche einzelnen Prügelpolizisten anrichten. Schaden, der weit über die Schläge hinausgeht, weil eine blutende, gebrochene Nase den Glauben an den Rechtsstaat schwer erschüttern kann. Und zwar genau dann, wenn dieses Verhalten der einzelnen, identifizierbaren Polizisten keine Folgen hat.

freiheit statt angst / freedom not fear – demo 12.09.2009 from Gerd Eist on Vimeo.

Aber – es gibt einen Vorteil. Es ist Wahlkampf. Dazu noch ein Wahlkampf, so actionreich wie ein in Zeitlupe umfallender Reissack oder eine Liveberichterstattung von der Kontinentaldrift. Und das heisst: wenn ein solches Video über Tage Thema ist im Netz, auf den Blogs, auf Twitter, in den Foren, in den angrenzenden Online-Medien, dann gibt es Konsequenzen. Also los, Internet, da haben Menschen für Dich und Deine Freiheit demonstriert und auf die Fresse bekommen. Jetzt zeig’ mal, was Du kannst.

[Update]
Irre, wie schnell das Internet ist. Es hat schon massiv reagiert, noch bevor ich den Artikel überhaupt veröffentlicht hatte.
[Update II]
Und die Polizei hat auch reagiert (mit einer Pressemitteilung) und die Aufnahme eines “Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt” angekündigt. Die darin enthaltene Wendung “einfache, körperliche Gewalt” wird fast sicher ein neues Mem, beim Tralafitti.
[Update III]
Ich möchte ausdrücklich die Reaktion von Polizeisprecher Frank Millert loben (hier auf N24). Man wird definitiv die weitere Entwicklung der Untersucungen abwarten müssen, aber ziemlich genau genau so stelle ich mir vor, wie mit solchen Verfehlungen umgegangen werden sollte: kein relativieren, Offenheit, Ernsthaftigkeit nach allen Seiten.

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