Jetzt ‘ne Zeitschrift

zeitschrift_leasingBisher stand ich der neuen Werbekampagne des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (“Jetzt ‘ne Zeitschrift“) eher skeptisch gegenüber. Zu platt werden angebliche Vorteile von Zeitschriften inszeniert, gleichzeitig tut die Werbekampagne der Düsseldorfer Agentur BBDO so, als gäbe es das Internet nicht – das mobile schon gar nicht. Zu Recht hat man sich erst heute morgen auf dem Fachblog off the record über die mauen Anzeigen beschwert. Zwei neue Motive allerdings drehen meine Wahrnehmung der Kampagne ins Positive – denn mit Witz und Selbstironie nähert man sich nun dem Thema Zeitschriften an, die Plattheit wird nicht ungeschickt gebrochen.

Ich mag an dieser Stelle ein wenig voreingenommen sein, denn trotz einer gewissen Entfremdung vom Papier schreibe ich ja auch eine Kolumne in der Printzeitschrift Tomorrow. Aber bestimmte Vorteile haben Papierzeitschriften auch objektiv gesehen zweifellos – und einen guten Teil davon stellen die beiden neuen Anzeigenmotive auf interessante Weise in den Mittelpunkt:

zeitschrift_rolle_lagerfeuer

Die Motive sind auf jeden Fall mutig – wenn auch etwas sperrig getextet. Und es ist in meinen Augen ein Schritt in die richtige Richtung, nämlich auch im Angesicht der Agonie der Faltmedien immer noch Humor zu beweisen, selbst wenn es sich um Galgenhumor handelt. Auch wenn die beiden Anzeigen nicht unbedingt die Crème der Kreativität darstellen und alles andere als preisverdächtig sein mögen – wie unangenehm beleidigt und realitätsfern würde die Kampagne ohne sie wirken? Leider scheint die dazugehörige Seite jetzt-ne-zeitschrift.de noch nicht auf dem neusten Stand zu sein, ansonsten wüsste ich schon, mit welcher E-Card ich diejenigen Freunde von mir aufmuntern würde, die bei Papierzeitschriften arbeiten.

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This Post Has 12 Comments

  1. Jan says:

    Mh… Das wollte ich schon immer mal schreiben: FAKE! Aber sowas von! ;-)

    Mal im Ernst: Wo kommen die beiden neuen Motive denn her? Ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass die Damen und Herren Zeitschriftenverleger tatsächlich soviel Selbstironie haben.

    Oder ist das der zaghafte Versuch einer viralen Kampagne? Wäre doch sehr ironisch, würden sie das Internet auf diese Weise nutzen, um auf ihr bedrucktes Papier aufmerksam zu machen.

  2. Marius says:

    Schön selbstironische Motive… Aber nach 25 Jahren bei den Pfadfindern muss ich Euch davor warnen, Zeitschriften zum Feuer machen ins Zeltlager mitzunehmen. Die brennen nicht vernünftig und verglimmen nur. Eine Zeitungsseite ist viel besser geeignet, Zeitschriften sind da für’n Arsch. Womit wir bei dem anderen Motiv wären…

  3. thjof says:

    Nach über 30 Jahren regelmäßigem Stuhlgang möchte ich Marius doch entschieden widersprechen. Son Hochglanzpapier putzt nicht vernünftig. Eine Zeitungsseite ist viel besser geeignet.

    Sollen die Motive also unterschwellig andeuten, dass in diesen Situationen eine Zeitschrift besser gelesen wird?

    Ach Quatsch: FAKE! FAKE! FAKE!

  4. aw says:

    Je billiger das Papier, desto saugfähiger, das erklärt die Beliebheit des Boulevard. Mit dem Playboy kann man sich einfach nicht wischen, und On-demand-bedruckte Kleenix mit dem neuesten Gadget-Blog-Gossip halte ich für eine Marktlücke angesichts der wachsenden Zahl der Handy-, MP3- und Notebook-Erotiker.

    Nein, jetzt mal ganz im Ernst: Ich finde das schönste an einer Tageszeitung, dass man sie zerknüllen und wegschmeissen kann. Solange eBooks das nicht bieten, können sie mir höchstens die Kimme küssen.

    Interessant wäre doch, wie die Kampagne aussähe, würde man sie für Blogs machen, die von Microblogs verdrängt werden.

  5. herbort says:

    kleiner fehler. der letze link zu jetzt-ne-zeitschrift.de/ will leider nicht, da im das www fehlt.

    ansonsten kann ich über die kampagne schon schmunzeln. aber auf teufel komm raus nicht mehr.

  6. Dr. Horror says:

    Jetzt ne Zeitschrift zum Verbrennen? Ah ja, sehr witzig, Herr Lobo. Aber treffend.

  7. Frikke Maier says:

    In meinen Augen ist die Kampagne ein Versuch dem gedruckten eine Berechtigung zu geben. Was soll denn hier die Kommunikative aussage sein?
    “Wir wissen, dass keine Mensch mehr Zeitungen ließt darum zeigen wir Dir was du noch damit machen kannst.” Ich frage einfach mal in die Runde: Sehe nur ich es so, dass diese Kampagne im Prinzip auch genau das Gegenteil in der Kommunikation verursachen kann? Werden die Printtitel hier nicht lächerlich gemacht?

  8. Europadruck says:

    Offensichtlich fühlen sich die ewigen Kritikaster zuerst berufen, die Anzeigenkampagne der Verleger “nieder zu machen”. Destruktiv allemal aber wenigstens dies immer schön konsequent.

    Es könnte nicht schaden, dem Verlagswesen auch einmal Anerkennung dafür zu zollen, dass es der scheinbaren Übermacht der neuen Medien mit einem gewissen Witz und offenbarer Selbstironie zu begegnen versucht. Dazu bedarf es, bei der bekannten Krise der Zeitungen, eines besonderen Formates und Mutes.

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