Lieber Harald Martenstein,
mir ist klar, dass eine Entgegnung auf eine Glosse ein bisschen ist wie ein Zwischenruf im Theater (“Nicht, Romeo, sie lebt doch noch!”). Trotzdem möchte ich ein paar Dinge zu dieser ZEIT-Glosse von Dir ergänzen, um vor allem der Missinterpretation durch Dritte vorzubeugen.
… Sascha Lobo. Er wird interviewt. Er sagt, dass wir alle demnächst wissen werden, wo unsere Freunde sich gerade aufhalten. Das läuft übers Handy, wir können pausenlos senden, empfangen und am Leben der anderen teilhaben. Er findet das toll.
Ja, ich finde das toll. Am Leben meiner Freunde teilzuhaben ist für mich die Definition von Sozialleben, durchaus auch auf digitalem Wege. Wichtig in Deinem Artikel scheint mir die Angst vor dem Wörtchen “pausenlos” zu sein – die aber unberechtigt ist, denn die Kontrolle darüber, was wann wie von mir selbst veröffentlicht wird, ist für diese neuen Kommunikationstechnologien ebenso essenziell wie die Kenntnisse, wie und wann man sie richtig benutzt. Es gibt Momente, da finde ich es toll, wenn meine Freunde wissen, wo ich bin. In den anderen schalte ich diese Funktion ebenso ab wie das Handy, wenn ich nicht angerufen werden möchte.
(Recherchebegabte Kulturpessimisten aufgemerkt: Ich würde gern wissen, ob bei der Erfindung des Telefons ein Raunen durch die Gesellschaft ging, das Gespräch von Angesicht zu Angesicht würde zerstört durch diese neuartige Technologie.)
Die folgende Passage aber ist der Hauptgrund dafür, dass ich diese Entgegnung geschrieben habe:
Mir ist aufgefallen, dass die finsteren Visionen von Romanen wie 1984 und Schöne neue Welt allmählich Wirklichkeit werden. Da herrscht auch permanente Beobachtung. Ich halte es für widersprüchlich, wenn man gegen Videokameras in Umkleidekabinen ist und gleichzeitig die totale Vernetzung als Fortschritt feiert.
Diese Argumentation ist in meinen Augen gefährlich. Sie spielt den Kräften in die Hände, die uns einreden wollen, dass technologischer Fortschritt einhergehen muss mit der Einschränkung bestimmter Bürgerrechte – anders ginge es einfach nicht. Das Gegenteil ist der Fall, die Vernetzung kann zum Beispiel über die Möglichkeit der anonymen Kommunikation (in meinen Augen ein Grundrecht im Internet) einen substanziellen Beitrag etwa gegen Überwachungsdiktaturen leisten. Diese Passage ist aber vor allem falsch, weil sie die selbstgesteuerte Vernetzung und das freiwillige Einstellen von Daten vergleicht mit Videokameras in Umkleidekabinen. Der Unterschied ist der gleiche wie zwischen “sich im Klo einschliessen” (toll, manchmal) und “im Klo eingeschlossen werden” (untoll, immer). Das Entscheidende ist die informationelle Selbstbestimmung, und zwar sowohl was die Veröffentlichung der eigenen Daten angeht wie auch deren Auswertung.
Rissschwenk auf’s Thema Twitter. Dieses Instrument wird gleichzeitig dramatisch unter- und überschätzt, lustigerweise oft von den gleichen Menschen. Twitter hat (von mir) geschätzt ungefähr 50.000 aktive Nutzer in Deutschland. Das ist deutlich weniger als die Hälfte der Zahl der deutschen verbandsaktiven Kanufahrer. Mit anderen Worten handelt es sich beim Microbloggen um ein Microphänomen. Aber um eines, das gerade den Wunsch der Medien nach hypebarem Material besser bedient als Kanufahren. Das wiederum hat wenig mit der (zukünftigen) Bedeutung von Twitter zu tun, aber viel mit den Mechaniken der Medienlandschaft, deren Teil Du ja auch bist. Die Bedeutung von Twitter ist im Moment auf hohem Niveau völlig egal. Das dahinterliegende Bedürfnis der Menschen nach digitaler Microkommunikation aber nicht. Immerhin entspringt ebendiesem Bedürfnis auch die SMS; glaubt man Medienberichten über Angela Merkel, dann werden wir auch per SMS regiert. Viel relevanter können Kurznachrichten vermutlich gar nicht werden. In Zukunft wird Twitter vermutlich sowohl im Bereich der Aufmerksamkeitslenkung wie auch in der spontanen Mobilisierung von Menschen eine grössere Rolle spielen können – unter anderem.
Dein Kommentar zur Belanglosigkeit von einzelnen Twitterbeiträgen entspricht ziemlich genau dem Vorgehen, in einem Zeitungsladen eine einzelne beliebige Zeitschrift aus dem Regal zu nehmen, sagen wir “Basteln heute”, dort auf Seite 56 nur eine grauenvoll designte Anzeige für eine Bob-Ross-DVD zu finden und fortan das Medium Zeitschrift als irrelevant abzutun. Wobei – darüber könnte man verhandeln.
Es gibt auch schon literarische Texte, die “Twitteratur” heißen.
Ja, das gibt es – ist die Welt nicht interessant? Kürzestliteratur finden wir mit Haiku ja sowieso schon in der Weltkultur verankert und noch kürzer bei Hemingway, dessen “Short Short Story” sechs Worte lang war: “For sale: Baby shoes, Never worn.” Das Twitteraturkritik-Blog twitkrit.de und ich haben im letzten Sommer eine Twitterlesung veranstaltet (Gaststar war damals Tilman Rammstedt) – und jetzt kommt das total Supere: wir machen wieder eine, und zwar am Donnerstag, den 2. April im Rahmen der Bloggerkonferenz re:publica. Dazu lade ich Dich herzlich ein; möglicherweise zeigt sich Dir der Charme des Microbloggings dann auch. Vielleicht hast Du ja sogar ein Interesse daran, die besten Twitterbeiträge selbst vorzulesen.
Anmerkung: Martensteins Glosse wurde vor dem Amoklauf von Winnenden geschrieben; ich habe mich deshalb bewusst entschlossen, die Entgegnung (die auch nur zeitnah sinnvoll ist) davon freizuhalten. Die notwendige Diskussion darüber findet an ausreichend vielen anderen Orten statt.
Beide Fotos von Gaga Nielsen











March 12th, 2009 at 17:04
Reading: Eine etwas längliche Entgegnung auf Harald Martenstein | saschalobo.com http://tinyurl.com/cumfmd
March 12th, 2009 at 17:09
Ist das angenehm, eine intelligenten und verständlichen Text zu einem vielschichtigen Thema zu lesen.
March 12th, 2009 at 17:33
Reading: “Eine etwas längliche Entgegnung auf Harald Martenstein | saschalobo.com” ( http://tinyurl.com/cumfmd )
March 12th, 2009 at 17:56
bravo, nur was hast du gegen bob ross? der man ist kult :-D
March 12th, 2009 at 18:33
—(Recherchebegabte Kulturpessimisten aufgemerkt: Ich würde gern wissen, ob bei der Erfindung des Telefons ein Raunen durch die Gesellschaft ging, das Gespräch von Angesicht zu Angesicht würde zerstört durch diese neuartige Technologie.)—:
aber klar doch, davon kann man ausgehen. Die Klagen gab es zum Buch, zum Telefon, zum Fernsehen, zu allen neuen Medientechniken eigenlich.
March 12th, 2009 at 19:11
Kompliment! Das ist, was ich einen guten Text nenne. Informativ (ja, sogar lehrreich) und ein wahres Vergnügen zu lesen!
March 12th, 2009 at 19:17
ad Erfindung des Telefons: Stimmt, die Geschichte wiederholt sich ja doch immer nur wieder! So warnten etwa mit dem Aufstieg der Massenpresse die Kulturpessimisten des 19. Jahrhunderts vor der “Zeitungssucht”…
March 12th, 2009 at 19:37
Die Möglichkeiten die Unternehmen und Regierungen mit Data Mining haben, passen nicht zum Recht auf informationelle Selbstbestimmung, auf das Du pochst.
March 12th, 2009 at 20:19
Ich mag Herrn Martenstein sehr, kann Dir aber bei Deiner Entgegnung nur zustimmen. Und schön geschrieben ist sie auch noch.
March 12th, 2009 at 21:22
[...] er hat eine hübsche Replik auf einen zwar ebenfalls schön geschriebenen, aber ein wenig bemüht klingenden Text von Harald [...]
March 12th, 2009 at 21:52
martenstein wäre nicht martenstein, wenn er nicht solche texte schreiben würde. dafür liebe ich ihn. deine anmerkung mit dem zwischenruf im theater ist da schon die richtige selbstkritik.
jeder hat da sein klientel. du das web 2.0 und martenstein die (zeit)magazinleser.
mir persönlich wäre das überzeugen der martenstein&co vom socialweb echt zu anstregend. es geht wie bei jedem medium und jeder generation um anerkennung.
das ist ein wenig langweilig.
March 12th, 2009 at 22:48
Ich lese gerne Martenstein aber gern auch solche Repliken. Das ist lehrreiche Streitkultur auf hohem Niveau und: Recht hast Du ;)
March 12th, 2009 at 22:53
Eigentlich wollte ich den Zeitartikel kommentieren, aber dazu muss man sich registrieren. Und Eins ist auf jeden Fall sinnlos, sich bei der Zeit zu registrieren (Und schon geht sie los meine Aufzählung).
1. Ohne Twitter nie von der Glosse gehört, in dem Sinne ist Twitter wirklich eine Gefahr!!
2. Find ich schon perfide sich als Moralapostel aufzutuen und zu erklären, man könne auf Katastrophen verzichten, wenn man selbst Agenturen bezahlt, damit diese einen schnellst möglich darüber informieren.
3. Alles viel zu kurz gegriffen. Man sollte Twitter mindestens ein Jahr probieren, bevor man ein Urteil wagt.
4. Twitter ist ein Werkzeug mit dem man umgehen *lernen* muß! Ist wie bei Email und viele die es nicht gelernt haben oder wollen, finden auch Email doof.
5. Sascha, Du solltest etwas gegen die Titel unternehmen, die man (oder vllt sogar) Dir gibst. Alle sehr klogriffig
6. Kleine Tastatur, mieses netbook!
March 12th, 2009 at 23:08
Zwischen der negativen Utopie des Romans “1984″ und dem sozialen Web heute gibt es einen fundamentalen grossen Unterschied:
In Orwells Roman überwacht eine ZENTRALE, der Staat, alle seine Bürger bis ins kleinste Detail, wäscht und manipuliert ihr Gehirn. Die Bürger haben sich dem untergeordnet und mucken nicht mehr auf. Nur einer, der Protagonist Smith, erkennt nach und nach die Wahrheit und rebelleirt.
Beim sozialen Web gibt es (noch) keine undurchsichtige und unkontrollierbare zentrale Instanz. Das soziale Web ist offen für jeden und ist selber praktisch unkontrollierbar. Eine zentrale Instanz hätte auch dort keine Chance. Die Mitglieder im Web, die Bürger, kontrollieren sich gegenseitig. Dadurch ist in meinen Augen eine gezielte Manipulation durch wen auch immer fast nicht möglich. Zudem sind die Bürger heute anders, aufgeklärter, als zu Zeiten als Orwell seinen Roman geschrieben hatte. Positiv formuliert.
Ungeachtet dessen, ist das Thema “zentrale staatliche Überwachung” natürlich von grosser aktueller Bedeutung. Aber nicht im Zusammenhang mit dem sozialen Web. Die haben andere Methoden und Mechanismen.
Zusammengefasst: “1984″ sei heute durch das soziale Web wahr geworden ist vollkommen absurd.
March 12th, 2009 at 23:10
Dort die Angst vor dem Neuen, hier die Interpretation dessen oder die Freude an den Neuerung. Den ethischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sonstwie-Rahmen könnt ihr mehr als gerne festlegen und ausdiskutieren.
Für Dich spricht die Tatsache, dass das revolutionäre Medium nun mal da und nicht aufzuhalten ist, was einige wohl nicht zu verstehen scheinen. Die Frage ist nur, ob man sich damit aufhalten soll? Die Veränderungen sind schon längst eingetreten, und diejenigen werden überleben, die sich damit arrangieren können bzw. mitgestalten.
Ob Harald Martenstein noch ein PKW-Kenzeichen nach altem Layout fährt?
March 12th, 2009 at 23:25
@h_rich
Keine Bange, es verhält sich – um im Bild zu bleiben – wie beim Theater. Die Anstrengungen werden höchst selten unternommen, um das Gegenüber auf der Bühne zu überzeugen. Und das Publikum dankt :-)
March 12th, 2009 at 23:39
Schön, dass man über das derzeit so omnipräsente Thema “Alte vs. Neue Medien” auch auf intelligente, amüsante Weise diskutieren kann. Kompliment an dich für diesen Text, aber auch an Martenstein – das war trotz der von dir vorzüglich entlarvten Argumentationslücken die bisher lesenswerteste Twitter-Schelte.
March 13th, 2009 at 00:44
Seitdem Martenstein vor einiger Zeit einen Text über Gender Mainstreaming publiziert hat, in dem er seine Position deutlich zum Ausdruck brachte, daß man zu bestimmten Themen keine Ahnung haben müsse und auch keine Recherche benötige außer dem Griff zur nächstbesten, billigen Position, lese ich seine Texte nicht mehr; ahnungslosen Schund gibt es ja in diesem Internet eh schon genug, da brauche ich den Print-Kolumnisten nicht.
March 13th, 2009 at 08:46
Es ist wichtig, dass gegen den Twitterhype gemahnt wird. Ich hoffe, die Twitter Fans haben jetzt nicht nur “Argumentationslücken” bei Martenstein entdeckt, sondern sich auch über die berechtigte Kritik einen Kopf gemacht. Datenschutz ist ein wichtiges Thema und bedingt, dass man sich überhaupt über den Wert der eigenen Daten bewusst wird. Wer aber mit Twitter, SchülerVZ & Co. aufwächst, kann dieses Bewusstsein vielleicht niemals entwickeln. Welche langfristigen Konsequenzen z.B. hinsichtlich Akzeptanz staatlicher Überwachung dies hat, ist heute von niemanden absehbar. Es kann also gut sein, dass alle Twitter Fans mit wehenden Fahnen voran das Demokratiegrab schaufeln.
March 13th, 2009 at 09:15
Eines muss man dem Kanuverband aber lassen, die rennen nicht mit messianischen Eifer durch die Gegend – bekleben ihre Autos nicht mit “Kanu is ja so geil” Aufklebern, unter dennen noch die “Ruderboote sind so geil” Aufkleber noch durchschimmern und rufen nicht die Revolution aus nur weil ein Bild schneller per Kanu als per Auto befördert wurde.
March 13th, 2009 at 09:44
@tweet4U Ich denke @saschalobo bringt es in seinem Blog auf den Punkt. Seine Stellungnahme zur Zeit-Glosse: http://tinyurl.com/cumfmd
March 13th, 2009 at 10:07
Microblogging ist toll. Twitter ist alt.
Um mal bei dem schönen Bild “im Klo eingeschlossen werden (untoll, immer)” zu bleiben: Technologisch gesehen wird man durch Twitter eingeschlossen, weil es keine offene und freie Lösung ist. Nicht zuletzt deswegen gibt es vernetzbare OpenSource Lösungen wie Laconica/identi.ca/bleeper.de, die versuchen ein Open MicroBlogging Protokoll zu verwirklichen.
March 13th, 2009 at 10:07
commented: Microblogging ist toll. Twitte… http://tinyurl.com/cumfmd
March 13th, 2009 at 10:46
@Jan(TM): Da wäre ich mir gar nicht so sicher, Sport- also wohl auch Kanuverein neigen doch stark zum Autoaufkleber. Wo ich dir allerdings recht gebe, wenn eine Breaking News hereintzwitschert, bin ich immer raus. Die Schnelligkeit von Twitter erinnert momentan doch noch ein wenig mehr an Sensationsgier, als an Berichterstattung. Vielleicht lohnt in solchen Situationen der differenzierte Blick, aber das muss man ja auch wieder alles selber machen.
March 13th, 2009 at 11:20
h_rich Says:
March 12th, 2009 at 21:52
“jeder hat da sein klientel. du das web 2.0 und martenstein die (zeit)magazinleser.”
Ich lese/höre Herrn Martenstein ausschließlich über sg. Web 2.0 (wann kommt endlich Web 2.3) Kanäle also Zeit audio & den rss feed der Zeit.
& Herr Lobo seh’/les’ ich ua. in so prä-Web-Medien wie TV & Buch.
Ich finde es gut, beide Seiten zu kennen – freu’ mich schon auf die Erwiderung von Martenstein …
March 13th, 2009 at 12:24
Ich bedanke mich für das frisch erworbene KnowHow über verbandsaktive Kanufahrer.
March 13th, 2009 at 13:36
Es ist doppelt doof, wenn man auf einem videoüberwachten Klo sitzt und die Tür nicht zusperren kann. Allerdings würden sich die Leute dann nicht so gehen lassen. Hmm jetzt wo ich’s mir überlege…das Internet ist eigentlich wie eine riesige Bedürfnisseinrichtung ohne Trennwände. Eher mit so kleinen DIN-A5-Blättern, mit denen sich die Leute verschiedene Körperteile bedecken. Gut dass es noch kein Geruchsinternet gibt.
March 13th, 2009 at 13:49
viel langweiliger, wenn auch richtig: S. Lobos Replik auf #Martenstein: http://snipr.com/dq9fk Bester Punkt: Twitter = Microphänomen
March 13th, 2009 at 13:58
Martensteins Kritik an Twitter halte ich vollkommen berechtig. Das Eilmeldungen twittern finde einfach wiederlich und darauf gehst Du leider nicht ein. Das die Medien das Medium Twitter aus diesem Grund hypen oder als Hype klassifizieren ist folglich logischerweise auch nicht verwunderlich. Ich hoffe doch sehr das Twitter niemals ernsthaft als informatives Medium wahrgenommen wird.
Natürlich ist Deine Replik korrekt, man sollte auch bedenken das Martenstein ein Kolumnist ist
March 13th, 2009 at 15:49
Da kämpft einer ganz offensichtlich gegen etwas, das längst gewonnen hat.
March 13th, 2009 at 17:23
Lupo Pape hat zum Kulturpessimismus ein nettes Statement abgegeben, der ja zu allen Zeiten grassierte. Zu den Untergangsthesen von Nicholas Carr sagte er: „Seine Prophezeiungen haben die Halbwertzeit einer Eintagsfliege. Seine Thesen über das Aussterben der IT-Abteilungen kann man getrost vergessen und seine kulturkritischen Kommentare über den Niedergang des Geistes in Zeiten der Google-Dominanz sind billiger Populismus. Das erinnert ein wenig an die Sirenengesänge von Johann Gottfried Hocke, der im 18. Jahrhundert die abenteuerliche Leselust der damaligen Zeit kritisierte. Sie verwildere den Geist anstatt ihn zu veredeln. Auch die Eröffnung von Kinos und Stummfilme, so kann man im Reichlichtspielgesetz von 1920 nachlesen, würden die öffentliche Ordnung, Sicherheit und Sitte gefährden. Das Radio sollte angeblich dazu beitragen, den Hörer zum Massenmensch zu degradieren. Die Internet-Analysen von Carr sind genauso närrisch“, sagt Pape. Das Internet der Zukunft werde nicht mehr als unspezifisches Empfehlungsmedium fungieren oder uns mit Informationen überrollen, sondern über virtuelle Assistenten Dinge erledigen, die uns von Alltagsproblemen befreit. Wissen werde dann maßgeschneidert zur Verfügung stehen, so der Ausblick des Sprachdialogexperten Pape. Nachzulesen unter: http://www.ne-na.de/A556D3/nena/nena_neu.nsf/0/85214088EB47F0A9C12574C9002B7746?OpenDocument
March 14th, 2009 at 11:31
@Der Erklaerer, gute Erklärung. Sehr schön :-)
March 14th, 2009 at 14:36
Reaktionen auf Martensteins Glosse von Sascho Lobo http://is.gd/n5vQ und Th. Knüwer http://is.gd/njza Und mehr: http://is.gd/nkl5
March 14th, 2009 at 16:47
1. Was ist ein Rissschwenk?
2. Twitteratur klingt gut. Könnte das einzig Interessante sein, was man mit twittern anstellen kann.
3. Zum Thema Twittern fehlt das Stichwort “Reizüberflutung”. Wer soll und will das denn alles lesen und wissen?
March 15th, 2009 at 15:08
[...] anfreunden. Muß ich mich allerdings nicht drum kümmern, in ihren Blogs haben Thomas Knüwer und Sascha Lobo schon getan. Aber Martenstein ist eben Martenstein. Und in einem Punkt muß ich ihm sogar recht [...]
March 16th, 2009 at 14:41
und die Antwort von Sascha Lobo: http://tinyurl.com/cumfmd
March 16th, 2009 at 15:02
Sascha Lobo Reaktion auf Twitter Glosse von H. Martenstein. Kulturkampf Runde 1 http://tinyurl.com/cumfmd
March 16th, 2009 at 15:50
RT @mkerres: und die Antwort von Sascha Lobo: http://tinyurl.com/cumfmd sollten auch “ängstliche” Senioren lesen! #hosikurse
March 16th, 2009 at 15:58
gegen @saschalobo, der auf Die Zeit antwortet: http://tinyurl.com/cumfmd – Twitter =! “mikrophänomen” weil: versuchslabor der web-kultur.
March 16th, 2009 at 16:07
da darf ich doch verweisen auf den brandneuen SZ-artikel zu Twitter, Winnenden und den revolutionären übergang von (tendenziell) zeitlosen gedruckten texten zu web-echtzeit-texten: http://is.gd/4sUR
und einspruch: die kleine zahl deutscher Twitterer ändert nichts an der relevanz, die intuitiv von der bürgerlichen presse eben durchaus richtig erkannt wird (neuerdings): Twitter ist deshalb wichtig, weil es tatsächlich as aktuelle versuchslabor der Web-kultur ist. experimente mit mikrotexten, mit zirkulation-statt-”veröffentlichung”. die zukunft, zweifellos.
The Web As Movement nannte das der Designer Matt Webb in diesem großartigen Vortrag:
http://schulzeandwebb.com/2008/movement/slides/
March 16th, 2009 at 16:09
Am besten gefällt mir der Vergleich mit den Kanufahrern: sachalobo’s Kommentar zu Harald Martenstein: http://tinyurl.com/cumfmd
March 16th, 2009 at 17:59
Nachvollziehbar argumentiert. Ein guter Text zum Thema Twitter. Danke.
March 16th, 2009 at 23:34
Sollten hier Kulturpessimisten anwesend, die in Sachen Telefon Recherchen anstellen mögen: “The Victorian Internet” von Tom Tomstage mal durchblättern. Ich sage nur so viel: Telegrafiefernhochzeiten! Na? http://tomstandage.wordpress.com/books/the-victorian-internet/
March 16th, 2009 at 23:34
Ja, der Mann heißt Tom Standage. Weeßick.
March 17th, 2009 at 11:30
hat eben festgestellt, dass sascha lobo gute texte schreibt. http://bit.ly/gf5YP
March 18th, 2009 at 14:16
Na dann mal los ihr ewigen Reichsbedenkenfräger der Nation! Was ist schon so ein Web 2,0 und dieses Twitterdingsda? Nicht dass da jemand auf die Idee kommt die Pferdebahn wieder einzuführen.Wenn es doch schon moderne Niederfurwagen gibt.
Da sind wohl einige Herren der schreibenden Zunft, mit der modernen Technik überfordert. Schlage vor! Man schenke dieser Riege, eine alte Erika- Schreibmaschine mit einem zwitschenden Vogel drauf. Der kann dann gekonnt, jeden Anschlag nach draußen pfeiffen.Von einem Vogel zum nächsten. Bis im Jahr 2020 eine einzelne Nachricht erstmal rum ist.
Das sind doch Aussichten – Gelle?
Grüße von meinem linken Fenster ganz schräg oben!
March 19th, 2009 at 18:14
[...] re:publica-Programm ist es bereits zu begutachten. Sascha Lobo erwähnte es bereits in seinem Blog. Und jetzt endlich haben auch wir es [...]
March 20th, 2009 at 04:27
“Vernetzung kann zum Beispiel über die Möglichkeit der anonymen Kommunikation (in meinen Augen ein Grundrecht im Internet) einen substanziellen Beitrag etwa gegen Überwachungsdiktaturen leisten.” Anonyme Kommunikation, ein Grundrecht. Im Internet. Holla. (Sachen, die man nicht sagen darf! U_Sterblich!)
Kann zum Beispiel einen substantiellen Beitrag etwa leisten.
Lobo und Martenstein sind so subversiv wie Hans-Gert Pöttering, das Wachregiment Dzierzynski, Claudia Roth. Überwachung ist nicht ihr Thema. Sie sind der singende, tanzende Abschaum der Welt.
March 20th, 2009 at 18:21
Wahnsinn – Twitterlesung 1.0…
Im Rahmen der re:publica 09 gibt sie es wieder. Die Twitterlesung ist zurück! Im Rahmen des diesjährigen Klassentreffens des Web 2.0 – wie die re:publica auch genannt wird – findet die Twitterlesung 1.0 – Die re:publica-…
March 21st, 2009 at 18:37
Nichts gegen Bob Ross. Der Mann ist ein Held.
March 25th, 2009 at 14:50
[...] in seiner Kolumne Angst vor der Twitteratur und Riesenmaschine-Blogger Sascha Lobo in seiner Entgegnung.
March 26th, 2009 at 23:08
[...] ansieht. Vermutlich twitterte Martin Lindner (ebenfalls am 16. März) deshalb auch kritisch zu Sascha Lobos Artikel, den er als Reaktion auf eine Kolumne Harald Martensteins in der Zeit geschrieben hat. Dort ernennt [...]
July 10th, 2009 at 19:39
[...] Im Programm der re:publica ‘09 ist es bereits zu begutachten. Sascha Lobo erwähnte es bereits in seinem Blog. [...]
September 24th, 2009 at 15:32
Lieber Lobo S., bitte keine Erwiderungen an Leute schreiben, die schreiben können. Herzlichst, Ihr Teddy Bär
December 13th, 2009 at 16:06
[...] Überwachungsgegners befinden sich auch die stärksten Fürsprecher von sozialen Netzwerken. Sascha Lobo erklärte den vermeintlichen Widerspruch mal damit, dass es einen Unterschied mache, ob man sich [...]
January 17th, 2010 at 19:10
Twitter und eine Diskussion darüber geht mir am Allerwertesten vorbei.
…aber Martenstein hat die bessere Frisur.