Interview mit Franziska Heine, Hauptpetentin der ePetition gegen Netzsperren

bundestag_nachts_by_rodrigoganlindezDie ePetition gegen die Netzsperren hat in den vergangenen 36 Stunden mehr als 20.000 Mitzeichner mobilisieren können. Ich habe an der Hauptpetentin Franziska Heine vier Fragen gestellt:

Warum hast Du die ePetition eröffnet?

Ich war am 17. April bei der Demonstration des CCC. Ich mag die Jungs und Mädels da sehr (wenn auch eher aus der Ferne) und bin froh, dass sie solche Dinge anregen, aber bei ihnen darf es nicht aufhören! Ich sehe sie als Beginn einer hoffentlich langen Kette, denn das, was da gerade passiert, betrifft uns alle!

Es geht nicht um merkwürde Nerds und Geeks, denen der Zugang zu ihrem Spielzeug verwehrt wird. Es werden Strukturen geschaffen, die dazu geeignet sind, elementarste Grundrechte zu beschneiden und das darf einfach nicht sein! Es darf nicht sein, dass Themen instrumentalisiert werden, aber das eigentliche Problem dabei unberührt bleibt.

In einer Gesellschaft, die einen immer größeren Teil ihrer Informationen aus dem Netz zieht, darf es keine Listen geben, von denen niemand weiß, welche Seiten darauf landen und warum sie darauf landen. Ganz normalen Menschen, die sich im Internet bewegen, darf nicht Angst und Bange werden, wenn sie über eine Seite mit Stoppschild stolpern.

Ich stehe zwar als Name hinter dieser Petition, aber sie ist ein Werk von vielen. Der Text ist in Zusammenarbeit mit zwei bezaubernden Damen aus der Twitterwelt entstanden (@zufall und @AF_Blog). Es ist nicht wichtig, wer den Stein ins Rollen gebracht hat – was wir jetzt alle gemeinsam daraus machen, darauf kommt es an!

Glaubst Du, dass das Erreichen von 50.000 Teilnehmern etwas ändern wird?

Ja! Unbedingt!

Du twitterst und blogst selbst – was hat aus Deiner Sicht eine solche ePetition mit Twitter / der Bloglandschaft zu tun?

Ich denke, sie kann ein wichtiges Werkzeug für uns sein, die etablierten Strukturen zu erreichen und unserer Stimme ein Gewicht zu geben. Auch darum ist es wichtig, damit durchzukommen. Gerade mit diesem Thema! Weil wir viele sind! Und weil wir immer mehr werden!

Im Grunde haben wir mehrere Möglichkeiten:
Wir machen mit den Dingen weiter wie bisher in unserer kleinen glücklichen Onlinewelt und warten ab – dann laufen wir Gefahr, dass es weiter geht wie bisher: dass nämlich Leute Entscheidungen über Dinge treffen, ohne sie zu kennen, die bestehenden Gräben [würden vertieft] und all das Gute, Schöne, Produktive, Kreative – all das, was diese Onlinewelt ausmacht, würde verschwinden.

Alternativ können wir versuchen, etwas zu ändern und zwar auf allen Kanälen, die uns zur Verfügung stehen. Dazu gehören auch Instrumente wie die ePetition. Mit dem Zensurvorhaben werden Angst und Unsicherheit geschürt, wo Aufklärung notwendig wäre! Niemand weiß das besser als all die wunderbaren Menschen, denen ich in Blogs, bei Twitter und an anderen Stellen im Netz begegnet bin. Darum haben Twitter und die Bloglandschaft sehr viel mit der ePetition zu tun.


Hast Du Gegenvorschläge für Frau von der Leyen zur Bekämpfung von
illegalen Inhalten im Netz?

Ich habe zumindest einen guten Rat für sie: Lesen Sie, was die vielen Menschen da draußen zu sagen haben! Schauen Sie in die Diskussion, die sich aus der ePetition heraus entwickelt hat, und lernen, verstehen und handeln Sie!

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